Muss nach erneutem Lesen doch echt noch mal fragen, inwiefern die jeweiligen Poster Emma Thompson in ihrer Interpretation der Herren im Roman Verweichlichung dieser und im Gegenzug dazu eine zu positive oder übermächtige Darstellung der Frauen vorwerfen.
Ich finde Edward kommt im Buch wesentlich... mh... ich möchte fast sagen weinerlicher rüber. Im Film ist er ein bisschen tollpatschig aber wirkt alles in allem trotzdem eher, als könnte man ihn für voll nehmen. Und das liegt jetzt nicht daran, dass man an Hugh Grants männlicher Brust dahinschmelzen möchte.
Wenigstens trägt er keinen überdimensionalen Ring mit eingearbeiteter Haarlocke, den selbst ein früher David Bowie für zu paradisvogelig gehalten hätte. Nicht nur dass mir der Gedanke des Tragens von derart auffälligem Schmuck wegen Unmännlichkeit missfällt (ja, is vielleicht n bissel verkrustet, vielleicht sollte ich nächstes Mal doch konservativ wählen ), nö. Er vergisst auch prompt den Ring abzunehmen, als er von Exeter/Plymouth nach Barton kommt. Dabei tanzen seine Gedanken nur um das Thema. Und dann wundert er sich auch noch das Blut in die Wangen, wenn man auf etwas derart unübersehbares anspricht. Derartiges Nebensichstehen udn unvernünftiges Gedüse finde ich wirft eher ein schlechtes Licht auf Edward als das Holzschwert beim Raufen in den Bauch zu bekommen, weil man gerade einer Dame hinterherstiert.
Johanna hat geschrieben:Muss nach erneutem Lesen doch echt noch mal fragen, inwiefern die jeweiligen Poster Emma Thompson in ihrer Interpretation der Herren im Roman Verweichlichung dieser und im Gegenzug dazu eine zu positive oder übermächtige Darstellung der Frauen vorwerfen.
Diese Frage kann wohl (wenn überhaupt) nur in einer PN an Bruki gelöst werden... *schnellweglauf*
Bald (ich glaub nächstes Wochenende) beginnt ja sowieso der Group Read zu diesem Roman, Johanna, da können wir das (und alles andere) dann alles wunderbar aufdröseln. Ich freu mich schon drauf!
Julia hat geschrieben:Bald (ich glaub nächstes Wochenende) beginnt ja sowieso der Group Read zu diesem Roman, Johanna, da können wir das (und alles andere) dann alles wunderbar aufdröseln. Ich freu mich schon drauf!
Das freut mich aber das es dazu bald nen Group Read gibt ! Habe es hier liegen und es wartet darauf gelesen zu werden!
Hoffe nur ihr verratet mir dann nicht soviel im Voraus, denn ich lese es dann zum ersten Mal....
Johanna hat geschrieben:Muss nach erneutem Lesen doch echt noch mal fragen, inwiefern die jeweiligen Poster Emma Thompson in ihrer Interpretation der Herren im Roman Verweichlichung dieser und im Gegenzug dazu eine zu positive oder übermächtige Darstellung der Frauen vorwerfen.
Fall das eine Anspielung auf mich sein sollte, wie Julia vermutet, bin ich missverstanden worden... Und ich glaube, Johanna missinterpretiert auch Emma Thomkinson...
Obwohl "Verweichlichung" im Falle von Oberst Brandon schon stattfindet... Jane Austens Mann, Oberst Brandon, hätte diesen Schleimbeutel Willoughby vor seine Waffe gefordert und versucht, ihm ein Stück Blei zwischen die Rippen zu jagen... Die Karikatur von einem Mann, die Emma Thompson kreierte, stottert im Salon herum von wegen, er würde gerne mal wissen, ob Marianne diesen Willoughbsy nun oder ob nicht und falls ja, würde er nie wieder... Was für ein Kerl, was für Schrot und Korn hat der eigentlich in Übersee gefressen? Na ja, solche Weicheier gefallen Emman Thompson - im Unterschied zu den Männern, von denen Jane Austen Zeit ihres Lebens umgeben war...
Johanna hat geschrieben:Ich finde Edward kommt im Buch wesentlich... mh... ich möchte fast sagen weinerlicher rüber. Im Film ist er ein bisschen tollpatschig aber wirkt alles in allem trotzdem eher, als könnte man ihn für voll nehmen. ...
Zweifellos ist das eine moderne Sicht auf die Männer: Sie sind sensible Warmduscher, immer bereit zu weinen, wenn's erforderlich ist, immer auf der Suche nach ihren weiblichen Seiten...
Johanna hat geschrieben:... Wenigstens trägt er keinen überdimensionalen Ring mit eingearbeiteter Haarlocke... Nicht nur dass mir der Gedanke des Tragens von derart auffälligem Schmuck wegen Unmännlichkeit missfällt ... Derartiges Nebensichstehen ... wirft eher ein schlechtes Licht auf Edward als das Holzschwert beim Raufen in den Bauch zu bekommen, weil man gerade einer Dame hinterherstiert.
Ha, wenn er das mal getan hätte, aber er hat ja nicht Elinor auf den Hintern gestarrt oder Miss Thompson auf den Busen... Hugh Grant hat ganzkörperherumgeeiert, seinen Schwanz immer schön zwischen die Beine geklemmt, den dummen Kopf schief gehalten und offenen Mundes blödausdemhohenkragengeschaut... Also, kein Grund vorhanden ihm - just for fun - auch noch eins mit dem Holzschwert reinzuhauen...
Nein, nein, diese Rolle war und ist der Tiefpunkt seiner Karriere gewesen - außer vielleicht der Pornofilm , in dem er als junger Mann mitspielte (damals brauchte er wahrscheinlich das Geld - doch diese Entschuldigung würde ich für seinen Rolle in S&S nicht mehr gelten lassen )...
Jane Austens Edward war ein Mann, der sich gegen seine übermächtige Mutter durchsetzen musste, also kein Jammerlappen... Und die Frauen waren bei Jane Austen keine macht- und rechtlosen Transusen, die herumjammerten, dass "the law" ihnen Unrecht getan - und "die Männer" sie "von Hand zu Hand weitergereicht" hätten...
Und wegen der Schmuckfrage: Was denkst Du, wie groß die Siegelringe waren, die Mr. Darcy ohne Zweifel trug? (Auch wenn sie nirgends erwähnt werden... ) - Wir sollten uns nicht über die Frage der Kleidsamkeit (oder Lächerlichkeit) der jeweiligen Mode echauffieren in einem Board, wo gerade die Frage der "Karottenschnitte" diskutiert wird... Und das ist noch nichtmal 200 Jahre her, dass einige von uns sowas trugen - oder Plateausohlen unter den Schuhen? Oder Pullover mit Renntiermotiven????
Ehm, es wäre nett, wenn du Emma Thompson wenigstens EIN MAL richtig schreiben würdest.. oder ist das ein Zeichen deiner Abneigung?
Nein, nein, diese Rolle war und ist der Tiefpunkt seiner Karriere gewesen - außer vielleicht der Pornofilm , in dem er als junger Mann mitspielte (damals brauchte er wahrscheinlich das Geld - doch diese Entschuldigung würde ich für seinen Rolle in S&S nicht mehr gelten lassen )...
Sein Karrieretiefpunkt war eindeutig "Nine Month"... der Film ist einfach nur furchtbar. Als Edward fand ich ihn ausgesprochen reizend und, wie Johanna schon bemerkte, weniger weichlich als im Buch. Schüchtern ja, unsicher, aber wenigstens nicht so zaudernd.
Und WO bitte setzt er sich gegen seine Mutter durch? Miss Steele ist heimlich mit ihm verlobt, da hat er bei Muttern noch nichts durchblicken lassen. Es kommt doch nur raus, weil die dumme Nuss sich seiner Schwester anvertraut.
Und dann traut er sich nicht, direkt nachdem er frei ist, zu Elinor zu gehen und sie vom Fleck weg zu heiraten.
Der Mann ist im Buch noch viel weicheieriger als im Film.
Abgesehen davon, Brandon fordert doch auch im Buch Willoughby nicht heraus? Warum sollte er es dann im Film tun? Und nur weil er in Indien war, muß er doch nicht ein säbelrasselnder Dragoner sein, der in den Salon trampelt, sich Marianne schnappt und nach Kaschmir durchbrennt?
Ich mag seine vornehmen Szenen, in denen er dezent um Marianne wirbt, wo er ihr sein Messer zum Schneiden der Weiden anbietet, ihr beim Singen zusieht.
Augenscheinlich kommst du einfach nicht über die Holzschwertszene hinweg ( ein Augenblick in einem sehr langen Film..). Ich wette, die meisten Zuschauerinnen haben sich dabei kaum etwas gedacht. ( Kuck mal, wie nett, er spielt mit der jüngsten Schwester...)
Grüße,
Kerstin
Bruki hat geschrieben: Na ja, solche Weicheier gefallen Emman Thompson - im Unterschied zu den Männern, von denen Jane Austen Zeit ihres Lebens umgeben war...
Zweifellos ist das eine moderne Sicht auf die Männer: Sie sind sensible Warmduscher, immer bereit zu weinen, wenn's erforderlich ist, immer auf der Suche nach ihren weiblichen Seiten...
Bruki
Mhh. Naja. Immerhin wird jane Austen genügend Männer gekannt haben, die sich vorm Bettigehen Papillotten in die Ponyhaare gedrechselt haben, statt mit der Waffe in der Hand auf den Schlachtfeldern der Welt "ihren Mann" zu stehen. Ob das nun eine besondere Auszeichnung ist halte ich überdies sowieso für fraglich und hätte Dir nach den John Thornten Anti Prügel Tiraden ehrlich auch nicht zugetraut, dass Du das als solches betrachtest. War wohl heute zu viel Tarantino auf dem Menü, hä
Aber mich deucht, Du bist auch ein wenig erfahrungsgeschüttelt. Ich kenne keine Frau, die auf Männer steht, die auf der Suche nach ihrer weiblichen Seite ihre Kosmetiktasche zu plündern beginnen, damit niemand sieht, dass sie gerade bereit waren im richtigen Moment zu weinen. Gibt es hier unter den Ladies David Beckham Fans????? Ich denke eine gewisse Zauderlichkeit und Weichlichkeit (man muss da unterscheiden zwischen Weichlichkeit und einem gesunden Mass an Feingefühl) würde uns am ehesten auf den Wecker gehen, also wieso heut so explizit angegriffen? Well, Nevermind. Schweift jetzt ein wenig vom Kern in mir zu moderne Geschlechterdiskussionen ab. Das muss ich erstmal mit ordentlich Abendbrot bekämpfen...
Johanna hat geschrieben:Mhh. Naja. Immerhin wird jane Austen genügend Männer gekannt haben, die sich vorm Bettigehen Papillotten in die Ponyhaare gedrechselt haben, statt mit der Waffe in der Hand auf den Schlachtfeldern der Welt "ihren Mann" zu stehen.
Und dann gab es ja auch noch dieses modische Teil .
Hocherotisch
^Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.
Bruki, ich muss Dir sagen, langsam machst Du Dich etwas lächerlich mit Deiner Argumentation. Ich bin ja auch oft verbohrt in meinen Abneigungen, zugegeben, aber man kanns auch übertreiben.
Julia hat geschrieben:^Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Bruki, ich muss Dir sagen, langsam machst Du Dich etwas lächerlich mit Deiner Argumentation. Ich bin ja auch oft verbohrt in meinen Abneigungen, zugegeben, aber man kanns auch übertreiben.
Hai Julia, hast Du noch was zur Sache beizutragen oder war's das schon?
Hallo Kerstin, ich will ja nicht an Deinen Kenntnissen des Romans S&S rummäkeln , aber Du darfst einmal raten: In welchem Roman Jane Austens kommt ein Duell vor? Und in welchem eine Auspeitschung? In welchem kleidet sich ein Mann wie eine Frau? In welchem wird eine Frau von ihrem Mann verprügelt? - Es gibt mehr Dinge in ihren Romanen als unsere Schulweisheit sich träumen lässt... würde ich meinen...
Der erste Schreibfehler war eine Reminizenz an Emma Thomkinson... der zweite war unbeabsichtigt... Tut mit leid, das Du's so auffasst, doch da war keine böse Absicht dahinter... (Ich hoffe, Sonja fällt jetzt nicht über Dich her, wo sie es doch so verabscheut, wenn man jemanden wegen seiner Rechtschreibung angreift... )
@Jo: Auch ja, das viele But gestern... Aber ich hab das heute alles abgewaschen mit einem pockennarbigen Gesicht und einer Menge Rotwein...
Ich würde Jane Austens Kenntnisse der Männerwelt nicht so über einen Kamm scheren... Vielleicht waren es ja diesselben Männer wie ihre Brüder, die bei Camperdown, St. Vincent, Abukir und Trafalgar ihr Leben riskierten, um ihre Heimat und ihre Lieben zu Hause zu verteidigen? Vielleicht trugen sie sogar diese Nachtmützen... Was hast Du dagegen einzuwenden, außer dass sie Dir heute lächerlich erscheinen? Und Du den Krieg ganz allgemein ablehnst?
ICH hab nicht gesagt, das Männer in Nachtmützen lächerlich sind. Nur die Papilotten... Da geht mir das Verständnis - bei meiner allgemeinen Faulheit in Auftakelfragen - ein wenig ab. Damit kann man doch garnicht Schlafen. Ich krieg schon mit Dutt oder Pferdeschwanz und Sessellehne echte Probleme. Und wer nicht ausgeschlafen ist, ist den Rest des Tages zu nichts als unbefriedigendem Müßiggang zu gebrauchen... Das weiß ich
Und schon davor habe ich zum Ausdruck bringen wollen (um mal wieder zum Thema zu kommen) dass ich Edward auch nicht unbedingt den Ring vorwerfe (Ja, zunächst ist es mir suspekt und um des Bowievergleichs willen konnt ich es mir nicht verkneifen, aber das ist ja nun nichts zur entgültigen Verurteilung des Charakters, obwohl Jane Austen sicher zustimmen würde, dass man einen Menschen durchaus an Äusserlichkeiten messen kann [Pemberley]), sondern die Düselikeit, diesen aufzubehalten, in Gedanken ständig seinem Dilemma (Mutti, Elinor und Lucy) derart nachzuhängen, dass er kaum ansprechbar ist, aber trotzdem so wenig zu irgendeinem Entschluss zu kommen und die holde Weiblichkeit ob der Undurchdringbarkeit zur Verzweiflung zu treiben. Und dann noch unangenehm berührt sein, wenn man den Ring - den man nicht übersehen kann, schon garnicht, wenn man nach festgefahrenen Gesprächen hilflos nach Strohhalmen schnappen möchte, erwähnt. Echt nervraubend.
Und für eine Abhandlung über meine Einstellung zum Krieg (wie kannst Du bei einem Landmädel von 2 Dekaden überhaupt eine öffentlich äußerbare Meinung erwarten) ist es jetzt echt zu spät!
sondern die Düselikeit, diesen aufzubehalten, in Gedanken ständig seinem Dilemma (Mutti, Elinor und Lucy) derart nachzuhängen, dass er kaum ansprechbar ist, aber trotzdem so wenig zu irgendeinem Entschluss zu kommen und die holde Weiblichkeit ob der Undurchdringbarkeit zur Verzweiflung zu treiben. Und dann noch unangenehm berührt sein, wenn man den Ring - den man nicht übersehen kann, schon garnicht, wenn man nach festgefahrenen Gesprächen hilflos nach Strohhalmen schnappen möchte, erwähnt. Echt nervraubend.
gut gesagt, johanna.
und das zeigt doch mal wieder sehr schön, wie unterschiedlich die bewertungen zu "männlich" oder "weicheiig" sind.
diese beschriebenen charakterzüge wiegen für mich zumindest schwerer als ein holzschwert, was einem von einer 12jährigen in den bauch gerammt wird und ein bißchen unsicheres gefummel am schaf auf dem dashwoodschen kaminsims.
Hallo Kerstin, ich will ja nicht an Deinen Kenntnissen des Romans S&S rummäkeln , aber Du darfst einmal raten: In welchem Roman Jane Austens kommt ein Duell vor? Und in welchem eine Auspeitschung? In welchem kleidet sich ein Mann wie eine Frau? In welchem wird eine Frau von ihrem Mann verprügelt? - Es gibt mehr Dinge in ihren Romanen als unsere Schulweisheit sich träumen lässt... würde ich meinen...
Was willst du mir jetzt damit sagen? Weil Jane Austen keine Duelle erwähnt, gibt es sie in ihren Romanen?
Irgendwie erschließt sich mir jetzt nicht ganz, was das soll? Lesen wir unterschiedliche Versionen von Jane Austen Romanen? Habe ich was verpaßt?
Allerdings ist es in der Tat schon länger her, dass ich S&S gelesen habe. Da warte ich jetzt auf den Groupread für neue Einblicke...
Zuletzt geändert von Kerstin am Montag 13. März 2006, 00:18, insgesamt 1-mal geändert.
Jetzt hab ichs. Vielleicht versteht man mich jetzt besser:
Es geht mir darum, dass im Film Edward tollpatschig ist. Also zufällig. Du stolperst ja auch mal über Huckel und Steine. Aber immerhin hat er soviel (ja, vielleicht krummes) Rückrat in der Hose, wenigstens den Versuch zu unternehmen Elinor reinen Wein einzuschenken. Das kommt deutlicher zu Tage, als im Buch. Und er hat ein wenig absichtlichen Humor mitbekommen und stolpert nicht nur unabsichtlich über einen Witz, den er später dick bereut, als er mitkriegt, dass die Sache Marianne/Willoughby nicht nur ein Witz zwischen den aus der Entfernung niedlichen ALten bzw. Marianne und Willoughby selbst ist. Er entscheidet im Film doch freier.
Im Buch ist er bisher gänzlich unentschieden und wirkt deshalb, weil es IHM mangelt - nicht weil es ihm an holdem Zufall (kein zufälliger Huckel) mangelt. Wenn Du so willst ist die negative Behaftung nicht durch äussere Einflüsse charakterisiert, sondern durch ihn und seine inneren Unzulänglichkeiten. Und das finde ich schlimmer.
Kerstin, in S&S wird schon kurz erwähnt, dass Colonel Brandon sich mit Willoughby duelliert. Nachdem aber keiner der beiden verwundet wird, kann es so wild wie Bruki sich das vorstellt ("Jane Austens Mann, Oberst Brandon, hätte diesen Schleimbeutel Willoughby vor seine Waffe gefordert und versucht, ihm ein Stück Blei zwischen die Rippen zu jagen...") nicht gewesen sein.
Aber in welchem Buch eine Frau ihren Mann schlägt?! ...fällt mir jetzt beim besten Willen nicht ein.
Bruki hat geschrieben: In welchem Roman Jane Austens kommt ein Duell vor? Und in welchem eine Auspeitschung? In welchem kleidet sich ein Mann wie eine Frau? In welchem wird eine Frau von ihrem Mann verprügelt? -
Diese Art der Befragung erinnert stark an "The Draughtsman´s Contract" . Hast du den vielleicht kürzlich erst angesehen?
Julia hat geschrieben:Kerstin, in S&S wird schon kurz erwähnt, dass Colonel Brandon sich mit Willoughby duelliert. Nachdem aber keiner der beiden verwundet wird, kann es so wild wie Bruki sich das vorstellt ("Jane Austens Mann, Oberst Brandon, hätte diesen Schleimbeutel Willoughby vor seine Waffe gefordert und versucht, ihm ein Stück Blei zwischen die Rippen zu jagen...") nicht gewesen sein.
Aber in welchem Buch eine Frau ihren Mann schlägt?! ...fällt mir jetzt beim besten Willen nicht ein.
Ach, ich wunderte mich schon ( ist wirklich schon eine Weile her mit dem Lesen), denn normalerweise war der Satisfaktion doch erst Genüge getan, wenn einer blutete oder tot am Boden lag.
Und irgendwie waren mir Verletzungen entgangen!
also Punkt 1: Hugh Grant ist einfach nur furchtbar als Edward Ferrars. Ich habe gegen diese Darstellung eine unglaublich Abneigung gefasst, daran stimmt für mich nichts. Insgesamt funktioniert die S&S-Verfilmung für mich nicht, einzige Lichtblicke sind Kate Winslet und Hugh Laurie. Wir haben die Argumente auch schon oft genug ausgetauscht; ich lass die Fans gerne in ihrer Meinung, kann meine jedoch auch nicht ändern, dass ich diese Verfilmung einfach nicht mag.
Punkt 2: wieso musste Blut fließen? Hatte sich der Gegner gestellt und man hatte seinen Mut bewiesen, war die Sache doch auch in Ordnung. Denke ich jedenfalls.
Punkt 3: ich glaube nicht, dass dich Kerstin für deine echten Schreibfehler abbürsten wollte; sie nahm wohl eher an, dass das gewollte Fehler waren und du damit deine Missachtung für E.T. zum Ausdruck bringen wolltest. So wie es für mich eben auch nur eine Rosamunde Pichler gibt.
Duell ( Zitat Wikipedia)
Als Zweck des Duells galt es, für eine wirkliche oder vermeintliche Beleidigung Genugtuung (Satisfaktion) zu erhalten bzw. zu geben. Dabei ging es nicht darum, wer im Zweikampf „siegte“, sondern ausschließlich darum, dass beide Duellanten durch die bloße Bereitschaft, sich um ihrer „Mannesehre“ willen zum Kampf zu stellen und dafür Verletzung oder Tod zu riskieren, ihre persönliche Ehrenhaftigkeit unter Beweis stellten bzw. wiederherstellten. Unabhängig von seinem Ausgang hatte das Duell zur Folge, dass die Beleidigung als „gesühnt“ galt und beide Beteiligten in ihren Augen und im Urteil der Gesellschaft wieder als „Ehrenmänner“ angesehen wurden.
[...]Duelle waren im 19. Jahrhundert nicht ungewöhnlich. Nach modernen Schätzungen fochten etwa 25% der Adligen mindestens einmal im Leben ein Duell aus. Häufig wurde dabei aber eher der Form Genüge getan, indem man z.B. bei Pistolenduellen Bedingungen vereinbarte, die eine Verwundung eher unwahrscheinlich machten, oder sich gar bemühte, den Gegner nicht wirklich zu treffen. Man schätzt, dass es nur in einem von sechs Duellen zu ernsthaften Verletzungen und nur in einem von vierzehn Duellen zum Tod eines Kontrahenten kam.
Wobei dann über den Ablauf von Duellen steht:
Bei Säbelduellen wurde entweder bis zur ersten blutenden Wunde oder bis zur Kampfunfähigkeit gekämpft. Mit beiderseitiger Zustimmung konnten auch schärfere Ausnahmebedingungen vereinbart werden, bis hin zum Extremfall des sprichwörtlich gewordenen „Sich über das Sacktuch schießen“. Hierbei hielten die Duellanten ein Taschentuch an den diagonal gegenüberliegenden Enden fest und schossen gleichzeitig, wobei aber nur eine Pistole geladen war.
Wählte man Pistole, konnte man Glück haben und beide trafen nicht.
Gar nicht so sehr zu Hugh Grant (irgendwie mag ich ihn), über den man sicherlich und völlig zu Recht verschiedener Meinung sein kann, sondern über Männer im Allgemeinen zu JAs Zeit:
Klärt mich auf, wenn ich mich total irre, aber ich meine gelesen zu haben, dass gerade in der Zeit von Jane Austen und später der Typus Mann aufkam, der eher durch Romantik als durch "Macho-Gehabe" (entschuldigt den Ausdruck, mir fällt grad nix anderes ein) auffällt: In Deutschland schreiben Brentano, von Arnim, Eichendorff und Konsorten ihre höchst sensiblen Gedichte und Novellen; noch einige Jahrzehnte später liest man von hochrangigen britischen Politikern, dass sie vollkommen selbstverständlich in aller Öffentlichkeit heulen (z.B. der britische Premierminister Lord Melbourne in den 1830er Jahren) - und niemand fand das damals komisch, wie´s scheint. Ich glaube, wir sind in der heutigen Zeit einfach zu beeinflusst von den David Beckhams und den ganzen Ratgebern, die sich für Frauen und Männer um das Thema "Männlichkeit - ja oder nein?" drehen.
Das (für uns) "andere" Verhalten der Männer im Krieg (vor allem gegen Napoleon und in den Kolonien), wo sie ihre Tapferkeit und Vaterlandsliebe bewiesen, gehört dazu! Es war, denke ich, in dieser Zeit einfach auch (und besonders) in der militärischen Erziehung wichtig, dass man Galanterie im Salon genauso wie Unnachgebigkeit im Krieg und dem Feind gegenüber zeigt - denken wir an Wickham, Denny und Konsorten in Meryton... Die wären in den Koalitionskriegen gegen Napoleon sicherlich nicht so galant gewesen. Und Col. Brandons Reputation speist sich besonders durch seinen ruhmreichen Aufenthalt in Indien, oder?
Vielleicht diskutiere ich auch im Sense&Sensibility-GroupRead mit - scheint spannend zu werden.
Und auch, wenn´s zu lang wird: Ich stehe Bruki immer tapfer bei (ganz ungalant... ) - [schild=4 fontcolor=000000 shadowcolor=C0C0C0 shieldshadow=1 nxu=87959978nx19033]Männer im Forum =)[/schild]
SDG
Benjamin
Ich habe Edvard, als ich das Buch vor 13 Jahren las, als absoluten Langweiler in Erinnerung gehabt und auch wenn ich Hugh Grant in dieser Rolle mit seinem verkrampften Herumgedruckse nicht wirklich überzeugend finde, wird hier aber gezeigt, warum sich eine vernünftige junge Dame in ihn verliebt: eben weil er sich um die Jüngste kümmert, selbst wenn seine Würde darunter leiden muß, weil er im Umgang mit dem unglücklichen Teil der Familie Dashwood Takt zeigt - ganz im Gegenteil zum Rest der Familie. (Letzteres dürfte auch im Buch auftauchen)
Oberst Brandon emfinde ich ebenfalls nicht verweichlicht. Auf mich macht er den Eindruck eines perfekten Kameraden. Auch wenn er der Liebe zu Marianne offensichtlich etwas fassungslos entgegensteht. Mit ihm kann ich mir vorstellen, abends vorm Kamin zu sitzen einen guten Port zu trinken und entweder einträchtig zu schweigen (das kann man mit den wenigsten Menschen) oder auch zu fachsimpeln. Er macht kein Gewese um sich und ist sicherlich kein harter Knochen, aber ein verläßlicher - und toleranter - Freund. Ich gehe davon aus, daß er von den Männern seiner Kompanie respektiert wurde. Nicht weil er sich das Offizierspatent leisten konnte und damit über ihnen steht, sondern weil er ein strenger, aber gerechter Offizier war.
Benjamin hat geschrieben:Es war, denke ich, in dieser Zeit einfach auch (und besonders) in der militärischen Erziehung wichtig, dass man Galanterie im Salon genauso wie Unnachgebigkeit im Krieg und dem Feind gegenüber zeigt
Wie ist das denn heute mit dem Krieg? Damals kämpfte der Mann für Ehre, Ruhm und Vaterland und wir denken: "Wow! Das waren noch Männer.." - oder? Heute ist Krieg schlimm und böse und wir schauen verächtlich auf die freiwilligen Soldaten herab, die mit Maschinengewehr unterm Arm herumlaufen.. - das ist doch die allgemeine Meinung oder? Respektiert ihr das denn, daß das damals eben so wahr und zum Gentleman dazugehörte und sogar noch ehrenhaft war? Im Grunde ist Krieg doch Krieg.
Natürlich ist Krieg gleich Krieg, aber die Einstellung hat sich in den vergangenen 200 Jahren gewaltig geändert.
Eine militärische Ausbildung war etwas, dass man als Mann anstreben konnte, ein Rang war etwas, wofür man angesehen wurde und besonders beliebt war es, jüngeren Söhnen einen Rang zu kaufen, damit sie eine gewisse Stellung in der Gesellschaft erhielten.
Krieg wurde auf Schlachtfeldern geführt, das war oft lokal begrenzt, erst der 1. und besonders der 2. WK wurden dann in die Zivilbevölkerung getragen.
Man bedenke, mit welchem Hurra-Patriotismus die deutschen Soldaten in den 1. WK zogen.
Ich akzeptiere, dass die Einstellung zum Militär eine völlig andere war. Das war Karrieresprungbrett, Beruf und wurde als ehrenhaft angesehen.
Ich muß es nicht verstehen, aber ich muß es im Kontext der Zeit sehen.
Ich bin auch nicht darüber entzückt, dass Frauen damals kein Wahlrecht hatten, oft einfach verheiratet wurden, ohne groß gefragt zu werden und dann so viele Kinder bekamen, dass sie mit 40 aussahen wie 60... aber das war nun mal in dieser Zeit so.
Wenn sich einer meiner beiden Neffen für die Bundeswehr entschieden hätte ( der eine war untauglich, der andere Zivi), hätte ich das auch akzeptier, weil ich der Meinung bin, dass es jeder für sich entscheiden muß.
Ich würde niemals auf jemanden herabsehen, der sich für die Bundeswehr entscheidet.
Grüße,
Kerstin
Aber wie Kerstin schon sagte, es waren eben relativ begrenzte Kriege und sie wurden - lassen wir die Kanonen mal außen vor - Mann gegen Mann geführt. Gut, tot war der Gegner danach trotzdem, aber irgendwie scheint mir der Kampf zwischen zwei Männern immer noch fairer als eine der heutigen Waffen gegen eine ganze Horde Mensch.
Bei aller Begeisterung für Krachbummfilme, Duelle mit Degen und sonstige Kampfszenen, einem gewissen Verständnis für militär. Ehrenkodex hätte ich allerdings nichts desto trotz ein Problem, entschlösse sich jemand in meinem Umfeld dazu, Berufssoldat zu werden.
Man kommt immer wieder in den Zwiespalt von Phantasie und Realität. Ich kann natürlich den Mord an Menschen nicht gutheißen, lese aber dennoch fürchterlich gern Krimis. Ja, und es darf gern mehr als eine Leiche sein.
Mir fällt auch gerade auf, daß wir hier eigentlich über die bessere Gesellschaft, über Gentlemen reden, denn nur die sind bei Austen Thema. Würde nicht auch heute ein Offizier unseren Respekt in einem gewissen Rahmen genießen? Kleinmädchenhaftes Gegackere und Begeisterung für Uniformen meine ich damit nicht. Damals wie heute haben sich die Offiziere die Hände weniger blutig gemacht als die normalen Soldaten.
Und ich bin mir sicher, daß damals wie heute die einfachen Soldaten in ihren Kreisen respektiert wurden/werden. Nur als gesamte Masse Mensch stehen wir - gerade angesichts WK 1 + 2 - dem Krieg an sich skeptisch gegenüber, aber deshalb auch denen, die kämpfen?
Julia hat geschrieben:Kerstin, in S&S wird schon kurz erwähnt, dass Colonel Brandon sich mit Willoughby duelliert. Nachdem aber keiner der beiden verwundet wird, kann es so wild wie Bruki sich das vorstellt ("Jane Austens Mann, Oberst Brandon, hätte diesen Schleimbeutel Willoughby vor seine Waffe gefordert und versucht, ihm ein Stück Blei zwischen die Rippen zu jagen...") nicht gewesen sein.
Aber in welchem Buch eine Frau ihren Mann schlägt?! ...fällt mir jetzt beim besten Willen nicht ein.
In Persuasion sagt Mrs. Smith über Mr. Elliot: "He was very unkind to his first wife." ... und einige halten das für eine beschönigende Aussage für "er schlug seine Frau": "I think Mr Elliot ... made a marriage socially far beneath him, and proceeded to cold-bloodedly abuse his wife ('unkind' was an euphemism for 'hit' in Jane Austen's world)." ... Wobei man anmerken muss, dass diese Ansicht höchst umstritten ist: "Doubtless men sometimes beat their wives and daughters, but Jane Austen wrote in plain English and 'unkind' does not necessarily imply 'violent'." (von Ashton-Dennis.org)
Bruki
PS: Ich meine schon, dass dieses Duell eines der dramatischsten Angelegenheiten war, die Jane Austen in ihren Romanen schilderte... Auch wenn es, so wie Kerstin bei Wikipedia fand, damals durchaus üblich war, "Scheinduelle" auszufechten, um der Form genüge zu tun... Colonel Brandon ließ sich sicher von diesem Wicht Willoughby nicht verscheißern:
"Have you," she continued, after a short silence, "ever seen Mr. Willoughby since you left him at Barton?" "Yes," he replied gravely, "once I have. One meeting was unavoidable." Elinor, startled by his manner, looked at him anxiously, saying, "What? have you met him to--" "I could meet him no other way. Eliza had confessed to me, though most reluctantly, the name of her lover; and when he returned to town, which was within a fortnight after myself, we met by appointment, he to defend, I to punish his conduct. We returned unwounded, and the meeting, therefore, never got abroad."
Das ist deutlich. Übrigens: Jane Austen lässt uns durch Elinors Gedanken ebenfalls recht deutlich ihre Meinung zu solchen Duellen wissen:
Elinor sighed over the fancied necessity of this; but to a man and a soldier she presumed not to censure it. (am Ende des 31. Kapitels)
In einer Verfilmung kommt das Duell doch sogar vor...gefällt mir sehr, wie Willoughby da am Boden kriecht und Oberst Brandon ihn nach einigem Zögern dann verschont.
Könnte auch ein Pistolenduell gewesen sein, bei dem keiner getroffen hat, aber so rum gefällts mir eigentlich besser.