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 Betreff des Beitrags: LITTLE WOMEN
BeitragVerfasst: Sonntag 16. Februar 2020, 01:56 
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Austenfan
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Registriert: Montag 9. Januar 2006, 23:31
Beiträge: 45
Ich war Ewigkeiten inaktiv und da ich mir heute die neue Version im Kino angesehen habe und vor nicht allzu langer Zeit auch die BBC Verfilmung - bis dato kannte ich nur die 1994er Version von Little Women - möchte ich hiermit ein neues Thema starten und bin schon sehr gespannt, wer mit mir über die verschiedenen Interpretationen diskutieren möchte.

Vorab, ich habe mich heute etwas geärgert, für mich geht vieles in der neuesten Verfilmung, überhaupt nicht und ich bin wirklich enttäuscht. Wie konnten die so viele Szenen und Schauspieler nur so plump darstellen?! So vieles wirkt überdreht und künstlich, der Tod von Betty berührt nicht, weil kaum Emotionen aufgebaut werden konnten...

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 Betreff des Beitrags:
Verfasst: Sonntag 16. Februar 2020, 01:56 


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 Betreff des Beitrags: Re: LITTLE WOMEN
BeitragVerfasst: Dienstag 18. Februar 2020, 22:02 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Registriert: Mittwoch 19. Oktober 2005, 21:13
Beiträge: 4781
Ich bin mit der Verfilmung von 1994 "groß" geworden und schaue den Film fast jedes Jahr zu Weihnachten. :oops: Die Schauspieler(innen) sind toll, aber er ist z.T. doch ziemlich rührselig, zumindest fällt mir das immer stärker (und unangenehm auf).

Mit der neuen Version war ich skeptisch und hab mir wirklich nicht viel davon versprochen, obwohl ich Greta Gerwig & Saoirse Ronan großartig finde. Letztendlich hat mir die Verfilmung aber gut gefallen, auch wenn vieles anders und vielleicht weniger geglückt ist als in der Version aus den 90ern. Timothée Chalemet finde ich z.B. glatt fehlbesetzt, auch wenn er nett anzusehen & ein guter Schauspieler ist. Viel zu bübchenhaft für Laurie, für meinen Geschmack. Letztendlich habe ich aber viel weniger Szenen als plump emfunden als in der älteren Version. Mir gefällt, dass Amy viel besser & differenzierter wegkommt und auch die "Lösung", die Greta Gerwig für das unbefriedigende oder zumindest höchst ambivalente Ende im Buch gefunden hat, fand ich sehr gelungen. Beth war mir persönlich viel zu blass, da ist Claire Danes, deutlich nachdrücklicher in Erinnerung geblieben.

Die Zeitsprünge fand ich zuerst ziemlich verwirrend, vor allem weil z.B. Amy mit 13 und 23 mit der gleichen Schauspielerin besetzt war. Da brauchte man schon einige Zeit um zu verstehen, was die "Hauptgeschichte" ist und was Jos Version davon, die an ihrem Buch schreibt. Prinzipiell fand ich diese dramaturgische Entscheidung aber sehr gut, u.a. auch dass man mitten in der Geschichte einsteigt und sie nicht chronologisch erzählt hat. Das Buch ist (zumindest in den USA) so bekannt, dass eine strikt buchgetreue Verfilmung vermutlich einfach zu langweilig/konventionell wäre - man es schon zu oft gesehen.

Alles in allem bin ich eigentlich zufrieden und positiv überrascht aus dem Kino gekommen - beide Versionen können es in meinen Augen gut miteinander aufnehmen. In der neuen sind viele Episoden aus dem Buch, die in der alten fehlen - und vielleicht auch umgekehrt. Habe gleich darauf das Buch nochmal gelesen und eine Biographie von Louisa May Alcott. Ersteres kann man aus heutiger Sicht teilweise nur schwer aushalten - es altert leider nicht so gut wie z.B. Jane Austen.
Alcotts Biographie ist ziemlich turbulent. Bzgl. "Little Woman" fand ich fand es ganz spannend, wie wenig sie davon gehalten hat bzw. von "Jugendliteratur" ansich. Immerhin ist sie richtig reich damit (und den Fortsetzungen) geworden und hat letztlich ihre ganze, bis dahin immer in mehr oder weniger prekären Verhältnissen lebende, Familie ernährt. Erst in den 1970er Jahren wurde bekannt, dass sie - ebenfalls erfolgreich - zahlreiche Thriller und andere wüste Geschichten unter einem Pseudonym veröffentlicht hat, ein paar davon gibt es inzwischen in Neuauflagen, die werde ich mir mal vornehmen. ;-)

@amy: Welche Aspekte fandest Du denn "künstlich" und "überdreht" bzw. "plump"? Die BBc-Version kenne ich gar nicht, ist die zu empfehlen?

Edit: Hier hat jemand die 4 "großen" Kinoversionen verglichen und vor allem die zu den verschiedenen Zeiten vorgenommenen/etablierten Veränderungen gegenüber der Vorlage beleuchtet, sehr interessant finde ich: https://www.youtube.com/watch?v=nJGZoecSmrA


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 Betreff des Beitrags: Re: LITTLE WOMEN
BeitragVerfasst: Mittwoch 4. März 2020, 22:29 
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Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
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Registriert: Mittwoch 9. April 2008, 16:07
Beiträge: 3077
Hab das Buch nicht gelesen, mir die 94er-Verfilmung aber noch mal angesehen, bevor ich in die neue gegangen bin. Das war wohl eine gute Idee, denn sonst hätte ich auf jeden Fall große Mühe gehabt, die vielen Zeitsprünge nachzuvollziehen, denke ich. Allein schon, zu verstehen, dass am Anfang die Schwestern nacheinander eingeführt werden, hätte ich vielleicht nicht auf Anhieb erkannt. Verständlich, dass Gerwig die Geschichte nicht einfach noch mal erzählen wollte, chronologisch hintereinander weg. Aber eigentlich finde ich die Sprünge nicht nötig, deshalb wirkten sie auf mich etwas zu gewollt.
Nicht überzeugt war ich auch von einigen Schauspielern: Das Jüngelchen fand ich seltsam (in The King fand ich Chalamet sehr gut, aber hier passte er gar nicht), Betty auch zu blaß, Laura Dern nicht so gut wie Susan Sarandon und Emma Watson naja. Die Rolle von Friedrich Bär ist arg gestutzt, in der 94er Fassung kommt viel besser rüber, wie Jo und er sich näher kommen. Eigentlich fand ich richtig gut nur Saoirse Ronan.
Das klingt jetzt alles recht negativ, aber eigentlich hat mir der Film recht gut gefallen! Die Geschichte wird sehr frisch erzählt, mit viel Schwung (es wird auch ganz schön viel getanzt, aber na gut) und angenehm zurückhaltend modernisiert. Dass es hier und da etwas weniger gefühlig zugeht als 1994, fand ich zB gut - Claire Danes Sterbeszene war so an der Grenze zwischen Taschentuch und Kopfschütteln... Die Sache mit Amy und Laurie hat mir hier auch besser gefallen. Im alten Film hab ich erst gar nicht geschnallt, dass die ältere Amy Amy ist. Und dass Laurie sich in sie verliebt, fand ich gar nicht nachvollziehbar, eben weil man die kleine Kirsten Dunst vor Augen hatte. Hier passte das zumindest etwas besser.
Also ich war sehr zufrieden im Großen und Ganzen.


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 Betreff des Beitrags: Re: LITTLE WOMEN
BeitragVerfasst: Donnerstag 5. März 2020, 00:49 
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Austenfan
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Registriert: Montag 9. Januar 2006, 23:31
Beiträge: 45
Ich habe das Buch vor sehr langer Zeit gelesen und in der Zwischenzeit so oft die 94er Verfilmung angesehen, dass ich leider keinerlei Erinnerung mehr an das Original habe und es unbedingt noch einmal lesen will.

Die BBC Verfilmung ist meiner Meinung nach sehr liebevoll gemacht und dort spielt auch mein Lieblingslaurie mit. Der Laurie der neusten Verfilmung (ohne Zweifel fabelhaft geschauspielert) ist leider von Anfang bis Ende ein Junge und hat mir zu wenige erwachsene Züge. Die Zeit in Europa verbringt der Charakter zwar indem er viel feiert und sich gehen lässt, aber ich hatte plötzlich das Gefühl, dass dieser Laurie nur peinlich ist und für mich muss ein Laurie egal was er tut ein Fünkchen Stolz und Männlichkeit bewahren.

Am Schlimmsten ist für mich die Mutter. Sie hat für mich keinerlei Gefühl vermittelt. Eine Mutter muss mit dem Auftreten Raum einnehmen, sie muss mütterlich liebevoll, aber auch streng sein und ein gutes Vorbild liefern. Laura Dern fragt immer nur was Jo will und schaut sie dann mitleidig an...
Die Charaktere sind mir aber allgemein zu wenig liebevoll ausgefeilt, ich konnte mich nur in Jo hineindenken und diese hat mir auch gut gefallen. Amy ist für mich falsch dargestellt. Sie funktioniert für mich nicht als jüngste Schwester, sie ist nur altklug bzw. wirklich klug. Der Jo, die in der 94er Fassung in der Männerrunde in New York über Frauenrechte debattiert wird hier zeitweise von einer predigenden Amy die Stellung im Film streitig gemacht: Sie will nicht mehr aus Eigensinn reich heiraten, sondern als einziges Mittel, ein gutes Leben führen zu können - plötzlich überaus vernünftig und emotionslos. Die Figur Amy macht in Europa eine Wandlung durch - ich mochte immer nicht, dass Kirsten Dunst dann von einer ganz anderen Schauspielerin abgelöst wird - trotzdem erscheint diese Wandlung plausibel und diese Amy hält Laurie nicht lange mütterliche Vorträge, sondern ist selbst ein bißchen unsicher und schlüpft in Europa nur in die Rolle der feinen erwachsenen Dame. Beim wiederholten Anschauen der 94er Fassung hat diese Amy für mich wirklich viel besser funktioniert, als die neue Amy, die für mich erwachsener, als Meg, Jo und Betty zusammen vielleicht sogar als die Mutter wirkt... ich kann die vielen positiven Stimmen absolut nicht nachvollziehen. Für mich war der Charakter aber auch niemals negativ besetzt, wie man es wohl aufgrund meiner Namenswahl bereits vermuten mag.

Zur Sterbeszene muss ich auch noch etwas anmerken. Gerwig arbeitet mit Zeitsprüngen und kann somit auch die beiden Krankheitsverläufe in engen Zusammenhang setzen. Da Betty ohnehin am Anfang des Films fehlt, wird überhaupt nicht mit Spannung oder gar Emotionen gearbeitet. Betty ist eben eine Schwester, also muss sie irgendwie schnell im Film vorkommen - so kam es mir vor. Aber wie kann Jo am Grab stehen, alleingelassen und in ärgster Trauer und dann... an die Hochzeit von Meg denken und wie sie Meg überreden wollte, mit ihr von dort wegzugehen?!?

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 Betreff des Beitrags: Re: LITTLE WOMEN
BeitragVerfasst: Dienstag 10. März 2020, 21:20 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Registriert: Mittwoch 19. Oktober 2005, 21:13
Beiträge: 4781
amy hat geschrieben:
(Amy) will nicht mehr aus Eigensinn reich heiraten, sondern als einziges Mittel, ein gutes Leben führen zu können - plötzlich überaus vernünftig und emotionslos. Die Figur Amy macht in Europa eine Wandlung durch - ich mochte immer nicht, dass Kirsten Dunst dann von einer ganz anderen Schauspielerin abgelöst wird - trotzdem erscheint diese Wandlung plausibel und diese Amy hält Laurie nicht lange mütterliche Vorträge, sondern ist selbst ein bißchen unsicher und schlüpft in Europa nur in die Rolle der feinen erwachsenen Dame. Beim wiederholten Anschauen der 94er Fassung hat diese Amy für mich wirklich viel besser funktioniert, als die neue Amy, die für mich erwachsener, als Meg, Jo und Betty zusammen vielleicht sogar als die Mutter wirkt... ich kann die vielen positiven Stimmen absolut nicht nachvollziehen. Für mich war der Charakter aber auch niemals negativ besetzt, wie man es wohl aufgrund meiner Namenswahl bereits vermuten mag.


Negativ vielleicht nicht wirklich, aber in der 94er-Version kommt sie schon ziemlich nörgelig, verwöhnt und v.a. oberflächlich rüber, finde ich. Und auch im Buch ist ihre künstlerische Neigung ihr einzig wirklich positiver/interessanter Charakterzug. Weder im Buch noch in der 94er-Version finde ich zudem Lauries Wandlung bzw. die Ehe der beiden plausibel dargestellt. Gerwig hat nun Amy als Charkter mehr Raum gegeben, das macht diese Entwicklung nachvollziehbar, fand ich. Und dass Amy Laurie ebenbürtig ist bzw. ihm auch ein paar Takte erzählen darf statt nur "Mädchen" zu sein ist ja vermutlich auch eine zeitgemäße Interpretation der Geschichte bzw. der Beziehung der beiden.
Leider "muss" es wohl in jedem historischen Film eine Figur geben, die indirekt dem unbescholtenen, modernen Zuschauer die damaligen Geschlechterverhältnisse erklärt. Hier ist es dann eben Amy, die Laurie über ihre beschränkte Rolle als Frau "aufklärt", wobei es hier (im Gegensatz z.B. zu Elinors Vortrag für Edward in der 95er Version von S&S) noch halbwegs schlüssig ist, weil Laurie ja tatsächlich ziemlich naiv & frech über Amys Zukunftspläne mit ihr spricht.


Zitat:
Zur Sterbeszene muss ich auch noch etwas anmerken. Gerwig arbeitet mit Zeitsprüngen und kann somit auch die beiden Krankheitsverläufe in engen Zusammenhang setzen. Da Betty ohnehin am Anfang des Films fehlt, wird überhaupt nicht mit Spannung oder gar Emotionen gearbeitet. Betty ist eben eine Schwester, also muss sie irgendwie schnell im Film vorkommen - so kam es mir vor. Aber wie kann Jo am Grab stehen, alleingelassen und in ärgster Trauer und dann... an die Hochzeit von Meg denken und wie sie Meg überreden wollte, mit ihr von dort wegzugehen?!?


Das Betty stirbt ist vermutlich soweit bekannt, dass man hier vieleicht nur schwer mit Spannung arbeiten kann - zumindest vermute ich, dass das ein Grund dafür sein könnte, warum Gerwig diesem Aspekt nicht soviel Raum bzw. Emotion zugesteht. Das war in der 94er-Version tatsächlich deutlich bewegender ... auch weil Claire Danes Unterlippe so schön beben kann und sie offenbar einfach immer hervorragend stirbt. ;D Mich persönlich hat es nicht gestört, dass dieses Potential in der neuen Version nicht voll und ganz ausgeschöpft wird. Überrascht war ich hier übrigens bei der erneuten Lektüre des Buches: Da ist die Sterbeszene selbst zwar ordentlich rührselig, direkt danach geht es aber im wahrsten Sinn "weiter im Text" und es wird kein weiterer Gedanke an Beth "verschwendet".


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