Ich habe gerade eben
„North & South“ beendet und schwelge noch richtiggehend in der Erinnerung an dieses wundervolle Leseerlebnis. Ich habe selten ein Buch gelesen, das mich derart fasziniert und gefesselt hat. Tagelang konnte ich meine Gedanken kaum auf etwas anderes wenden --- ich wollte immer nur weiterlesen, weiterlesen, weiterlesen.
Nun muss ich schweren Herzens in die Realität zurückkehren, denn es hat sich ein Berg Arbeit angesammelt, der sich nicht von alleine erledigt…
Besonders beeindruckt haben mich Mrs Gaskells Versuche, die Psychologie ihrer Figuren einzufangen --- besonders bei Margaret und Mr Thornton war dies stark ausgeprägt und es trug dazu bei, einen tiefen Einblick in diese Charaktere zu erlangen, sie umso besser zu verstehen und Sympathie für sie zu empfinden.
Ich kann nun gut verstehen, was Mr Armitage in einem Interview darüber sagte, was er empfand, als er für die Rolle des Mr Thornton gecastet wurde --- nämlich dass er stolz sei, diese literarische Figur spielen zu dürfen. Mr Thornton ist in der Tat einer der faszinierendsten und eindrucksvollsten männlichen Buchhelden, die mir bisher bekannt sind, und es ist eine wirkliche Herausforderung, ihn in einer Verfilmung werkgetreu zu verkörpern (was Mr Armitage jedoch hervorragend gelingt, doch hierzu im entsprechenden Thread! Momentan fehlt mir die Zeit, doch zu der filmischen Umsetzung werde ich in den nächsten Tagen auch noch etwas posten)!
Auch Gaskells Bemühen (im krassen Gegensatz zu ihrem ersten Roman „Mary Barton“), beim Leser sowohl Einblick in das Verhältnis zwischen der „masters“ und „workers“ zu geben und Verständnis für beide Seiten zu erwecken, ist ein eindeutiger Pluspunkt dieses Romans. Sie verzichtet auf jegliches Schwarz-Weiß-Zeichnen, stellt weder die Masters als brutal und grausam dar, noch die Arbeiter als dumm und ungebildet, sondern zeigt die Schwächen und Vorzüge beider Klassen, und macht deutlich, wie das Verständnis zwischen den beiden zu einer besseren Zusammenarbeit führen kann. Die Charaktere, die stellvertretend für diese beiden Klassen stehen --- Mr Thornton und Higgins --- sind sehr facettenreich und ausdifferenziert dargestellt und erscheinen dadurch realistisch und wirklichkeitsnah.
Ich kann den Roman nur jedem ans Herz legen und bedauere sehr, dass es ihn nicht in einer deutschen Übersetzung gibt. (Wenn ich mehr Zeit hätte, wäre ich direkt in Verführung, ihn selbst zu übersetzen und Manesse anzubieten!

)