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 Betreff des Beitrags: Liebe in Jane Austens Romanen
BeitragVerfasst: Mittwoch 16. Januar 2008, 12:14 
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D'Arcy-Expertin mit Adelsaffinität
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Tina hat geschrieben:
Einspruch! :wink: Die Romane von JA sind auch Liebesromane. Sicher enthalten sie noch weit mehr, aber leider ist es so, dass die meisten Menschen an JA als Verfasserin von Liebesromanen denken. Von daher kann ich es nicht als deplaziert empfinden, im Zusammenhang mit den Romanen von JA auch über Liebe zu sprechen.

Ich glaube bei dieser Frage geht es darum, dass Liebe an sich nicht wirklich das zentrale und alles bestimmende Thema von Jane Austen ist. Ihre Helden finden sich und heiraten, aber wir erfahren mehr über die Gesellschaft in der sie leben, das soziale Gefüge, ihre Charaktere, als über die inneren Leidenschaften unserer Heldinnen. Bei Jane Austen dreht sich eben nicht alles über Liebesfreud und Liebesleid incl. detaillierter und umfassender Beschreibungen derselben. Insofern schreibt sie keine "Liebesromane" im Sinn dieses Wortes.

Wie lange dauert es, bis Emma einfällt, dass Sie Knightley liebt, bis Lizzy merkt, dass sie Darcy liebt usw. Anfänglich geht es in JAs Romanen eben nicht um die alles überstrahlende Liebe, sondern um die allgemeinen Beziehungen untereinander. Auch in Mansfield Park ist nicht Fannys Liebe das zentrale Thema. Wir erfahren davon, aber weit mehr erfahren wir über die BERTRAMS und die Prices, davon wie ihre Cousinnen und andere Personen sich benehmen, wie sie in verschiedenen Situationen agieren und was Fanny davon hält.

Es ist halt auch nicht jeder Roman, der eine Liebe erwähnt und/oder mit einer Hochzeit endet per se ein Liebesroman. :)

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Avatar: Amelia Darcy (1754-1784)

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Verfasst: Mittwoch 16. Januar 2008, 12:14 


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 Betreff des Beitrags: Re: Liebe in Jane Austens Romanen
BeitragVerfasst: Samstag 19. Januar 2008, 19:40 
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Austenbegeistert
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Leider wird die Formulierung "Liebesroman" ja meist abwertend benutzt indem suggeriert wird daß sich alles nur um die 5 Buchstaben dreht (oder gar nur um die 3 :lach: )

Tatsächlich ist jeder Roman in dem das Leben einer oder mehrerer Personen geschildert wird kaum denkbar ohne die eine oder andere Beschreibung der Liebe und ihrer Auswirkung.

Natürlich hat Jane Austen über die Liebe geschrieben aber eben auch über VIELES andere mehr.

Übrigens gibt es ein Inseltaschenbuch mit dem Titel "Jane Austen - über die Liebe" mit ausgewählten Texten eben zu diesem Thema - und es hat sage und schreibe nur 134 Seiten (wenn auch nicht vollständig oder immer passend ausgewählt)

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 Betreff des Beitrags: Re: Liebe in Jane Austens Romanen
BeitragVerfasst: Mittwoch 23. Januar 2008, 12:52 
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D'Arcy-Expertin mit Adelsaffinität
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@Somima
Ja, erwähntes Buch ist von Felicitas von Lovenberg, einer Dame die mir nicht so liegt. Julia wollte ihr sogar einen schweren Gegenstand an den Kopf werfen. :lach:
Wir haben im Thread "Biografien allgemein" kurz darüber gesprochen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Liebe in Jane Austens Romanen
BeitragVerfasst: Mittwoch 23. Januar 2008, 13:00 
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D'Arcy-Expertin mit Adelsaffinität
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Mir ist die letzten Tage verstärkt aufgefallen, bisher hab ich nur nicht bewusst darüber nachgedacht, dass sich tatsächliche alle Heldinnen bei Jane Austen sehr gut verheiraten. Das meine ich jetzt weder kritisch, noch negativ. es fällt mir nur auf, weil die Nebenfiguren halt durchaus auch problematische Beziehungen und/oder Ehen führen.

Kann es sein, dass Jane Austen hier auch eine Art moralischen Finger hob, um damit zu sagen, dass eine integere Person, die charakterlich an sich arbeitet das spätere Glück und die Liebe auch verdient, zumal ja der kleine Ausblick den sie uns gestattete durchaus positiv war?

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 Betreff des Beitrags: Re: Liebe in Jane Austens Romanen
BeitragVerfasst: Mittwoch 23. Januar 2008, 20:08 
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Austenbegeistert
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Caro hat geschrieben:
Mir ist die letzten Tage verstärkt aufgefallen, bisher hab ich nur nicht bewusst darüber nachgedacht, dass sich tatsächliche alle Heldinnen bei Jane Austen sehr gut verheiraten.

Kann es sein, dass Jane Austen hier auch eine Art moralischen Finger hob, um damit zu sagen, dass eine integere Person, die charakterlich an sich arbeitet das spätere Glück und die Liebe auch verdient?



Ich glaube daß sie damit wahrscheinlich auch ihrem Ideal von "Heirate nur aus Liebe oder gar nicht" Ausdruck verleihen wollte. Jede ihrer Heldinnen heiratet ja immerhin aus Liebe und die meisten auch noch sehr wohlhabende Männer.

(Edward Ferrars oder Edmund Bertram werden wohl als Pfarrer gut versorgt aber keinesfalls reich gewesen sein)

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 Betreff des Beitrags: Re: Liebe in Jane Austens Romanen
BeitragVerfasst: Mittwoch 23. Januar 2008, 20:23 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Ich denke, es ist weniger die Moral als eine "Belohnung". Jemand, der an sich arbeitet, sich bildet (in jeder Hinsicht), aus seinen Schwächen lernt, der wird mit der "großen Liebe" belohnt. (Oder dem, was die jeweilige Person darunter versteht.)
Die Welt in der sich die Austen-Helden bewegen ist (emotional) ja in jedem Roman auf eine individuelle Art mehr oder weniger trüb, kalt, einsam und häßlich. Die erfüllte Liebe bzw. Ehe ist so eine Art Ideal, das im restlichen Roman nicht vorkommt. Eine "höhere Bewusstseinsebene" wenn man so will, auf jeden Fall etwas, was die beiden Helden weit über die übrige Romanbevölkerung hinaushebt, emotional und intelektuell.

So habe ich es zumindest immer verstanden, denn die jeweiligen Heldinnen/Helden hoffen oder träumen ja nicht den Roman über explizit von Liebe oder Ehe, und dieser eine Traum erfüllt sich dann am Ende.


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 Betreff des Beitrags: Re: Liebe in Jane Austens Romanen
BeitragVerfasst: Freitag 25. Januar 2008, 10:12 
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D'Arcy-Expertin mit Adelsaffinität
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@somima
Nun ja, es ist schon bezeichnend, dass die Männer, die geheiratet werden durchaus aus sehr gutem Hause kommen, die Heldinnen also besser heiraten, als mit ihren Möglichkeiten vielleicht zu erwarten wäre, auch bei Edward Ferrars und Edmund Bertram ist das so.

Wenn es rein um die Liebe bzw. die Ehe aus Liebe gewesen wäre, hätte ja eines der Mädels theoretisch auch einen armen Schlucker heiraten können und trotzdem glücklich sein können. So eine Geschichte hat JA aber nicht geschrieben. Deshalb sehe ich hier schon, wie auch Julia, den Aspekt der Belohnung. Also nicht das Streben nach Höherem, sondern den Hintergedanken, dass die Heldinnen sich das Glück , und damit auch die bessere Partie, vorher rechtmässig earbeitet und verdient haben, wie man sagen würde.

@Julia
Da sind wir uns ja im Großen und Ganzen einig. :)
Moralisch war vielleicht vorhin nicht das richtige Wort, aber eine Belohnung bedingt in jedem Fall eine zuvor erfolgte positive Handlung und/oder gute Leistung, wie du es ja treffend beschrieben hast. Eine charakterliche Arbeit an sich selbst beeinhaltet für mich aber doch auch meist einen moralischen Aspekt, weil ein an sich unmoralischer Mensch oft nicht in der Lage ist sich positiv zu entwickeln. :wink:

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Zuletzt geändert von Julia am Freitag 25. Januar 2008, 15:40, insgesamt 1-mal geändert.
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 Betreff des Beitrags: Re: Liebe in Jane Austens Romanen
BeitragVerfasst: Freitag 25. Januar 2008, 14:45 
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Nachtrag: Wenn man sich die einzelnen Paare genauer ansieht, gibt es wirklich eine bestimmte Linie der "Belohnung" oder "Bestrafung":

1. P&P:
- Lizzy heiratet Darcy, weil sie sich selbstkritisch hinterleuchtet und feststellt, dass jedes Ding, zwei Seiten hat, und kein Mensch nur "gut" oder nur "schlecht" ist, man Charaktere also hinterfragen muss, bevor man sich eine Meinung bildet
- Jane ist ohnehin gut, ein Engel, wie es heisst, aber sie erobert die kleinere Partei, wenn auch trotzdem besser, als zu hoffen gewesen wäre
- Lydia kriegt eine schlechte Partie, weil sie eindeutig unmoralisch handelt und sich nicht ändert
- Kitty kriegt (in JA's Augen, wie wir von Briefen etc. wissen) einen Pfarrer, denn sie lässt sich am Schluß vom guten Beispiel ihrer Schwestern Lizzy und Jane leiten
- Mary kriegt (in JA's Augen, aus gleicher Quelle) einen Anwalt, der so mittelmässig einzustufen ist.

2. S&S:
- Marianne muss am meisten an sich arbeiten, sie heiratet auch Brandon, der die bessere Partie ist
- Elinor ist zwar gut, muss sich aber nicht wirklich wandeln, wenn auch eventuell etwas mehr aus sich herausgehen, und kriegt Edward, den sie liebt. Brandon hat ihm allerdings zuvor schon eine Kirche in Aussicht gestellt, wodurch Edward zumindest in der Lage ist eine Familie zu ernähren.
- Bei Lucy und Robert bin ich mir nicht sicher, ob Robert tatsächlich die bessere Partie ist. Finanziell vielleicht, zumindest im Moment, dennoch gibt es keinen Grund ihnen etwas zu neiden. Sie haben sich mit ihren menschlichen Schwächen gegenseitig mehr als verdient. Ich denke, keine von uns hätte gewollt, dass Elinor, Marianne oder Margaret am ende Robert heiraten, aller Erbregelungen zum Trotz.

3. Persuasion:
- Anne kriegt ihre Liebe, Wentworth, erst nachdem sie gelitten hat und seine "frühere" Liebe richtig zu schätzen gelernt hat. Als sie sich wiedersehen, ist er allerdings ebenfalls zu einigem Reichtum gekommen.

Der Beispiele gäbe es noch einige mehr ... :wink: und zumindest äusserlich heiraten ja wohl alle aus Liebe

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 Betreff des Beitrags: Re: Liebe in Jane Austens Romanen
BeitragVerfasst: Freitag 25. Januar 2008, 15:54 
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Tja, so kann man das natürlich auch sehen. Aber warum dann nicht gleich Rosamunde Pilcher? :wink:


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 Betreff des Beitrags: Re: Liebe in Jane Austens Romanen
BeitragVerfasst: Freitag 25. Januar 2008, 16:07 
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Das versteh ich jetzt nicht. :gruebel:
Ich sagte ja eigentlich, dass die Betonung bei den Partien auf "Belohnung" bzw. "Bestrafung" liegt und nicht auf dem "heirate in jedem Fall aus Liebe"-Aspekt, der ja Lydia kein Glück bringt, ebenso wie Maria Bertram zwar nicht aus Liebe heiratet, mit ihrer "Liebe" aber durchbrennt, was im Fiasko endet. Natürlich ist das jetzt nur ein isolierter Teilaspekt der Romane. Wenn Jane uns damit nicht etwas Bestimmtes hätte sagen wollen, wäre Maria dieses Los wohl erspart geblieben.
Was ist also falsch an meiner Schlussfolgerung? Oder hab ich dich vorhin etwa falsch verstanden?

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 Betreff des Beitrags: Re: Liebe in Jane Austens Romanen
BeitragVerfasst: Freitag 25. Januar 2008, 16:22 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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"Falsch" nicht. Ich finde nur, dass man den Romanausgang nicht so simpel "einkochen" kann. Du wirfst hier ziemlich viel in einen Topf.

Meiner Meinung nach ist die (finanziell) "gute Partie" im Kontext des Romans total unwichtig. Natürlich stellt JA sicher, dass ihre Helden eine Ehe eingehen, die auf starken Beinen steht und ein Teilaspekt dieser Stabilität ist eben auch die finanzielle. Daneben gibt es noch viele andere. Man kann doch die Qualität der "Belohnung" (bleiben wir mal bei dem Wort) nicht daran messen, wieviel der jeweilige Mann auf dem Konto hat.

Sonst sind wir eben ganz schnell in der Dramolett-Ecke, wo die schüchterne und bescheidene Krankenschwester den Chefarzt mit der Villa heiratet.

(Lizzy ist die Einzige die so haushoch "nach oben heiratet". Aber nicht, weil das eine Aschenputtelgeschichte ist und Dracy der Märchenprinz, sondern weil das Thema des Romans - die gegenseitigen Vorurteile und Eitelkeiten - mit einem gesellschaftlich gleichwertigen Partner gar nicht funktionieren würde.)


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 Betreff des Beitrags: Re: Liebe in Jane Austens Romanen
BeitragVerfasst: Freitag 25. Januar 2008, 17:11 
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Bei den Aschenputtel-Geschichten geht es ja nicht um eine Belohnung für charakterliche Qualitäten ( obwohl natürlich die Heldin immer ein süßer, unschuldiger Engel ist, der von der bösen Welt ungerecht traktiert wird), sondern darum einen Mädchentraum zu erfüllen, nämlich in der einen oder anderen Art Prinzessin zu werden, zumindest ein reichen Mann mit hohem Status zu heiraten. Nach wie vor bringen im Fasching übrigens die Prinzessin-Kostüme den grössten Umsatz. :lach: In diese Kerbe schlägt natürlich auch Madame Pilcher. :D

Marianne heiratet, wenn ich mich nicht irre, allerdings auch nach "oben", nur wird bei Colonel Brandon nicht mit Zahlen gearbeitet, sondern da geht es um hervorragende Wälder, die damals sehr viel Geld wert waren und andere "nebensächliche" Informationen. Sein Besitz sollte also nicht unbedingt weniger Geld einbringen als Darcys. Hier ist es nur kein Thema, weil Mrs. Dashwood (anders als Mrs. Bennet) nicht auf Geld aus ist.

Geld stellte, wie du sagst, eine Ehe auf stabile Beine, und war deshalb eben auch Bestandteil der Belohnung. Nicht nur, sondern auch. In Elinors Fall hätte es ohne Brandon für Edward keine Möglichkeit gegeben zu heiraten. Wäre es "allein" um die anderen Bestandteile der Belohnung oder des Glücks gegangen, hätte Elinor Edward also ohne Zukunft und Möglichkeiten nehmen müssen, aber für JA gehörte eben alles zusammen, die Liebe, das zukünftige Glück und ein gewisses Geldpolster, entsprechend der Erwartungen der Familie. Zumal Edward ein solches Wagnis, also zu heiraten ohne der Familie ein Mindestmaß an Comfort geben zu können, gar nicht eingegangen wäre.

Ohne das gewisse Polster hätte sich eben auch das gewünschte Glück, die freundliche Zukunft nicht eingestellt, und am Ende wäre die Liebe entweder auf der Strecke geblieben, oder hätte zumindest gelitten. Ich kenne jedenfalls viele Ehen und Beziehungen, die daran scheitern. Geldsorgen rütteln schon arg am Nervenkostüm und das muss man aushalten können.

Mag natürlich sein, dass wir zwei hier die Gewichtung aufgrund unserer Lebens-Erfahrungen anders setzen. :) :wink:

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Zuletzt geändert von Caro am Freitag 25. Januar 2008, 18:21, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Liebe in Jane Austens Romanen
BeitragVerfasst: Freitag 25. Januar 2008, 18:21 
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Zitat:
Mag natürlich sein, dass wir zwei hier die Gewichtung aufgrund unserer Lebens-Erfahrungen anders setzen.


Was soll das denn heißen?? :gruebel:

Die Vielseitigkeit, die Du jetzt ausführst ist nichts anderes, als das was ich gemeint habe. Bei Deiner Aufstellung oben klang das halt etwas anders... daher mein Einspruch.


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 Betreff des Beitrags: Re: Liebe in Jane Austens Romanen
BeitragVerfasst: Freitag 25. Januar 2008, 18:26 
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Julia hat geschrieben:
Zitat:
Mag natürlich sein, dass wir zwei hier die Gewichtung aufgrund unserer Lebens-Erfahrungen anders setzen.


Was soll das denn heißen?? :gruebel:


Ich meinte, vielleicht war mir der finanzielle Teilaspekt (schwerge-)wichtiger als dir. Einfach weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass ohne genügend Kleingeld nix geht. Und damals brauchte man eindeutig mehr (Klein-)Geld als heutzutage, um überhaupt im Mittelfeld zu spielen. :wink:

Aber nu haben wir das Misverständnis ja geklärt. :knuddel:

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 Betreff des Beitrags: Re: Liebe in Jane Austens Romanen
BeitragVerfasst: Freitag 25. Januar 2008, 18:28 
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Caro hat geschrieben:
Einfach weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass ohne genügend Kleingeld nix geht.


Na, da bist Du sicher nicht die Einzige ... :roll: :wink:


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 Betreff des Beitrags: Re: Liebe in Jane Austens Romanen
BeitragVerfasst: Freitag 25. Januar 2008, 18:34 
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D'Arcy-Expertin mit Adelsaffinität
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Julia hat geschrieben:
Caro hat geschrieben:
Einfach weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass ohne genügend Kleingeld nix geht.

Na, da bist Du sicher nicht die Einzige ... :roll: :wink:

Schon, aber manche nehmens vielleicht lockerer. Weil Liebe ja angeblich alles überwindet ... :wink:

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 Betreff des Beitrags: Re: Liebe in Jane Austens Romanen
BeitragVerfasst: Donnerstag 31. Januar 2008, 22:26 
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Amüsantes Boardmitglied und Reisetrulla
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Hier gibt es einen nicht mehr ganz frischen Artikel über die Liebe in Werken von JA und Shakespeare. Ist ganz amüsant zu lesen ...

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 Betreff des Beitrags: Re: Liebe in Jane Austens Romanen
BeitragVerfasst: Donnerstag 31. Januar 2008, 23:54 
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Was für ein erstaunlicher Artikel in NEON!! :top:
Danke, Pixie!

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 Betreff des Beitrags: Re: Liebe in Jane Austens Romanen
BeitragVerfasst: Freitag 1. Februar 2008, 07:52 
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Die Website kenn ich nicht, aber der Artikel ist gut. :lach:

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Wer davon überzeugt ist, das Ende der Dinge zu wissen, die er gerade erst beginnt,
ist entweder außerordentlich weise oder ganz besonders töricht; so oder so ist er aber gewiß
ein unglücklicher Mensch, denn er hat dem Wunder ein Messer ins Herz gestoßen.

Sprichwort der Qanuc - Tad Williams Osten Ard


If more of us valued food and cheer and song
above hoarded gold, it would be a merrier world.

J.R.R.Tolkien


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 Betreff des Beitrags: Re: Liebe in Jane Austens Romanen
BeitragVerfasst: Freitag 1. Februar 2008, 09:47 
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Pixie hat geschrieben:
Hier gibt es einen nicht mehr ganz frischen Artikel über die Liebe in Werken von JA und Shakespeare. Ist ganz amüsant zu lesen ...

:danke: Kennst du den Schreiber zufällig?

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 Betreff des Beitrags: Re: Liebe in Jane Austens Romanen
BeitragVerfasst: Freitag 1. Februar 2008, 14:25 
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Amüsantes Boardmitglied und Reisetrulla
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Caro hat geschrieben:
Pixie hat geschrieben:
Hier gibt es einen nicht mehr ganz frischen Artikel über die Liebe in Werken von JA und Shakespeare. Ist ganz amüsant zu lesen ...

:danke: Kennst du den Schreiber zufällig?


Nein, leider nicht. Ich bin ganz zufällig auf den Artikel gestoßen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Liebe in Jane Austens Romanen
BeitragVerfasst: Dienstag 29. Juli 2008, 15:02 
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Ich hoffe mal, dass mein poste hier reinpasst, wollte nicht extra einen neuen Thread aufmachen ...

Im Groupread wurde angesprochen, dass eigentlich Elinor besser zu Brandon passen würde. Das dachte ich anfangs auch, bis ich mir die einzelnen Paare in JAs Romanen näher ansah und bemerkte, das JA wohl ein Faible für die perfekte Harmonie hat. Ich finde doch, dass alle sehr gut zueinander passen, sowohl in ihrer Ähnlichkeit, als auch im oberflächlichen Gegensatz, der genauer betrachtet doch wieder zusammenpasst und ein vollständiges Bild bringt.

-Elinor und Edward: beide ruhig, besonnen, eher abwartend, verstandesbetont

-Marianne und Brandon: beide lieben die Künste (Musik, Literatur). Sie ist leidenschaftlich und spontan, er trägt seine Gefühle zwar nicht nach aussen, liebt aber Frauen die das tun.

-Emma und Knightley: Sie sucht oder braucht den Oberlehrer (war ihr der Vater zu wenig erzieherisch?) und Knightley ist genau das, indem er sie kritisiert und vielleicht als einziger ihre Schwächen offenlegt. Er liebt Emma, wie sie ist, aller Kritik zum Trotz.

-Lizzy und Darcy: aller äusserer Unterschiede zum Trotz passen auch diese beiden perfekt. Er sucht eine gebildete und belesene Frau und Lizzy vermittelt ihm gerade dieses Bild, als sie liest, statt dem Kartenspiel zu frönen. Er will keine langweilige, angepasste Gattin und wir wissen, dass Lizzy ihren eigenen, trotz allem damenhaften Kopf hat. Eben weil auch Darcy sie so liebt wie sie ist, ist auch er der richtige für sie. Einer, der ihr Kontra geben wird, sie dennoch ihren Weg gehen lässt, soweit man das zu dieser Zeit sagen konnte

-Jane und Bingley: beide gut gelaunt, beide zu gut für diese Welt

-Fanny und Edmund: Sie sind sich sehr ähnlich in ihren Ansichten und ihrer Moral. Natürlich hat ihm der exotische Papagei in Form einer Miss Crawford gefallen, welcher Mann wäre davor gefeit, doch letztlich wählt auch er die Eine, die zu ihm passt und ihn ergänzt

-Anne und Wentworth: nun, sie waren von Anfang an füreinander bestimmt, mussten aber erst ihre eigenen Erfahrungen machen und am Leben reifen, um sich dessen sicher zu sein.

Und so weiter und so fort. :wink:

Auch die negativen Paare passen zusammen und scheinen füreinander gemacht, auch wenn man für manche fast Mitleid empfinden möchte. :)
Ich bin mir sicher, dass Jane Austen einen diebische Freude daran hatte, genau die entsprechenden Charaktere zusammenzubringen. Selbst die Bennets ergänzen sich auf eine allzu köstliche Art und Weise. Wäre Bennet nicht so ironisch, sarkastisch und in mancher Hinsicht gleichgültig, würde er ihr sicher eines Tages den Hals umdrehen. Wie soll man auch mit so einer Frau umgehen, wenn man sich in eine schillernde Schmetterlingspuppe verliebt hat, die sich nach dem "Schlüpfen" als nervende Motte entpuppt? :fies_sei:

Wirklich interessant finde ich, dass auch unsere Helden erst zueinander finden müssen oder sich aus den Augen verlieren. Aber gut, Jane Austen geht es eben mehr um die Arbeit ihrer Heldinnen an sich, darum ihnen Einsichten zu vermitteln, um sie schlußendlich für die Liebe empfänglich zu machen. Gut, Marianne Dashwood hat Liebeskummer (den falschen), Elinor leidet wegen Edward-Lucy, Anne Elliot leidet und Lizzy auch (zumindest kurzzeitig), aber es ist nicht die erste Liebe an sich von der uns Jane Austen erzählt, sondern die innere Reife, das Überwinden von Schwierigkeiten. Die Liebesgeschichte, so man davon sprechen kann, ist nur Mittel zum Zweck. Nichtsdestotrotz wartet für die erfolgreiche Heldin am Ziel die Belohnung, nämlich die Liebe; im Gegensatz zu jener, die nicht an sich und ihren Einsichten gearbeitet hat, auf die zwar eine Ehe wartet, aber eben keine liebevolle, keine gehaltvolle.

Wäre es nicht wunderbar sagen zu können, wenn wir nur tüchtig an uns arbeiten, käme die Liebe von ganz allein? :knuddel:

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BeitragVerfasst: Dienstag 29. Juli 2008, 20:37 
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Caro hat geschrieben:
Wäre es nicht wunderbar sagen zu können, wenn wir nur tüchtig an uns arbeiten, käme die Liebe von ganz allein?


Wie?? Willst Du damit sagen, dass wäre nicht so? :eek: :thud:


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 Betreff des Beitrags: Re: Liebe in Jane Austens Romanen
BeitragVerfasst: Mittwoch 30. Juli 2008, 09:22 
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Caro hat geschrieben:
Wäre es nicht wunderbar sagen zu können, wenn wir nur tüchtig an uns arbeiten, käme die Liebe von ganz allein?


Wie?? Willst Du damit sagen, dass wäre nicht so? :eek: :thud:


Also ich kenne wunderbare, wertvolle Menschen, die prompt immer den/die Falschen erwischen oder bei denen die Liebe irgendwann auf der Strecke bleibt. :/
Geben wir im Vergleich zu früher zu schnell auf, sind wir kompromissloser?
Und ist das positiv oder negativ zu bewerten?

JAs Helden jedenfalls warten notfalls Jahre und Jahrzehnte. Ich denke mal sie hätten wie Mr. Bennet oder Mr. Palmer auch schlechte Zeiten durchgestanden und sich nichts weiter dabei gedacht. Es ging ja fast allen so ... :wink:

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BeitragVerfasst: Mittwoch 30. Mai 2012, 12:06 
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Was mir gestern mal wieder aufgestossen ist: Julia Bertram kommt am Ende doch relativ gut weg.
Ich frage mich, ob es daran liegt, dass JA Verständnis für sie hat, bzw. für die Überlegungen, die hinter dem Handeln stecken. Julia reisst aus und heiratet Yates, weil sie Panik davor hat, wie sich ihr weiteres Leben gestalten würde, weil Maria's Durchbrennen ihre unbeschwerte Zukunft beeinträchtigt hat. Sie fürchtet, sie würde fortan in einem goldenen Käfig leben und sieht eine Ehe mit Yates als kleineres Übel. Sah Jane Austen das auch so? Zumindest scheint sie Julia nicht eine schreckliche zukunft zu propagieren, auch wenn man deren Entscheidung kristisieren könnte. Aber soll man sie nun eher kritisieren, oder doch Verständnis aufbringen? :gruebel:

Jane Austen hat mehrfach anklingen lassen, dass sie sich nicht wirklich mit "Schuld und Sühne" beschäftigen mochte, aber dennoch musste sie bei den Handlungen der Charaktere entsprechend Stellung beziehen. Und doch kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie allzu sanft mit den Mädchen umgeht. Die Einzige, die wohl die volle Breitseite kriegt ist Maria Rushworth/Bertram. Für Lydia Bennet geht es recht gut aus, für Julia Bertram und in gewissem auch für Marianne Dashwood. Sie ist eben auch nicht völlig frei von Fehl und Tadel. Marianne arbeitet an sich und erntet das größte Glück, auch Julia scheint es nicht schlecht mit Yates getroffen haben und Lydia? Nun die Liebe, so es wirklich eine war, erschöpft sich bald, weshalb ich eher von Leidenschaften, als von echter Liebe sprechen möchte, aber im Ausblick teilt uns Jane Austen mit, dass Lydia immerhin von ihrem Status als verheiratete Frau zehren kann. Echtes Unglück hört sich für mich anders an. Sie scheint jedenfalls nicht mit ihrem Schicksal zu hadern. Gut, sie hat einen fröhlichen und unbekümmerten, sorglosen Charakter und Selbstreflektion kennt sie nicht, aber wir hören nicht von einer Klage, ausser den Geldsorgen. Und Lydia landet auch später nicht auf der Straße, kein Wort davon, dass ihr Schicksal dem von Eliza glich.

Oder sind es nur die allzu Empfindsamen und Romantischen, die an ihren Leidenschaften und sich daraus ableitenden Handlungen zugrunde gehen?

Lydia Bennet hat zwar Glück, dass Darcy einschreitet, aber es stellt sich die Frage, warum sie hier diesen Schutz erfährt. Ihm kommt hier zwar reichlicher Bonus zu, aber Lizzie und Darcy hätten auch in anderer Form zueinander finden können. Dieser Part war also nicht zwingend notwendig um ein gutes Ende einzuleiten.

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 Betreff des Beitrags: Re: Liebe in Jane Austens Romanen
BeitragVerfasst: Samstag 2. Juni 2012, 13:19 
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Im Chat ging es ja am vergangenen Dienstag um Romantik bei Jane Austen. Passt ja auch irgendwie zu Liebe, daher packe ich das jetzt mal hierher. Wir haben da über alle möglichen Aspekte geredet, interessant fand ich u.a. mal wieder, wie unterschiedlich die Wahrnehmung einzelner Szenen sein kann. Es ging um die möglicherweise größte und vielleicht gar romantischste Liebesszene bei Jane Austen: Darcys zweiter Heiratsantrag. Der Punkt ist, dass ich diese Szene so gut wie gar nicht romantisch finde. Es sogar vor allem bemerkenswert finde, dass Darcys heiße Liebesschwüre gerade nicht in bewegenden Worten von Darcy geäußert werden, sondern von Austen relativ nüchtern erzählt werden: "... und er erklärte sich ihr so gefühlvoll und leidenschaftlich, wie man das von einem verliebten Mann füglich erwarten darf." (Übersetzung von Andrea Ott). Das wird durch die zweite Satzhälfte sogar ein klein wenig verulkt - damit der Leser nicht zu sehr ins Schwärmen gerät. Wie man die Szene anders hätte machen können, sehen wir in P&P 2005: Sonnenaufgang, Nebel, gestotterte Liebeserklärung und Fingerknöchelschlecken - jep, das kann man romantisch finden. Wahrscheinlich hätten andere Autoren der Austen-Zeit die Szene auch lustvoll ausgemalt - sie aber eben nicht. So wichtig ist die Liebe/Romantik/Ehe in Austens Romanen wohl nicht.


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 Betreff des Beitrags: Re: Liebe in Jane Austens Romanen
BeitragVerfasst: Samstag 2. Juni 2012, 14:58 
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Ich bin mir nicht sicher, ob das "füglich" jetzt ironisch gemeint ist oder nur seltsam übersetzt. Das Original lautet The happiness which this reply produced, was such as he had probably never felt before; and he expressed himself on the occasion as sensibly and as warmly as a man violently in love can be supposed to do. Man kann das auch als "wie nur ein heftig verliebter Mann es können sollte" übersetzen. Mal von der Übersetzung abgesehen, steht im zweiten Satz nämlich rein gar nichts ironisches, sondern eher eine Bestätigung, dass es durchaus ernst gemeint ist.
Had Elizabeth been able to encounter his eye, she might have seen how well the expression of heartfelt delight, diffused over his face, became him; but, though she could not look, she could listen, and he told her of feelings, which, in proving of what importance she was to him, made his affection every moment more valuable.
Sprich, der gute Mann redet nicht nur von Liebe, er strahlt auch noch vor lauter Glück.
Nebenbei bemerkt hatte ich das Buch WEIT vor der Verfilmung von 2005 gelesen ( nämlich 1995, als die BBC Verfilmung das erste Mal lief ;D ) und ich fand den zweiten Antrag auch da schon recht romantisch, ohne einen Sonnenaufgang mit Tauglitzer und Morgennebel im Hinterkopf zu haben. Man konnte sich im Kopf vorstellen, wie dieser Spaziergang von statten ging.

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 Betreff des Beitrags: Re: Liebe in Jane Austens Romanen
BeitragVerfasst: Samstag 2. Juni 2012, 21:21 
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Zitat:
Had Elizabeth been able to encounter his eye, she might have seen how well the expression of heartfelt delight, diffused over his face, became him; but, though she could not look, she could listen, and he told her of feelings, which, in proving of what importance she was to him, made his affection every moment more valuable.


Ganz genau - das ist für mich auch ein Beweis, dass da keine Ironie seitens JA ist, sondern wirklich total ~romantisch~! :D Es ist halt mitunter ein Problem, wie die Übersetzer das interpretieren.

Und auch, wie genial die Verfilmung von 1995 das rüberbringt!! :top:

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 Betreff des Beitrags: Re: Liebe in Jane Austens Romanen
BeitragVerfasst: Samstag 2. Juni 2012, 22:35 
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Miranda hat geschrieben:

Und auch, wie genial die Verfilmung von 1995 das rüberbringt!! :top:

Sogar ohne Morgentau! ;D
Wobei noch "romantischer" ist wohl der Brief, den Captain Wentworth an Anne Elliot schickt. Dagegen ist Darcys Liebesglühen vollkommen nüchtern.
Ich finde eher das Ende von Northanger Abbey und Mansfield Park unromantisch. Ja, Fanny Price bekommt ihren Edmund, aber irgendwie wirkt das auf mich nicht wie "Liebe", sondern mehr, weil er eingesehen hat, dass sie wohl doch mehr als nur seine Schwester ist. Kein "Glühen". ;) Das hatte er wohl mehr bei Mary Crawford.
Und bei Catherine Morland hatte ich eher den Eindruck, Henry hätte sie aus Mitleid geheiratet, weil sein Vater sie so schlecht behandelt hat.

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 Betreff des Beitrags: Re: Liebe in Jane Austens Romanen
BeitragVerfasst: Sonntag 3. Juni 2012, 09:16 
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Registriert: Mittwoch 19. Oktober 2005, 21:13
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Es klingt so, als hättet Ihr sehr unterschiedliche Auffassungen von "romantisch". Nebel und Morgentau sind da für mich auch nicht die entscheidenden Faktoren. :wink:

Interessant ist doch eigentlich, wie die betreffenden Szenen im Buch dargestellt werden: Richtige ausführliche Antragsszenen gibt es ja nur in P&P, Emma, Persuasion und NA. NA fällt vielleicht raus, weil die ganze Story und somit auch dieser Aspekt sehr ironisch dargestellt wird - ich glaube, Ironie und Romantik vertragen sich grundsätzlich nicht.
Den "Antrag" in Persuasion finde ich sehr romantisch, wegen der Situation im Vorfeld: Das Gespräch am Fenster, der Brief, das Treffen auf der Straße. Unter der Oberfläche brodelt es, eine sehr alltägliche Szene überdeckt etwas sehr Emotionales. Das finde ich persönlich romantisch, vielleicht aber auch einfach nur berührend. (Das ganze Buch ist für mich sehr romantisch, vielleicht das Einzige von JA, wo ich diesen Begriff verwenden würde.)
Den Spaziergang in P&P finde ich ähnlich schön gemacht - unaufgeregt und unspektakulär äußerlich, die Emotionen kommen im Text trotzdem voll rüber. Auch ohne klischeehafte Darstellungen.
Obwohl ich "Emma" sehr mag, hat mich die Antragsszene in dem Buch nie so wirklich gepackt. Zu lang und zu viel Geschwafel vielleicht? Dafür finde ich die Szene, wo Knightley Emmas Hand küssen will und es dann doch lässt (bevor er nach London fährt und Emma gerade von Miss Bates zurückkehrt), sehr romantisch. Wegen der Situation, dem unausgesprochenen und doch irgendwie signalisierten Subtext in der Szene - der auch bei Emma ankommt.
Muss also nicht immer die große Antragsszene sein, um von Romantik zu sprechen, oder?

Das Ende in MP empfindet man als Leser wohl deshalb nicht romantisch, weil man mit ein paar dürren Sätzen abgespeist wird. Da baut sich diesbezüglich nichts auf. Ähnlich wie bei Marianne & Brandon. Es wird nur mitgeteilt, was passiert, man hat als Leser aber keinen Anteil daran.


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