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 Betreff des Beitrags: Thesen über Jane Austens Romane
BeitragVerfasst: Montag 28. Mai 2012, 10:33 
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Austenfrischling

Registriert: Montag 28. Mai 2012, 10:14
Beiträge: 4
Hallo ihr Lieben,

erstmal muss ich ein ganz großes Lob aussprechen, das ist ja wirklich der Wahnsinn was ihr da tolles geschaffen habt :)
Mich hat schließlich mein Studium hier her geführt, ich studiere Englisch und habe bald meine Literaturprüfung, hier für habe ich unter anderem Jane Austen und ihre 6 Romane als Thema gewählt.
Leider hatte ich vorher nicht sooo viel Kontakt mit ihren Werken bzw. bin ich nie sonderlich in die Tiefe gegangen, dafür jetzt natürlich umso mehr...Und da Literatur natürlich auch vom Austausch mit "Gleichgesinnten" lebt, freue ich mich sehr über dieses Board :)

Hatte jemand von euch eigentlich auch Jane Austen als Prüfungsthema?
Das wäre natürlich super toll, um sich über Sekundärliteratur und Thesen auszutauschen.

Ich habe mir vor allem in Bezug auf die Thesen schon ein bisschen was überlegt bzw mit Kommilitonen erarbeitet und würde mich freuen ein paar Expertenkommentare zu erhalten:)

1) ....die Hochzeiten in Jane Austens Romanen heben die Abhängigkeit der Frauen in Bezug auf Heirat hervor, um finanzielle und soziale Sicherheit während des 18. und 19. Jahrhunderts zu erreichen

2)...die Hochzeiten der Heldinnen in Jane Austens Romanen sind das genaue Gegenteil der konventionellen Hochzeiten ihrer Zeit....

3)....die Happy Ends in Austens Romanen kommen dadurch zustande, dass die Hauptcharaktere etwas über sich selbst lernen was widerrum zu einer grundlegenden Veränderung in ihrem Denken oder ihrem Herzen führt...

Entschuldigt, die sehr holprigen Formulierungen, aber ich mache das ganze auf Englisch und habe mich jetzt nur um den Sinn bemüht :)

Ich freue mich von euch zu lesen & mich mit euch auszutauschen!


Seid lieb gegrüßt!

Eure Austen_Studentin


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 Betreff des Beitrags:
Verfasst: Montag 28. Mai 2012, 10:33 


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 Betreff des Beitrags: Re: Thesen über Jane Austens Romane
BeitragVerfasst: Montag 28. Mai 2012, 21:22 
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Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
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Registriert: Mittwoch 9. April 2008, 16:07
Beiträge: 3080
Herzlich willkommen!

Und Respekt: du hast dir für deine Prüfung gleich alle sechs Romane vorgenommen! Ist das deine Abschlussprüfung? Mir fällt auf, dass sich deine Thesen ausschließlich auf die Hochzeiten und die Happy Ends beziehen - warum hast du dich gerade darauf konzentriert?

Zu deinen Thesen: So viele Hochzeiten (abgesehen von denen am Ende) gibt es doch gar nicht in den Romanen. Heiratet in Northanger Abbey jemand? Oder in Sense & Sensibility? Oder in Persuasion? Mir fallen gerade neben den Heldinnen-Ehen nur Hochzeiten in Emma, Mansfield Park und P&P ein. P&P scheint mir übrigens perfekt zu sein als Beleg für deine Thesen, für These 1 kannst du dich sehr gut auf Charlotte Lucas beziehen, die nur aus der Not heraus Mr. Collins heiratet (und Mrs. Bennets Ängste passen auch dazu). Ansonsten denke ich, dass die Tatsache, dass Frauen damals heiraten mussten, um versorgt zu sein, für Austen so selbstverständlich war, dass sie dafür keine Beispiele kreieren musste, um diesen Umstand anzuprangern.

Die Kritik daran findet sich in deiner These 2: Ja, das Besondere an den Heldinnen-Ehen ist, dass sie aus Liebe heiraten - entgegen den Konventionen und besonders gern auch über soziale Schranken hinweg. Das wurde auch schon als die feministische Seite von Austen gedeutet. Ich finde bemerkenswert, dass fast alle Ehepaare bei Austen mehr oder weniger karikiert werden - denk mal in S&S an die Palmers und Dashwoods, aber auch an die Bennets in P&P und die Bertrams in Mansfield Park usw....

Auch deine 3. These passt perfekt auf P&P, wo beide Hauptfiguren sich entwickeln müssen. Irgendwie sind alle sechs Romane auch Bildungsromane - es geht darum, wie sich der Charakter bildet. Interessant ist, dass es in Mansfield Park und Persuasion eher die Männer als die Frauen sind, die sich entwickeln müssen, um ihr Herz für die Richtige zu erkennen.

Ansonsten: Morgen im Austen-Chat geht es um Romantik bei Austen - das passt irgendwie auch zu deinem Thema....


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 Betreff des Beitrags: Re: Thesen über Jane Austens Romane
BeitragVerfasst: Dienstag 29. Mai 2012, 14:35 
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D'Arcy-Expertin mit Adelsaffinität
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Registriert: Mittwoch 28. Juni 2006, 12:57
Beiträge: 6713
Wohnort: Bayern
Um ehrlich zu sein, finde ich es unpassend, wenn es allgemein um Thesen zu JA-Romanen geht, den Schwerpunkt ausgerechnet aufs Heiraten zu setzen.

Wie Udo schon schrieb, geht es in den meisten Romanen nicht vordergründig ums heiraten, zumindest betreiben die Hauptcharktere dies nicht. Einzig Mrs. Bennet und Lydia Bennet kann man hier ausnehmen. Und Charlotte Lucas hat eine Sonderstellung, da sie eine alte Jungfer ist, aus einem kinderreichen Haus kommt und weder hübsch noch sonstwie prädestiniert einen Mann an sich zu fesseln. Ihr Vater ist "geknighted" und sie kann natürlich nicht Gouvernante werden. Collins ist ihre letzte Chance auf Selbstständigkeit. Ja trotz und vor allem in der Ehe, zumindest in der hier geschilderten Konstellation.

Du solltest hier mehr Gewicht auf den geschilderten Gesellschaftsbereich legen, auf die Frage, warum sich für die eine junge Dame nur die Ehe als Ausweg bietet (z.B. Charlotte) und warum ihr sogar Collins lieber ist, als daheim zu bleiben, und warum eine Ehe überhaupt für Andere wie Emma Woodhouse, ja sogar Caroline Bingley (die sich ja nun theoretisch auch langsam umsehen sollte) nicht unbedingt erstes trachten ist. Caroline Bingley kann heiraten, muss aber nicht und sie hat sich auf einen ganz bestimmten Gentleman festgelegt. Emma Woodhouse verkuppelt andere Damen gern, findet aber selbst die Ehe nicht unbedingt erstrebenswert.
Lizzy, z.B. die einen finanziellen Zwang zum Heiraten spüren sollte, lehnt ja zwei Heiratskandidaten ab. Mag es gute Gründe geben, war das dennoch ganz schön selbstbewusst. Sie hatte/hätte zwar den Vater im Rücken, aber genau deshalb kann sich sich diese Erhabenheit leisten. Theoretisch hätte der Vater, wie von der Mutter gewollt, sie zwingen können. Von Darcy weiß er nichts, aber hier gelten bezüglich dem ersten Antrag die gleichen Regeln.

JA schreibt über die Gentry, wodurch zeichnet sich diese aus, mit welchen Regeln und Konventionen leben ihre "Mitglieder"? Was bedeuetet es für diese sich darüber hinwegzusetzen?

Selbst die Dashwood-Schwestern, die es zwar nötig hätten, und vor allem deren Mutter, sind nicht wirklich in erster Linie fixiert auf einen Gatten. Sie verlieben sich, gut, aber sie lustwandeln nicht auf dem Heiratsmarkt, bieten sich zumindest nicht an. Daß Marianne sich verliebt ist eine Sache, aber die Kuppelversuche der Jennings sind ihr überaus unangenehm und werden als unangebracht empfunden.

Sophia Grey wiederum hat durch die Ehe mit Willoughby nur zu erwarten, dass er ihre Mitgift durchbringt und heiratet ihn dennoch.

Der Schwerpunkt liegt also nicht nur in der Versorgung. Eine verheiratete Frau hatte übrigens einen anderen Stellenwert oder sogar Status, wie dies besonders deutlich im Bezug auf Lydia Wickham gesagt wird.

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Zuletzt geändert von Caro am Mittwoch 30. Mai 2012, 08:29, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Thesen über Jane Austens Romane
BeitragVerfasst: Dienstag 29. Mai 2012, 22:33 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Registriert: Mittwoch 19. Oktober 2005, 21:13
Beiträge: 4781
Ich vermute es handelt sich um eine mündliche Prüfung (wegen den Thesen) - und da macht es schon Sinn, das Thema einzugrenzen bzw. das muss man tun. Also wäre die Überschrift "Die Rolle der Ehe in JAs Romanen" oder sowas ähnliches?

Falls das so ist, bzw. Du in diese spezielle Richtung gehst, würde ich in irgendeiner Form die schon bestehenden Ehen in den Romanen miteinbeziehen. Also nicht nur die Heirat der Heldinnen/Helden, sondern auch die Ehen der Nebenfiguren, die zu Beginn der Romanhandlung schon verheiratet sind/waren. Ich denke, das könnte eine interessante zusätzliche Perspektive sein. Auf die Romane, auf die Haupthandlung, die "Happy Ends", auf die Rolle der Ehe in JAs Zeit, usw.


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 Betreff des Beitrags: Re: Thesen über Jane Austens Romane
BeitragVerfasst: Mittwoch 30. Mai 2012, 09:28 
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D'Arcy-Expertin mit Adelsaffinität
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Registriert: Mittwoch 28. Juni 2006, 12:57
Beiträge: 6713
Wohnort: Bayern
Julia hat geschrieben:
...
Falls das so ist, bzw. Du in diese spezielle Richtung gehst, würde ich in irgendeiner Form die schon bestehenden Ehen in den Romanen miteinbeziehen. Also nicht nur die Heirat der Heldinnen/Helden, sondern auch die Ehen der Nebenfiguren, die zu Beginn der Romanhandlung schon verheiratet sind/waren. Ich denke, das könnte eine interessante zusätzliche Perspektive sein. Auf die Romane, auf die Haupthandlung, die "Happy Ends", auf die Rolle der Ehe in JAs Zeit, usw.

Vor allem eben die Gesellschaftsschicht in der sie sich bewegen, die Rolle der Frau an sich. Welche Möglichkeiten hatten sie zur freien Entfaltung, freien Entscheidung und wie sah das Frauenbild aus. Welche Frauenbilder entwirft JA in ihren Charakteren (Haupt- und Nebenrollen) und wird ihre Einstellung darin sichtbar?

Man könnte auf den ersten Blick meinen, JA selbst propagiere die Liebesheirat, gäbe es nicht die Gegenbeispiele: Die Ehe der Bennets und auch die der Bertrams. Interessant dabei, dass gerade die die ältere Generation bei ihrer Liebesheirat gewissermassen daneben griff. Dann wären noch Lydia und auch Maria Rushworth, die sich ihren Leidenschaften und damit der Liebe kopflos hingeben. na ja, nicht ganz. Lydia fand es ja nun auch unerhört lustig, als erste verheiratet zu sein. Stellt sich die Frage, ob sie auch mit Carter, oder einem anderen durchgebrannt wäre.
Und genau hier zieht JA die Grenze. Liebe ja, aber eine überlegte, sorgsame Liebe, nicht die unbedachte, ungestüme, unvernünftige. Genau das muss auch Marianne Dashwood begreifen. Romantische Verklärung passt nicht wirklich zur Liebe, sie führt auf einen falschen Weg.

Ich fände es dennoch weitaus interessanter würden sich mehr Arbeiten mit JAs Gesellschaftsbild/ern befassen und darüber, dass sie sich eigentlich in jedem Roman über den falschen ersten Eindruck auslässt. In jedem Roman gibt es "Neulinge" die mit Vertrauensvorschub empfangen werden und als glänzende Gesellschaft/er gelten und dann deckt JA gewissermassen ihre Abgründe und Hintergründe auf. Prangert sie damit nicht die Oberflächlichkeit der Gesellschaft an, für die ein ausreichendes Einkommen und gesellschaftlicher Schliff bereits zu Höherem befähigt und natürlich genügt, um höchst Willkommen zu sein?

Hier reizt mich Mr. Bennet besonders, der sogar nach dem Skandal ob nun ironisch oder nicht, indirekt bemerkt, Wickham wäre ihm immer noch der liebste, weil unterhaltsamste Schwiegersohn.

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 Betreff des Beitrags: Re: Thesen über Jane Austens Romane
BeitragVerfasst: Montag 4. Juni 2012, 20:36 
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Austenfrischling

Registriert: Montag 28. Mai 2012, 10:14
Beiträge: 4
Sooo ihr Lieben, vielen Dank für eure Kommentare, kann ab jetzt noch mehr davon gebrauchen.
Genau es handelt sich um eine mündliche Prüfung an der Uni und ich habe mich jetzt auch mit meinem Prof auf eine These geeinigt....Er fand zwar alle ganz gut, aber ich find doch den Bildungsprozess der Protagonisten der dann schließlich auch zum Happy End führt am spannendsten und kann man auch am besten auf alle 6 Romane anwenden (was dann auch in der Prüfung verlangt wird).
Ich habe das in den ersten Ansätzen schon versucht und würde mich über Kommentare, Verbesserungen und Anregungen von euch Experten sehr freuen, wenn ich mich ein bisschen mit euch austauschen dürft.
Vielleicht diskutieren wir erst mal über Emma, wo und bei wem seht ihr Bildungsprozesse? Wodurch oder durch wen werden sie verursacht? Hier mal meine ersten Gedanken:

Emma ist ein klassischer Bildungsroman und basiert auf Goethes "Wilhelm Meisters Lehrjahre"
 sie selbst wird als hübsch, intelligent und reich beschrieben und besitzt eigentlich alle Eigenschaften, die es sich zu besitzen lohnt, allerdings zeigt sich bald, dass ihre Moral Lücken aufweist
 sie hat sich ganz der "Kuppelei" verschworen und drängt anderen dabei ihren Willen auf
 gibt vor, dass sie sich um die Gefühle der anderen sorgt, aber eigentlich will sie nur ihren Kopf durchsetzen (wie z.B. bei Harriet --> mit ihr springt sie um, wie mit einer Puppe)

Emmas Lernprozess zieht sich durch den kompletten Roman, denn dank Mr. Knightley wird sie auf ihre eigenen Fehler aufmerksam (Picknick - Miss Bates, Fehlverhalten Harriet gegenüber), wenn auch schmerzlich...
Emma lernt ihre eigenen Handlungen kritisch zu reflektieren und erst als sie sich nicht mehr auf andere sondern auf sich selbst konzentriert, erkennt sie ihre Liebe zu Mr. Knightley. :vuvu:

Gibt es noch mehr?

Ich grüße euch ganz lieb! :)


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 Betreff des Beitrags: Re: Thesen über Jane Austens Romane
BeitragVerfasst: Dienstag 5. Juni 2012, 09:27 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Registriert: Mittwoch 19. Oktober 2005, 21:13
Beiträge: 4781
Zitat:
Emma ist ein klassischer Bildungsroman und basiert auf Goethes "Wilhelm Meisters Lehrjahre"

Damit lehnst Du Dich glaube ich ziemlich weit aus dem Fenster. Oder meinst Du damit, "Emma" wäre ein Bildungsroman nach dem Muster von "Wilhelm Meister"? Finde ich trotzdem ein schwierige Parallele, weil Du damit auch einiges über die Goethe-Rezeption in England sagen müsstest ... was ja mit Deinem Thema nicht soviel zu tun hat?!
Wenn schon "Bildungsroman", dann wären eher englische Vorbilder als Referenz sinnvoll, denke ich.

Könntest Du zugunsten einer klareren Diskussion nochmal genau Dein Thema formulieren? Was Du schreibst, klingt als Ansatz spannend, aber ich bin nicht sicher, ob ich es genau verstanden habe, was speziell Du auf alle 6 Romane "anwenden" willst.

Bzgl. "Emma". Als aktives "Kuppeln" würde ich persönlich nur ihr Verhalten im ersten Teil des Buches bezeichnen, also wenn sie versucht, Harriet und Mr Elton zusammenzubringen. Oder ihre Äußerungen bzgl. ihrer "Hilfe" bei Mr & Mrs Westons Ehe - worüber wir aber nur rückblickend etwas erfahren. Nach der Pleite mit Mr Elton, stürzt sie sich zwar (auch mit Frank Churchill!) in Vermutungen und Spekulationen, wer an wem interessiert sein könnte, aber sie manipuliert meiner Meinung nach nicht mehr so bewusst und aktiv. Mr Knightleys harsche Kritik an ihr (die letztendlich zur Auflösung des Ganzen führt) bezieht sich auch nicht auf ihre "Kuppelei", sondern ihr respektloses, vernachlässigendes Verhalten. Jane Fairfax gegenüber und Miss Bates.
Ich würde also sagen, Emmas Lernprozess ist ganz allgemein, ihr Verhalten anderen Menschen gegenüber zu verbessern, sich selbst und ihre Bedürfnisse (hier eben auch, aber nicht nur der Wunsch nach Unterhaltung durch "Kuppeleien") in den Hintergrund zu stellen. In Richtung Respekt, Achtung und ehrlicher Anteilnahme. Auch wenns mühsam sein mag.
Ein wesentlicher Aspekt ist hier finde ich auch Emmas Stellung im Haus ihres Vaters und in Highbury. Sie nimmt sich als Mittelpunkt ihrer Welt war, sie ist vielen ihrer Mitmenschen finanziell und geistig überlegen. Das schmeichelt und macht eitel, aber es ist auch langweilig. Das wird immer wieder betont im Buch: Emma hat kaum gleichwertige Gesellschaft. Ihre Spekulationen über ihre Mitmenschen entspringen zu großem Teil dieser Langeweile/Unterforderung, denke ich. Weil sie sich hauptsächlich mit sich selbst und ihren eigenen Interessen beschäftigt.

Interessant fände ich auch das Paar Frank/Jane. Sie werden auch mit einem Happy End belohnt - aber geht diesem ein Lernprozess im Sinne eines "Bildungsromans" voraus? Ich würde spontan sagen: nein. Sie sehen zwar ein, dass ihr Verhalten falsch ist und leiden darunter - aber zumindest Franks Brief klingt ja nicht danach, als wäre er "geläutert".
Auch über Harriets Lernprozess könnte man sich Gedanken machen, auch sie "bekommt" ja schlussendlich ihren Mr Martin. Hat sie gelernt, sich nicht mehr so sehr von anderen leiten zu lassen? Danach könnte man im Text mal suchen ...
(Aber vielleicht reicht es, sich im Rahmen der Prüfung auf die Hauptfiguren zu konzentrieren.)
Ebenso könnte man überlegen, ob der Lernprozess, die "Reifung" der jeweiligen Personen ein Indiz dafür ist, wie "erfolgreich" und glücklich die Ehe wird. Und überhaupt: Gibt es bei Mr Knightley einen vergleichbaren Prozess, oder ist er schon "perfekt"? Immerhin ist er der moralische Fixpunkt im Roman bzw. für Emma.


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 Betreff des Beitrags: Re: Thesen über Jane Austens Romane
BeitragVerfasst: Montag 11. Juni 2012, 08:45 
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D'Arcy-Expertin mit Adelsaffinität
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Registriert: Mittwoch 28. Juni 2006, 12:57
Beiträge: 6713
Wohnort: Bayern
Austen_Studendin hat geschrieben:
Emma ist ein klassischer Bildungsroman und basiert auf Goethes "Wilhelm Meisters Lehrjahre"
 sie selbst wird als hübsch, intelligent und reich beschrieben und besitzt eigentlich alle Eigenschaften, die es sich zu besitzen lohnt, allerdings zeigt sich bald, dass ihre Moral Lücken aufweist
 sie hat sich ganz der "Kuppelei" verschworen und drängt anderen dabei ihren Willen auf
 gibt vor, dass sie sich um die Gefühle der anderen sorgt, aber eigentlich will sie nur ihren Kopf durchsetzen (wie z.B. bei Harriet --> mit ihr springt sie um, wie mit einer Puppe)


Wie kommst du darauf, Emma wäre unmoralisch bzw. habe Lücken? :gruebel:

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