Hallo ihr Lieben!
Ich hoffe, dass ich hier für meinen Kommentar richtig bin, wenn nicht – verzeiht es mir!
Jedenfalls, in meinen kleinen, einwöchigen Urlaub hatte ich die Gelegenheit
„Miss Lucy Steele“ von Ruth Berger zu lesen.
Schlimm genug, dass der Leser auf jeder Seite hingewiesen wird, wie böse doch die Welt und die herzlosen Verwandten der beiden Steele Schwestern sind (eingeschlossen der eigenen Eltern!), nein, angeblich hatte Lucy Steele die redlichsten Absichten, als sie Elinor Dashwood von ihrer heimlichen Verlobung mit Edward Ferrars in Kenntnis setzte (damit sie die unwissende Elinor aufklären konnte, dass der Gute bereits vergeben war) und nicht, wie Jane Austen im eigentlichen Sinne, ihrer Prahlerei wegen!
Ich muss gestehen, dass ich es interessant gefunden hatte, die Ereignisse aus Lucys Sicht zu lesen, doch war ich zutiefst enttäuscht (und auch erschrocken, wegen der Einfallslosigkeit), als sich das ungerechte Leid der beiden Schwestern auf jeder Seite wiederholt und dies als ausreichende Entschuldigung für ihre vulgäre Art und ihren kindischen Charakter reichen sollte. Schließlich hatten die beiden doch nie die Möglichkeit und das nötige Vermögen gehabt, ihren bescheidenen Verhältnissen zu entfliehen und die bösartigen, geldgierigen Verwandten wollten ja nicht helfen. Jedoch ist all das für mich keine Entschuldigung! So gewöhnlich und unmanierlich sie von Jane Austen beschrieben wurden, so liebenswert sind plötzlich diese unzureichenden Eigenarten bei Frau Berger. (Zumindest bei Lucy – ihre Schwester war immer noch unerträglich.)
Lucy Stelle, und zweifelsohne ihre Schwester Nancy (Anne, wie auch immer), waren einfach nur ungebildete, unehrliche Schmeichlerinnen, die ihren Vorteil aus jeder Situation ziehen wollten.
Des weiteren stellte Ruth Berger nicht nur Edward als rückratlos, vertrottelt und unangenehm kriecherisch hin, der alles tat, um ja nicht in irgendwelche Unannehmlichkeiten zu geraten. Von seiner liebenswürdigen Schüchternheit, die JA so wundervoll hervorgehoben und beschrieben hat, war keinerlei Spur mehr vorhanden. Er war sogar stellenweise richtig unsympathisch und ein Schweinehund! Verzeiht mir dies...
Marianne und Elinor (eigentlich die gesamte Familie Dashwood) wurden als kalt, hochnäsig und abgeneigt beschrieben! Da Verstand und Gefühl zu meinen absoluten Liebling gehört und die Heldinnen mir sehr lieb sind, fand ich dies als äußerst ungeheuerlich! Niemals hatte ich bei Jane Austen auch nur eine sekundelang das Gefühl, dass sie ihre Hauptfiguren als dünkelhaft und arrogant hinstellen wollte, doch Ruth Berger ließ ihre Antipathie freien Lauf. Deutlich spürbar und unüberlesbar! Immer darauf Bedacht, Lucy in einem besseren, reineren Licht darzustellen, als alle anderen, die ja so böse und ungerecht waren.
Im besonderen Elinor wollte sie als berechnend, eingebildet und abgebrüht hinstellen! Und Edward solle sie gar nicht geliebt haben, sondern nur wegen seinem Geld in Erwägung gezogen haben. Marianne habe sie Colonel Brandon geneidet, weil sie der Auffassung war, dass sie und er viel besser zusammenpassen würden (und natürlich dachte sie auch dabei an das Geld)! Elinor als hinterhältige, Intrigen schmiedende Neiderin zu beschreiben, empfand ich als extrem absonderlich und kein einziges Mal habe ich die angenehme Elinor von JA wieder entdeckt. Sie war eine fremde, unfreundliche Gestalt, die einzig der armen Lucy schaden wollte.
Leider bereitete mir dieser Ableger eines JA Romans keinerlei Freude und aus meiner Sicht, ist er weder das Geld, noch die Zeit wert!
Schade eigentlich, es hätte sicherlich eine schöne Zweitansicht werden können, wenn die Autorin nicht so viel Wert darauf gelegt hätte, Lucy Steele als armes, unverkanntes und unschuldig naives Mädchen hinstellen zu wollen.
Jedoch ist positiv anzumerken, dass Ruth Berger den Stil von Jane Austen hervorragend wiedergegeben hat – na ja, wenigstens etwas!
Tut mir leid, dass es so lang geworden ist, aber ich musste das mal rauslassen...
Pumuckel