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Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08
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Autor:  Caro [ Montag 14. Januar 2008, 11:32 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

Tina hat geschrieben:
Genau, Julia! Dann fällt auch etwas von dem Glanz auf seine Mutter ab :wink:

Die Ehre und der Glanz beträfen alle Familienmitglieder. :) Deshalb wird auch in JAs Romanen so häufig vom "guten" Namen gesprochen, von den Verbindungen, die jemand hat. Deshalb war das "Fortkommen" auch so immens wichtig. Der Eine zog sozusagen die anderen mit nach ...
Deshalb fragte auch kaum ein Elternteil nach den Wünschen der Sprösslinge. Weder was deren Profession, noch was die möglichen Heiratskandidaten betraf. Man suchte allgemein nur die bestmögliche Partie, nicht die beste Partnerschaft.

Was mich hier allerdings wundert, ist die Tatsache, dass die Ferrars einen Kirchenweg nicht so erstrebenswert finden. Nicht umsonst war es für die Söhne reicher Grossgrundbesitzer und sogar des Adels durchaus erstrebenswert für das eigene Auskommen eine "Kirche" zu erhalten. In der englischen Geschichte gab es durchaus Kirchenmännermit viel Macht. Natürlich waren die Bischöfe in ganz anderen Schlüsselpositionen, aber dennoch war ein kirchlicher Beruf nicht ganz ohne Möglichkeiten. :gruebel:

Letztendlich war ja nicht sichergestellt, dass jemand der politische Ambitionen hatte, auch erfolgreich war; also setzten Mrs. Ferrars und Fanny hier den gewünschten Erfolg im Grunde genommen bereits als gegeben voraus, unabhängig davon ob Edward geeignet war, oder nicht. Das ist für mich ein weiteres Anzeichern für ihren überzogenen Stolz und ein fast unnatürliches Selbstbewusstsein. Schwäche und Misserfolg standen im Hause Ferrars wohl einfach nicht zur Debatte.

Autor:  Anzeige [ Montag 14. Januar 2008, 11:32 ]
Betreff des Beitrags: 


Autor:  Pixie [ Montag 14. Januar 2008, 12:37 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

War der "Kirchenweg" nicht immer den nachgeborenen Söhnen vorbehalten?

Autor:  Caro [ Montag 14. Januar 2008, 13:02 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

Ja und nein. Das kam ganz darauf an, wieviel Geld und Besitz eine Familie hatte. Es konnte ja sehr lange dauern bis der Erstgeborene an sein Erbe kam und wenn er eine eigene Familie gründen wollte kam es schon darauf an, wieviel "Taschengeld" seine Eltern ihm geben konnten, wie hoch also seine "Apanage" war. Grundsätzlich bedachte man schon die nachfolgenden Söhne mit Kirchenämtern oder kaufte ihnen Offizierspatente. Aber eben auch nicht ausschliesslich. Es kam gar nicht so selten vor, dass sich auch ein Erstgeborener erst einmal seine "Sporen" verdiente. Man wollte natürlich Ruhm und Ehre mehren und möglichst versuchen einen Titel zu erlangen (wie z.B. Sir Lucas oder Sir Middleton). Wäre doch blöd, wenn am Ende der zweite Sohn erfolgreicher wäre als der Erste. :D

Autor:  Inke [ Montag 14. Januar 2008, 13:14 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

Mrs. Dashwood und Marianne bekommen für mich im dritten Kapitel "Sympathiepunkte", nachdem ich sie zu Beginn etwas "überspannt" empfunden hatte.
"Es widersprach all ihren (Mrs. Dashwood) Grundsätzen, daß unterschiedliche Vermögensverhältnisse ein Paar trennen sollte, das sich durch Ähnlichkeit der Neigungen zueinander hingezogen fühlte;"
Mrs. Dashwood hat also scheinbar nicht undbedingt eine "gute Partie" für ihre Töchter im Auge, sondern möchte sie glücklich sehen.

Marianne ist zwar wieder "überspannt", als sie sich über Edwards Vortrag auslässt und doch ist sie immerhin in der Lage zu sehen, dass ihre Meinung nicht das Maß aller Dinge ist (was ich nämlich von ihr erwartet hätte):
" Aber wir müssen bedenken, daß die Neigungen der Menschen verschieden sind. Elinor fühlt nicht so wie ich, und deshalb mag sie vielleicht darüber hinwegsehen und glücklich mit ihm sein."
....oder sieht sie das eher als "Makel" an Elinor..... :gruebel:

Autor:  Tina [ Montag 14. Januar 2008, 13:29 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

Das glaube ich nicht. Marianne sieht schon, dass die Menschen unterschiedlich sind und nicht alles so sehen, wie sie es tut.

Autor:  flinders [ Montag 14. Januar 2008, 13:50 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

Tina hat geschrieben:
Das glaube ich nicht. Marianne sieht schon, dass die Menschen unterschiedlich sind und nicht alles so sehen, wie sie es tut.


Was aber noch nicht bedeutet, dass sie ihre Meinung nicht für die Wahre hält. Aber es stimmt schon. Sie kann nicht wirklich denken, vorallem in ihrem Alter, dass alle um sie herum sich auf dem Holzweg befinden. Ich glaube schon, dass sie die Sicht ihrer Schwester akzeptiert. Auch wenn sie die Dinge anders sieht.

Autor:  flinders [ Montag 14. Januar 2008, 13:59 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

Caro hat geschrieben:
Und Marianne zeigt sich hier einmal mehr ein wenig überspannt. Es würde ihr das Herzen brechen, würde ihr "Geliebter" mit so wenig Gefühl lesen oder rezitieren. Man merkt, dass sie (ähnlich wie Fanny in Geldfragen?) in den Dingen zur Übertreibung neigt, die ihr wichtig sind. Jede Unzulänglichkeit ihres Geliebten würde also zu gebrochenem Herzen führen? Meine Güte, da hätte sie den lieben langen Tag nichts anderes zu tun, als zu leiden, denn den perfekten, fehlerlosen Menschen wird sie nicht finden! JA zeigt hier bereits ganz deutlich auf welchem Weg Marianne ist.


Marianne hat eine sehr seltsame Sichtweise auf einen geeigneten Mann für sich von Jane Austen aufgebrummt bekommen. Er solle ihr in allem gleichen. Das läßt sie für mich leider etwas naiv oder sogar einfältig erscheinen. Woher hat sie das wohl? Sie ist natürllich sehr jung und völlig unerfahren, was Liebe und Männer angeht. Aber das trifft auf Elinor ebenfalls zu. Rührt also der Unterschied zwischen den beiden allein von der Unterschiedlichkeit des Charakters her?

Autor:  Pixie [ Montag 14. Januar 2008, 14:03 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

Ja, flinders, das denke ich schon. Sie sind einfach von Natur aus völlig verschieden. Und einfältig würde ich diesen Charakterzug Mariannes nicht nennen. Sie ist einfach hoffnungslos romantisch!

Autor:  Ulli [ Montag 14. Januar 2008, 14:33 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

Pixie hat geschrieben:
Und einfältig würde ich diesen Charakterzug Mariannes nicht nennen. Sie ist einfach hoffnungslos romantisch!


Was aufs Gleiche hinausläuft....

Für mich ist Marianne eine Kunstfigur Austens, worin diese mit der Zaunpfahlmethode ihre Sicht klarmacht: Lebe nur Dein Gefühl, dann kriegste Ärger, schalte Deinen Verstand ein und Du machst Dein Glück." Daß die eine Schwester soviel Vernunft haben darf und die andere ein starkes diesbezügliches Defizit, ist schon arg ungerecht.

Hätte ich nicht Kates Winslets sensibel und kluge Darstellung der Marianne immer wieder vor Augen, wäre mir Marianne ziemlich unsympathisch.

Und ich denke, daß Marianne Elinors scheinbar mangelnde Empfindsamkeit sehr wohl als Makel empfindet, auch wenn sie aus Zuneigung zu ihrer Schwester dies verbal abzuschwächen versucht. Sie sieht, daß man unterschiedlich empfinden kann, aber ebenso ist sie der Überzeugung, daß wer wahrhaft und tief liebt, dies ebenso wahrhaft laut zeigen muß.

Autor:  flinders [ Montag 14. Januar 2008, 14:36 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

Pixie hat geschrieben:
Ja, flinders, das denke ich schon. Sie sind einfach von Natur aus völlig verschieden. Und einfältig würde ich diesen Charakterzug Mariannes nicht nennen. Sie ist einfach hoffnungslos romantisch!


Pixie, findest du es wirklich romantisch, wenn du dir deine große Liebe so vorstellst, dass er all deine Interessen, deine Geschmack, deine Art der Begeisterung für Dinge teilt, in der gleichen Art und Weise wie du es tust. Wo ist dann die gegenseitige Befruchtung, Inspiration, die Freude über die Begeisterung deines Partners, wenn er erfolgreich sich einer seiner Leidenschaften widmet? Ich finde Mariannes Vorstellungen sehr auf sich selbst bezogen.

Autor:  Caro [ Montag 14. Januar 2008, 14:38 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

Ja, die Schwestern sind verschieden und reagieren auf das vorgelebte Verhalten der Mutter unterschiedlich. Das liegt in der Natur der Sache. Elinor zeigt das typische Verhalten eines Co-Kindes, auch wenn es hier nicht um Alkohol oder andere Drogen geht, vermeidet an sich die "schädlichen" Verhaltensweisen der Mutter und übernimmt als Tochter die Verantwortung der Mutter, die in dieser Konstellation das "Kind" ist. Elinor hat keine andere Wahl. Irgendeine der Dashwood-Frauen muss die Mutterrolle übernehmen, und da Mrs. Dashwood sich unfähig zeigt, Marianne in die gleiche Kerbe schlägt und Margret zu jung ist, bleibt Elinor nichts anderes übrig als vernünftig zu sein und die Familie zu "retten".

Marianne dagegen kopiert das Verhalten der Mutter, zeigt eine fast schädliche Ähnlichkeit. Meistens ist das ja so, dass man Elternteile oder andere Bezugspersonen entweder als Vorbild empfindet, oder bewusst ganz anders sein möchte und sich distanziert.

Autor:  flinders [ Montag 14. Januar 2008, 14:42 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

Ulli hat geschrieben:
Hätte ich nicht Kates Winslets sensibel und kluge Darstellung der Marianne immer wieder vor Augen, wäre mir Marianne ziemlich unsympathisch.


Solch einen Satz hier in diesem Forum zu schreiben hätte ich mir nie gewagt. Aber ich stimme zu. Ich habe den Film nicht gesehen. Aber viele Ausschnitte. Ich war ein wenig erstaunt darüber, wie sich die Film-Marianne von der, die ich im Buch kennen lernen durfte unterschied. Marianne ist mir nicht unbedingt unsympathisch aber nahe dran es zu sein.

Autor:  Pixie [ Montag 14. Januar 2008, 14:46 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

flinders hat geschrieben:
Pixie, findest du es wirklich romantisch, wenn du dir deine große Liebe so vorstellst, dass er all deine Interessen, deine Geschmack, deine Art der Begeisterung für Dinge teilt, in der gleichen Art und Weise wie du es tust. Wo ist dann die gegenseitige Befruchtung, Inspiration, die Freude über die Begeisterung deines Partners, wenn er erfolgreich sich einer seiner Leidenschaften widmet? Ich finde Mariannes Vorstellungen sehr auf sich selbst bezogen.


Jeder hat doch eine völlig andere Vorstellung davon, was romantisch ist. Marianne geht zum Beispiel in Gedichten auf und erwartet das Gleiche von ihrem Partner. Sie erwartet Geist, Feuer, die Begeisterung für die gleiche Musik, die gleichen Bücher. Das ist einfach das Idealbild, das sich Marianne ausmalt, und dass das Idealbild so aussieht, hängt neben ihrem stürmischen Temperament und ihrer romantischen Veranlagung auch mit mangelnder Lebenserfahrung zusammen. Noch hat sie keinen Mann wirklich kennengelernt und träumt von ihrem Märchenprinzen (und mal ehrlich, welche Frau träumt in einem gewissen Alter nicht davon!). Noch kann sie sich eben nicht vorstellen, dass sie mal einen Mann lieben wird, der vielleicht nicht ihrem Ideal entspricht. Aber das würde ich nicht einfältig nennen.

Autor:  flinders [ Montag 14. Januar 2008, 14:54 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

Pixie hat geschrieben:
...Aber das würde ich nicht einfältig nennen.


Sicherlich ist das nicht das richtige Wort. Nennen wir sie unerfahren, verträumt. Da stimme ich jetzt im Nachhinein zu. Ich unterstelle Marianne nicht, dass sie nicht romatisch sei, nur ihre Vorstellungen von ihrem "Traumprinzen" finde ich alles andere als romantisch.

Autor:  Pixie [ Montag 14. Januar 2008, 15:01 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

flinders hat geschrieben:
Pixie hat geschrieben:
...Aber das würde ich nicht einfältig nennen.


Sicherlich ist das nicht das richtige Wort. Nennen wir sie unerfahren, verträumt. Da stimme ich jetzt im Nachhinein zu. Ich unterstelle Marianne nicht, dass sie nicht romatisch sei, nur ihre Vorstellungen von ihrem "Traumprinzen" finde ich alles andere als romantisch.


Tja, da haben wir eben unterschiedliche Meinungen. Ich finde es schon romantisch, mit einem geliebten Menschen Musik zu hören, ihm ein Buch vorzulesen, das beiden gefällt usw. Ich bin allerdings persönlich auch nicht der Meinung, dass man mit dem Partner ALLE Interessen und Gefühle teilen sollte oder muss. Das wäre wohl zu viel des Guten. Aufgrund ihres Alters wundert mich dieser Wunsch bei Marianne - zumal bei ihrer Veranlagung - jedoch nicht.

Autor:  Inke [ Montag 14. Januar 2008, 15:32 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

Ulli hat geschrieben:
Und ich denke, daß Marianne Elinors scheinbar mangelnde Empfindsamkeit sehr wohl als Makel empfindet, auch wenn sie aus Zuneigung zu ihrer Schwester dies verbal abzuschwächen versucht. Sie sieht, daß man unterschiedlich empfinden kann, aber ebenso ist sie der Überzeugung, daß wer wahrhaft und tief liebt, dies ebenso wahrhaft laut zeigen muß.


Ja, mir kam dieser Gedanke nämlich auch, als ich die Stelle zitierte.
Aber da spielt eben sicherlich eine Menge "jugendlicher Sturm und Drang" eine Rolle, gepaart mit ihrer Unerfahrenheit.
Aber ihr Versuch, andere Meinungen gelten zu lassen, zählt auch! :wink:

Autor:  Inke [ Montag 14. Januar 2008, 15:36 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

Offtopic
Caro hat geschrieben:
Elinor zeigt das typische Verhalten eines Co-Kindes,...

@Caro: Im Sinne von "mit-Verantwortung-tragen-helfen", ähnlich wie ein Co-Pilot?
Klingt nach psychologischem Fachausdruck? :gruebel:

Autor:  Caro [ Montag 14. Januar 2008, 15:40 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

Offtopic
Inke hat geschrieben:
Caro hat geschrieben:
Elinor zeigt das typische Verhalten eines Co-Kindes,...

@Caro: Im Sinne von "mit-Verantwortung-tragen-helfen", ähnlich wie ein Co-Pilot?
Klingt nach psychologischem Fachausdruck? :gruebel:

Ja, so ähnlich wie bei einem Co-Alkoholiker. Ich hab es nur abgewandelt. :)

Autor:  Ulli [ Montag 14. Januar 2008, 15:51 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

Zur Entschuldigung Mariannes darf man vielleicht auch nicht vergessen, daß sie im Teenager-Alter ist. ich weiß noch, wie in dem Alter meine Klassenkameradinnen schwer am überlegen waren, wie ihr "Traum" auszusehen hatte. Mir schien eine gewissen charakterliche Eignung ja wichtiger zu sein, aber das zeigt eigentlich nur, daß der größte Teil der Menschheit in dem Alter bei diesem Thema einfach nicht zurechnungsfähig ist.

Autor:  flinders [ Montag 14. Januar 2008, 15:53 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

Caro hat geschrieben:
Marianne wird ihre romantischen Vorstellungen entweder ansatzweise von ihrer Mutter haben oder aus ihrer Literatur. Liebt sie nicht Shakespeare? Romeo und Julia, Selbstmord aus Liebe? Daher vermutlich auch die großen Worte, mit denen Marianne so gern um sich wirft. Ihr Herz würde brechen, wenn er dieses oder jenes nicht tut. Es fehlt nur noch dass sie sagt, sie würde sterben ...
Ist es romantisch sich so in die eigene Gefühlswelt hineinzusteigern? Derartige Erwartungen an die Liebe und den Geliebten zu stellen? Oder ist es nicht eher unrealistisch und überzogen.


Marianne kann ihre Vorstellungen nur aus Büchern haben. Ihre Mutter wird wohl kaum mit ihr über Liebe gesprochen haben und wenn, dann kann sie ihr ja nur aus ihren eigenen Empfinden heraus berichten. Aber das würde sich vermutlich nicht decken.
Eine romantische Vorstellung kann durch aus unrealistisch sein. Dagegen spricht ja nichts. Im Grunde sind es Wunschträume, von denen ja die meisten unrealistisch sind. Wenn ich an meine eigenen (romantischen) Vorstellungen denke, sind auch die weitestgehend unrealistisch. Aber deswegen sind sie zum Teil trotzdem recht romantisch, wie ich finde. :wink:

Autor:  flinders [ Montag 14. Januar 2008, 15:56 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

Ulli hat geschrieben:
Zur Entschuldigung Mariannes darf man vielleicht auch nicht vergessen, daß sie im Teenager-Alter ist. ich weiß noch, wie in dem Alter meine Klassenkameradinnen schwer am überlegen waren, wie ihr "Traum" auszusehen hatte. Mir schien eine gewissen charakterliche Eignung ja wichtiger zu sein, aber das zeigt eigentlich nur, daß der größte Teil der Menschheit in dem Alter bei diesem Thema einfach nicht zurechnungsfähig ist.


Zugegeben, man muss das Alter berücksichtigen. Wichtiger sind noch die fehlenden Erfahrungen. Die machen es letztlich aus.

Autor:  Caro [ Montag 14. Januar 2008, 15:59 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

@flinders
Die Mutter scheint Marianne aber in ihrer Empfindungswelt zu unterstützen. Für mich sieht es so aus, als wären sie sich in mehr als einer Hinsicht sehr ähnlich. So, als wäre Marianne schlichtweg die jüngere Ausgabe von Mrs. Dashwood. :D

Offtopic
Ja, aber ich möchte nicht davon ausgehen müssen, dass Romantik oder eine romantische Liebe per se unrealistisch ist. Das hiesse ja, aller Träume und Hoffnungen begraben. Und ohne Träume und hoffnungen stribt die Seele, sagt man ... und ohne Seele kann man nicht schreiben ...

Autor:  Tina [ Montag 14. Januar 2008, 16:06 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

Das finde ich auch, Marianne und ihre Mutter scheinen sich sehr ähnlich zu sein. Nur leider wird Marianne nicht von ihrer Mutter gebremst, wenn sie über das Ziel hinausschießt. Anscheinend ist Mutter Dashwood zwar älter, aber nicht klüger als ihre Tochter. Lebenserfahrung hat anscheinend doch nichts mit dem Alter zu tun?

Autor:  flinders [ Montag 14. Januar 2008, 16:10 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

Caro hat geschrieben:
@flinders
Die Mutter scheint Marianne aber in ihrer Empfindungswelt zu unterstützen. Für mich sieht es so aus, als wären sie sich in mehr als einer Hinsicht sehr ähnlich. So, als wäre Marianne schlichtweg die jüngere Ausgabe von Mrs. Dashwood. :D



Ich sehe das nicht anders. Vielleicht decken sich die Vorstellungen von Mutter und Tochter sogar. Vielleicht findet sich aber eher die Mutter in Mariannes Äußerungen wieder. Ich bezweifle ohne Kenntnisse der Wahrheit, dass die Mutter ihre Vorstellungen von Liebe oder Romantik an Marianne weitergegeben hat. Vielleicht hört sie nur zu und freut sich, weil sie sich selber in ihrer Tochter wieder findet.

Autor:  Caro [ Montag 14. Januar 2008, 16:13 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

Offtopic
flinders hat geschrieben:
Was ist grundsätzlich gegen einen Selbstmord aus Liebe zu sagen? Kann es nicht Menschen geben, die eine nicht erwiderte Liebe so unerträglich finden, dass sie nicht weiter leben wollen? Ich denke, da hat es schon geringere Gründe gegeben, aus denen sich Menschen das Leben genommen haben.

Dagegen ist zu sagen, dass es keine Liebe und kein Mensch Wert ist so weit zu gehen. Ich frage mich sogar, ob es wirklich Liebe ist, welche die Hand gegen sich selbst richtet. Das hat nichts Gutes, nichts Gesundes mehr an sich. Fordert Liebe Selbstaufgabe bis in den Tod?

Autor:  flinders [ Montag 14. Januar 2008, 16:15 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

Tina hat geschrieben:
Das finde ich auch, Marianne und ihre Mutter scheinen sich sehr ähnlich zu sein. Nur leider wird Marianne nicht von ihrer Mutter gebremst, wenn sie über das Ziel hinausschießt. Anscheinend ist Mutter Dashwood zwar älter, aber nicht klüger als ihre Tochter. Lebenserfahrung hat anscheinend doch nichts mit dem Alter zu tun?


Das ist bewiesen. Ich kenne da einen "Fall" aus meinem direkten Umfeld. Eine 70jährige Frau, die keinerlei Erfahrungen hat, die nie über ihren Gratenzaun geblickt hat. Sie hat nichts an ihre drei Kinder weitergeben können. Sie ist im Geiste wie ein Kind, realisiert es aber selber nicht.

Autor:  Ulli [ Montag 14. Januar 2008, 16:23 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

flinders hat geschrieben:
Caro hat geschrieben:
@flinders
Die Mutter scheint Marianne aber in ihrer Empfindungswelt zu unterstützen. Für mich sieht es so aus, als wären sie sich in mehr als einer Hinsicht sehr ähnlich. So, als wäre Marianne schlichtweg die jüngere Ausgabe von Mrs. Dashwood. :D



Ich sehe das nicht anders. Vielleicht decken sich die Vorstellungen von Mutter und Tochter sogar. Vielleicht findet sich aber eher die Mutter in Mariannes Äußerungen wieder. Ich bezweifle ohne Kenntnisse der Wahrheit, dass die Mutter ihre Vorstellungen von Liebe oder Romantik an Marianne weitergegeben hat. Vielleicht hört sie nur zu und freut sich, weil sie sich selber in ihrer Tochter wieder findet.


Zum Thema Marianne und Ähnlichkeit zur Mutter darf ich mal auf den Originaltext verweisen:

"Die Ähnlichkeit zwischen ihr (Marianne) und ihrer Mutter war verblüffend.

Eilinor sah das Übermaß der Empfindsamkeit ihrer Schwester mit Besorgnis, Mrs. Dashwood aber schätzte und förderte es noch. Jetzt bestärkten beide einander in ihrem bitteren Weh. Der heftige Schmerz, der sie im ersten Augenblick überwältigt hatte, wurde aus freiem Entschluß erneutert, herbeigesehnt, ständig neu erzeugt. Sie gaben sich ganz ihrem Kummer hin, suchten ihr Leid mit jedem geeigneten Gedanken und zu vertiefen und waren fest entschlossen, sich nie wieder trösten zu lassen."

Autor:  Ulli [ Montag 14. Januar 2008, 16:25 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

flinders hat geschrieben:
Tina hat geschrieben:
Lebenserfahrung hat anscheinend doch nichts mit dem Alter zu tun?


Das ist bewiesen. Ich kenne da einen "Fall" aus meinem direkten Umfeld. Eine 70jährige Frau, die keinerlei Erfahrungen hat, die nie über ihren Gratenzaun geblickt hat. Sie hat nichts an ihre drei Kinder weitergeben können. Sie ist im Geiste wie ein Kind, realisiert es aber selber nicht.


Jane Eyre meinte ja mal zu Rochester sinngemäß, es käme nicht auf die Anzahl der Jahre, sondern auf den daraus gezogenen Nutzen an.

Autor:  Tina [ Montag 14. Januar 2008, 16:30 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

Jep, ich erinnere mich. Da scheint was wahres dran zu sein.

Autor:  flinders [ Montag 14. Januar 2008, 16:36 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Groupread "Sense and Sensibility"/Start 06.01.08

Offtopic
Caro hat geschrieben:
[offtopic]
flinders hat geschrieben:
Was ist grundsätzlich gegen einen Selbstmord aus Liebe zu sagen? Kann es nicht Menschen geben, die eine nicht erwiderte Liebe so unerträglich finden, dass sie nicht weiter leben wollen? Ich denke, da hat es schon geringere Gründe gegeben, aus denen sich Menschen das Leben genommen haben.

Dagegen ist zu sagen, dass es keine Liebe und kein Mensch Wert ist so weit zu gehen. Ich frage mich sogar, ob es wirklich Liebe ist, die die hand gegen sich selbst richtet. Das hat nichts gutes, nichts Gesundes mehr an sich. Fordert Liebe Selbstaufgabe bis in den Tod?


Unter den gegebenen Umständen ist das doch vorstellbar. Wenn du als Mann nur dieses eine hast, die Liebe zu einer bestimmten Person und dir das abhanden kommt. Viele ältere Menschen nehmen sich das Leben, wenn ihr Partner verstirbt. Sie habe nur ihren Partner, sonst nichts. ich selbst würde soweit nicht gehen aber ich kann es mir durchaus vorstellen. Liebe ist auch Leid und kann sehr krank machen, warum nicht auch töten?
Natürlich ist da nichts Gesundes daran. Sicherlich ist es keine Liebe wert, außer die Liebe zu einem Kind. Die nehme ich da aus.
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