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BeitragVerfasst: Mittwoch 3. Juli 2013, 23:54 
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Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
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Julia hat geschrieben:
Emmas Umgang mit Harriet bzw. ihrem Pflichtbesuch bei den Martins erinnert mich einmal mehr an Emma als "Autorin".


Ja, die Sichtweise finde ich auch sehr aufschlussreich. Es ist aber eine eher positive Sicht, die negative beschreibt Grawe in seinem Nachwort: "Sie versucht ständig auf egoistische Weise andere Menschen zu manipulieren und entwertet sie dadurch zu bloßen Marionetten in ihrem Spiel."
Auch das wird hier ja noch mal deutlich, indem sie entscheidet, dass Harriet unbedingt von den Martins getrennt werden müsse. Aber ich finde auch, dass man hier deutliche Skrupel bei ihr spürt - sie ist halt so verkehrt nicht. :wink:


Zitat:
Franks Galanterien durchschaut sie jedenfalls gleich sehr gut.

Zugleich lässt sie sich willig umgarnen.... Beim 2. Lesen fällt mir erst auf, wie geschickt Frank Emma sofort um den Finger wickelt, er benutzt sie praktisch von Anfang an als Objekt, um von seiner Beziehung zu Jane abzulenken, indem er Wünsche und Hoffnungen seines Vaters und auch tendenziell Emmas am Köcheln hält. Was seine Lobhudelei betrifft, so bewegt er sich ja fast auf dem Level von Mr. Elton....
Zugleich merkt man als Leser gleich, dass Frank ein wenig halbseiden ist, zwielichtig will ich nicht sagen, das klingt zu negativ. Aber wie er Jane praktisch verleugnet, ist nicht nett, auch wenn er meint, das sei nötig. Jedenfalls die Ironie: Die Autorin/Manipulatorin Emma wird ab jetzt selbst zur Figur in einem Spiel - das finde ich sehr geschickt konstruiert.


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 Betreff des Beitrags:
Verfasst: Mittwoch 3. Juli 2013, 23:54 


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BeitragVerfasst: Donnerstag 4. Juli 2013, 23:31 
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Austenbegeistert
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Nach einigen Tagen Abwesenheit, versuche ich wieder einzusteigen - ich hoffe, ich komme noch mit :les:

Udo hat geschrieben:
Zugleich merkt man als Leser gleich, dass Frank ein wenig halbseiden ist

In diesem Kapitel habe ich mich gefragt, wie ich Frank Churchill wohl bei meiner ersten Emma-Lektüre beurteilt habe...leider weiß ich es nicht mehr :nein:
Mit dem Wissen um seine Verbindung zu Jane und sein daraus resultierendes Verhalten - besonders Emma gegenüber - liest man seine "Galanterien" natürlich mit ganz anderen Augen...
Emma nimmt Franks Schmeicheleien ja auch nicht ganz vorbehaltlos wahr - aber wieder einmal wird deutlich, dass sie nur das hören und sehen will, was ihr gefällt...aber wer sollte es ihr verübeln :wink:


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BeitragVerfasst: Freitag 5. Juli 2013, 20:24 
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Edda hat geschrieben:
Mit dem Wissen um seine Verbindung zu Jane und sein daraus resultierendes Verhalten - besonders Emma gegenüber - liest man seine "Galanterien" natürlich mit ganz anderen Augen...


Ja, ich ertappe mich dabei, dass ich ständig nach Hinweisen suche auf die Affäre Frank/Jane und darauf achte, wie Frank sich genau verhält. Bei Austen, darüber hatten wir es ja schon öfter, ist die Redeweise ja fast so wichtig wie das Verhalten, wenn man eine Person charakterisieren will - und irgendwie kommt Frank hier nicht so doll rüber, finde ich. Zu glatt, zu geschmeidig, zu gefällig. Wenn man die Verlobung kennt, wirkt er sogar noch negativer. Ich meine mich zu erinnern, dass ich ihn beim ersten Lesen recht positiv fand, also eine positive Romanfigur.

Was ich nicht recht verstehe: Wieso überlegt Emma, ob seine Komplimente ein Beleg dafür sein könnten, dass er die Erwartung, er könne mit Emma was anfangen, ablehnt? Wo ist da die Logik?


Übrigens noch zu Namen und deren Kontext: Dass Frank und Jane sich in Weymouth kennengelernt haben, könnte auch was bedeuten: Weymouth war das bevorzugte Seebad von König George III., es galt wohl eher als mondän. Austens Schwester Cassandra war auch mal da mit Bruder Henry. Der damalige Leser wird also vielleicht (ganz anders als bei Bristol) die Assoziation gehabt haben, dass die Verbindung "ehrenhaft" war, da sie in einem sehr angesehenen Ort zustande gekommen ist.


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BeitragVerfasst: Montag 8. Juli 2013, 09:31 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Udo hat geschrieben:
Was ich nicht recht verstehe: Wieso überlegt Emma, ob seine Komplimente ein Beleg dafür sein könnten, dass er die Erwartung, er könne mit Emma was anfangen, ablehnt? Wo ist da die Logik?


Der Satz ist mir auch nicht ganz klar. Ist ja so eine Sache mit weiblicher Logik. :wink:

Ich mach mal weiter ...

24. Kapitel

Frank und Mrs Weston kommen zu Besuch. Man spaziert nach Highbury und lernt sich immer besser kennen.



Auch ein sehr ergiebiges Kapitel, wenn man die Hintergrundgeschichte schon kennt. So fällt einem zum Beispiel Franks ablenkende, plötzliche Kaufwut auf, wenn Emma ihn nach Jane Fairfax fragt. Während Jane Fairfax die heimliche Verlobung mit Diskretion und Reserviertheit überdeckt, verschleiert Frank Churchill sie durch sein lockeres, selbstbewusstes Wesen. Wie er über Jane spricht, gerade weil sie seine heimlich Verlobte ist, ist ziemlich frech.
Ich kann trotzdem (auch wenn es leicht fallen würde) nicht nur Negatives an seinem Verhalten sehen und mir scheint, auch die Erzählung legt es darauf an, beide Seiten zu zeigen. Ähnlich ja auch wie bei Emma, bei der Fehlgriffe immer Hand in Hand mit liebens- oder lobenswerten Eigenschaften gezeigt werden. Hier fällt mir diesbezüglich Franks Interesse und Sympathie für Highbury auf, wie auch seine wenig standesbewusste Wahrnehmung (was ja gar nicht in Emmas Sinn ist): (...) and when their going farther was resolved on, confessed his wish to be made acquainted with the whole village, and found matter of commendation and interest much oftener than Emma could have supposed. He begged to be shewn the house which his father had lived in so long, and which had been the home of his father's father; and on recollecting that an old woman who had nursed him was still living, walked in quest of her cottage from one end of the street to the other; (...). (...) He seemed to have all the life and spirit, cheerful feelings, and social inclinations of his father, and nothing of the pride or reserve of Enscombe. Of pride, indeed, there was, perhaps, scarcely enough; his indifference to a confusion of rank, bordered too much on inelegance of mind.


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BeitragVerfasst: Montag 8. Juli 2013, 14:48 
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:vielposten: so, nach knapp zwei Wochen Urlaub gab's einige Posts nachzulesen. Ich fand eure Diskussion bis hierher sehr interessant, besonders auch die leichten Hinweise auf Sklavenhandel z.B. Werde jetzt eifrig die fehlenden Kapitel nachlesen und -hören und spätestens Mittwoch wieder einsteigen.

:les: Elanor

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[During the 1960s] I think there was more sex in those old films than in all that thrashing around today. I'm tired of sex scenes.
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BeitragVerfasst: Montag 8. Juli 2013, 20:37 
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Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
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Julia hat geschrieben:
Auch ein sehr ergiebiges Kapitel, wenn man die Hintergrundgeschichte schon kennt. So fällt einem zum Beispiel Franks ablenkende, plötzliche Kaufwut auf, wenn Emma ihn nach Jane Fairfax fragt. Während Jane Fairfax die heimliche Verlobung mit Diskretion und Reserviertheit überdeckt, verschleiert Frank Churchill sie durch sein lockeres, selbstbewusstes Wesen. Wie er über Jane spricht, gerade weil sie seine heimlich Verlobte ist, ist ziemlich frech.
Ich kann trotzdem (auch wenn es leicht fallen würde) nicht nur Negatives an seinem Verhalten sehen und mir scheint, auch die Erzählung legt es darauf an, beide Seiten zu zeigen. Ähnlich ja auch wie bei Emma, bei der Fehlgriffe immer Hand in Hand mit liebens- oder lobenswerten Eigenschaften gezeigt werden. Hier fällt mir diesbezüglich Franks Interesse und Sympathie für Highbury auf, wie auch seine wenig standesbewusste Wahrnehmung (was ja gar nicht in Emmas Sinn ist):


Mir scheint auch, dass Frank nicht soo negativ rüberkommt. Seine Begeisterung hier könnte man einfach damit erklären, dass er halt verliebt ist und deshalb alles toll findet, was mit seiner Liebsten zu tun hat - warum er sich dann aber dermaßen kritisch über Jane äußert, ist mir ein Rätsel. Er könnte das Geheimnis ja auch wahren, indem er eher wenig über sie sagt, sich neutral äußert. Gerade seine Äußerungen über ihr Äußeres sind doch sehr direkt, sehr persönlich, auf jeden Fall unhöflich. Ich sehe ja den zweifelhaften Wert von Vergleichen mit anderen Romanfiguren ein, aber die Szene hier erinnert mich irgendwie an das Gespräch von Elizabeth Bennet mit Wickham, als Wickham gleich beim ersten oder zweiten Treffen über Darcy ablästert. Tut man nicht.
Auch was er über Miss Bates sagt, ist nicht schön. Gut, da hat Emma den Ton vorgegeben...

Trotzdem: Es gibt so einige Indizien, die für ihn sprechen. Ich habe die Szene, als er bei Ford reinstürzt, eigentlich nicht als lockeres Überspielen einer Situation wahrgenommen, mir schien eher, dass er Mühe hatte, die Fassung zu wahren (was positiv ist, denke ich). Ebenso die Stelle, als Emma auf Mr. Dixons Verhältnis zu Jane anspielt - Franks Reaktion kommt mir so vor, als ob er in dem Moment selbst ins Trudeln gerät, ob da was gewesen sein könnte, also wie ein Aufblitzen von Eifersucht, was nicht gut ist, aber immerhin für seine Gefühle für Jane spricht. Und bei den Bates bleibt er ja auch 45 Minuten sitzen - auch wenn er darüber Sprüche klopft, in Wahrheit war das schon eine außergewöhnliche Gunstbezeugung, das dürfte allen Beteiligten klar gewesen sein. (Übrigens fällt mir auf, wie oft im Buch erwähnt wird, wie lange ein Besuch gedauert hat: Von den unverschämten 14 Minuten Harriets bei den Martins bis zu den vielen freundschaftlichen Stunden, die Mrs. Weston und Frank mit Emma verbringen.)

Emmas Standesdünkel kommt dagegen wieder sehr zum Vorschein. Wobei ich ihre Entschuldigung für ihn sehr lustig finde: "Er konnte allerdings für die Übel, die er heraufbeschwor, kaum verantwortlich gemacht werden. Sie waren nichts als der spontane Ausbruch einer lebhaften Phantasie." Sagt die Dame, die stets alles richtig und realistisch einschätzt....

Ich bin mir nicht so sicher, Julia, wie sehr Emma Frank durchschaut. Einerseits ja, sie ordnet ihn schon ganz gut ein. Aber andererseits lässt sie ihm ziemlich viel durchgehen, glaubt nicht, "dass er ihnen womöglich etwas vorgemacht hatte oder seine Anteilnahme nur vorgespielt war", und ist überzeugt, dass "Mr. Knightley ihm keineswegs Gerechtigkeit widerfahren ließ". Also sie ist schon sehr angetan von ihm und findet die Vorstellung, alle könnten denken, zwischen ihnen laufe was, ja auch sehr prickelnd.

Da ja schon Montag ist und Elanor noch nachlesen muss und es auch heiß ist - vielleicht sollten wir mit Kap 25 erst Samstag weitermachen statt Mittwoch?


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BeitragVerfasst: Montag 8. Juli 2013, 21:09 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Udo hat geschrieben:
Da ja schon Montag ist und Elanor noch nachlesen muss und es auch heiß ist - vielleicht sollten wir mit Kap 25 erst Samstag weitermachen statt Mittwoch?


Gute Idee! Vielleicht stoßen dann noch ein paar mehr "Abtrünnige" wieder dazu ... :wink:

Zitat:
(...) warum er sich dann aber dermaßen kritisch über Jane äußert, ist mir ein Rätsel. Er könnte das Geheimnis ja auch wahren, indem er eher wenig über sie sagt, sich neutral äußert.


Ich glaube, er weiß dass Jane & Emma nicht die besten Freundinnen sind - entweder von Jane selbst oder Emma ist diesbezüglich schon deutlich genug geworden. Jane zu kritisieren oder zu "lästern" sieht er vielleicht als sichere Bahn, um von einem möglichen Verdacht abzulenken und sich gleichzeitig bei Emma beliebt zu machen. Obwohl es ja genau das ist, was Emma ihm später am heftigsten vorwirft.


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BeitragVerfasst: Montag 8. Juli 2013, 23:05 
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Udo hat geschrieben:
Da ja schon Montag ist und Elanor noch nachlesen muss und es auch heiß ist - vielleicht sollten wir mit Kap 25 erst Samstag weitermachen statt Mittwoch?

ein netter Vorschlag, :top: hab nichts dagegen

Elanor

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BeitragVerfasst: Mittwoch 10. Juli 2013, 10:11 
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Austenbegeistert
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Udo hat geschrieben:
Da ja schon Montag ist und Elanor noch nachlesen muss und es auch heiß ist - vielleicht sollten wir mit Kap 25 erst Samstag weitermachen statt Mittwoch?

Ist mir auch ganz recht...

Udo hat geschrieben:
Emmas Standesdünkel kommt dagegen wieder sehr zum Vorschein.

Ja, das ist in diesem Kapitel wirklich extrem... ich bin mir nicht sicher, ob das besonders aus unserer heutigen Sicht so wirkt - aber die Ausführungen über das "Ausfüllen" einer Tanzveranstaltung mit "unpassenden" Familien (die dann am nächsten Tag hoffentlich ihren richtigen Platz in der Gesellschaft wieder einnehmen) fand ich schon heftig!


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BeitragVerfasst: Mittwoch 10. Juli 2013, 10:20 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Das hat mich übrigens an Gaskells "Wives and Daughters" erinnert - da gibt es ja auch ähnliche Befürchtungen, als Molly mit dem Metzgerssohn(?) tanzt. Und Miss Bingley & Mr Darcy sind ja auch nicht gerade begeistert von der wilden Mischung beim Ball in Meryton.

Ich denke, trotz Forstschritt und sicher zunehmenden Ausnahmen, war die Klassengesellschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch fest im Sattel. Emma ist einfach ein Kind ihrer Zeit und vor allem ihrer Klasse.


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BeitragVerfasst: Mittwoch 10. Juli 2013, 10:44 
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Austenbegeistert
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Andererseits gibt es auch immer Personen bei Jane Austen, die dies ein bisschen lockerer sehen - in diesem Buch z.B. Mr. Knightley - und die Menschlichkeit über den Standesdünkel stellen...(ich denke da besonders an die Szene, als Mr. Knightley Harriet zum Tanzen auffordert - aber das kommt ja erst später...)


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BeitragVerfasst: Mittwoch 10. Juli 2013, 12:28 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Das stimmt, Mr Knightley sieht das lockerer, bzw. anders, wie wir glaube ich schon im nächsten Kapitel (bzgl. den Coles) sehen. Diese Gegensätze gibt es ja auch in den anderen Romanen, und ich denke es ist ein Zeichen dafür, dass sich in dieser Epoche diesbezüglich viel, wenn auch langsam änderte.


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BeitragVerfasst: Mittwoch 10. Juli 2013, 20:10 
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Ich denke auch, dass sie sehr ein Kind ihrer Zeit ist, eigentlich hängt sie sogar etwas hinterher - kein Wunder, wenn man immer nur in Hartfield gelebt hat und niemals rausgekommen ist (offenbar hat Emma noch nicht mal ihre Schwester in London besucht, scheint mir jedenfalls so).
Deshalb ist es wohl auch so wichtig für sie, immer die Nr. 1 zu sein. Fällt hier wieder auf, als sie Miss Campbell bedauert: "...was für ein Unglück, seine beste Freundin immer bei sich zu haben, wenn sie alles besser kann als man selbst". Emma könnte sich selbstlos für ihre Freundin freuen. Oder die Chance nutzen, was zu lernen. Daher ist es wohl nicht nur Janes Reserviertheit, die Emma das harte Urteil fällen lässt: "Vertrauter Umgang zwischen mir und Miss Fairfax ist ausgeschlossen."


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BeitragVerfasst: Mittwoch 10. Juli 2013, 21:14 
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Ich hatte heute beim Hören stark den Eindruck, Frank Churchill sich von Emma regelrecht in die "Bewertung" von Jane drängen lässt. Und er nach dem emotionalen Aufruhr vor dem Besuch bei Ford's recht froh war sich in diese distanzierte Beobachterrolle drängen zu lassen. Er hat die Zeit des Handschuhaussuchens sicher genutzt, um zu Überlegen, was er tun soll. Der Hinweis auf: "die Dame bestimmt den Grad der Bekanntschaft" ist strategisch gut gewählt.
Interessanterweise merkt Emma gar nicht, daß sie selbst eigentlich einen viel zu vertrauten Umgang mit ihm pflegt. Gut er gehört einer befreundeten Familie an und ist kein Unbekannter, wie Willoughby oder Wickham, aber sie erzählt Dinge, die man nicht unbedingt, recht fremden Gesprächspartnern gleich bei der 2. Begegnung anvertraut. Sie kommt sich immer so wissend vor, dabei tappt sie doch ziemlich im Dunkeln. Und Frank ist sicher froh, daß sie ihm regelrecht eine Strategie vor die Füße legt, um bedeckt zu bleiben.

Elanor

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BeitragVerfasst: Donnerstag 11. Juli 2013, 21:13 
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Austenexperte
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Nachtrag:

Mir scheint, Frank Churchill berichtet nicht ohne Stolz von Mr. Dixons musikalischen Vorlieben.
Aber Emma hört ja nur, was ihr ihre romantischen Phantasien eingeben. Das gibt ihm gleichzeitig die Möglichkeit sein Interesse an Jane Fairfax zu vertuschen.

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BeitragVerfasst: Freitag 12. Juli 2013, 23:38 
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Elanor hat geschrieben:
Nachtrag:
Mir scheint, Frank Churchill berichtet nicht ohne Stolz von Mr. Dixons musikalischen Vorlieben.
Aber Emma hört ja nur, was ihr ihre romantischen Phantasien eingeben. Das gibt ihm gleichzeitig die Möglichkeit sein Interesse an Jane Fairfax zu vertuschen.
Elanor


Trotzdem: Wie schon erwähnt, habe ich den Eindruck, Frank könnte eifersüchtig auf Mr Dixon sein - sein Zögern usw könnte man zumindest so deuten, als würde es mächtig rattern in seinem Kopf. Aber ist eigentlich auch unerheblich, nur eine Facette in seinem Charakter.

Der letzte Satz des Kapitels zeigt ja übrigens mal wieder, dass Emma durchaus auch eine Romantikerin vom alten Schlag ist.


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 Betreff des Beitrags: Re: Groupread Emma, 25. Kapitel
BeitragVerfasst: Sonntag 14. Juli 2013, 00:33 
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25. Kapitel

Frank fährt zum Friseur. Emma hofft, eine Einladung ablehnen zu können, will schließlich aber doch zur Fete.


Hier wird zunächst ein weiterer Charakterzug von Emma in den Vordergrund gestellt: ihre Eitelkeit. Es gefällt ihr, dass Frank in sie verliebt sein könnte, während sie ihn jedenfalls nicht heiraten will. Aber bewundern darf er sie - dafür verzeiht sie ihm seine Schnurren, die sie im Grunde sehr wohl erkennt.
Ihre Haltung den Coles gegenüber reiht sich ein in die lange Reihe der Standesdünkel-Szenen. Aber eigentlich geht es wohl gar nicht primär um ihren Snobismus, sondern man sieht einfach, wie kindisch Emma ist.


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BeitragVerfasst: Dienstag 16. Juli 2013, 09:55 
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Austenbegeistert
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Was ist wohl der wahre Grund für die verspätete Einladung: der Standesunterschied (wie Emma vermutet) oder das Warten auf den Kamin-Schirm (wie die Coles selber sagen)? Ich war mir nicht ganz sicher....


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BeitragVerfasst: Dienstag 16. Juli 2013, 10:23 
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Ich lese hier schon heraus, dass die Coles wohlmeinende, gutmütige Menschen sind. Emmas "Kritik" bezieht sich ja auch nur auf den Standesunterschied - der interessanterweise allen anderen (Frank, Mr Knightley) ja entweder nicht bewusst oder egal ist. Die Sorge um Mr Woodhouses Wohlbefinden spricht zumindest für sie. Jedenfalls dafür, dass sie verstehen, wie Highbury/Hartfield funktioniert und sie gewillt sind, sich dem anzupassen. Emma nicht einzuladen, alle anderen aber schon, wäre hingegen extrem unhöflich.

Ich habe hier erstmals den Eindruck gehabt, dass die Westons nicht nur routiniert mit Mr Woodhouses "Schrullen" umgehen, sondern auch mit Emmas. Beide reden ihr schön nach dem Mund, bzw. wissen genau, was sie hören will und wie.


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BeitragVerfasst: Dienstag 16. Juli 2013, 14:53 
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Austenexperte
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Julia hat geschrieben:
Emmas "Kritik" bezieht sich ja auch nur auf den Standesunterschied - der interessanterweise allen anderen (Frank, Mr Knightley) ja entweder nicht bewusst oder egal ist.

Alle Anderen scheinen ihn nicht zu empfinden, da die Coles ja an Ansehen und Einkommen die Zweiten nach Hartfield sind, die einzigen Standesdünkel hat wohl Emma, vielleicht befürchtet sie ja auch, irgendwann von den Coles auf den zweiten Platz verdrängt zu werden? Wenn Alteingesessen allein nicht mehr zählt :tot: :/
Witzig auch wieder Mr Woodhouse der Emma erst zum schnellen Aufbruch drängt und dann die Höflichkeit siegt :fies_sei:

Elanor

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BeitragVerfasst: Dienstag 16. Juli 2013, 18:46 
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An den Coles ist zu sehen, dass die Gesellschaftsordnung nicht statisch ist, ein Aufstieg im Gegensatz zu einer ständischen Gesellschaft mit strikter Trennung der Klassen möglich und auch akzeptiert ist.
Das ist auch einer der Gründe, dass es in England keine blutigen Revolution gab.


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BeitragVerfasst: Dienstag 16. Juli 2013, 22:02 
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Edda hat geschrieben:
Was ist wohl der wahre Grund für die verspätete Einladung: der Standesunterschied (wie Emma vermutet) oder das Warten auf den Kamin-Schirm (wie die Coles selber sagen)? Ich war mir nicht ganz sicher....


Ich hatte beim Lesen den Verdacht, dass die Coles von Mrs Weston einen Wink bekommen haben könnten. Dass sie zuerst dachten, eine Einladung wäre anmaßend, sich dann aber doch trauten. Könnte das nicht sein?


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BeitragVerfasst: Dienstag 16. Juli 2013, 23:05 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Könnte theoretisch sein, aber wo siehst Du da im Text einen Hinweis?

@pauli: Ja, vor allem in "Persuasion" sieht man das auch sehr schön, finde ich. Dass ein "Hocharbeiten" möglich und auch akzeptiert ist. Und dass ein Adliger sich auch nicht (mehr) unbegrenzt auf seinem Status ausruhen kann.


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BeitragVerfasst: Dienstag 16. Juli 2013, 23:28 
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Tatsächlich keinerlei Hinweis. Es passt nur: Emma sieht Mrs Weston ständig, wird mit ihr über ihren Konflikt geredet haben, dann kommt die Einladung mit einer doch (für mich) extrem fadenscheinigen (dabei durchaus charmanten oder ehrerbietigen) Erklärung für die späte Einladung. Als ob jemand einen Hinweis gegeben hätte und man einen Grund konstruieren musste. Wie im richtigen Leben manchmal....
Aber ja, das ist reine Spekulation. Passt aber immerhin zu deiner Beobachtung, dass die Westons auch Emma zu handlen wissen, denn dann können sie auch mal was für sie richten.


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BeitragVerfasst: Mittwoch 17. Juli 2013, 13:04 
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Udo hat geschrieben:
Tatsächlich keinerlei Hinweis. Es passt nur: Emma sieht Mrs Weston ständig, wird mit ihr über ihren Konflikt geredet haben, dann kommt die Einladung mit einer doch (für mich) extrem fadenscheinigen (dabei durchaus charmanten oder ehrerbietigen) Erklärung für die späte Einladung. Als ob jemand einen Hinweis gegeben hätte und man einen Grund konstruieren musste. Wie im richtigen Leben manchmal....
Aber ja, das ist reine Spekulation. Passt aber immerhin zu deiner Beobachtung, dass die Westons auch Emma zu handlen wissen, denn dann können sie auch mal was für sie richten.


Ohne dass ich konkret begründen könnte warum, habe ich diese Szene in Buch und Film(en) auch immer so verstanden, dass die Coles sich erst nicht trauten die Woddhouses einzuladen und dann irgendwann mitbekamen, dass sie nicht einzuladen letztlich der größerere Affront wäre.

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Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.

Samuel Becket


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BeitragVerfasst: Donnerstag 18. Juli 2013, 09:05 
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Kapitel 26

Die Party bei den Coles. Jane Fairfax hat ein Klavier geschickt bekommen und alle rätseln von wem es ist & was es bedeutet.

__________________________________________

Hat hier schon jemand geahnt, das Frank Churchill also nicht nur zum Haareschneiden nach London gefahren ist? Es ist rückblickend ja schon auffällig, dass die Kapitel aufeinander folgen bzw. der Trip nach London zu Beginn dieses Kapitels nochmal aufgegriffen wird.

Interessant fand ich, dass Emma Mr Knightleys kritisches Urteil über Frank Churchill nicht aus dem Kopf geht, bzw. sie es für sich versucht zu widerlegen. Ein Zeichen dafür, dass ihr seine Meinung - auch wenn sie anderer ist - sehr wichtig ist bzw. sie diese ernst nimmt.

Sehr schön eingeflochten ist hier wieder die Beziehung von Frank und Jane, also die Hinweise und Erwähnungen ihres Zusammenseins:

--- he very first of the early was Frank Churchill. In he walked, the first and the handsomest; and after paying his compliments en passant to Miss Bates and her niece, made his way directly to the opposite side of the circle, where sat Miss Woodhouse;
--- When Mr. Cole had moved away, and her attention could be restored as before, she saw Frank Churchill looking intently across the room at Miss Fairfax, who was sitting exactly opposite. "What is the matter?" said she. He started. "Thank you for rousing me," he replied. (...) I must go and ask her whether it is an Irish fashion. Shall I?--Yes, I will--I declare I will--and you shall see how she takes it;--whether she colours." He was gone immediately; and Emma soon saw him standing before Miss Fairfax, and talking to her; but as to its effect on the young lady, as he had improvidently placed himself exactly between them, exactly in front of Miss Fairfax, she could absolutely distinguish nothing.
--- Frank Churchill, of whom, in the eagerness of her conversation with Mrs. Weston, she had been seeing nothing, except that he had found a seat by Miss Fairfax, (...).

Auch der Tanz am Ende des Kapitels/Abends scheint mir von Frank initiiert worden zu sein, in der Hoffung mit Jane zu tanzen (also "allein" zu sein) - leider ist schon nach zwei Tänzen Schluss, und die "musste" er ja mit Emma tanzen:
--- the proposal of dancing--originating nobody exactly knew where--was so effectually promoted by Mr. and Mrs. Cole, that every thing was rapidly clearing away, to give proper space.
--- Two dances, unfortunately, were all that could be allowed. It was growing late, and Miss Bates became anxious to get home, on her mother's account. After some attempts, therefore, to be permitted to begin again, they were obliged to thank Mrs. Weston, look sorrowful, and have done.

Wirklich unsympathisch ist mir mit dem entsprechenden Hintergrundwissen eigentlich an Frank Churchill nur, wie bereitwillig er schlecht oder abfällig über seine heimlich Verlobte spricht. Erst die Frisur, dann ihr Tanzstil. Er meint vielleicht, dass das jeglichen Verdacht abwendet, aber es wirkt ziemlich kaltherzig & egoistisch. Diskretion (wie bei Jane) würde auch reichen.


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BeitragVerfasst: Donnerstag 18. Juli 2013, 16:45 
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Austenbegeistert
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Julia hat geschrieben:
Wirklich unsympathisch ist mir mit dem entsprechenden Hintergrundwissen eigentlich an Frank Churchill nur, wie bereitwillig er schlecht oder abfällig über seine heimlich Verlobte spricht. Erst die Frisur, dann ihr Tanzstil. Er meint vielleicht, dass das jeglichen Verdacht abwendet, aber es wirkt ziemlich kaltherzig & egoistisch. Diskretion (wie bei Jane) würde auch reichen.

Ja, das geht mir auch so...ich kann mir vorstellen, dass ich Frank Churchill beim "ersten" Lesen recht charmant und sympathisch fand. Aber mit dem jetzigen Kenntnisstand finde ich es einfach unmöglich und völlig überzogen, wie er über Jane spricht...da fehlt ihm wohl doch das Feingefühl, das Jane auf jeden Fall besitzt.

Für die nächsten 2 Wochen muss ich mich verabschieden: es geht in den Urlaub - ohne Internet :heul:


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BeitragVerfasst: Donnerstag 18. Juli 2013, 20:23 
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Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
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Julia hat geschrieben:
Auch der Tanz am Ende des Kapitels/Abends scheint mir von Frank initiiert worden zu sein, in der Hoffung mit Jane zu tanzen (also "allein" zu sein)

Ja, die Idee hatte ich auch. Aber das spekulierst Du auch, oder? Im Text ist dazu nichts zu finden, glaube ich. Aber es passt, weil Frank halt so ein Hallodri ist, der immer alles daran setzt, zu tanzen.

Mir ist aufgefallen, wie unverfroren Frank Emma an der Nase herumführt: In der Szene, wo sie durchspekuliert, wer das Piano geschickt haben könnte. Emma wird hier nach Strich und Faden veräppelt. Wenn sie es jetzt schon wüsste, wäre sie wohl einigermaßen empört, dass man es wagt, so mit der ersten Dame am Platze umzugehen.

Franks Beleidigungen über Jane finde ich auch seltsam. Zumindest die letzte, die zum Tanzen, könnte ich mir aber noch so erklären, dass er halt sehr enttäuscht war (sofern er es wirklich war, der den Tanz initiiert hat) - und Frust abgelassen hat. Aber selbst dann spricht es nicht für ihn und ihre gemeinsame Zukunft, wenn er den an seiner Künftigen ablässt.

Schönen Urlaub, Edda!


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BeitragVerfasst: Donnerstag 18. Juli 2013, 21:45 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Udo hat geschrieben:
Julia hat geschrieben:
Auch der Tanz am Ende des Kapitels/Abends scheint mir von Frank initiiert worden zu sein, in der Hoffung mit Jane zu tanzen (also "allein" zu sein)

Ja, die Idee hatte ich auch. Aber das spekulierst Du auch, oder? Im Text ist dazu nichts zu finden, glaube ich. Aber es passt, weil Frank halt so ein Hallodri ist, der immer alles daran setzt, zu tanzen.


Ich finde schon, dass die Aussage, keiner wisse genau woher die Idee gekommen sei, da was andeutet: the proposal of dancing--originating nobody exactly knew where--was so effectually promoted by Mr. and Mrs. Cole (...). Es steht natürlich nicht explizit da, aber die ganzen versteckten Hinweise/Andeutungen auf Franks & Janes Zweisamkeit in diesem Kapitel legen in der Summe und durch diese doch deutliche Formulierung den Schluss nahe, dass Frank der Initiator war.
Zumal der Hinweis, niemand hätte gewusst woher die Idee zum Tanzen kam, sonst keine für mich sinnvolle Funktion hätte. Gerade in "Emma" lobt man ja immer die Ökonomie, also dass keine Beschreibung/Erwähnung/Szene einfach nur zum Selbstzweck dastünde. Dass alles irgendwie einen Zusammenhang hat. Das wäre dann für mich so ein Fall. Außerdem ist Frank Churchill ja auch die treibende Kraft hinter dem kommenden Ball ... Lauter kleine Puzzleteile.

Einen schönen Urlaub, Edda! :) Müssen wir eigentlich irgendwann eine "Sommerpause" einlegen? Udo ist ja auch bald länger weg, soweit ich mich erinnere?!


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BeitragVerfasst: Freitag 19. Juli 2013, 20:18 
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Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
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Registriert: Mittwoch 9. April 2008, 16:07
Beiträge: 3091
Warum muss der Hinweis, dass es niemand weiß, eine Funktion haben? Vielleicht ist es einfach egal? Also wie gesagt: Ich glaube auch, dass es Frank war, aber einen Beleg kann ich dafür nicht finden - nur, dass es in den Gesamtkontext gut passen würde. Zum Beispiel in den, dass es, wie Du schon schreibst, nur so wimmelt von Hinweisen auf seine Neigung zu Jane. Als Leser weiß man doch spätestens hier Bescheid, oder? Die Ironie: Niemand hat so viele Hinweise vor Augen und Ohren wie die Meister-Rätsellöserin Emma... Und hier sitzt sie vor dem Rätsel wie einst Harriet vor Mr. Eltons.
Überhaupt wimmelt es hier, glaube ich, von ironischen Wendungen. Nicht nur, dass Emma hinters Licht geführt wird, jetzt fängt auch noch Mrs Weston mit dem Ehe-Voraussehen an - und ausgerechnet Jane und Mr. Knightley sollen sich finden!
Und Emma gerät gleich in Panik - aber nicht wegen sich, sondern weil sie um Henrys Erbe fürchtet! Eine sehr lustige Szene, finde ich. Ein Fest für Psychologen.... Wie nennt man das? Sublimierung? Jedenfalls findet sie sofort etwas, was verhindert, dass sie sich mit ihren eigenen Gefühlen für Mr. Knightley befasst. Dabei hat Austen kurz vorher noch einen Hinweis platziert, als Emma sagt, sie kenne keinen besseren Mann als ihn. Also wenn ich sowas von einer Frau denken würde, würde mich das ins Grübeln bringen. Mit einem Minimum an Selbstreflexion sollte Emma auch dies und das klarer werden. Immerhin erkennt sie selbstkritisch an, dass Jane besser Klavier spielen kann.

Wg Urlaub: Ich bin noch vier Wochen hier, hab aber gerade viel um die Ohren. Sommerpause brauche ich also noch nicht. Aber ich habe auch nichts dagegen, wenn ihr eine möchtet.


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