Julia hat geschrieben:
Für mich ist die Kernaussage der Anmerkung nicht, dass Mr Hawkins ein Sklavenhändler gewesen ist oder sein "muss" (was dort übrigens überhaupt nicht steht!), sondern ein weiterer wichtiger Hinweis darauf, dass in Austens Texten einiges mitschwingt, was für damalige Leser gewisse Assoziationen weckte, die heute ohne entsprechendes Hintergrundwissen nicht mehr klar sind.
Wenn das da gar nicht steht, ziehe ich alles zurück, entschuldige mich für mein mieses Englisch und behaupte das Gegenteil...
Aber vorweg: Den Ansatz, nach sprachlichen Implikationen zu suchen, die auf einen politisch-historischen Hintergrund verweisen, finde ich selbstverständlich auch gut und richtig! Du weißt doch, dass ich dazu neige, mit allen zehn Fingern zwischen den Zeilen zu kratzen in der Hoffnung, irgendwo sowas wie Sozialkritik zu finden.

Das finde ich halt interessant, deshalb versuche ich, darauf zu achten.
In den Anmerkungen habe ich dann wohl folgende Stelle überinterpretiert, wo Bharat Tandon schreibt:
"Thus, while scoring on one level off the small-time nature of Mr. Hawkin´s business, Austen´s sentence can, through the association of `Bristol´, make more nebulous suggestions about how that business may be mired in the economics of slavery; this would certainly be consistent with Mrs. Elton´s later touchiness about the Sucklings and the slave trade in vol. II., chap 17."
Das habe ich so gelesen, als ob Tandon sagen wolle, dem Leser damals sei klar gewesen, dass Mr. Hawkins zumindest in den Sklavenhandel verstrickt gewesen sein müsse. Aber ja, da steht "nebulous suggestions", eindeutig ist es also wohl nicht.
Vielen Dank für Deine Zusammenfassung! In der MP-Stelle gab es einen Satz, den ich fast so verstanden habe, als ob der Autor sagen wollte, Austen habe die Notwendigkeit der Sklaverei (bzw. eines britischen Imperiums) akzeptiert....
Übrigens könnte man die Punkte oder den Gedankenstrich ja auch einfach so deuten, dass so die Abscheu Emmas vor Kaufleuten betont werden sollte: "... Kaufmanns,
so musste man es wohl nennen". Aus Emmas Sicht waren Kaufleute wohl nicht sehr hoch angesehen.
Aber Du hast Recht: Für die Handlung ist es ziemlich egal, wie Miss Hawkins zu ihren 10 000 Pfund gekommen ist.
Mich wundert hier ein wenig, dass Emma meint, Augustas Schönheit verblasse gegen Harriets - das kann sie doch gar nicht wissen? Oder ist das Wunschdenken?
Das Dorf scheint jedoch sicher, dass sie "in jeder Hinsicht ein Muster an weiblicher Vollkommenheit darstellte". Ein paar Seiten vorher hat ja Emma, sicher ironisch, über Mr. Elton gesagt, dass er "das Ideal aller körperlichen und geistigen Vollkommenheit in Highbury" sei. Also offensichtlich ein vollkommen perfektes Paar...
