Ah! Ich wußte doch, dass da jemand noch ein paar Adressen mehr in petto hat! Das die von Cathy nicht mehr geht, habe ich heute mit Entsetzen bemerkt. Ich hoffe, die ist nur zeitweise abgeschaltet und nicht vom Netz gegangen. Grüße,
Kerstin
Echt? Ich meine, so lange wäre das noch gar nicht her, dass ich auf dieser Seite war.
Das wäre jetzt mal wirklich schade, wenn sie dauerhaft offline wäre.
Grüße,
Kerstin
Hier ein interessantes Bild vom James Gillray - einem Zeitgenossen Jane Austens:
Unter der Karikatur steht folgendes:
The MAN of FEELING in search of INDISPENSIBLES; a Scene at the little French Milleners. A number of disputes having arisen in the Beau Monde, respecting the Exact Situation of the Ladies Indispensibles (or new Invented Pockets) whether they were places at the Ancle, or in a more elegible situation, the above Search took place in order to determine precisely the Longitude of these inestimable conveniences.
Der Titel wird im Buch übersetzt mit „Ein Mann der Gefühle, auf der Suche nach Schlüpfern“.
Als Erläuterung zur Karikatur heißt es im Katalog:
Der Statthalter der Niederlande, Prinz Wilhelm von Oranien, als Emigrant in London. Der wegen seiner amourösen Abenteuer verschrieene Oranier sucht hier unter Putzmacherinnen ein Opfer seiner Lüste. Gillray hat die sehr unterschiedlichen Reaktionen der Frauen auf die Handgreiflichkeiten des Prinzen eingefangen: zynische Amüsiertheit, aufputschende Geilheit, Neugierde in verschiedenen Abstufungen, mürrische Mißbilligung bis hin zu tiefem Erschrecken. Ein Meisterwerk psychologischer Beobachtung!
Das ist sehr spannend, mal abgesehen davon, dass hier eine ganze Galerie von Kerstins Kolleginnen versammelt ist , soll es um ein besonderes Kleidungsstück gehen, von dem ich bisher annahm, dass es zu Jane Austens Zeiten nicht bekannt war... Diese Information entnahm ich Henry Fieldings „Tom Jones“, wo im 2. Kapitel des 11. Buches berichtet wird, wie Sophia Western zweimal vom Pferd fiel:
Obwohl Sophia mit dem Kopf voran auf dem Boden anlangte, trug sie zum Glück nicht den geringsten Schaden davon; und dieselben Umstände, die vielleicht zu ihrem Sturz beigetragen hatten, bewahrten sie jetzt vor Verlegenheit; denn die Schneise, die sie gerade passierten, war eng und dicht von Bäumen überwachsen, so daß der Mond hier nur wenig Licht spenden konnte, zumal er im Augenblick außerdem von einer Wolke verdeckt wurde, so daß es fast gänzlich finster war. Auf diese Weise blieb das Schamgefühl der jungen Dame, das sehr empfindlich war, ebenso unverletzt wie ihre Glieder, und sie wurde wieder in ihren Sattel gehoben, ohne Schlimmeres durch ihren Sturz erlitten zu haben als einen kleinen Schreck.
In der Fußnote wird zu der „Verlegenheit“ erklärt: Zu Fieldings Zeit hatte ein Sturz vom Pferd für die Reiterin gewöhnlich nicht nur schmerzhafte, sondern auch beschämende Folgen, da die Frauen erst ein Jahrhundert später Unterhosen trugen.
(Bei einem weiteren Sturz vom Pferd etwas später in diesem Kapitel gibt es dann entsprechende Beleuchtung und Publikum – also peinlich, peinlich für die schamhafte Miss Western...)
Der Roman von Fielding spielt im Jahre 1746 und wurde 1749 geschrieben... Also, schlussfolgerte ich, dass erst Mitte des 19. Jh. Unterhosen aufkamen... Auch Kerstin hat so was im alten Board mal gepostet – als es um Mr. Darcys „Untenrum“ ging...
Die Karikatur von James Gillray wurde am 12. Februar 1800 veröffentlicht... Also, trug man schon „Schlüpfer“ und diese Neuigkeit („new Invented Pockets“) wurde von den damaligen Beau-Monde-Fänninnen und Vogue-Leserinnen so eifrig diskutiert, dass sie sogar in die politische Karikatur eingingen...
Bruki
PS: Die „Diskussion in der Beau Monde“ erinnert mich irgendwie an die mediale Behandlung der ersten Bikinis mehr als 100 Jahren später...
Ist Fielding eigentlich eine Bibel für alle Bereiche des Lebens?
Nein, Unterhosen kannte man nicht. Die wurden erst später erfunden. Und wenn man was drunter hatte, dann war es im Schritt offen. Allein schon aus praktischen Gründen, weil man die Stoffmassen der Kleider ja immer hochraffen mußte. Und als dann das Korsett wiederkam, gings dann gar nicht mehr.... Da war Jane Austen allerdings schon tot.
In etwa sah das "Drunter" wohl so aus...
Putzmacherinnen machen übrigens Hüte... keine Kleider... also es sind nicht unbedingt Kolleginnen.
Grüße,
Kerstin
Kerstin hat geschrieben:Ist Fielding eigentlich eine Bibel für alle Bereiche des Lebens?
auf jeden fall!!
danke für das bild kerstin! sehr interessant... dass quasi alles "offen" war (bei männnern wohl auch?). blasenentzündungen waren da wahrscheinlich an der tagesordung.
Kerstin hat geschrieben:Ist Fielding eigentlich eine Bibel für alle Bereiche des Lebens?
... ich sehe, Du beginnst ihn zu lieben! - Aber ohne Quatsch: Er hatte den Durchblick in der Mitte des 18. Jh. - das bestreiten selbst seine Kritiker nicht, die ihn als einen "vulgären" Schriftsteller bezeichnet haben, aber niemand hat daran gezweifelt, dass er ein realistischer Schilderer des damaligen Lebens der großen und der kleinen Welt war... Die Fußnote stammt natürlich nicht von ihm, wie auch, sondern von einem heutigen Übersetzer/Lektor...
"new Invented Pockets", "Indispensibles"? Hosen nannte man ja später "Unaussprechliche"... Und offensichtlich ging es um etwas ganz neues, das man noch nicht mal mit einem Namen versehen hatte... "Taschen" werden die Damen ja nicht an den Fußknöcheln - oder einen bequemeren Ort - getragen haben?
Kannst Du bitte mein Bild von Jane Austen wieder herstellen und mir verbindlich versichern, dass sie und ihre Romanheldinnen NIE Unterwäsche trugen? Büüüttttäääääää.... Das würde mir soviel bedeuten...
Ich würde eher sagen, ich bekomme eine Fielding Allergie....
respecting the Exact Situation of the Ladies Indispensibles (or new Invented Pockets) whether they were places at the Ancle, or in a more elegible situation
Die Damen trugen Unterkleider, dort kann man auch Taschen einbauen. Wobei dort anscheinend Taschen beschrieben werden, die man am Bein bzw. Knöchel befestigt. Auch eine Idee...
Als Mr. Fielding seine Bücher schrieb, trugen die Damen noch mehrere Lagen Unterröcke, da waren sicher Taschen drin, um sein Geld und andere wichtige Dinge zu verstauen. Und bei den vielen Lagen, die man anhatte, brauchte man sich um eine Blasenentzündung nicht zu sorgen.
Grüße,
Kerstin
Ich weiß nicht, ob das für Austens Zeit noch galt, aber zu früheren Zeiten wurden Unterhosen nur alten Frauen zugebilligt. Unterhosen allgemein fürs weibliche Geschlecht kenne ich erst seit dem Biedemeier.
Die Taschen wurden im Rokoko übrigens an einem Band um die Taillie getragen, der Rock hatte an den entsprechenden Stellen dann angepasste Schlitze.
Ulli hat geschrieben: aber zu früheren Zeiten wurden Unterhosen nur alten Frauen zugebilligt. Unterhosen allgemein fürs weibliche Geschlecht kenne ich erst seit dem Biedemeier.
oder Dienstmädchen, damit sie, wenn sie zb. Fenster putzten michts zu sehen war.
Kerstin hat geschrieben:Ich würde eher sagen, ich bekomme eine Fielding Allergie...
... was denn, ohne ihn zu kennen? - Und außerdem steht er ja voll auf Deiner Seite bezgl. Unterhosen - bzw. des Mangels an denselben...
Ich hab "Pockets" mit "Gehäuse" übersetzt, also sowas wie "Umhüllung" - wenn einem die Worte fehlen, beginnt man zu umschreiben... Pocket heißt ja auch "reinstecken", "verbergen"... Und dann soll dieses mysteriöse Kleidungsstück ja auch etwas sensationell neues sein. Die Idee mit der Geldbörse in den Unterkleidern war doch weder neu noch besonders originell?
Ich hab bei den Karikaturen übrigens noch eine gefunden, wo Gillray die "nackte Mode" veräppelt, da trägt eine junge Dame ein von oben bis unten geschlitztes Kleid... sie stillt ein Baby... (also Schlitze gabs nicht nur, um an die versteckte Börse zu kommen) - Oder auf einer anderen Karikatur werden die Brüste der Tochter gleich ganz offen getragen - und einem Lampenputzer fallen deswegen fast die Augen raus: das Bild soll eine real exitierende Lady darstellen, die so ihre Tochter an den Mann zu bringen gedachte... nackte Mode, hihihi... Liebe Paris Hilton: es gibt nix neues auf der Welt - alles schon mal dagewesen...
Man sollte vielleicht erwähnen, dass die Herren auch der "Nackten Mode" frönten und ihre Hosen so eng waren, dass sie kaum hineinkamen. Und die Damen bitte nicht mehr erröten sollten, wenn ihnen ein Herr in solchen Hosen begegnete.
Vielleicht war es neu, dass die Damen ihre Börse ums Bein banden.
Und ich brauche keinen Fielding, um zu wissen, dass man keine Unterhosen trug... das tat man als Frau schon seit Jahrhunderten nicht...
Louise hat geschrieben:...Da kann man die Taschen zum umbinden sehen. ...
Und die waren echt zum Umbinden um das Bein gedacht?
Seltsam, ich hab mal in einer Jane-Austen-Biografie gelesen, dass es damals in London eine Schule gab, wo jungen Ladys beigebracht wurde elegant aus einer Kutsche zu steigen ohne den Knöchel zu entblößen... Wie kamen die denn an ihre Geldbörsen ran, ohne sich furchtbar zu verrenken?
*seufz*
Die wurden um die Taille gebunden und im Kleid/Rock war ein Schlitz in der Seite, durch den man dann in die Tasche greifen konnte. (so wie Ulli schon schrieb:"... an einem Band um die Taillie getragen, der Rock hatte an den entsprechenden Stellen dann angepasste Schlitze.")
Die haben nicht den Rock gerafft!
Ansonsten gab es dann später ja die Reticules - die netten kleinen Täschchen in den tollsten Formen (in Fashion ist eins in Ananasform drin ) für alles was Dame so bei sich trug.
Und Dame schleppte nicht so viel mit, wie die Frau von heute (die allerdings in ihren Handtaschen auch ganz oft Krempel des Liebsten oder ihrer Kinder transpotieren müssen, weil ja soviel Platz in modernen Handtaschen ist )
Da fällt mir ein- Frauen haben was ums Bein getragen, auf das Männer durchaus "scharf" gewesen sein könnten...
Die Strumpfbänder, die die Strümpfe an Ort und Stelle halten sollten (es gab weder Strapse geschweige denn Strumpfhosen)
Ein intimes Geschenk für die Frau des Herzens- in einem Buch habe ich die Abbildung von einem mit der Aufschrift: When this you see- remember me 1721 " Ist zwar Rokoko, aber gabs bestimmt auch später mit so netten Sprüchen.
Die Unterhosen die im Biedermeier aufkamen wurden "unmentionables" genannt und waren diese Dinger mit offenem Schritt.
Die Unaussprechlichen...
So, jetzt hab ich auch den Mode/Kostüm Thread wieder gefunden. Da kann ich ja noch mal darauf hinweisen.
Ich glaub, dass is in dem anderen Thread ein wenig untergegangen. Weiß selbst nicht mal mehr, welcher das war. Ich glaub der Serien Thread oder so. Jedenfalls eine Empfehlung an alle Kostümverrückten in und um Berlin. Viel Spaß!
meine Empire-Abteilung ist auch endlich fertig. Ihr findet dort Infos über die Kleidung der Damen und Herren, Filmkostüme und eine Galerie über die Mode des Empire
ich frage mich welche kostüme richtiger sind.
die von p&p 95 oder p&p 05?
weil bei 95 find ich hat lizzys familie schönere kleider, und ein edleres haus als bei 05 wo es irgendwie schäbig aussieht...
Das kann ich dir schnell beantworten! Die Kostüme von 95 sind vom historischen her korrekter. Die Serie ist zeitlich etwas später angesiedelt ( nach 1800) und man hat sich die allergrößte Mühe gegeben, da historisch korrekt zu arbeiten.
Einziges Manko, die Kostüme sind zu sauber und zu ordentlich.
Auch die Herren tragen perfekte Empirekleidung.
In P&P 2005 wurde die Zeit früher angesetzt, aber da wohl der Regiesseur sich nicht mit der Empirelinie anfreunden konnte, wurde eine Art Mischmasch gemacht. Englische Mode ( die Mrs Bennet trägt), Irgendwiesowaswieempire ( Elizabeth) und Beinaheauthentisches Empire ( Miss Bingley).
Die Herren sind halbwegs korrekt gekleidet, sofern ihr Hemd nicht bis zum Bauchnabel offen ist! Grüße,
Kerstin