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 Betreff des Beitrags: Wetter
BeitragVerfasst: Sonntag 13. Juli 2008, 20:55 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Mal sehn, ob das einen eigenen Thread wert ist, aber ich fand die Info zumindest sehr interessant (und neu!) ...

Ich habe in einem anderen Buch (über Fanny Wollstonecraft und Mary Shelley) etwas über ein Wetterphänomen aus JAs Lebzeiten gelesen:
1815 gab es in Indonesien einen großen Vulkanausbruch, bei dem geschätzt 70.000 Menschen starben. Bis zum Frühjahr und Sommer 1816 breitete sich eine riesige Staubwolke über Europa aus, die buchstäblich die Sonne verdunkelte. Es war monatelang kalt, dunkel und regnete teilweise wochenlang in Strömen. Noch im späten Sommer stand das Getreide grün auf den Feldern (und daraus resultierte dann die erste große Missernte/Hungersnot des 19. Jahrhunderts) und bis ins 20. Jahrhundert hinein hatte man keine Erklärung dafür.

Ich fand es auch vor dem Hintergrund spannend, dass JA zu der Zeit an "Persuasion" schrieb.

(Der Sommer 1815 war übrigens der heißeste in England seit 20 Jahren ... falls jemand davon Rückschlüsse auf JAs "Flirt" mit Mr Haden ziehen will. :wink: )


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 Betreff des Beitrags: Re: Wetter
BeitragVerfasst: Sonntag 13. Juli 2008, 22:12 
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Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
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Interessant finde ich das auch. Müsste nicht JA in ihren Briefen mal etwas dazu geschrieben haben? Ich hab sie leider nicht.
Was meinst Du mit dem Zusammenhang zu Persuasion? Habe die Details nicht im Kopf - an schlechtes Wetter in dem Buch kann ich mich jedenfalls nicht erinnern. Oder glaubst Du an einen Zusammenhang zwischen Schlechtwetterlage und Stimmung des Buches?


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 Betreff des Beitrags: Re: Wetter
BeitragVerfasst: Sonntag 13. Juli 2008, 22:26 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Eher letzteres. "Persuasion" wird ja oft als "herbstlich" empfunden, bzw. irgendwie melancholisch. Das wird zwar nicht nur am Wetter gelegen haben :wink:, aber es passt schon zusammen.

In den Briefen (es gibt nicht viele erhaltene von 1816) hab ich folgendes gefunden:

9. Juli 1816 (an James-Edward Austen): "(The weather) is really too bad, & has been too bad for a long time, much worse than anybody can bear, & I begin to think it will never be fine again. This is a finesse of mine, for I have often observed that if one writes about the weather, it is generally completely changed before the letter is read."

Aber sie macht oft ironische Kommentare über das Wetter, deshalb fiel mir das bisher nicht weiter auf.


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 Betreff des Beitrags: Re: Wetter
BeitragVerfasst: Sonntag 13. Juli 2008, 22:52 
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Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
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Die Briefstelle ist toll in dem Zusammenhang! Mir wäre das nicht wg. JAs Ironie nicht weiter aufgefallen, sondern wg. des britischen Wetters an sich... :P
Die "herbstliche" Stimmung habe ich darauf zurückgeführt, dass Anne schon ein paar Tage älter ist (klingt aus heutiger Sicht doof, aber damals war Ende 20 ja schon ziemlich alt für eine ledige Frau).
Also es passt schon mit dem Wetter. Aber ich würde dazu neigen, das nur für einen allerdings interessanten Zufall zu halten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Wetter
BeitragVerfasst: Sonntag 13. Juli 2008, 23:45 
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Begeistertes Missionierungsopfer
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Ich weiß nicht, wie schnell damals Informationen über Vulkanausbrüche England erreichten. Der Ausbruch des Krakatau war später, oder?

Dass die "Dunkelheit" Einfluss haben konnte, sieht man lt. Wiki auch hier:

Die britische Schriftstellerin Mary Wollstonecraft Godwin verbrachte den Sommer 1816 mit Freunden in der Nähe des Genfersees. Sie besuchten öfters Lord Byrn in der nahegelegenen Villa Diodati. Aufgrund des extrem schlechten Wetters konnten die Anwesenden oft das Haus nicht verlassen. So beschlossen sie, jeweils eine Schauergeschichte zu schreiben und den anderen vorzutragen. Mary schrieb die Geschichte Frankenstein und Byrons Leibarzt John Polidori (1795–1821) verfasste Vampyr – eine Vampirgeschichte lange vor dem Entstehen von Bram Stokers Dracula. Lord Byron vollendete seine Geschichte nicht, doch hat er die Eindrücke dieses Sommers in dem Gedicht Die Finsternis verarbeitet.

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 Betreff des Beitrags: Re: Wetter
BeitragVerfasst: Sonntag 13. Juli 2008, 23:52 
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Begeistertes Missionierungsopfer
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Noch etwas - es ist ja bekannt, dass bei JA das Wetter immer eine Rolle spielt - wendet sich die Handlung zum Guten, dann scheint die Sonne. Ich erinner mich da besonders an Szenen in "Emma".

Aber ob ein ganzer Roman aus Schlechtwettergründen :wink: entstanden ist? :rolleyes:

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 Betreff des Beitrags: Re: Wetter
BeitragVerfasst: Sonntag 13. Juli 2008, 23:57 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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In "Sense and Sensebility" ist das Wetter ja auch ganz wichtig. Der Regen im falschen Moment, der ausbleibende Frost ... alles läuft entgegen Mariannes Plänen.
Nicht so Mrs Bennet, die hat das Wetter besser im Griff. :wink:

Bzgl. "Frankenstein": Ja, das wurde in dem oben erwähnten Buch auch beschrieben ... deshalb kam ich drauf.
(Mary Wollstonecraft Godwin = Mary Wollstonecraft Shelley = Mary Shelley ... ganz einig ist man sich da wohl bis heute noch nicht, kein Wunder bei den turbulenten Beziehungsgeschichten :wink:)

Krakatau ist laut wikipedia erst 1883 ausgebrochen. Die Auswirkungen waren offensichtlich genauso stark und anhaltend.


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 Betreff des Beitrags: Re: Wetter
BeitragVerfasst: Dienstag 15. Juli 2008, 23:33 
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Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
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Julia hat geschrieben:
In "Sense and Sensebility" ist das Wetter ja auch ganz wichtig. Der Regen im falschen Moment, der ausbleibende Frost ... alles läuft entgegen Mariannes Plänen


Offen gesagt, ist mir gar nicht aufgefallen, dass das Wetter so wichtig war. Okay, der Regen, der Marianne fast ins Grab bringt (zusammen mit Willoughby). Aber präsent war mir das Thema Wetter nicht. Ganz anders als etwa in Sturmhöhe - da hörte ich den Sturm ständig rauschen, auch wenn es gar keinen gab.
Ansonsten: Heißt es nicht, dass die Briten besonders oft übers Wetter reden? Nicht nur, weil es schlecht ist, sondern auch, weil es einem erspart, über persönliche, also peinliche Dinge zu reden? Siehe die Szene, als Edward die Dashwoods besucht...


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 Betreff des Beitrags: Re: Wetter
BeitragVerfasst: Mittwoch 6. Mai 2009, 10:55 
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Matthews spezielle Weinlieferantin
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Udo, hier hat Margareth auf einen Tadel der Mutter reagiert, die ihr quasi befohlen hat, wenn sie nicht weiß, über was sie reden soll, sich auf Aussagen über das Wetter zu beschränken.
Das scheint wohl in der Tat wirklich benutzt worden sein, um peinliches Schweigen zu verhindern. Edward nahm das Thema ja auch "dankbar" auf.

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Schritte wagen im Vertraun auf einen guten Weg, Schritte wagen im Vertraun das letztlich ER mich trägt, Schritte wagen weil im Aufbruch ich nur sehen kann, für mein Leben gibt es einen Plan.
Clemens Bittlinger


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 Betreff des Beitrags: Re: Wetter
BeitragVerfasst: Mittwoch 6. Mai 2009, 13:29 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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... zumindest in der Verfilmung. :wink:


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 Betreff des Beitrags: Re: Wetter
BeitragVerfasst: Donnerstag 7. Mai 2009, 08:28 
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Matthews spezielle Weinlieferantin
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Stimmt, Julia. Aber da das Beispiel meines Vorposters mir besagte Szene so deutlich ins Gedächtnis gerufen hat, kam diese Antwort wie von selbst... :rolleyes:

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 Betreff des Beitrags: Re: Wetter
BeitragVerfasst: Donnerstag 7. Mai 2009, 19:11 
Ich hab das nie gekonnt, über's Wetter reden...


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 Betreff des Beitrags: Re: Wetter
BeitragVerfasst: Donnerstag 7. Mai 2009, 19:36 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Tina hat geschrieben:
Stimmt, Julia. Aber da das Beispiel meines Vorposters mir besagte Szene so deutlich ins Gedächtnis gerufen hat, kam diese Antwort wie von selbst... :rolleyes:


Im Buch redet zumindest Elinor an der von Dir gedachten Stelle ausdauernd über den Zustand der Straßen und die angenehm trockene Jahreszeit um das peinliche Schweigen zu überbrücken. Soweit weg ist der Film da also auch nicht. Sorry, wollte nicht pingelig sein. :wink:


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 Betreff des Beitrags: Re: Wetter
BeitragVerfasst: Freitag 8. Mai 2009, 11:41 
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Matthews spezielle Weinlieferantin
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Schon ok :ja:

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