Magdalena hat geschrieben:
Da kommt einem doch zwingend die Frage in den Sinn: Wie war die arme Emily so drauf? Hatte sie vielleicht Depressionen oder etwas in die Richtung?

Diese Frage kommt
immer in Zusammenhang mit Emily Bronte auf und
jedesmal ärgere ich mich wie wahnsinnig darüber! Emily kann einem wirklich Leid tun, aber meiner Ansicht nach nur, weil ihr ständig unterstellt wird, dass sie Depressionen hatte und nicht ganz normal war! (Ohne dir nahetreten zu wollen, Magdalena!

)
Meiner Ansicht nach war Emily nur sehr realistisch.

Sie hat Menschenkenntnis gehabt und auch die Grausamkeit der menschlichen Natur erkannt! Sie hat mit "Wuthering Heights" gezeigt, wohin Vorurteile gegen die sogenannten "schlechten Menschen", wie die damalige Gesellschaft die Zigeuner damals handelte, führen können. Das die auch Gefühle besitzen und man nicht ungestraft auf ihnen herumtrampeln kann, wie man auf Heathcliff herumgetrampelt ist...
Bruki hat geschrieben:
Und Heathcliff ist ein absolutes EKEL!
Ich finde das eigentlich gar nicht! Als ich das Buch las, fand ich den Charakter von Heathcliff (alle Charaktere übrigens) unheimlich faszinierend!

Sie wirkten so echt und daher auch so bedrückend! Ich habe eigentlich keine Abscheu vor dem, was er seinen Mitmenschen angetan hat, empfunden

- sondern vielmehr irgendwie verstanden, warum er es tat... Man hat ihn auch nicht besser behandelt - warum sollte man dann mit den anderen Mitleid empfinden? Erst als es dann an den Punkt kam, an dem er sich an Unschuldigen (wie die junge Catherine und Hearton (schreibt man den so?)) rächte, waren selbst meine Grenzen der Verständnis erreicht!

Trotzdem hab' ich Heathcliff irgendwie gemocht, weiß auch nicht warum...

Was Anne angeht, könnte ich mich auch jedes Mal aufregen! Immer wird sie als diejenige bezeichnet, die im Schatten ihrer Schwestern stand, dabei fand ich ihr "The Tenant of Wildfell Hall" wesentlich besser als "Jane Eyre". Nicht, dass mir "Jane Eyre" nicht gefallen hätte - ich habe es in einem Rutsch gelesen und war begeistert. Doch so im Nachhinein betrachtet finde ich Charlotte doch allzu sentimental...
Vor allem steckt in Annes Büchern so viel von ihr selbst, sodass sie realistischer wirken als Charlottes Träume vom unscheinbaren Mädchen, dass sich in einen charismatischen Mann verliebt und oh Wunder wiedergeliebt wird...So wie es bei Charlotte mit ihrem Monsieur Heger nie klappte!
Und "Agnes Grey" war zwar eine voraussehbare Handlung, aber sehr romantisch und irgendwie prickelnd! (Ich denke da nur an die Szene, als Mr Weston und Agnes sich in das Haus dieser alten Frau retten, weil es regnet (soweit ich mich erinnern kann) und dass Mr Weston die Katze vor dem Erschießen gerettet hat (das hat ihn sowieso für mich eingenommen!

))
Ich habe übrigens einige Parallelen zwischen William Weightman (dem Typen, in den sich Anne verliebt hat) und Mr Weston entdeckt...Okay, ich höre jetzt besser mal auf...
Nicht jeder teilt wahrscheinlich meine Begeisterung für Anne Bronte!
Alethea