Literaturforum
Aktuelle Zeit: Samstag 25. März 2023, 19:23

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Forumsregeln


Die Forumsregeln lesen



Ein neues Thema erstellen Dieses Thema ist gesperrt. Du kannst keine Beiträge editieren oder weitere Antworten erstellen.  [ 433 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1 ... 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10 ... 15  Nächste
Autor Nachricht
BeitragVerfasst: Freitag 7. Juni 2013, 22:00 
Offline
Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 9. April 2008, 16:07
Beiträge: 3091
Ja, dann könnte das natürlich auch eine Verneigung vor dem Prinzregenten sein, dem das Buch ja auch gewidmet ist.

Mir tut Emma hier nicht leid, weil sie einen notwendigen Lernprozess durchmacht - man könnte sich also eher für sie freuen. :wink: Es ist ein harter Schlag für sie, offenbar aber noch nicht hart genug, wie sich zeigen wird.

Verwundert hat mich, dass der Pastor Elton sagt, es sei ihm egal, ob Harriet tot oder lebendig ist, das fand ich ein wenig hart. Könnte ihn in seinem Job endgültig disqualifizieren...

Von Emmas Seite ist es nicht ohne Ironie, dass sie Mr Eltons Standesdünkel kritisiert - ausgerechnet sie, die den armen Mr Martin für unter jeder Würde befunden hat. Emma ist noch ein Stück weit entfernt von der nötigen Selbsterkenntnis. Aber sie bemüht sich: Ich glaube, Grawe hat in seinen Anmerkungen zu P&P darauf hingewiesen, dass Elizabeth Bennet sich immer wieder zurückzieht, um in Ruhe nachzudenken, was sehr positiv in Austens Welt ist. Emma tut das jetzt auch mal, was wieder sehr für sie spricht.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
Verfasst: Freitag 7. Juni 2013, 22:00 


Nach oben
  
 
BeitragVerfasst: Freitag 7. Juni 2013, 22:44 
Offline
Austenexperte
Benutzeravatar

Registriert: Dienstag 14. Juli 2009, 15:59
Beiträge: 926
Wohnort: Sachsen
Udo hat geschrieben:
Mir tut Emma hier nicht leid, weil sie einen notwendigen Lernprozess durchmacht - man könnte sich also eher für sie freuen. :wink: Es ist ein harter Schlag für sie, offenbar aber noch nicht hart genug, wie sich zeigen wird.

Daß Emma einen notwendigen Lernprozess durchmacht, ist mir schon auch klar. Aber trotzdem tut sie mir leid, in dem Sinne, daß ich denke, das hätte sie sich ersparen können, ab und zu mal Nachdenken: was bewirkt das, was ich tue/fördere/unterlasse/welche Hinweise geben mir andere... und es wäre vielleicht nicht zu dieser peinlichen Erfahrung gekommen. Ja es ist ein harter Schlag für sie und irgendwie wünscht man sich, das müsste doch reichen, aber wir wissen es ja, es reicht noch nicht :/
Aber jemandem, dem man mag, würde man doch solche Dinge gern ersparen, auch wenn man weiß, daß es manchmal notwendig ist. Deswegen meinte ich, sie tut mir leid.

Elanor
P.S. Der Grund warum ich sie mag, folgt im nächsten Kapitel, also morgen :wink:

_________________
[During the 1960s] I think there was more sex in those old films than in all that thrashing around today. I'm tired of sex scenes.
Claudette Colbert

sadly enough, this is more than true in our times


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Freitag 7. Juni 2013, 23:43 
Offline
Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 9. April 2008, 16:07
Beiträge: 3091
Zitat:
Aber trotzdem tut sie mir leid, in dem Sinne, daß ich denke, das hätte sie sich ersparen können, ab und zu mal Nachdenken: was bewirkt das, was ich tue/fördere/unterlasse/welche Hinweise geben mir andere...


Aber dann wäre uns doch diese herrliche Szene komplett vorenthalten worden! Ein wirklich furchtbarer Gedanke! ;D
Klar, ich weiß schon, was du meinst. Selbst verschuldete Dummheit oder nicht - peinlich ist das schon sehr für die gute Emma. Und doch: Nicht peinlich genug, wie das nächste Kapitel zeigt, das mir Emma in eher ungünstigerem Licht erscheinen lässt.


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Samstag 8. Juni 2013, 06:59 
Offline
Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 19. Oktober 2005, 21:13
Beiträge: 4781
Elanor hat geschrieben:
in dem Sinne, daß ich denke, das hätte sie sich ersparen können, ab und zu mal Nachdenken: was bewirkt das, was ich tue/fördere/unterlasse/welche Hinweise geben mir andere... und es wäre vielleicht nicht zu dieser peinlichen Erfahrung gekommen.


Aber der Witz ist ja eigentlich, dass Emma genau das tut. Sie ist sehr aufmerksam, das schließt aber nicht aus, dass man die falschen Schlüsse zieht und sich entsprechend "falsch" verhält. Übrigens tut das nicht nur Emma, wie man gar nicht oft genug betonen kann - und was auch noch deutlicher wird, wenn z.B. Frank und Jane ins Spiel kommen.

Ich verstehe nach wie vor die Herangehensweise von einigen nicht, in jedem Romancharakter das jeweilige "Falschverhalten" zu benennen und zu analysieren. Warum ist das so wichtig?


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Samstag 8. Juni 2013, 08:46 
Offline
Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 9. April 2008, 16:07
Beiträge: 3091
Julia hat geschrieben:
Warum ist das so wichtig?

Na ja, weil es in einem Bildungsroman doch nicht zuletzt auch darum geht, wie die Hauptfigur sich durch Erfahrungen, inkl selbst gemachter Fehler, langsam entwickelt. :wink:
Und dann helfen die "Fehler" doch auch sehr bei der Charakterisierung einer Romanfigur. Und für die Handlung sind sie auch nicht unwichtig. :wink:
Aber ich ahne, was du meinst: "Fehler" sind natürlich relativ, man sollte da wohl nicht mit eigenen Maßstäben rangehen. Und wichtiger ist, dass das Verhalten der Figur schlüssig ist, also auch psychologisch nachvollziehbar - dann ist der "Fehler" eigentlich gar kein Fehler mehr. Meinst du sowas in der Richtung?


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Samstag 8. Juni 2013, 17:02 
Offline
Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 19. Oktober 2005, 21:13
Beiträge: 4781
Udo hat geschrieben:
Aber ich ahne, was du meinst: "Fehler" sind natürlich relativ, man sollte da wohl nicht mit eigenen Maßstäben rangehen. Und wichtiger ist, dass das Verhalten der Figur schlüssig ist, also auch psychologisch nachvollziehbar - dann ist der "Fehler" eigentlich gar kein Fehler mehr. Meinst du sowas in der Richtung?


So ähnlich. Abgesehen davon, dass es eine ziemlich langweilige Geschichte wäre, wenn alle Charaktere darin sich vorbildlich und fehlerlos verhalten, finde ich diese Maßstäbe nicht besonders lebensnah. Auch wir, zumindest die meisten, denke ich, bemühen uns nach bestem Wissen und Wollen uns "richtig" zu verhalten - und trotzdem gibt es zwischenmenschliche Konflikte, Missverständnisse, Unmut. Man kann natürlich sein Leben damit verbringen, den jeweils "Schuldigen" zu suchen und in die Ecke zu stellen, aber meinem Weltbild entspricht das nicht. :wink:

Auf den Roman bezogen, finde ich eine distanziertere Leseweise generell ergiebiger, und die fehlt mir hier manchmal. Die im Roman dargestellten Personen nicht als reale Menschen zu bewerten und zu beurteilen (so man das denn mit seinen Mitmenschen macht :wink:), sondern als Figur einer Geschichte, eines Handlungsgeflechts. Das ja nur in dieser Konstellation funktioniert. Dann könnte man darüber diskutieren, welche Rolle diese oder jene Person einnimmt, ob sie überzeugend gestaltet ist, oder nicht. Oder welche sprachlichen Mittel Austen einsetzt um diesen oder jenen Charakterzug zu betonen. Oder in welche gesellschaftlichen, kulturellen oder politischen Themen der Zeit sich diese oder jene Episode einordnen lässt oder nicht. Usw. usw.
Aber vielleicht muss ich mir das fürs Studium aufheben. :wink: Soll auch kein Vorwurf sein, eher ein Vorschlag, die Perspektive etwas zu erweitern.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Groupread Emma, 16. Kapitel
BeitragVerfasst: Samstag 8. Juni 2013, 18:54 
Offline
Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 9. April 2008, 16:07
Beiträge: 3091
Julia hat geschrieben:
Man kann natürlich sein Leben damit verbringen, den jeweils "Schuldigen" zu suchen und in die Ecke zu stellen, aber meinem Weltbild entspricht das nicht. :wink:


Da hast du, glaube ich, die Anmerkungen ein wenig überinterpretiert. Klar geht es nicht darum, wer "Schuld" hat an irgendwas - die Frage wäre sehr leicht beantwortet: Jane Austen. :wink: Aber es ist ja kein Zufall, dass Austen die Figuren auf diese bestimmte Weise agieren lässt, das soll bestimmt eine Wirkung auf den Leser haben und den Figuren eine Art Charakter geben, ein Profil, das sie lebensechter machen könnte. Als reale Menschen darf man sie deshalb nicht bewerten, da hast du Recht. Doch man darf auch subjektiv, gefühlsmäßig auf sie reagieren - dass man das tut, sagt ja nicht nur etwas über uns als Leser aus, oder? Aber es stimmt auch, dass es am besten wäre, man könnte herausfinden, wie Austen das macht. Wir sind ja erst beim 15. Kapitel, da haben wir ja noch viel Gelegenheit, unsere Sichtweise zu "schulen".
Gerade das jetzt aktuelle 16. Kapitel könnte ein Lehrstück für Austens ausgefeilte Psychologie und literarische Technik sein, glaube ich.


16. Kapitel

Emma denkt über das Geschehene nach, selbstkritisch erkennt sie viele ihrer Fehler und gelobt, das Verkuppeln zu lassen.


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Samstag 8. Juni 2013, 22:34 
Offline
Austenbegeistert
Benutzeravatar

Registriert: Sonntag 24. Juni 2012, 20:23
Beiträge: 61
Udo hat geschrieben:
Emma denkt über das Geschehene nach, selbstkritisch erkennt sie viele ihrer Fehler und gelobt, das Verkuppeln zu lassen.

Sympathisch: sie sucht die Fehler nicht bei anderen :)
Im Verlauf des Kapitels wird auch die "Rangfolge" - erst die Knightleys, dann Familie Woodhouse - geklärt.... das war vor einiger Zeit hier mal Thema...
Und auch das Wetter kommt mal wieder sehr gelegen ;D
Bezeichnend, wie Emma sich schnell über ihren Misserfolg bzgl. Mr. Elton hinwegtröstet und an der ganzen Geschichte das Positive sieht :brille:


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Sonntag 9. Juni 2013, 09:15 
Offline
Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 19. Oktober 2005, 21:13
Beiträge: 4781
Was mir aufgefallen ist: Emma trennt ja rückblickend ganz deutlich zwischen ihrem "Rat" an Harriet, Mr Martins Antrag abzulehnen und ihrem Versuch, sie mit Mr Elton zusammenzubringen. Wenn man das entsprechende Kapitel liest, klingt das aber ganz anders. Emma "benutzt" Mr Eltons vermeintliche Zuneigung ja auch ganz klar dazu, Mr Martin unattraktiv erscheinen zu lassen. Sie betont zwar auch seine niedrige Stellung und seinen vermeintlich ungehobelten Charakter, aber letzendlich ist doch Mr Elton bzw. Harriets "Gefühle" für ihn das ausschlaggebende Argument. Es wäre sonst wohl erheblich schwieriger für Emma gewesen.

Eine Frage, die ich mir außerdem stelle - und ob das von Austen so gedacht war, oder nur aus heutiger Lesersicht so erscheint - wer in Emmas Augen in Highbury denn nun für Harriet passend sein soll. ("I was introducing her into good company, and giving her the opportunity of pleasing some one worth having; I ought not to have attempted more.") Dank Emma verkehrt sie nun zwar in "besserer Gesellschaft", aber die besteht nicht unbedingt aus heiratsfähigen Herren (abgesehen von Mr Knightley), zumindest wird das nicht erwähnt. Und der einzige der Emma einfällt (William Coxe) ist "unerträglich". Klingt nach einer Sackgasse.

Bzgl. Mr Elton finde ich es ganz interessant zu sehen, wie unangemessen es empfunden wurde, wenn ein Mann versucht, durch Heirat gesellschaftlich aufzusteigen. Bei Frauen war das offensichtlich akzeptiert & irgendwie verständlich - vielleicht weil es für sie keine andere akzeptable Möglichkeit gab, den sozialen Status zu halten oder zu verbessern. Zumindest könnte man mit Blick auf JAs Romane zu diesem Schluss kommen: Auch Wickham, Willoughby und Mr Eliot wird u.a. ja auch das angekreidet - dass sie auf der Suche nach einer Verbindung sind, die finanziellen oder gesellschaftlichen Gewinn bringt. Bei den positiv besetzten Frauenfiguren, die ja in JAs Romanen ausnahmslos "nach oben heiraten" wird das - neben der emotionalen Ebene - als Notwendigkeit oder zumindest Selbstverständlichkeit dargestellt.


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Sonntag 9. Juni 2013, 12:19 
Offline
Austenbegeistert
Benutzeravatar

Registriert: Sonntag 24. Juni 2012, 20:23
Beiträge: 61
Julia hat geschrieben:
Und der einzige der Emma einfällt (William Coxe) ist "unerträglich". Klingt nach einer Sackgasse.

Ist es vielleicht eher so, dass Emma nicht wirklich - zumindest nicht so schnell - einen Ehemann für ihre Freundin finden möchte? Wenn man bedenkt, wie sehr sie unter dem Verlust von Mrs. Weston gelitten hat, kann ihr doch eigentlich nichts daran liegen, ihre Freundin Harriet (und damit ihre neue "Aufgabe") so schnell wieder zu verlieren...


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Groupread Emma, 16. Kapitel
BeitragVerfasst: Sonntag 9. Juni 2013, 15:33 
Offline
Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 9. April 2008, 16:07
Beiträge: 3091
Edda hat geschrieben:
Im Verlauf des Kapitels wird auch die "Rangfolge" - erst die Knightleys, dann Familie Woodhouse - geklärt...

Julia hat geschrieben:
Eine Frage, die ich mir außerdem stelle - und ob das von Austen so gedacht war, oder nur aus heutiger Lesersicht so erscheint - wer in Emmas Augen in Highbury denn nun für Harriet passend sein soll.


Mir scheint, das ganze Thema "sozialer Status" erreicht in diesem Kapitel einen Höhepunkt. Donwell hat den größten Landbesitz, was sicher sehr wichtig war. Andererseits leben die Woodhouses offenbar seit Generationen in Highbury/Hartfield, was für das Ansehen einer Familie fast noch wichtiger war: von "guter, alter Familie" zu sein definierte meines Wissens damals geradezu den sozialen Status (sofern auch noch genügend Geld da war). Die Knightleys waren also bestimmt sehr reich, vielleicht reicher als Mr. Woodhouse, aber in der sozialen Hierarchie vielleicht doch nicht ganz, ganz oben? Wir erfahren nicht, woher Mr. Woodhouse sein Vermögen hat, aber man kann vermutlich davon ausgehen, dass es kein "neues Geld" ist, also nichts, was durch Handel oder gar industrielle Investitionen erworben wurde. Die Knightleys und die Woodhouses stehen also für die alte, feudale Klasse, guter britischer Landadel, könnte man vielleicht sagen. Dagegen stand ja zu Beginn des 19. Jahrhunderts (und vorher schon) das aufstrebende Bürgertum, die Händler und Industriellen. So heißt es hier abfällig über Mr. Elton: "mit nichts als Beziehungen zu Kaufmannskreisen". Austen macht sich ja gerne lustig über die feudale Klasse (Sir Walter Elliot in Persuasion, Lady Catherine de Bourgh in P&P, auch Mr. Woodhouse ist ja eher eine Witzfigur), dazu passt vielleicht, dass die dünkelhafte Emma so total daneben liegt in ihren sozialen Einschätzungen?

Konkret in diesem Kapitel: Emma ist empört, sie fühlt sich ernstlich beleidigt, weil Mr. Elton auf den Gedanken kommen konnte, sie sei für ihn erreichbar. Es geht dabei nicht nur darum, dass sie erkennt, dass er in ihr nur "eine gute Partie" sieht, also glaubt, sich hochheiraten zu können, Emma nur benutzen zu können. Fast schlimmer ist für sie, dass er es wagt, ihren so weit überlegenen sozialen Status in Frage zu stellen, indem er ihr einen Antrag macht. Dies als beledigend zu empfinden, ist schon nicht wenig snobbistisch. Sie hält ihm vor, dass er "die Rangabstufungen unter sich ins Feinste beherrschte und doch so blind für das war, was über ihm lag" - ironischerweise wirft sie ihm also vor, was ihr zum Teil auch völlig abgeht. Jedenfalls dann, wenn es in ihre Fantasiewelt passt: Die uneheliche Harriet darf Mr. Elton oder gar Mr. Churchill heiraten, ebenso wie sie nichts dabei findet, dass die arme Miss Taylor die Frau von Mr. Weston wird, der ihr nach seiner früheren Heirat ja gesellschaftlich auch weit überlegen ist.
Und dann ist es geradezu noch ein Indiz für ihre Dünkelhaftigkeit oder Arroganz, dass sie Mr. Eltons "Fehlverhalten" damt entschuldigt, dass er halt einfach zu doof ist, um zu kapieren, dass Emma für ihn immer anbetungswürdig, aber zugleich in unerreichbarer Ferne bleiben wird: "Gerade dieser Mangel an Niveau verhinderte womöglich, dass er ihn als solchen wahrnahm..." Und es geht noch weiter: Sie ist immer noch zutiefst überzeugt, dass es richtig war, Harriet die Verbindung zu Mr. Martin "auszureden": "Darin hatte ich recht." @Julia: Stimmt, sie vergisst oder verdrängt hier offensichtlich, wie sie Mr. Elton benutzt hat. Das passt zu ihrer Methode, sich (fast) alles so zurechtzudeuteln, wie es ihr gefällt. Aber sie ist sicher auch nach wie vor überzeugt, dass Mr. Martin unter Harriets Niveau ist. Sie ist genauso blind für das, was höher liegt, wie Mr. Elton. Ich vermute auch, dass sie sich mit Harriet in eine Sackgasse manövriert hat - im Grunde passt niemand zu ihr, auch weil Harriet ihre, Emmas, Freundin ist. Aber es kommt ja noch Frank Churchill... :wink:
Bei dem ganzen Hin und Her bei der Überschreitung von Standesgrenzen in diesem Roman frage ich mich, ob Austen das Thema nicht insgesamt ein wenig verulkt oder satirisch/ironisch abhandelt. Schließlich gibt es bei allen Beziehungen hier ja nur eine, die wirklich standesgemäß ist: die zwischen Emma und Mr. Knightley. Ansonsten ist das ein ganz schönes Kuddelmuddel.

Julia hat geschrieben:
Bzgl. Mr Elton finde ich es ganz interessant zu sehen, wie unangemessen es empfunden wurde, wenn ein Mann versucht, durch Heirat gesellschaftlich aufzusteigen.

Das könnte erklären, warum auch Mr. Weston nicht so positiv rüberkommt. Der hat zwar aus Liebe geheiratet (sehr romantisch sogar, mit den entsprechenden Problemen nach der Heirat), aber im Grunde war er ja auch vor allem ein schmucker Offizier, der sich eine reiche Frau geangelt hat...


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Sonntag 9. Juni 2013, 18:01 
Offline
Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 19. Oktober 2005, 21:13
Beiträge: 4781
Bezüglich Emmas "Arroganz" und "Standesdünkel" muss man etwas differenzieren, denke ich. Aus heutiger Sicht mag das alles sehr extrem und kleinkariert wirken, in der damaligen Zeit war es das nicht in diesem Ausmaß. Innerhalb des Romans werden ja verschiedene Formen von Standesdenken präsentiert und da nimmt Emma sicher den Platz derjenigen ein, die es diesbezüglich am genauesten nimmt bzw. sich ihres eigenen Status am deutlichsten bewusst ist und es als nötig empfindet, sich dessen immer wieder zu versichern.* Sich also zum Beispiel in diesem Kapitel so klar von Mr Eltons sozialer Sphäre abzugrenzen, der immerhin wochenlang in Hartfield ein- und ausgegangen ist und u.a. auch beim Weston'schen Weihnachtsessen im engsten Kreis anwesend war. Die interessante Frage wäre die, warum sie das jetzt tut.

___________________________________________________________________
*) Im Gegensatz dazu wird ja z.B. Mr Knightley immer wieder als Person dargestellt (und von Emma später kritisiert), der sich nicht um standesgemäßes Verhalten und Umgang schert, sondern stattdessen Wert auf Integrität, Charakterfestigkeit, Respekt und Ehrlichkeit über Standesgrenzen hinweg legt. Eine modernere Form des "Klassendenkens" als die, die Emma betreibt.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Groupread Emma, 16. Kapitel
BeitragVerfasst: Sonntag 9. Juni 2013, 19:21 
Offline
Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 9. April 2008, 16:07
Beiträge: 3091
Julia hat geschrieben:
Im Gegensatz dazu wird ja z.B. Mr Knightley immer wieder als Person dargestellt (und von Emma später kritisiert), der sich nicht um standesgemäßes Verhalten und Umgang schert, sondern stattdessen Wert auf Integrität, Charakterfestigkeit, Respekt und Ehrlichkeit über Standesgrenzen hinweg legt. Eine modernere Form des "Klassendenkens" als die, die Emma betreibt.

Eben deshalb denke ich, dass Emma hier gezeigt werden soll als jemand, der schon einige große Fortschritte in seiner Entwicklung macht, aber doch noch stecken bleibt in alten Missverständnissen oder Fehlurteilen. Mr Knightleys Haltung ist vermutlich die, an der sich Emma messen lassen muss oder sollte (so wie Marianne in S&S an der von Elinor, fällt mir gerade ein). Mr Knightleys Einstellung zu Standesfragen ist doch auch die, die uns in fast allen Austen-Romanen als die angemessenere präsentiert wird. Ist es bei Austen nicht immer so, dass "Integrität, Charakterfestigkeit, Respekt und Ehrlichkeit" (man könnte noch Pflichtgefühl und die moralische Haltung hinzufügen) wichtiger sind als der Stand? Dies gilt allerdings meist nur, sofern der Unterschied nicht zu groß ist. Das beste Beispiel ist ja Elizabeth Bennet und Mr Darcy. Wie Du schon schreibst, Julia: Praktisch alle Frauen (außer Emma) bei Austen heiraten hoch - eben weil sie andere Qualitäten besitzen.

Zitat:
Die interessante Frage wäre die, warum sie das jetzt tut.

Die einfache Antwort wäre, dass Mr Elton jetzt für Harriet nicht mehr zählt. Und dass er jetzt sein wahres Wesen offenbart hat, aus Emmas Sicht.


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Montag 10. Juni 2013, 18:09 
Offline
Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 9. April 2008, 16:07
Beiträge: 3091
Nachtrag: Ich finde es ganz großartig, wie psychologisch überzeugend Austen hier Emma darstellt. Dazu trägt mal wieder die „erlebte Rede“ sehr bei: Fast ständig muss man sich beim Lesen fragen, ob ein Satz Emmas Gedanken wiedergibt oder einfach die Erzählstimme ist. Und um die Sache noch komplizierter zu machen, muss man sich ja dann auch noch fragen, ob die Erzählstimme wirklich identisch mit der Ansicht von Jane Austen ist. Im allgemeinen geht man davon einfach aus, oft auch zutreffend, glaube ich, aber hier und da kann man das schon mal hinterfragen.
Jedenfalls: Hier sind wir mal wieder ganz nah bei Emma, wir können sehr schön nachvollziehen, wie sich ihre Gedanken so von einem Punkt zum nächsten entwickeln. Und es ist wieder so, wie Julia es schon mal erwähnt hat: Beim Lesen gibt es viel Grund, mit Emma mitzufühlen, Verständnis zu entwickeln, weil sie sehr positiv gezeichnet wird - aber zugleich gibt es auch wieder dies und das, was nicht so gut ist (auf jeden Fall ist es halt nie schwarz oder weiß). Hier reflektiert Emma einerseits sehr genau, was sie alles falsch gemacht hat, diese Einsicht spricht sehr für sie. Zugleich kann sie sich nicht dazu durchringen, allein sich selbst die Schuld zu geben: Mr. Eltons Benehmen „musste allerdings wohl vage, unentschieden, doppeldeutig gewesen sein, sonst hätte sie sich nicht so irren können.“ Und überhaupt ist er „stolz, anmaßend, hochmütig, sehr von sich selbst eingenommen und ohne Verständnis für die Gefühle anderer“. Dass man das ohne den bösen Tonfall genauso auch von ihr sagen könnte, auf die Idee kommt Emma noch lange nicht. Auf der anderen Seite fühlt sie jedoch sehr genau und schmerzlich, was sie Harriet angetan hat, das zeigt ihre mitfühlende Seite, wie man sie auch gegenüber ihrem Vater und den Armen sehen konnte. Lustigerweise wird das aber sofort wieder aufgehoben, soo melodramatisch mag Austen denn doch nicht sein, in dem Emma sich rasch damit tröstet, dass Harriet ja ein schlichtes Gemüt sei, das ein wenig Liebeskummer sicher bald wegstecken werde.
Also ich finde das Kapitel sehr eindringlich geschrieben, was bestimmt vor allem an der „erlebten Rede“ liegt. Interessant finde ich dabei den Kontrast zum 15. Kapitel: Da hat Austen Emma und Mr. Elton auf engstem Raum zusammengepfercht, in einer Kutsche , ohne Fluchtmöglichkeit, und sie in direkter Rede ein Wortgefecht austragen lassen. Immer Rede und Gegenrede, Schlag auf Schlag, während die Erzählstimme sich etwas zurückhielt, um den Dialog richtig wirken zu lassen. Das hatten wir hier im Buch zuletzt vor allem in dem Streitgespräch zwischen Emma und Mr. Knightley über Robert Martin.
Die literarische Technik nennt man im Englischen offenbar „Foregrounding“, jedenfalls habe ich das mal wo gelesen. Eine deutsche Entsprechung für das Wort gibt es möglicherweise nicht? Jedenfalls geht es darum, eine Szene besonders intensiv wirken zu lassen. Julia hatte ja auch schon mal in Bezug auf die „erlebte Rede“ das Thema angesprochen, wie ein Leser einen Text wahrnimmt, wie er das Gelesene verarbeitet. In der „Textverarbeitungspsychologie“ scheint das „Foregrounding“ ein Thema zu sein, wenn ich das Gegoogelte richtig verstanden habe. Demnach geht es auch darum, wie oder warum eine Szene dem Leser besonders gut in Erinnerung bleibt – vermutlich erinnern wir uns nicht zufällig besonders gut an Mr. Collins Antragsszene oder an Elizabeth Bennets Streitgespräch mit Lady Catherine de Bourgh. Oder eben an diese denkwürdige Kutschfahrt. Ich bin mir einigermaßen unsicher, was die Bedeutung des „Foregroundings“ betrifft, wollte jetzt auch nicht rumdozieren über etwas, wovon ich keine Ahnung habe. Finde das aber erst mal nicht uninteressant.


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Montag 10. Juni 2013, 18:39 
Offline
Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 19. Oktober 2005, 21:13
Beiträge: 4781
Udo hat geschrieben:
Ich bin mir einigermaßen unsicher, was die Bedeutung des „Foregroundings“ betrifft, wollte jetzt auch nicht rumdozieren über etwas, wovon ich keine Ahnung habe. Finde das aber erst mal nicht uninteressant.


Das ist ein Fachbegriff aus einem Teilbereich der Linguistik, in dem es im grammatikalische Strukturen geht, die auf unterschiedliche Art bestimmte Satzteile betonen. Ein weites, recht komplexes & theorielastiges Feld ... Weißt Du noch, wo Du auf dieses Thema in Verbindung mit Jane Austen gestoßen bist?
Mir bleiben auch die "dramatischen" d.h. dialoglastigen Szenen und Streitgespräche bei Austen im Gedächtnis - was sicher auch grundsätzlich an der dynamischen Art liegt, mit der diese Dialoge aufgebaut sind ... um es mal ganz "unwissenschaftlich" zu sagen. Wäre sicher spannend, das auch linguistisch aufzuschlüsseln. Ich selbst habe da allerdings bisher noch keinen Zugang gefunden, weil ich linguistische Themen und Theorien meistens sehr (oder zu!) abstrakt finde.


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Montag 10. Juni 2013, 19:58 
Offline
Begeistertes Missionierungsopfer
Benutzeravatar

Registriert: Samstag 27. Januar 2007, 03:03
Beiträge: 1755
Mich beeindruckt in diesem Kapitel besonders ( wie so oft Sprache und Schreibstil!)

der erste Satz:
The hair was curled, and the maid sent away, and Emma sat down to think and be miserable. :lach:
Ein geniales Beispiel für einen überaus gelungenen ersten Satz. :top:

Und dann die folgenden Sätze:

>Ausrufezeichen und -< nacheinander!-


It was a wretched business indeed !-
Such an overthrow of every thing she had been wishing for !-
Such a development of every thing most unwelcome!-
Such a blow for Harriet !-
that was the worst of all. Every part of it brought pain and humiliation, of some sort or other; but, compared with the evil to Harriet, all was light; and she would gladly have submitted to feel yet more mistaken-
more in error-
more disgraced by mis-judgment, than she actually was, could the effects of her blunders have been confined to herself.

"If I had not persuaded Harriet into liking the man, I could have borne any thing. He might have doubled his presumption to me-
but poor Harriet!"

How she could have been so deceived !-
He protested that he had never thought seriously of Harriet--never! She looked back as well as she could; but it was all confusion. She had taken up the idea, she supposed, and made every thing bend to it. His manners, however, must have been unmarked, wavering, dubious, or she could not have been so misled.

The picture !-
How eager he had been about the picture and the charade !-and an hundred other circumstances;--



Es kommt hier nicht so richtig raus ;) - aber im Buch war das so auffällig, dass ich schmunzeln musste.

Durch !- wurde Emmas innere Empörung so richtig schön verdeutlicht. :ja:

_________________
~ Der Weg ist das Ziel ~


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Montag 10. Juni 2013, 23:43 
Offline
Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 9. April 2008, 16:07
Beiträge: 3091
@Miranda: Ja, da könnten selbst die Satzzeichen eine besondere Bedeutung haben. Gedankenstriche heißen ja nicht umsonst "Gedanken"-Striche.... :wink: In meiner Übersetzung fehlen sie, Grawe lässt nur die Ausrufungszeichen stehen, kA warum.

Julia hat geschrieben:
Das ist ein Fachbegriff aus einem Teilbereich der Linguistik, in dem es im grammatikalische Strukturen geht, die auf unterschiedliche Art bestimmte Satzteile betonen. Ein weites, recht komplexes & theorielastiges Feld ... Weißt Du noch, wo Du auf dieses Thema in Verbindung mit Jane Austen gestoßen bist?

Dachte ich mir doch, dass es was Kompliziertes ist... :wink: Nein, ich weiß leider nicht mehr, wo ich das aufgeschnappt habe. Ich lese wg des Groupreads kreuz und quer alles noch mal nach, was ich so über Emma habe und sonstwo finde, manchmal bleibt da nur ein Gedanke hängen.... Aber ich erinnere mich nicht an Linguistik, es ging tatsächlich darum, die Szene, nicht die Sprache, so zu gestalten, dass bestimmte Aspekte eine besondere Wirkung entfalten.


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Dienstag 11. Juni 2013, 13:07 
Offline
Austenexperte
Benutzeravatar

Registriert: Dienstag 14. Juli 2009, 15:59
Beiträge: 926
Wohnort: Sachsen
Udo hat geschrieben:
Julia hat geschrieben:
Das ist ein Fachbegriff aus einem Teilbereich der Linguistik, in dem es im grammatikalische Strukturen geht, die auf unterschiedliche Art bestimmte Satzteile betonen. Ein weites, recht komplexes & theorielastiges Feld ... Weißt Du noch, wo Du auf dieses Thema in Verbindung mit Jane Austen gestoßen bist?

Dachte ich mir doch, dass es was Kompliziertes ist... :wink: Nein, ich weiß leider nicht mehr, wo ich das aufgeschnappt habe. Ich lese wg des Groupreads kreuz und quer alles noch mal nach, was ich so über Emma habe und sonstwo finde, manchmal bleibt da nur ein Gedanke hängen.... Aber ich erinnere mich nicht an Linguistik, es ging tatsächlich darum, die Szene, nicht die Sprache, so zu gestalten, dass bestimmte Aspekte eine besondere Wirkung entfalten.

Aber es ist wirklich erstaunlich, daß gerade diese Stellen, die Julia aufgezählt hat, zu den absoluten Highlights zählen, da werd' ich mal mehr darauf achten, ob das jedesmal dialoglastige Szenen sind. Die Willoughby- Erklärungsszene in Cleveland zählt da sicher auch dazu, wie auch sein Abschied in Barton Cottage.

Elanor

_________________
[During the 1960s] I think there was more sex in those old films than in all that thrashing around today. I'm tired of sex scenes.
Claudette Colbert

sadly enough, this is more than true in our times


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Groupread Emma, 17. Kapitel
BeitragVerfasst: Mittwoch 12. Juni 2013, 23:54 
Offline
Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 9. April 2008, 16:07
Beiträge: 3091
17. Kapitel

Mr. Elton reist ab. Emma erklärt Harriet, was vorgefallen ist. Die erträgt es tapfer.


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Samstag 15. Juni 2013, 00:09 
Offline
Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 9. April 2008, 16:07
Beiträge: 3091
Na, fällt niemandem was ein zu diesem kurzen Kapitel? ;-)
Mir auch nicht. Mein Leseeindruck war, dass dies ein ziemlich uninspiriert runtergeleiertes Kapitel ist, in dem Austen nacherzählt, was halt nötig ist: Emma fühlt sich mies, Emma redet mit Harriet, die weint ganz doll, ist aber auch tapfer, was Emma erleichtert, dann obsiegt Emmas glückliches Naturell - fertig, Story kann weitergehen. Keine wörtliche Rede, keine auf Anhieb erkennbare "erlebte Rede", irgendwie dröge. Gut, kleiner Ironiefunke, als Emma Harriet für den besseren Menschen hält - dann aber doch lieber nicht so "geistig schlicht" sein möchte...

Besonders aufregend ist das alles nicht. Aber vielleicht ist das ja gerade die Absicht? Wie herzzerreißend hätte Austen die Szene beschreiben können, intensivste Gefühle, Verzweiflung, Scham und trostreiche Worte für unglücklich Liebende? In anderen empfinsamen Romanen wäre dies vielleicht ein Kapitel größtmöglicher Gefühle und seelischer Erbauung gewesen. Nicht so bei Austen, die sich von derlei Gedöhns wohltuend absetzt, sich distanziert, indem sie es trocken aufschreibt, sich sogar noch lustig über die armen Mädchen macht.

Sicher bin ich mir aber nicht. Vielleicht will man das einfach so deuten, weil man bei Austen immer das Beste vermuten will? Will sagen: Möglicherweise ist das Kapitel doch einfach lustlos aufgeschrieben und öde? :wink:


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Samstag 15. Juni 2013, 08:05 
Offline
Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 19. Oktober 2005, 21:13
Beiträge: 4781
Udo hat geschrieben:
Möglicherweise ist das Kapitel doch einfach lustlos aufgeschrieben und öde?


Na, das kann ich jetzt aber nicht so stehen lassen! :wink:
Mich erinnert das Kapitel an viele Abschlusskapitel bei Austen, die wir ja auch oft mal kritisiert hab, weil sie so vergleichsweise unspektakulär und "runtergeschrieben" erscheinen. Ich empfinde das eigentlich gar nicht so negativ. Es ist eben eher wie ein Durchatmen und Abstand nehmen nach einer eher dramatischen/dialogischen, "aufgewühlteren" Sequenz. Die Scherben werden gesichtet (letztes Kapitel) und sortiert (dieses Kapitel), damit es mit etwas anderem oder neuem weitergehen kann. Wir sind ja gleich am Ende des ersten Bandes angekommen und es scheint so, als sei die Elton-Episode darin ab- und eingeschlossen, auch wenn sie durch Harriet natürlich in die weiteren Bände hineinragt. Aber jetzt beginnt ein völlig neuer Abschnitt.
Dramaturgisch ist so ein vermeintlicher "Durchhänger" sicher auch sinnvoll, denn wenn die aufklärende Begegnung mit Harriet bzw. wenn alle Szenen in derselben oder ähnlich intensiven Form geschrieben wären, wäre man als Leser doch wahrscheinlich ziemlich schnell "erschöpft". Zumindest vielleicht aus Sicht des Erzählers, der ja hier mehrfach davon spricht, Harriet wieder "abzukühlen" oder von ihrem "Fieber" zu heilen.

Ich freu mich trotzdem auf das nächste Kapitel ... :wink:


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Samstag 15. Juni 2013, 14:05 
Offline
Austenexperte
Benutzeravatar

Registriert: Dienstag 14. Juli 2009, 15:59
Beiträge: 926
Wohnort: Sachsen
Mir ging es beim Lesen und Hören ähnlich, es war richtig ruhig und unaufgeregt. Selbst Harriets Tränen nehmen einen nicht wirklich gefangen, vielleicht weil man als Leser ahnt daß Harriet kein Typ wie Marianne Dashwood ist, die alles total dramatisiert. :heul: Natürlich ist Emma betroffen nimmt es recht leicht und so wir als Leser mit ihr.
Es scheint wirklich das große Durchatmen vor der nächsten Dramatik zu sein, finde ich persönlich angenehm, hetzen von einem Aufreger zum Nächsten ist mir zu anstrengend.

Elanor

_________________
[During the 1960s] I think there was more sex in those old films than in all that thrashing around today. I'm tired of sex scenes.
Claudette Colbert

sadly enough, this is more than true in our times


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Groupread Emma, 18. Kapitel
BeitragVerfasst: Samstag 15. Juni 2013, 15:00 
Offline
Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 9. April 2008, 16:07
Beiträge: 3091
Da bin ich ja beruhigt, dass ihr das so angenehm findet. :wink: Dann war das bestimmt die geniale Absicht von Austen. Es stimmt schon, dass sie das am Ende ihrer Romane auch öfter macht. Hier war der Kontrast nur besonders groß, fand ich, zu den vorherigen Kapiteln.

Julia hat geschrieben:
Ich freu mich trotzdem auf das nächste Kapitel ... :wink:


Da kann ich Dir helfen:

18. Kapitel

Frank Churchill kommt nicht. Emma und Mr. Knightley diskutieren eifrig und mit bemerkenswert vielen Emotionen (vor allem auf Mr. Knightleys Seite), warum der Mann es nicht schafft, endlich mal zu kommen.


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Montag 17. Juni 2013, 07:49 
Offline
Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 19. Oktober 2005, 21:13
Beiträge: 4781
Mr Knightley diskutiert also nicht nur mit Mrs Weston, sondern auch gern mit Emma ... :wink:
Am bemerkenswertesten finde ich eigentlich den Aspekt, der Emma auch bewusst ist - nämlich dass sie hier zu Gunsten einer Diskussion einfach mal die gegenteilige Position von der einnimmt, als die, die sie gegenüber Mrs Weston vor ein paar Kapiteln zu demselben Thema eingenommen hat. Soll das unterstreichen, dass das Thema tatsächlich zwei gleichwertige Seiten hat, oder legt sich Emma einfach gern mit Mr Knightley an?

Habt Ihr mit Blick auf den späteren Verlauf eigentlich den Eindruck, das Mr Knightley hier schon beginnt, sich in Emma zu verlieben? In den Anmerkungen wird hier auf seine spätere Aussage über seine Eifersucht auf Frank Churchill als Grund für seine Abneigung verwiesen - aber ich persönlich glaube das nicht. Der junge Mann ist ja noch nicht mal da.


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Montag 17. Juni 2013, 20:01 
Offline
Austenexperte
Benutzeravatar

Registriert: Dienstag 14. Juli 2009, 15:59
Beiträge: 926
Wohnort: Sachsen
Julia hat geschrieben:
Soll das unterstreichen, dass das Thema tatsächlich zwei gleichwertige Seiten hat, oder legt sich Emma einfach gern mit Mr Knightley an?

Ich denke Emma debattiert schon gern mit Mr Knightley, schließlich hat sie in ihm einen ebenbürtigen "Gegner" der sie auch fordert und ihr nicht nur zustimmt wie Harriet oder nachgibt, wie Mrs Weston. Ihr Vater ist ja als ernstzunehmender Gesprächspartner auch eher :nein: :/
Julia hat geschrieben:
Habt Ihr mit Blick auf den späteren Verlauf eigentlich den Eindruck, das Mr Knightley hier schon beginnt, sich in Emma zu verlieben?

Naja zumindest scheint sie ihn doch mehr zu interessieren, er kennt sie ja ihr ganzes Leben lang aber irgendwie bemerkt er langsam, daß sie seine Gedanken beeinflußt, ob man das schon als Verlieben bezeichnet?
Ich finde, beiden macht die Debatte "Spaß" vielleicht genießen sie auch das ungezwungene Beisammensein, war ja dank ihrer Verwandschaftsbeziehung leichter möglich. Sie müssen sich da wohl auch eher nicht an diverse Etiketteregeln halten, oder?

Elanor

_________________
[During the 1960s] I think there was more sex in those old films than in all that thrashing around today. I'm tired of sex scenes.
Claudette Colbert

sadly enough, this is more than true in our times


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Montag 17. Juni 2013, 20:33 
Offline
Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 9. April 2008, 16:07
Beiträge: 3091
Ich denke auch, dass sie vor allem so redet, weil es für sie interessanter ist. Sie bemerkt es ja - und redet trotzdem so weiter. Übrigens diskutiert sie wirklich fast genauso wie Mrs. Weston, habe mir die Diskussion zwischen ihr und Mrs. Weston noch mal kurz angesehen. Das hat schon fast etwas von einer Montage, die Austen hier macht (noch so eine literarische Technik, bei der ich mir nicht völlig sicher bin, ob Austen sie mit voller Absicht eingesetzt hat, in diesem konkreten Fall vermutlich ja).
Interessant finde ich, dass beide wirklich schlüssig argumentieren. Während man sonst eigentlich immer davon ausgehen kann, dass Mr. Knightley recht hat, auch weil er vernünftiger argumentiert, bleibt das hier praktisch unentschieden. Als Leser kann man sich nicht so leicht auf eine Seite schlagen.


Julia hat geschrieben:
Habt Ihr mit Blick auf den späteren Verlauf eigentlich den Eindruck, das Mr Knightley hier schon beginnt, sich in Emma zu verlieben? In den Anmerkungen wird hier auf seine spätere Aussage über seine Eifersucht auf Frank Churchill als Grund für seine Abneigung verwiesen - aber ich persönlich glaube das nicht. Der junge Mann ist ja noch nicht mal da.

Vielleicht ist es so, wie wir es schon im 5. Kapitel angesprochen haben: Er liebt sie schon, aber eher unbewusst. Es gibt ja immer wieder Hinweise darauf, dass die beiden sich sehr, sehr mögen - und prächtig verstehen, also eigentlich das ideale Paar sind, nur dass sie selbst es lange nicht merken. Hier habe ich doch den Eindruck, dass er relativ eifersüchtig ist. Sonst wäre sein heftiges Argumentieren gegen Frank schwer zu verstehen, zumal er schon sehr hart urteilt. Und auch sein Ärger ist kaum zu verstehen - es sei denn, er ärgert sich über Emma, weil die ihm nicht beizeiten zustimmt, aber das wäre ja unsinnig, weil die beiden ja gern mal miteiander debattieren, ohne dass es ihre Sympathie füreinander in Frage stellt.


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Dienstag 18. Juni 2013, 12:47 
Offline
Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 9. April 2008, 16:07
Beiträge: 3091
Hier wird ja auch erstmals, glaube ich, der Gegensatz zwischen dem britischen Gentleman Knightley und dem frankophilen Frank Churchill entwickelt. Mr. Knightley: "Eins, Emma, kann ein Mann immer tun, wenn er will: seine Pflicht, und zwar (...) durch Kraft und Entschlossenheit." Über Frank sagt er, dass dieser "stolz, verschwenderisch und egoistisch" sei, zudem ein "Schwächling", dessen Briefe Mr. Knightley "anwidern". Grawe weist auf diesen britisch-französischen Gegensatz hin, der sich auch in der Wortwahl belegen lasse. Hier im Kapitel, indem Frank von Emma "liebenswürdig" genannt wird. Mr. Knightley: "Nein, Emma, dein liebenswürdiger junger Mann hat höchstens französische, nicht englische Liebenswürdigkeit." Er habe nicht das "englische Feingefühl" - und damit sei er "nicht wirklich liebenswürdig".
Möglicherweise taucht das Französische schon in Franks Namen auf: Nicht nur wegen France, sondern auch wegen "frankly", frei heraus, statt britisch distinguiert und ritterlich wie "Knightley". Die schon erwähnte Emily Auerbach (Searching for Jane Austen) befasst sich damit genauer, fand ich ganz interessant.

Vielleicht ist das tatsächlich mal ein Verweis Austens auf den endlosen Krieg mit den Franzosen (Emma kam Ende 1815 raus, da war der Krieg erst einige Monate vorbei, Napoleon endgültig geschlagen)? Das Französische scheint also schlecht zu sein, das Britische gut und edel. Die Sympathien der Austen-Leser für die Franzosen durften ziemlich gering gewesen sein damals. Umso besser finde ich es, dass Austen es nicht so simpel macht, auch das betont Auerbach: Es gibt halt wieder kein Schwarz-Weiß, Gut-Böse, Frank Churchill ist gar nicht soo übel, Mr. Knightley nicht soo gut - er kann durchaus auch noch was lernen vom liebenswürdigen Frank Churchill.

Ansonsten ist das Kapitel wohl wieder ein perfektes Beispiel für das "Foregrounding": Bis auf die ersten 1,5 Seiten und den letzten Absatz besteht das ganze Kapitel ausschließlich aus Rede und Gegenrede, die Erzählstimme ist fast völlig verschwunden: Sehr intensiv, sehr schillernd, ziemlich gut. :wink:


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Donnerstag 20. Juni 2013, 10:30 
Offline
Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 19. Oktober 2005, 21:13
Beiträge: 4781
Ich denke auch, dass die Konstellation Frank Churchill/Mr Knightley gut auf die gespannte Stimmung zwischen England und Frankreich bzw. die jeweils mit den Ländern verbundenen Ideale passt. Gerade auch weil Mr Knightley es in diesem Kapitel auch explizit und in Bezug auf Emmas Wortwahl anspricht.
No, Emma, your amiable young man can be amiable only in French, not in English. He may be very 'aimable,' have very good manners, and be very agreeable; but he can have no English delicacy towards the feelings of other people: nothing really amiable about him.





__________________________________________________
Kapitel 19 (Band 2, Kapitel 1)

Harriet und Emma besuchen Miss Bates und hören viel über einen Brief und den anstehenden Besuch von Jane Fairfax.
__________________________________________________

Ich kann mich noch erinnern, wie genervt ich zu Beginn von Miss Bates war - mittlerweile finde ich die Szenen mit ihr großartig. Vor allem die Gestaltung der Sprache, die hier so eng am Mündlichen ist. Man hat den hin und her assoziierenden Wortschwall förmlich im Ohr. Ich finde überhaupt die ganze Szene (sprachlich) sehr gut gemacht - Emmas studierte Höflichkeit, Miss Bates überschwengliche Dankbarkeit ("the happily deceived aunt") und Harriets absolute Passivität. Sie illustriert auch sehr gut die kleinteiligen, notwendigen & erwarteten Höflichkeiten und Umgangsformen in der relativ überschaubaren sozialen Gemeinschaft - die Emma sehr wohl beherrscht, aber die ihr lästig sind.

Und schon hier erhalten wir erste wertvolle Hinweise, zumindest sind sie wertvoll, wenn man mit dem weiteren Verlauf des Romans vertraut ist: Jane Fairfax ist seit dem 7. November krank bzw. "has never been well since". Wie wir später erfahren, fand die heimliche Verlobung mit Frank Churchill im Oktober statt und wenn die beiden gemeinsam in Highbury sind, wird Janes Unwohlsein oder Wohlsein ja noch sehr eng mit Franks Anwesenheit/Abwesenheit bzw. seinem Verhalten zusammenfallen.

Heiter fand ich auch den Hinweis darauf, dass Mrs Bates' Schwerhörigkeit wohl auch davon abhängt, wer mit ihr spricht. Jane versteht sie sehr gut, aber Miss Bates muss alles mehrmals sagen. Klingt nach einer geschickten Vermeidungsstrategie bzw. einem ganz guten Filter, den sich die alte Dame da zugelegt hat. :wink:


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Freitag 21. Juni 2013, 20:48 
Offline
Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 9. April 2008, 16:07
Beiträge: 3091
Ja, Miss Bates fand ich anfangs auch ähnlich nervend wie Mrs Bennet. Wenn man sich die Szene so richtig vor Augen (und Ohren) hält, müsste sie im wirklichen Leben extrem anstrengend sein - Dauerbeschallung und Geschrei ohne Ende..... Es heißt ja oft, dass man bei Austens Figuren von der Sprechweise auf den Charakter oder das geistige Niveau rückschließen kann. Hier musste ich mich dran erinnern, dass Miss Bates ja als herzensgut eingeführt wurde, sonst hätte ich sie nach diesem Kapitel für unmöglich gehalten. Auffallend finde ich, wie unerträglich Emma sie findet - das macht ihre spätere Entgleisung beim Picknick verständlicher. Ich weiß nicht mehr, ob mir das beim ersten Lesen der Picknick-Szene noch klar war.

Dass Emma noch einen weiten Weg vor sich hat, merkt man daran, dass ihre amouröse Fantasie sofort wieder in Fahrt kommt, als sie von der Reise nach Irland hört. Auch das führt ja später, wenn Frank Churchill das Thema aufgreift, zu Missverständnissen. Emma kann es (noch nicht) lassen.

Lustig finde ich, dass Miss Bates mindestens 3 mal sagt, gleich werde man den Brief ja lesen - und dann passiert es doch nicht. Das ist allerdings doch auch wieder so Humor auf niedrigerem Niveau, der mich an das schon erwähnte Bauerntheater erinnert. Oder jedenfalls überhaupt an Theater.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Groupread Emma,20. Kapitel
BeitragVerfasst: Samstag 22. Juni 2013, 19:33 
Offline
Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 9. April 2008, 16:07
Beiträge: 3091
20. Kapitel

Wir erfahren die Geschichte von Jane Fairfax. Emma ist kurzfristig bemüht, sie richtig nett zu finden, ein Dinner mit den Bates sowie Janes Zurückhaltung machen alle guten Vorsätze zunichte.


Hier wäre eine gute Gelegenheit für einen Exkurs über das Schicksal von Gouvernanten in Austens Zeit. Ich habe mich ein wenig gewundert, dass es für Jane so schwer ist, einen Mann zu finden, also falls sie nicht sehr wählerisch war. Das klingt hoffentlich nicht merkwürdig, aber sie war doch offenbar sehr schön, sehr gut erzogen, sehr fertig in diversen Dingen wie Singen und Klavier spielen - und außerdem lebte sie in einem halbwegs wohlhabenden Haus und nahm teil an allerlei gesellschaftlichen Vergnügungen etc. Da muss sie doch einem Mann aufgefallen sein? Gut, Frank Churchill entdeckt sie dann ja auch irgendwann, aber halt erst, als sie schon 21 ist.
Vielleicht zeigt das, wie sehr damals die Ehe mit Geld und Stand zu tun hatte, offensichtlich ließ sich kein Mann von Jane "blenden". Das erinnert an Mr. Knightleys Aussage in Kapitel 8, dass ein Mann von Stand kaum begeistert davon wäre, sich mit einer Frau von niederem oder zweifelhaftem Stand zu verbinden - gemeint sind dort Mr. Elton und Miss Smith. Aber das dürfte auch für eine Jane Fairfax gelten, vielleicht also hat sie sich bisher in zu guten Kreisen bewegt?

Dass Austen ihr den "Opfermut einer hingebungsvollen Novizin" bescheinigt, klingt ziemlich ironisch/spöttisch. Hier frage ich mich, ob diese Ironie, wenn es denn eine ist, hier tatsächlich angebracht ist. Oder soll Jane zur typtischen Heldin eines Schauerromans stilisiert werden, was eine leichte Verulkung beinhalten würde? Also äußerlich passt es: Sehr hübsch, sehr empfindsam, sehr schüchtern, sehr gebildet/kunstfertig, recht schwächlich, kränkelnd, schutzbedürftig.... Bisher dachte ich eigentlich, Jane wäre tatsächlich sowas wie eine reine positive Figur - aber sowas gibts wohl gar nicht bei Austen. (Vielleicht Mr. Tilney oder Oberst Brandon?)

Übrigens wieder eine "Jane", nämlich Jane Bates. Haben wir nicht mal irgendwo gezählt, wie viele Janes es in Austens Romanen gibt?


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Dieses Thema ist gesperrt. Du kannst keine Beiträge editieren oder weitere Antworten erstellen.  [ 433 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1 ... 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10 ... 15  Nächste

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Ähnliche Beiträge

Groupread "Emma" / Start 20.02.2007
Forum: Groupreads
Autor: Alethea
Antworten: 1714
Groupread "Stolz und Vorurteil" / Start 18.10.2008
Forum: Groupreads
Autor: Julia
Antworten: 975
Groupread "Persuasion"/ Start 16.9.2007
Forum: Groupreads
Autor: Miranda
Antworten: 744
Elizabeth von Arnim: "Verzauberter April"
Forum: Klassiker
Autor: Alethea
Antworten: 26
Groupread Sanditon, Start: 28. März 2010
Forum: Groupreads
Autor: Udo
Antworten: 165

Tags

Englisch, Erde, USA, Zitat, Übersetzung

Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
cron
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Group



Bei iphpbb3.com bekommen Sie ein kostenloses Forum mit vielen tollen Extras
Forum kostenlos einrichten - Hot Topics - Tags
Beliebteste Themen: Liebe, Uni, USA, Erde, Bücher

Impressum | Datenschutz