Bruki hat geschrieben:
- "Schlimme Liebschaften" -
Was Dir so in etwa einen Eindruck darüber vermitteln sollte, in was für literarischen Kunstkreise Du Dich zu begeben gedenkst...
Allein, wenn man sich den klappentext durchliest wird klar: das Buch ist Gold wert! - Naja, oder zumindest den einen €uro, den ich dafür auf den Tisch gepackt habe. Achtung:
"Choderlos de Laclos war ein Soldat der Revolution (
!!!). Er war als General bei der Rheinarmee und der in Italien, und er war es in seinem Buch. Es erschien 1782, noch drei Jahre vor "Figaros Hochzeit", und es ist als Parteischrift gemeint (...). Valmont und die Merteuil bedeuten die Verkommenheit des Adels (hüstel hüstel hüstel); als dritte Hauptfigur vertritt die von den beiden Verbrechern zu Tode gequälte (
räusper räusper räusper) Präsidentin Tugend und Frömmigkeit des Bürgertums.
Als junger Offizier hat Laclos die ersten Blicke auf die glänzendste Gesellschaft Europas geworfen, und ein Mensch mit Künstlerinstinkten konnte schwerlich ansehen, ohne sie insgeheim an sich zu reißen, sie in seinen Träumen zu verschlingen (
???). Er wird alles begehrt haben, alle Eleganz, allen Ruhm der Roués, alle Frauen. Die Merteuil war die Krone von allem: er wollte sie haben. Sicher ist, dass niemand ein Frau so in Worte einfängt, es sei er hätte sie denn geliebt (
gut, das kann man gelten lassen). Es wird ihm in der Phantasie ergangen sein, wie Valmont in der Wirklichkeit; er wird, sich hindurchträumend durch Verfeinerungen, von der Merteuil zu der Tourvel gelangt sein (
das irgendwie nicht). Er war Valmont! (
verblüffende These...) Wie hätte er sich später seiner so gut entsonnen, wenn er ihn damals nicht in sich gehabt hätte?
Laclos trägt sein einziges Buch lange aus, es kommt vollreif zutage; die Briefe, in denen er es komponiert, werden ohne ein Schwanken hingeschrieben, ohne ein Durchstreichen (
Ob der Mann schonmal was von Kladde und Reinschrift gehört hat?). Es ist das Werk eines Vierzigjährigen, ein Werk von der lebenshöhe, und ein Meisterwerk." - Heinrich Mann
Hab mich abschließend gefragt, ob die Manns Hitlerdeutschland nicht als Intelektuelle usw verlassen wollten, sondern gehen mußten, weil Heinrich seine weißen Socken nur dann anzog, wenn sie vorher in Rote-Beete-Saft gewaschen wurden... An der durchschimmernden Frauenfeindlichkeit (nagut, vielleicht nicht ganz feindlich, aber komisch) kanns DA ja nicht gelegen haben...
Aber sehr interessant in Bezug auf die letzte Zeile sind immer wieder nette Einschübe, wie:
"Um die Geduld des Lesers nicht zu missbrauchen, werden viele Briefe aus dieser täglichen Korrespondenz weggelassen; [...]"
oder:
"Wir lassen auch ferner Cécile Volanges' und des Ritters Danceny Briefe weg, die wenig interessant sind und von keiem Vorkommnis berichten."
oder:
"Der Leser hat wohl aus Frau Merteuils Sitten schon längst erraten, wie wenig Achtung sie vor der religion hegt. Wir hätten den ganzen Absatz weggelassen; doch haben wir gelaubt, wenn man die Wirkung vorführe, dürfe man nicht versäumen, auch die Ursachen bekannt zu machen."
Wirklich sehr fürsorglich von den Editoren, und dann auch noch so rücksichtsvoll in Bezug auf die Kirche. Bemerkenswert. Nur gut, dass ich weiß, wo ich ganz bestimmt eine anständige Ausgabe finden kann, so kann ich diese in vollen Zügen geniessen. Nur das ihr zu DDR-Zeiten mit sonem Schmott leben mußtet (das alte Hanff'sche Pepys-Problem...), das bringt einen sicher an den Rand der Verzweiflung...