Caro hat geschrieben:
Alethea hat geschrieben:
PS: Fontane kommt NIE IM LEBEN an Jane Austen heran!

Ich muß dir insoweit recht geben, als sie eine unterschiedliche Erzählweise haben, und Fontane mit Sicherheit Janes Wortwitz nicht erreicht. Vor allem eben ihre geniale Art zwischen den Zeilen zu sprechen ...
Dennoch muß ich eine kleine Bresche für Fontane schlagen. Ich liebe speziell Effi Briest sehr, und ich habe ihr Dilemma sehr gut nachvollziehen und ihre Eltern umsomehr dafür hassen können, daß sie ihr so keine Wärme und Hilfestellung boten.

Caro
uhh. da muss ich jetzt doch mal fix eins in die bresche springen! wenn man im deutschsprachigen raum irgend einen autor mit jane austen vergleichen kann (und nur darum, nicht mehr - vergleichen, nicht gleichsetzen - geht es!), dann fontane.
ich bin zwar nicht unterrichtsvorbelastet (bei uns gabs zum hassen goethe, und da kann ich euch verstehen, dass hält gründlich!) aber es gibt nur zwei menschen, die mich auf meinen bahnfahrten (und das ist für gewöhnlich die situation, in der mein sonst so ausgeglichens temperament/nordisches phlegma (

) ausfällt und ich jedem beliebigen mitmenschen - besonders aber denen mit db-aufnähern auf blauem uniformrock - bei geringfügig schiefer tonlage sofort und ziemlich schmerzhaft den gar ausmachen möchte) zum lauten auflachen überreden konnten.
zum einen our "dear" lady in gestalt von henry tilney (ich bin gewillt, die bezeichnung der ladys aus dem austenblog zu übernehemen - "da maaaan") und zum anderen eben fontane in gestalt der schmolke (ich empfehle sowieso jedem, der sich nicht schnell genug verstecken konnte wenigstens mal in das elfte kapitel "frau jenny treibel" reinzulesen

) und zum nächsten: wenn ihr meint, der fontane schreibt nicht zwischen den zeilen, dann kennt ihr "cecile" nicht. was sich da an möglichen abgründen vor einem auftut... junge junge. mal sehen, in welche abgründe die dame nun wirklich gestürzt ist. bin ja noch beim lesen.
und laut meiner austen monographie war zumindest emma als "anna - ein familiengemälde von johanna austen" 1822 von w. a. lindau übersetzt (wer weiß wie...) und ist in leipzig erschienen. kein grund also, miss austen nicht zu kennen. zumal eben fontane ja in england war und jane austen dort nie wirklich aus der mode, oder?
ich würde fontane, was die progressive, absolut verständnisvolle haltung gegenüber selbst unmöglichsten mitmenschen aber auch sehr genre mit mrs. gaskell vergleichen. an die erinnert er mich ziemlich häufig. unter anderem auch hier:
»Nun, Kind«, sagte die Ritterschaftsrätin, »wie geht es Ihnen denn eigentlich?«
»Gut, gnädigste Frau; ich habe einen sehr ausgezeichneten Mann.«
»Weiß ich. Aber das hilft nicht immer. Ich hatte auch einen ausgezeichneten Mann. Wie steht es hier? Keine Anfechtungen?«
[...]
»Ach, gnädigste Frau ...«
»Da kommt es schon. Ich kenne das. Immer dasselbe. Darin ändern die Zeiten nichts. Und vielleicht ist es auch recht gut so. Denn worauf es ankommt, meine liebe junge Frau, das ist das Kämpfen. Man muß immer ringen mit dem natürlichen Menschen. Und wenn man sich dann so unter hat und beinah schreien möchte, weil’s weh tut, dann jubeln die lieben Engel!«
wenn das ein schwacher dialog - übrigens effi briest (aus der penguin classics version, da wurde fontane nämlich aufgenommen, genau da, zwischen den ganzen austens, wildes, brontes), kapitel 20 - ist, möchte ich von euchmal einen starken hören (der nicht im austen ouvre zu finden ist!), man ist ja offen für alles.
und zum schluß:
"für mich steht fest, natur ist sittlichkeit, und überhaupt die hauptsache. geld ist unsinn. wissenschaft ist unssinn. professor auch. wer es bestreitet, ist ein pecus. nicht wahr, kuh?":lol: