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Verfasst: Montag 7. November 2005, 19:22
von cercal
Wow, Miss Anne, da hast Du Dir ja Mühe gemacht! Aber Du mußt zugeben, daß die Rechtschreibreform wesentlich moderater war, als die Verstümmelung der Schrift mittels der neuen.
Wieviele Schüler kennst Du denn, vor allen in der Mittelstufe, die Zeitung lesen? Wenn gelesen wird, sind es doch wohl eher Bücher. Und die werden seit Jahren in der neuen Schreibweise veröffentlicht.

Verfasst: Montag 7. November 2005, 19:22
von Anzeige

Verfasst: Montag 7. November 2005, 19:32
von Miss Anne
cercal hat geschrieben:Wieviele Schüler kennst Du denn, vor allen in der Mittelstufe, die Zeitung lesen? Wenn gelesen wird, sind es doch wohl eher Bücher. Und die werden seit Jahren in der neuen Schreibweise veröffentlicht.


Als engagierte und optimistische Lehrerin in spe gehe ich davon aus, dass fast alle Schüler hin und wieder, wenn nicht gar regelmäßig mit Zeitungen konfrontiert werden - wenn nicht zu Hause, dann aber immerhin im Unterricht. :) Jawohl. Und da bin ich dann auch ganz idealistisch. Mir geht's ums Prinzip: wenn sich die Zeitungen daran halten, können die Schüler dann nicht sagen "Das hab ich aber in der FAZ anders gelesen!" etc. (Obwohl man daran dann bestimmt ganz klasse die neuen Regeln üben könnte :wink: )

Ich bin immer noch der Meinung, dass die meisten Regeln durchaus sinnvoll sind, vor allem, was das 'ß' vs. 'ss' betrifft. An anderes wie Joghurt ohne 'h' muss ich mich auch noch gewöhnen. (Aber auch das macht wohl Sinn - 'h' hört man nicht, muss also nicht geschrieben werden. Sonst geht's uns am ende wie den Franzosen, die ihre endlos langen Endsilben heute auch nicht mehr sprechen, allerdings immernoch schreiben. :wink: )

Verfasst: Montag 7. November 2005, 19:46
von cercal
Und wie steht es mit Demok-ratie? Meines Wissens stammt dieser Begriff aus dem griechischen und ist eine Zusammensetzung von demos und kratein. Und somit ist die Trennung schlichtweg falsch. (Das habe ich von Marcel Reich-Ranicki geklaut, den Link findest Du auf der 1. Seite.) Wie willst Du Deinen Schülern den Unterschied erklären?
Ich bin Journalistin, habe also mit dem geschriebenen Wort zu tun und meine ganz persönlichen Probleme mit dieser Reform. Zum Glück gibt es in jedem Verlag "Redigeusen" oder "Redigeure", obwohl ich nur sehr selten für Zeitungen schreibe. In der allergrößten Not kann ich mein Rechtschreibprogramm umstellen, wenn es gar nicht anders geht. Aber privat werde ich das "ß" schreiben, solange mein Rechtschreibprogramm es zuläßt. Und wenn ich 2010 noch mit Office 97 herumturne.

Verfasst: Montag 7. November 2005, 20:12
von Hazel
Angelika hat geschrieben:In meiner Deutschklausur habe ich 6 1/2 Seiten geschrieben (wie viele Wörter es sind weiß ich nicht, im Schnitt habe ich 150 bis 200 pro Seite) und ich hatte keinen (!!) Rechtschreibfehler und nur einen Zeichensetzungsfehler.


Gut, dann weiß ich jetzt, von wem ich in Zukunft abschreibe :D.
Habe mir heute "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" gekauft. Ist stellenweise ganz witzig, und man frischt seine Kenntnisse wieder etwas auf.

Hazel

Verfasst: Montag 7. November 2005, 20:21
von Hazel
Miss Anne hat geschrieben: Mir geht's ums Prinzip: wenn sich die Zeitungen daran halten, können die Schüler dann nicht sagen "Das hab ich aber in der FAZ anders gelesen!" etc. (Obwohl man daran dann bestimmt ganz klasse die neuen Regeln üben könnte :wink: )


Und selbst, wenn nur wenige Schüler Zeitung lesen, die Eltern tun es. Und die sind ja oft die ersten Ansprechpartner, vor allem für die jüngeren Kinder. Also ist es auch wichtig, dass in Zeitungen richtig geschrieben wird.

Hazel

Verfasst: Montag 7. November 2005, 22:02
von Angelika
Sei vorsichtig!! Hier bei uns in NRW ist wie gesagt alles erlaubt und ich schreibe einen wilden Mischmasch!! ;) Ankreiden kann es mir der Lehrer ja nicht (ehrlich gesagt, ich glaube, er kommte so ganz auch noch nicht damit zurecht). Ich bin gespannt, wann es dann auch für uns verbindlich gilt. Hoffentlich bin ich dann schon nicht mehr in der Schule. :mrgreen:

Verfasst: Montag 14. November 2005, 17:12
von Airihnaa
Die Rechtschreibreform ist bisweilen inkonsequent, das muss ich auch mal sagen (den Stängel leitet man von Stange ab und lässt auch eine Schreibung mit "ä" zu, beim "denken" hatte man diesen Mut nicht, obwohl das Haupt-Wort "Gedanke" ist.)

Was ich aber in Ordnung finde, ist, dass man den Bindestrich viel freizügiger nutzen darf. Das macht etliches übersichtlicher, wenn man mit endlosen Wortmutanten umgeht.

Die drei Konsonanten hintereinander.... an die kann man sich gewöhnen, und auch die "Doppel-s"-Regeln sind eigentlich ganz gut.

Was mir partout nicht gefällt, ist das "vorsichtige Eindeutschen" von Fremdwörtern. Ich werde den Teufel tun und Fantasie oder Fysik schreiben. Im Gegenteil. Da gehe ich auf die Barrikaden und schreibe nicht mehr Fotograf, sondern mache ein richtig altmodischen Photograph daraus. Ich finde, dass man unserer Sprache ruhig ansehen darf, dass wir uns der altgriechischen und lateinischen Sprache nicht verschlossen haben. Selbst ein französisches Bureau wird mir immer sympathischer gegenüber dem schnöden Büro. Wogegen ich mich auch weitestgehend wehre, sind inflationär benutzte Anglizismen. Dümmliche möchtegern-wichtige Ausdrücke bleiben bei mir draußen!

Letztendlich denke ich aber, dass die Reform nicht nur eine neue Schreibweise vieler Worte gebracht hat, sondern auch zum Nachdenken über Rechtschreibung geführt hat. Der eine oder andere schaut jetzt vielleicht schon etwas genauer hin. Hoffe ich jedenfalls. ;)

Ich oute mich jedenfalls als bekennender Anhänger meiner Muttersprache.
:bindafür:

Verfasst: Montag 14. November 2005, 17:23
von Angelika
Fysik?? Davon habe ich ja noch nie was gehört!! Das sieht ja auch total komisch aus. Also ich bleibe bei dem PH.

Also mich nerven Anglizismen auch. Natürlich benutzte ich sie auch, meist unbewusst, aber wenn ich dann so was höre wie "Voten Sie jetzt!!" oder "nur ein Call!!", da dreht sich schon mal der Magen um. Also da bin ich ziemlich patriotisch der deutschen Sprache gegenüber.