Julia hat geschrieben:
Auch ein sehr ergiebiges Kapitel, wenn man die Hintergrundgeschichte schon kennt. So fällt einem zum Beispiel Franks ablenkende, plötzliche Kaufwut auf, wenn Emma ihn nach Jane Fairfax fragt. Während Jane Fairfax die heimliche Verlobung mit Diskretion und Reserviertheit überdeckt, verschleiert Frank Churchill sie durch sein lockeres, selbstbewusstes Wesen. Wie er über Jane spricht, gerade weil sie seine heimlich Verlobte ist, ist ziemlich frech.
Ich kann trotzdem (auch wenn es leicht fallen würde) nicht nur Negatives an seinem Verhalten sehen und mir scheint, auch die Erzählung legt es darauf an, beide Seiten zu zeigen. Ähnlich ja auch wie bei Emma, bei der Fehlgriffe immer Hand in Hand mit liebens- oder lobenswerten Eigenschaften gezeigt werden. Hier fällt mir diesbezüglich Franks Interesse und Sympathie für Highbury auf, wie auch seine wenig standesbewusste Wahrnehmung (was ja gar nicht in Emmas Sinn ist):
Mir scheint auch, dass Frank nicht soo negativ rüberkommt. Seine Begeisterung hier könnte man einfach damit erklären, dass er halt verliebt ist und deshalb alles toll findet, was mit seiner Liebsten zu tun hat - warum er sich dann aber dermaßen kritisch über Jane äußert, ist mir ein Rätsel. Er könnte das Geheimnis ja auch wahren, indem er eher wenig über sie sagt, sich neutral äußert. Gerade seine Äußerungen über ihr Äußeres sind doch sehr direkt, sehr persönlich, auf jeden Fall unhöflich. Ich sehe ja den zweifelhaften Wert von Vergleichen mit anderen Romanfiguren ein, aber die Szene hier erinnert mich irgendwie an das Gespräch von Elizabeth Bennet mit Wickham, als Wickham gleich beim ersten oder zweiten Treffen über Darcy ablästert. Tut man nicht.
Auch was er über Miss Bates sagt, ist nicht schön. Gut, da hat Emma den Ton vorgegeben...
Trotzdem: Es gibt so einige Indizien, die für ihn sprechen. Ich habe die Szene, als er bei Ford reinstürzt, eigentlich nicht als lockeres Überspielen einer Situation wahrgenommen, mir schien eher, dass er Mühe hatte, die Fassung zu wahren (was positiv ist, denke ich). Ebenso die Stelle, als Emma auf Mr. Dixons Verhältnis zu Jane anspielt - Franks Reaktion kommt mir so vor, als ob er in dem Moment selbst ins Trudeln gerät, ob da was gewesen sein könnte, also wie ein Aufblitzen von Eifersucht, was nicht gut ist, aber immerhin für seine Gefühle für Jane spricht. Und bei den Bates bleibt er ja auch 45 Minuten sitzen - auch wenn er darüber Sprüche klopft, in Wahrheit war das schon eine außergewöhnliche Gunstbezeugung, das dürfte allen Beteiligten klar gewesen sein. (Übrigens fällt mir auf, wie oft im Buch erwähnt wird, wie lange ein Besuch gedauert hat: Von den unverschämten 14 Minuten Harriets bei den Martins bis zu den vielen freundschaftlichen Stunden, die Mrs. Weston und Frank mit Emma verbringen.)
Emmas Standesdünkel kommt dagegen wieder sehr zum Vorschein. Wobei ich ihre Entschuldigung für ihn sehr lustig finde: "Er konnte allerdings für die Übel, die er heraufbeschwor, kaum verantwortlich gemacht werden. Sie waren nichts als der spontane Ausbruch einer lebhaften Phantasie." Sagt die Dame, die stets alles richtig und realistisch einschätzt....
Ich bin mir nicht so sicher, Julia, wie sehr Emma Frank durchschaut. Einerseits ja, sie ordnet ihn schon ganz gut ein. Aber andererseits lässt sie ihm ziemlich viel durchgehen, glaubt nicht, "dass er ihnen womöglich etwas vorgemacht hatte oder seine Anteilnahme nur vorgespielt war", und ist überzeugt, dass "Mr. Knightley ihm keineswegs Gerechtigkeit widerfahren ließ". Also sie ist schon sehr angetan von ihm und findet die Vorstellung, alle könnten denken, zwischen ihnen laufe was, ja auch sehr prickelnd.
Da ja schon Montag ist und Elanor noch nachlesen muss und es auch heiß ist - vielleicht sollten wir mit Kap 25 erst Samstag weitermachen statt Mittwoch?