Mitglieder stellen sich vor
Forumsregeln
Thema gesperrt

Neues Mitglied

Donnerstag 1. Juni 2006, 12:47

Liebe J.-Austen-rFreunde, Ich freue mich sehr, auf solch einem Board mitschreiben zu können. Ich bin 64 Jahre alt bin Arzt, in Lörrach bei Basel. In meiner Studienzeit hatte ich kurz eine Dozentin für literatur und Schriftstellerin (Leamington) kennengelernt, und ich hatte sie damals gebeten, mir eine Reihe englischer Romane zu nennen, die sie besonders schätzte. Dabei waren Persuasion , Wuthering Heights, To the Lighthouse, Moll Flanders, Middlemarch, etc. Ich habe seither nicht aufgehört, englisch zu lesen, wenn ich etwas fand. Virginia Woolf hatte eine Revolution bei mir, und später auch bei meiner Frau ausgelöst. Wuthering heights hatte ich damals mit großer Begeisterung gelesen, letztes Jahr aber kam es nach der Lektüre von Maletzkes Bronte- Biographie bei mir zu einem Fieber für die ganze Bronté- Familie.Ch.B. konnte ja J. Austen nicht gut leiden, gelinde gesagt. Ich hatte damals Emma gelesen, hatte das Buch geliebt, hatte mich damals aber durch das Englisch vielleicht etwas mühsam durchgeschlagen. Jetzt hatte ich schließlich doch zu Persuasion gegriffen, ich glaube, auch nach einer J.-A.- Verfilmung (die mich allesamt , besonders die neueren, nicht so berührt hatten, anders ist das z.B. mit den Ivory- Verfilmungen von E.M. Forster). Ich war so erstaunt! Welche Vollkommenheit!, in jeder Hinsicht! Ein so vollkommenes Sprachgebilde, dass man fast sagen kann, es ist leicht zu lesen, weil das Ausgesagte in all seinen Feinheiten und Wendungen in einer derart tragenden Konstruktion aufgehoben ist, dass es wie selbstverständlich wirkt. Mir kommt die Assoziation einer gotischen Kathedrale...und dann, mit ebendiesem Gefühl, immer wieder einmal das ganz leichte Gefühl, Proust zu lesen. Ich meine das mit vollem Ernst, als jemand, zu dessen Leben Proust fest dazugehört. Warum das? Ich denke, dass das bei W. Benjamin steht, dass sich bei Proust das Geschwätz niedergeschlagen hat. Ebenso kam mir bei Persuasion immer wieder so etwas in den Sinn, dass bei Jane Austen der Gossip seine höchste literarische Form in der englischen Literatur gefunden hat. Zu schreiben, nicht nur von den jeweiligen Empfindungen und Gedanken, sondern vor allem immer gleichzeitig, oder vor allem, was die Leute denken und sagen -was, und wie "man" so denkt, spricht, was damit schon in der Sprache selbst ausgedrückt ist. Das fand ich auch später, bei Forster, Woolf, immer wieder vor, dieses Verhaftetsein am Idiomatischen, womit immer eine allgemein gebräuchliche Redeweise etwas über das soziale Klima aussagt. Das eigene Gefühl und Urteil kommt dann bei Jane Austen nur ganz subtil, unterschwellig durch, und wird oft unterdrückt Ich verfiel dann natürlich gleich auf den Aufsatz "regulatet hatred". Das andere Gefühl, was mir den Eindruck machte, bei Proust zu sein: Das erzählende Subjekt, dass sich ständig unter Menschen befindet, einsam, sehr, sehr sensibel, ganz anders als alle anderen. Ob wir auf einer Gesellschaft in Bath sind, oder auf der Soirée bei den Guermantes in le temps retrouvé. Überhaupt auch, wie hochentwickelt die Schilderung des städtischen Lebens, in dieser Zeit.
Liebe Freunde, ich muß schließen, hoffentlich bad wieder! Wolfgang

Donnerstag 1. Juni 2006, 12:47

Donnerstag 1. Juni 2006, 14:05

Hallo und herzlich willkommen, Wolfgang.

Es freut mich sehr, dich bei uns zu haben, zumal man von der älteren Generation ja immer annimmt, sie hätte mit der neueren Technik nix am Hut. Ich bin begeistert. :)

wwilking hat geschrieben:... dass bei Jane Austen der Gossip seine höchste literarische Form in der englischen Literatur gefunden hat.

Das ist schön gesagt. :)

Ich kenne weder die Brontes, noch Proust, noch Forster (ich habe allerdings "Zimmer mit Aussicht" gesehen und auch als DVD im Regal stehen -- zählt das? ;) ) und kann dir deshalb in deinem Post nicht wirklich folgen. *rotwerd*
Allerdings lese ich solche Texte gerne, weil ich gerne lerne.

Ich hoffe, du kommst bald wieder und postest viel. Ich wünsche dir viel Spaß unter uns Hühnern (und Gockeln). *g* ;)

Donnerstag 1. Juni 2006, 14:59

Hallo Wolfgang,
ich ziehe gerade in tiefer Hochachtung meinen imaginären Hut vor Dir. Du bist, glaube ich, nicht nur der erste, der Proust gelesen hat, sondern ihm auch noch etwas abgewinnen kann. Ich habe nach zwei elenden Bänden von "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" schlappgemacht mit der Überzeugung, daß das Lesen dieses Werkes mir die Suche erspart hat - ich hatte sie bereits gefunden. :devot

Re: Neues Mitglied

Donnerstag 1. Juni 2006, 15:21

wwilking hat geschrieben: Welche Vollkommenheit!, in jeder Hinsicht! Ein so vollkommenes Sprachgebilde, dass man fast sagen kann, es ist leicht zu lesen, weil das Ausgesagte in all seinen Feinheiten und Wendungen in einer derart tragenden Konstruktion aufgehoben ist, dass es wie selbstverständlich wirkt.


Ja :ja: :ja: :ja: .

Herzlich willkommen!. Ich hoffe, du magst dich gerne beteiligen an dem Austausch hier im Board.

Viele Grüße, Hazel

Donnerstag 1. Juni 2006, 15:23

Auch von mir ein herzliches Willkommen. Ich hoffe dir gefällt es bei uns!

Donnerstag 1. Juni 2006, 15:34

Hallo Wolfgang,

wunderbar, wir werden immer mehr... :ja: und unsere Lese-Listen scheinen sich auch zu ähneln - bis auf einige kleine Abweichungen: Wo ist denn "Tom Jones" :lach: ? Und, na ja, bei Virginia Woolf, die mir, auch nachdem ich kürzlich den Film über ihr Leben gesehen habe, immer noch suspekt ist... leider auch bei Proust muss ich mich "vollinhaltlich" Cercals Aussage anschließen, die proustbezüglich ihr Schicksal mit mir zu teilen scheint :wink: (ich hab allerdings schon nach den ersten 100 Seiten aufgegeben :eek: )...

So, nachdem hiermit der Männeranteil des JAF-Boardes wieder erfreulich erhöht wurde :top: , kann ich weiterhin mit Optimismus in die Zukunft schauen: Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert! :win

Bruki :cool:

Donnerstag 1. Juni 2006, 16:24

:tach: ich wünsche dir auch viel Spass hier und hoffe dir gefällts bei uns :)
Übrigens gilt meine Bewunderung jedem der Proust gelesen hat, ich habs leider bislang nicht geschafft auch nur eines seiner Bücher zuende zu lesen, dafür habe ich aber eine Biographie über ihn gelesen :D

Donnerstag 1. Juni 2006, 19:12

Bruki hat geschrieben:leider auch bei Proust muss ich mich "vollinhaltlich" Cercals Aussage anschließen, die proustbezüglich ihr Schicksal mit mir zu teilen scheint :wink: (ich hab allerdings schon nach den ersten 100 Seiten aufgegeben :eek: )...
Bruki :cool:

Ich habe damals mit einem Germanstikstudenten zusammengelebt, der mir mit dem Teil im Nacken saß :/ . Daher die Ausdauer. Allerdings habe ich bei Jeremias Gotthelfs "Käserei in der Vehfreude" gestreikt. Ich war und bin zwar ein "Hardcore-Leser" aber irgendwo ziehe auch ich meine Grenzen :tot: .
Zuletzt geändert von cercal am Donnerstag 1. Juni 2006, 19:38, insgesamt 1-mal geändert.

Donnerstag 1. Juni 2006, 19:21

Jeremias Gotthelf hab ich auch schon mal gelesen. Das war "Die schwarze Spinne" glaub ich. Sooo toll war das auch nich. Aber das war Klassenlektüre, und da muss man dann wohl oder übel durch. :nein:
Magdalena

Donnerstag 1. Juni 2006, 21:33

Herzlich Willkommen wwilking!! :)

Ich freu mich besonders über ein neues Mitglied, das nicht gleich in den Firth- und sonstigen Schwärmerthreads verschwindet. (!!) :wink:

Und bei allem was Du schreibst kann ich nur heftig nicken... (außer bei Proust - mit dem bin ich noch nicht warm geworden. Aber ich bin ja auch noch jung, vielleicht braucht das noch Zeit/Reife.)

Freitag 2. Juni 2006, 12:43

an bruki: fielding steht bei mir auch ganz oben, nachdem ich die ironische folgegeschichte von pamela gelesen habe, und die geschichte ihres bruders, bei tom jones war ich anfangs auf der strecke geblieben, weil ich gleichzeitig andere bücher las, es kostet schon einige anstrengung. ich komme übrigens mit jane Austen auch immer relativ langsam vorwärts, ich finde sie allerdings (in englisch) einiges leichter zu lesen als fielding, aber ich habe bei ihr immer das bedürfnis, mir zeit zu lassen, und die ganze pracht der textpassagen auszukosten.ich verstehe merkwürdigerweise bei Jane Austen oft schneller, wenn laut lese. es ist bei ihr eine ganz eigene prosa,in der die indirekte und direkte rede, und auch das innere gespräch fast überwiegt, sodass es mir fast wie ein stück dramatischer kunst anmutet

Samstag 3. Juni 2006, 09:59

Hallo wwilking,

Hazel hat es eigentlich schon geschrieben, aber ich muss es doch auch sagen... kann nicht anders. Deine Zeilen:
Ich war so erstaunt! Welche Vollkommenheit!, in jeder Hinsicht! Ein so vollkommenes Sprachgebilde, dass man fast sagen kann, es ist leicht zu lesen, weil das Ausgesagte in all seinen Feinheiten und Wendungen in einer derart tragenden Konstruktion aufgehoben ist, dass es wie selbstverständlich wirkt. Mir kommt die Assoziation einer gotischen Kathedrale...

sind wirklich perfekt ausgedrückt. Gotische Kathedrale... - ein schönes Bild!!

Ich selbst habe vor JA bislang leider die englischsprachige Literatur viel zu sehr vernachlässigt... bin jetzt erst am "richtig" entdecken. Außer Virginia Woolf, deren Orlando ich vor einigen Jahren mit Begeisterung gelesen habe. Leider auf Deutsch, was vielleicht noch zu korrigieren wäre... Aber Woolfs Sprache (die Vergleiche, Bilder, Metaphern...) hatten mich damals sehr an Musils "Mann ohne Eigenschaften" erinnert - den ich ebenfalls sehr schätze. Ein Buch, das aus hundert kleinen Büchern besteht... im Grunde ist jedes Kapitel ein Kosmos für sich.
Und falls Proust nicht "schwerer" zu lesen ist (der MoE gilt ja gemeinhin auch als schwierige Lektüre :) ), werd ich wohl doch noch dazu greifen (Deine Zeilen darüber haben mich doch sehr neugierig gemacht; hatte vor einigen Jahren einen Film über Proust gesehen, den ich sehr interessant fand, aber es kam dann doch wieder was dazwischen und ich hab nichts von ihm gelesen...).
Also hiermit ein herzliches Willkommen auch von mir "Noch-Neuling" und viel Spaß bei allen weiteren Diskussionen!

Liebe Grüße
Somerset

Sonntag 4. Juni 2006, 22:07

Ein herzliches Willkommen auch von mir!!
Jaaa, der Männeranteil steigt, wenn auch nur langsam ;)

Angelika
Thema gesperrt




Bei iphpbb3.com bekommen Sie ein kostenloses Forum mit vielen tollen Extras
Forum kostenlos einrichten - Hot Topics - Tags
Beliebteste Themen: Liebe, Uni, USA, Erde, Bücher

Impressum | Datenschutz