Bruki hat geschrieben:
Ich denke, Sandy Welch geht es nicht vorrangig um werkstreue bei ihren Literaturverfilmungen. Sie will eher die romantischen Gefühle ihrer jungen Zuschauerinnen kitzeln... was sie ja auch sehr gut hinbekommt...
Und was übrigens auch Elizabeth Gaskell (zumindest in ihrem Erstling "Mary Barton") sehr gut hinbekommt!
Der Roman N&S lag heute bei mir im Postfach...allerdings muss ich für die Uni erst noch "Great Expectations" lesen, sodass ich vor einigen Wochen nicht dazu komme, zu überprüfen, wie werkgetreu die Verfilmung ist.

Wenn es soweit ist, werde ich aber diesbezüglich noch einmal etwas schreiben!
Aber da Becci schon folgendes gepostet hat...
Becci hat geschrieben:
...aber ihr werdet auch sehr schnell die Charaktere aus dem Film wieder erkennen. Auch daher, weil es so buchgetreu ist, mag ich ja die N&S-Verfilmung, ist zwar nicht alles haarklein wie im Buch, aber die Charaktere hat diese Verfilmung perfekt getroffen. Und das ist ja schließlich am wichtigsten!
...vertraue ich ihr hier mal, dass sie das selbst sehr gut einschätzen kann!

Bruki hat geschrieben:
In "Jane Eyre" wurden z.B. Schlüsselszenen neu vertextet (was sehr schade ist, denn Charlotte Bronte war eine bessere Dichterin als Sandy Welch) oder zusätzliche (unsinnige) eingefügt (wie das Buchstabenspiel) und Schwerpunkte verlagert (wie die religiösen Aspekte Janes Selbstbewusstseins oder Helen Burns und die Zustände in Lowood - und damit deren und Miss Temples Bedeutung - als Gegensatz zu Mr. Brocklehurst und Mrs. Reed - für die Bildung des Charakters und der Haltung Jane Eyres zur Umgebung vernachlässigt)...
Die "Jane Eyre"-Verfilmung von Sandy Welch kenne ich leider noch nicht, kann daher nichts zu Welchs Adaptionen allgemein sagen. Da Gaskell in ihrem Roman "Mary Barton" ähnliche Problematiken wie in N&S angesprochen hat (obwohl die Charakterzeichnung und die Handlung lange nicht an N&S heranreicht!), kam es mir so vor, als habe der Film das, was Gaskell mit ihrem Roman ans Publikum herantragen wollte, sehr gut eingefangen und umgesetzt. Auch die Darstellung der Charaktere erschien mir sehr rund und schlüssig. Und gegen ein wenig Romantik habe ich gar nichts einzuwenden!

Bruki hat geschrieben:
ohne dass es zu einer nichthierhergehörenden RA-Beweihräucherung ausartet?
Da musst du bei uns jungen Damen ein Auge zu drücken, Bruki!

Aber nein, Spaß beiseite --- darum ging's bei mir eigentlich nicht --- mich hat Richard Armitage in seiner Rolle begeistert (sein Aussehen hat natürlich wesentlich dazu beigetragen

), doch es ging mir auch um seine schauspielerischen Fähigkeiten --- und vor allem um den Charakter, den er verkörpert! Irgendwie habe ich ein Faible für diese ernsten, finsteren, verschlossenen und schweigsamen Charaktere wie Mr Thornton (der mich in dieser Hinsicht ein wenig an Mr Darcy erinnert)!
Bruki hat geschrieben:
...und wie ich im Archiv zu diesem Thema ausführlich ausführte, zerstört es den Charakter Mr. Thorntons. - Ein Mann schlägt keinen der am Boden liegt... sowas gehört sich einfach nicht...
Mit letztem Satz stimme ich dir so halb zu! Natürlich gehört es sich nicht, allerdings finde ich nicht, dass es den Charakter zerstört! Ich fand ihn gerade deswegen so interessant, ob es nun im Buch vorkommt oder nicht!
So brutal er sich an dieser Stelle aufführt, verhält er sich doch "menschlich" --- er ist in Rage und Wut (er erklärt im Film ja später, ein Brand hätte mal 200 Tote zur Folge gehabt, was ihn sehr schockiert hat, weil er sich dafür verantwortlich fühlte!) --- und wer denkt in einer solchen Situation schon darüber nach, ob er sich nun gerade wie ein Gentleman verhält?

(Ich bin selbst schon mal mit einem Stuhl auf meine Schwester losgegangen, als ich zornig war, und schäme mich im Nachhinein auch dafür --- in dem Moment hatte ich jedoch keinen klaren Kopf!)
Alethea