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BeitragVerfasst: Montag 6. November 2006, 10:54 
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Matthews spezielle Weinlieferantin
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Aber heißt das, dass sie nie nach Pemberley kam? Wenn die Eltern Pemberley aufsuchten, war mit Sicherheit auch Mary dabei. Ich denke, dass Mary hauptsächlich zuhause blieb dabei die Mutter nicht alleine ist, hat sich irgend wann von selbst erledigt. Zu dem Zeitpunkt, an dem Mr. Right in ihr Leben trat. Und dann werden die Eltern ab einem späteren Zeitpunkt mit Sicherheit bei einer der Schwestern gewohnt haben. Oder bekamen einen Ruhesitz "spendiert", der in der nahen Nachbarschaft gelegen hat. :juggle: Tina

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Schritte wagen im Vertraun auf einen guten Weg, Schritte wagen im Vertraun das letztlich ER mich trägt, Schritte wagen weil im Aufbruch ich nur sehen kann, für mein Leben gibt es einen Plan.
Clemens Bittlinger


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Verfasst: Montag 6. November 2006, 10:54 


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BeitragVerfasst: Montag 6. November 2006, 11:16 
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D'Arcy-Expertin mit Adelsaffinität
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Zumindest spricht JA nur davon, daß Mr. Bennet, der ja sonst mehr ein Stubenhocker war, seine Reisen (alleine!?) sehr genoß und am liebsten unangekündigt in Pemberley auftauchte ...Vermutlich hat er seiner Frau dann nur erzählt, er müsse Geschäfte erledigen, damit sie brav zu Hause blieb ... Von Mary wird nicht gesagt, ob sie jemals auf Pemberley war.

:blume: Caro

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BeitragVerfasst: Montag 6. November 2006, 11:47 
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Matthews spezielle Weinlieferantin
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Ich fürchte wir habens mal wieder geschafft, OT zu werden :pfeif: Tina

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BeitragVerfasst: Mittwoch 6. August 2008, 10:34 
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D'Arcy-Expertin mit Adelsaffinität
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Über die Diskussionen der einzelnen Charaktere und die Vergleiche bin ich über ein Schreib-Konzept JAs gestolpert, das ich zwar immer genossen habe, deren Hintersinn mir aber nicht wirklich bewusst war. Ich spreche über ihre Art Charaktere kurz anzureissen, mit ein, zwei Sätzen zu skizzieren und uns doch über ihr Innerstes im unklaren zu lassen.

Über Detailfreude und Detailmangel kann man Ansichtssache sein und es ist auch Geschmackssache. Erst heute wurde mir richtig bewußt, dass das Ganze Methode hat und wenig darüber aussagt, welchen Stil Jane Austen z.B. als Leserin bevorzugte, sondern ein Trick ist uns als Leser genau dahin zu bringen, wo sie uns haben will.

Spreche ich in Rätseln? :fies_sei:
Jane Austen verrät uns über die Charaktere gerade so viel, damit wir uns ein Bild machen, lässt aber genügend im Dunkeln, das wir mit unserer Phantasie füllen können. Sprich, wir ergänzen fehlende Informationen mit unseren Vorlieben oder Abneigungen, machen ihre Charaktere zu unseren, zu unserem eigenen Bild, von dem Jane Austen im Grunde nur den Rahmen vorgegeben hat. Gerade dies führt dazu, dass manche Charaktere von uns Lesern "bis aufs Blut" verteidigt werden, sobald jemand etwas sagt, was in das eigene Bild nicht passt, andere dagegen so abgrundtief gehasst werden.

Die meisten Emotionen, die wir ihren Charakteren entgegenbringen, kommen aus uns selbst, nicht von Jane Austen, und das ist, wie ich finde, ein äusserst brillianter Schachzug ! :top: :schnapp:

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Zuletzt geändert von Caro am Mittwoch 6. August 2008, 10:59, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Mittwoch 6. August 2008, 10:53 
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Master of Science in Physics, headbanging Austen Fan und etwas ganz Besonderes!
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Caro hat geschrieben:
...wir ergänzen fehlende Informationen mit unseren Vorliebn oder Abneigungen, machen ihre Charaktere zu unseren, zu unserem eigenen Bild, von derm Jane Austen im Grunde nur den Rahmen vorgegeben hat. Gerade dies führt dazu, dass manche Charaktere von uns Lesern "bis aufs Blut" verteidigt werden, sobald jemand etwas sagt, was in das eigene Bild nicht passt, andere dagegen so abgrundtief gehasst werden.


Das würde wohl auch erklären, warum bei vielen Sequels in den Rezensionen dann Dinge stehen wie "Wenn die Namen nicht gwesen wären, hätte ich nicht gemerkt, dass das Buch von Darcy und Elisabeth handelt".

Zitat:
Die meisten Emotionen, die wir ihren Charakteren entgegenbringen kommen aus uns selbst, nicht von Jane Austen, und das ist, wie ich finde, ein äusserst brillianter Schachzug ! :top: :schnapp:


Das stimmt. Andere Autoren lassen da so wenig wie möglich im Dunkeln, damit bloss keinem ein anderes Bild von den Charakteren vorschwebt, als geplant.

Ich ärgere mich übrigens jedesmal, wenn eine Beschreibung erst 100 Seiten später fortgeführt wird und aus dem dunkelhaarigen Helden aus meiner Vorstellung ein blondgelockter Jüngling wird :thud: Trifft natürlich nicht nur aufs Aussehen zu, aber mir fiel kein anderes Beispiel ein.

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BeitragVerfasst: Mittwoch 6. August 2008, 11:22 
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D'Arcy-Expertin mit Adelsaffinität
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Ja, und all das ist mit ein Grund, warum die Charaktere so "zeitlos" sind.

Egal in welchem Jahrhundert oder Jahrtausend sich der Leser befindet, er ist stets in der wunderbaren Situation, sich sein eigenes Bild der Charaktere schaffen und sie mit Leben füllen zu können, auch wenn wir bei ihr von "sprechenden" und "lebendigen" Charakteren reden.

Genaugenommen macht Jane Austen dadurch jeden Leser zu einer Art Co-Autor :wink:

... was vielleicht die immense Anzahl weltweiter Fanfictions und die breite Leserschaft erklärt. Manche mögen oder können die Charaktere einfach nicht loslassen, sondern beschäftigen sich weiter mit Ihnen. :D

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BeitragVerfasst: Mittwoch 6. August 2008, 23:37 
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Austenexperte

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Zitat:
Die meisten Emotionen, die wir ihren Charakteren entgegenbringen, kommen aus uns selbst, nicht von Jane Austen, und das ist, wie ich finde, ein äusserst brillianter Schachzug ! :top: :schnapp:


:D

(Deshalb finde ich die Diskussionen bei den Verfilmungen zu den Äusserlichkeiten so sinnlos... :) )


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BeitragVerfasst: Donnerstag 7. August 2008, 01:00 
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Begeistertes Missionierungsopfer
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:ja: :lach: :wink:

Wie auch immer : für mich zählt allein der Wortwitz von JA - und da muss erst mal jemand kommen , der soo voller Esprit schreibt! :top:

Aber in den groupreads ist mir bewusst geworden , dass fast alle, oder doch recht viele Mitleser andere Gründe für ihre JA-Begeisterung haben. :smilingplanet:

Hab jetzt aktuell nur die Beiträge von August 2008 gelesen :embarrassed:

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~ Der Weg ist das Ziel ~


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BeitragVerfasst: Donnerstag 7. August 2008, 11:16 
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Caro hat geschrieben:
Jane Austen verrät uns über die Charaktere gerade so viel, damit wir uns ein Bild machen, lässt aber genügend im Dunkeln, das wir mit unserer Phantasie füllen können. Sprich, wir ergänzen fehlende Informationen mit unseren Vorlieben oder Abneigungen, machen ihre Charaktere zu unseren, zu unserem eigenen Bild, von dem Jane Austen im Grunde nur den Rahmen vorgegeben hat.
Die meisten Emotionen, die wir ihren Charakteren entgegenbringen, kommen aus uns selbst, nicht von Jane Austen, und das ist, wie ich finde, ein äusserst brillianter Schachzug ! :top: :schnapp:


Das gilt sicher für die meisten Charaktere der 2. und 3. Reihe - aber ist es nicht so, dass wir über die Gedanken und Gefühle der Hauptpersonen (ich denke jetzt gerade mal an Marianne und Elinor in S&S) ziemlich gut informiert werden? Und manche andere Charaktere werden so karikiert, dass man gar nicht mehr viel reindeuten muss. :lach:
Ich finde aber wie Du, dass JA recht sparsam mit direkten Beschreibungen der Personen ist. Das macht ja auch gute Literatur aus, oder? :wink:


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BeitragVerfasst: Donnerstag 7. August 2008, 12:56 
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D'Arcy-Expertin mit Adelsaffinität
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Udo hat geschrieben:
Das gilt sicher für die meisten Charaktere der 2. und 3. Reihe - aber ist es nicht so, dass wir über die Gedanken und Gefühle der Hauptpersonen (ich denke jetzt gerade mal an Marianne und Elinor in S&S) ziemlich gut informiert werden? Und manche andere Charaktere werden so karikiert, dass man gar nicht mehr viel reindeuten muss. :lach:

Hm. Wir erfahren über die Hauptakteure zwar mehr, als über die Nebenpersonen, aber eben auch nicht alles, bzw. nur Details, die Jane Austen wichtig sind, oder die sie braucht um eben ein festes Bild zu erzeugen. (So schien es ihr sehr wichtig gewesen zu sein zu erwähnen, dass Darcy groß und dunkel ist, eine äusserliche Defintition, die bei anderen fehlt.)

Ich will damit nicht sagen, das diese Details fehlen, aber der Mensch neigt dazu, bzw. die Augen und das Gehirn, ein "unvollständiges" Bild zu füllen. Das geschieht automatisch und bisweilen auch ausserhalb unserer bewussten Kontrolle. Das kann man sich vorstellen, wie bei einem Mosaik wo einzelne Steinchen fehlen. (Besonders interessant ist das übrigens beim Pointilismus. Von nahem erkennst du jeden einzelnen Punkt, also auf Fehler, von weitem verschwimmen die einzelnen Punkte zu ganzen Farbflächen und eben dem Bild als Ganzen. :wink: )
Der Witz ist ja gerade, dass Jane Austenzum Beispiel kaum einmal das Aussehen näher beleuchtet, aber in einigen, wenigen Fällen ist es ihr wichtig. So auch, wenn es um bestimmte Vorlieben geht. Wir kennen die "Hobbys" und/oder luxuriösen Bedürfnisse von manchen Protagonisten, aber nicht von allen. Und auch was die Gedanken und Gefühle angeht, verrät uns JA einen bestimmten Bereich, andere aber nicht.

Das ist vor allem interessant für die Frage welche Charaktere wir als "gut" empfinden und warum, welche im Mittelfeld spielen und welche die "Bösen" sind. Da kommen unsere Emotionen ins Spiel. Wir gehen, ich auch, gleich zu Beginn davon aus, dass Brandon ein Guter ist, aber wir lernen ihn eigentlich nur von den Beschreibungen der anderen kennen. Das heisst, können wir den Charakteren in ihrer Beurteilung vertrauen (gerade einer leutseligen Person wie z.B. Sir Middleton oder Mrs. Jennings)?
Das heisst, wir gehen davon aus, dass Brandon all die guten Eigenschaften und Ansichten hat, die uns wichtig sind, sofern Jane Austen sie uns nicht vorgibt. Wir gehen also automatisch davon aus, dass Brandon gegen den Sklavenhandel ist und sein Vermögen rechtmässig erarbeitet hat und eben kein Nabob ist, auch wenn Willoughby dies andeutet, so wie wir nur allzu bereit sind, von Willoughby das Schlechteste zu denken. Er benimmt sich hier und da wie ein Schuft, also verdammen wir ihn insgesamt, als ganze Person und gehen natürlich davon aus, dass er sich immer und grundsätzlich schlecht benimmt. Wie Julia bereits sagte, die "Schwarz-Weiß"-Schublade, die bei uns dann dazu führt, dass wir weder Elinors, noch Mariannes "Verständnis" oder gar Verzeihung für Willoughby nachvollziehen wollen oder können.

Gerade Karrikaturen sind das beste Beispiel dafür, wobei sich hier unsere Bilder (denke ich) noch am ähnlichsten sind.

Code:
Ich finde aber wie Du, dass JA recht sparsam mit direkten Beschreibungen der Personen ist. Das macht ja auch gute Literatur aus, oder?  :wink:

Und ja, ich empfinde es als genialen Schachzug, die Charaktere so zu präsentieren. (Was aber auch dazu führt, dass sie bei mir eine Art Eigenleben entwickeln ... :D )

Dabei kommt es auf die Intension des Autors an. Will er, wie Miss Hamilton geschrieben hat uns festlegen, uns keine Wahl zur Eigeninterpretation lassen, oder möchte er, dass wir seine Charaktere zu den unseren machen, sie in uns weiterleben und sich entwickeln lassen.

Ich weiss, dass hier die Geschmäcker auch bei den Lesern recht unterschiedlich sind. Mancher lässt sich sehr gern führen und ist regelrecht detailverliebt. :wink:

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BeitragVerfasst: Donnerstag 7. August 2008, 14:06 
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Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
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Caro hat geschrieben:
Hm. Wir erfahren über die Hauptakteure zwar mehr, als über die Nebenpersonen, aber eben auch nicht alles, bzw. nur Details, die Jane Austen wichtig sind, oder die sie braucht um eben ein festes Bild zu erzeugen. (So schien es ihr sehr wichtig gewesen zu sein zu erwähnen, dass Darcy groß und dunkel ist, eine äusserliche Defintition, die bei anderen fehlt.) (...) Der Witz ist ja gerade, dass Jane Austenzum Beispiel kaum einmal das Aussehen näher beleuchtet, aber in einigen, wenigen Fällen ist es ihr wichtig.


Sorry, Caro, da hab ich Dich falsch verstanden. Über das Äußere erfahren wir in der Tat praktisch gar nichts. In S&S gibt es meines Wissens keinen einzigen Hinweis auf irgendein äußeres Erscheinungsbild (also Klamotten, Größe, Haarfarbe, Statur etc.).


Zitat:
Das ist vor allem interessant für die Frage welche Charaktere wir als "gut" empfinden und warum, welche im Mittelfeld spielen und welche die "Bösen" sind. Da kommen unsere Emotionen ins Spiel. Wir gehen, ich auch, gleich zu Beginn davon aus, dass Brandon ein Guter ist, aber wir lernen ihn eigentlich nur von den Beschreibungen der anderen kennen. Das heisst, können wir den Charakteren in ihrer Beurteilung vertrauen (gerade einer leutseligen Person wie z.B. Sir Middleton oder Mrs. Jennings)?


Das stimmt. Aber da liegen wir dann ja auch richtig in der Einschätzung, die JA uns glauben machen wollte. :wink:

Zitat:
Wir gehen also automatisch davon aus, dass Brandon gegen den Sklavenhandel ist und sein Vermögen rechtmässig erarbeitet hat und eben kein Nabob ist, auch wenn Willoughby dies andeutet


Wo war das denn? Weißt Du noch das Kapitel? Dann les ich mal nach, ist mir ganz entgangen.

Zitat:
...so wie wir nur allzu bereit sind, von Willoughby das Schlechteste zu denken. Er benimmt sich hier und da wie ein Schuft, also verdammen wir ihn insgesamt, als ganze Person und gehen natürlich davon aus, dass er sich immer und grundsätzlich schlecht benimmt. Wie Julia bereits sagte, die "Schwarz-Weiß"-Schublade, die bei uns dann dazu führt, dass wir weder Elinors, noch Mariannes "Verständnis" oder gar Verzeihung für Willoughby nachvollziehen wollen oder können.


Ist es bei W. nicht so, dass JA uns ganz lange über seinen Charakter im Unklaren lässt? Nur ganz langsam beginnt doch z.B. Elinor zu ahnen, dass sich W. nicht korrekt verhält. Dann kommen die großen Offenbarungen und man denkt, mensch, ist das ein mieser Schuft. Und dann kommt die Aussprache mit Elinor und man merkt überrascht, dass Elinor ihr hartes Urteil teilweise revidiert. Bei W. funktioniert die "Schwarz-Weiß-Schublade" eben nicht. Im Grund wird W.s Charakter recht differenziert dargestellt, denke ich gerade so. Aber ich hab es ja schon gesagt: Ich finde in der Tat, dass W. ein übler Schurke ist. Wahrscheinlich bin ich irgendwie nachtragend. ;D


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BeitragVerfasst: Donnerstag 7. August 2008, 15:47 
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D'Arcy-Expertin mit Adelsaffinität
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Udo hat geschrieben:
Ist es bei W. nicht so, dass JA uns ganz lange über seinen Charakter im Unklaren lässt? Nur ganz langsam beginnt doch z.B. Elinor zu ahnen, dass sich W. nicht korrekt verhält. Dann kommen die großen Offenbarungen und man denkt, mensch, ist das ein mieser Schuft. Und dann kommt die Aussprache mit Elinor und man merkt überrascht, dass Elinor ihr hartes Urteil teilweise revidiert. Bei W. funktioniert die "Schwarz-Weiß-Schublade" eben nicht. Im Grund wird W.s Charakter recht differenziert dargestellt, denke ich gerade so. Aber ich hab es ja schon gesagt: Ich finde in der Tat, dass W. ein übler Schurke ist. Wahrscheinlich bin ich irgendwie nachtragend. ;D

Na ja, also ich fand ihn schon immer verdächtig. Schon allein wegen der Vorschußlorbeeren, die sich bei JA meist als voreilig herausstellen (siehe Mrs. Elton, Frank Churchill, etc.). dann eben seine Art ihn bei marianne madig zu machen. Er verkauft es als Spaß, ich finde es aber nicht zum Lachen. Bei mir war er demnach ziemlich früh unten durch ... :)

Und nachdem du nachtragender bist (wie die meisten Leser) als die Hauptpersonen, hat es ja auch bei dir gut funktioniert ... ;D :lach:

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BeitragVerfasst: Donnerstag 7. August 2008, 20:46 
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Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
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Ich habe gerade festgestellt, dass ich da oben Quatsch geschrieben habe. Zwar beschreibt JA das Äußere der Figuren selten und knapp, aber gar nicht stimmt gar nicht. Habe gerade das 10. Kapitel in S&S noch mal gelesen: Da werden Elinor und Marianne gleich am Anfang als sehr hübsch beschrieben mit Hinweisen auf Haut, Figur, Augen. Macht sie wahrscheinlich auch sonst öfter, als mir gerade in Erinnerung ist... (Nur über die Klamotten sagt sie hier nichts, aber ich erinnere mich gerade an die Zahnstocher-Szene - gab es da nicht Hinweise auf das Outfit des albernen Herrn? Egal.)

Ich finde übrigens JA auch heute noch lesenswert wg. ihrer Sprache, ihrer Ironie, ihrem Humor, ihrem Realismus... Vor allem aber, weil sie über sehr genau beobachtete Gefühle/Dinge/Beziehungen/Verhältnisse schreibt, die sich bis heute kaum verändert haben. Man kann einfach oft sehr gut nachvollziehen, was die Personen denken und fühlen, es ist glaubwürdig, plausibel - und oft lustig.


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BeitragVerfasst: Donnerstag 7. August 2008, 21:15 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Udo hat geschrieben:

Ich finde aber wie Du, dass JA recht sparsam mit direkten Beschreibungen der Personen ist. Das macht ja auch gute Literatur aus, oder? :wink:


Das finde ich auch.

Zum Aussehen:
Ich finde eigentlich gar nicht, dass JA hier wirklich "sparsam" mit Beschreibungen ist, sie beschreibt das, was für die Handlung, den Dialog oder die Personencharakterisierung wichtig ist und keinen Strich mehr. Ich mag es gerade, dass man als Leser die Freiheit hat, sich die beschrieben Person vorzustellen - das geht so interessanterweise viel besser, als wenn jedes Stoffmuster und jede Haarlocke erwähnt wird (wie z.B. bei Thomas Mann). Letzteres lese ich und vergesse es gleich wieder, aber JAs Figuren stehen mir sofort vor Augen. Eben weil man die Freiheit der Phantasie hat.

Dazu ist mir ein nettes Zitat aus "Northanger Abbey" eingefallen:

"he was (...) the most charming young man in the world. Any further description (...) must be unnecessary, the most charming young man in the world is instantly before the eyes of us all." (Kaptel 30) ;D

Und an einer anderen (Brief)Stelle schreibt sie über P&P, (nachdem ihr auffiel, dass ein Satz mehr hier und da für einige Leser vieles klarer gemacht hätte,) dass sie schließlich auch nicht für so dumme Leute schreiben würde. :wink:

Zum Charakter:
Die sind meiner Meinung nach sehr eindeutig. Wir diskutieren hier zwar oft und ausdauernd über gewisse Details, aber meiner Meinung nach, stehen die Hauptcharaktere doch ziemlich "unerschütterlich" da. Man spürt, was das für ein Typ Mensch ist bzw. sein soll, weil die Person nicht direkt und von außen beschrieben wird, sondern handelt, spricht, denkt und so lebendig wird. Das ist viel glaubwürdiger und funktioniert für meinen Geschmack auch viel besser, als wenn mir der Charakter auf dem Tablett vorgekaut serviert wird.
Ich habe in all unseren Diskussionen noch keinen gehört, der fundamental überrascht war über etwas, was Lizzy/Elinor/Emma/Fanny/Anne ... getan oder gesagt hat oder meinte, das passe nicht zu ihm/ihr. Das ist doch sicher kein Zufall.
Die Hauptfiguren sind in ihrem Charakter sehr gradlinig und klar, aber eben zum großen Teil indirekt beschrieben.

Dass sich hier und da Fanfiction-Autoren über diese Gegebenheiten hinwegsetzten hat für mich nicht so viel mit Jane Austens Stil zu tun ... (sondern damit, das manche einfach vor nichts zurückschrecken! :aetsch: )


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BeitragVerfasst: Freitag 8. August 2008, 01:33 
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Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
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Julia hat geschrieben:
Ich mag es gerade, dass man als Leser die Freiheit hat, sich die beschrieben Person vorzustellen - das geht so interessanterweise viel besser, als wenn jedes Stoffmuster und jede Haarlocke erwähnt wird (wie z.B. bei Thomas Mann). Letzteres lese ich und vergesse es gleich wieder, aber JAs Figuren stehen mir sofort vor Augen. Eben weil man die Freiheit der Phantasie hat.


Wobei JA möglicherweise auch deshalb die Stoffmuster und Haarlocken nicht beschrieben hat, weil sie sicher sein konnte, dass zumindest bei den Klamotten allen Lesern einigermaßen klar war, was man so trug. Die Regency-Mode hat mich bisher kaum beschäftigt - so hätte ich beim ersten Lesen Mühe gehabt, mir die Leute plastisch vorzustellen. Das habe ich warum auch immer (weiß ich wirklich nicht) allerdings nicht gemacht. Tja, und seid ich die Filme gesehen habe, ist sowieso alles vorgeprägt.

Zitat:
Zum Charakter:
Die sind meiner Meinung nach sehr eindeutig. Wir diskutieren hier zwar oft und ausdauernd über gewisse Details, aber meiner Meinung nach, stehen die Hauptcharaktere doch ziemlich "unerschütterlich" da. Man spürt, was das für ein Typ Mensch ist bzw. sein soll, weil die Person nicht direkt und von außen beschrieben wird, sondern handelt, spricht, denkt und so lebendig wird. Das ist viel glaubwürdiger und funktioniert für meinen Geschmack auch viel besser, als wenn mir der Charakter auf dem Tablett vorgekaut serviert wird.
Ich habe in all unseren Diskussionen noch keinen gehört, der fundamental überrascht war über etwas, was Lizzy/Elinor/Emma/Fanny/Anne ... getan oder gesagt hat oder meinte, das passe nicht zu ihm/ihr. Das ist doch sicher kein Zufall.


Ich denke auch, dass man einen klaren Eindruck bekommt - und dass dieser Eindruck sich meist auch bestätigt. (Auch wenn es bei Willoughby und Wickham etwas dauert, bis ganz klar ist, wie übel sie drauf sind.) Zwielichtige Gestalten gibt es doch gar nicht bei JA, oder? Dabei ist es, wie Caro auch beschreibt: Sie lässt der Phantasie viel Spielraum, gibt aber einen klaren Rahmen vor. Bei den Hauptfiguren lässt sie uns dabei auch oft teilhaben an Gedanken und Gefühlen, bei den anderen schafft sie es, auch ohne in die Tiefe zu gehen, ein klares Bild zu wecken.
Wobei man dann natürlich auch auf die Idee kommen könnte, dass das daran liegt, dass die Typen schlicht sehr simpel angelegt sind...


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BeitragVerfasst: Freitag 8. August 2008, 07:24 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Registriert: Mittwoch 19. Oktober 2005, 21:13
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Udo hat geschrieben:
Wobei man dann natürlich auch auf die Idee kommen könnte, dass das daran liegt, dass die Typen schlicht sehr simpel angelegt sind...


Im Vergleich zu komplexeren, modernen Charakteren sind sie das sicher auch.

Die Geschichten funktionieren auf ganz vielen verschiedenen Ebenen, denke ich. Sie überfordern keinen Leser, der eher an der Oberfläche bleiben will - bieten aber gleichzeitig genügend Interpretationsspielraum und Projektionsfläche für die, die mehr sehen wollen. :wink:
(In einem Essay wurden JAs Romane mal mit Mozarts Musik verglichen - für die obiges ja auch zutrifft. Sehr passend, wie ich fand.)


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BeitragVerfasst: Freitag 8. August 2008, 10:08 
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D'Arcy-Expertin mit Adelsaffinität
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Registriert: Mittwoch 28. Juni 2006, 12:57
Beiträge: 6713
Wohnort: Bayern
Julia hat geschrieben:
Die Geschichten funktionieren auf ganz vielen verschiedenen Ebenen, denke ich. Sie überfordern keinen Leser, der eher an der Oberfläche bleiben will - bieten aber gleichzeitig genügend Interpretationsspielraum und Projektionsfläche für die, die mehr sehen wollen. :wink:

Das hast du wirklich schön gesagt! :top: :knuddel:

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BeitragVerfasst: Freitag 8. August 2008, 11:34 
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Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
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Registriert: Mittwoch 9. April 2008, 16:07
Beiträge: 3080
Julia hat geschrieben:
Die Geschichten funktionieren auf ganz vielen verschiedenen Ebenen, denke ich. Sie überfordern keinen Leser, der eher an der Oberfläche bleiben will - bieten aber gleichzeitig genügend Interpretationsspielraum und Projektionsfläche für die, die mehr sehen wollen.


Das stimmt mit meiner Leseerfahrung überein. Ich hatte ja schon mal berichtet, dass ich die Bücher erst sehr schnell gelesen habe und mich (auch) bestens unterhalten fühlte - und das, obwohl ich nicht zwingend an der Oberfläche bleiben will. Was da alles dahintersteckt, ist mir dann beim Groupread S&S klarer geworden. Wahrscheinlich entdeckt man (wie bei den meisten guten Büchern) noch ganz viel mehr, wenn man sie öfter liest.

Dass die Charaktere nicht sehr komplex sind, ist natürlich nicht als ernsthafter Vorwurf gemeint. Es ist ja umgekehrt so, dass erst JA literarischen Figuren Leben eingehaucht hat, sie sehr glaubwürdig in realistischen Situationen gezeichnet hat. Wenn man da etwa an Scott denkt... Eben das führt ja auch dazu, dass ihre Bücher immer noch lesenswert sind, während Scotts Bücher heute irgendwie eher was für Jugendliche sind, oder?


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