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BeitragVerfasst: Mittwoch 29. Mai 2013, 09:37 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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@daria: Immer Mittwoch und Samstag/Sonntag. Siehe die erste Seite dieses Threads. :wink:

@Edda: Ja, Isabella wird als "Papakind" beschrieben. Angesichts dessen wundert es mich, dass die Ehe mit John Knightley so vergleichsweise harmonisch ist - abgesehen von den gelegentlichen Spitzen. Aber offensichtlich weiß sie auch, wann sie sich zurückhalten sollte bzw. wenn ihr Mann genug hat.


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Verfasst: Mittwoch 29. Mai 2013, 09:37 


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BeitragVerfasst: Mittwoch 29. Mai 2013, 14:41 
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Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
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13. Kapitel

Harriet ist krank. Mr. Elton lässt sich die Vorfreude auf das Weihnachtsdinner nur kurz trüben. Mr. John Knightley warnt Emma, Mr. Elton könnte ein Auge auf sie geworfen haben.


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BeitragVerfasst: Mittwoch 29. Mai 2013, 16:14 
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Austenexperte
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Edda hat geschrieben:
Das ging mir auch so :lach: : dass man sich so ernsthaft über Haferschleim unterhalten kann, finde ich einfach köstlich! :lach:

Und sie genießen ja ihren Disput auch, obwohl sie das sicher von sich weisen würden aber wie JA ja schreibt: (und Miranda uns per Signatur erinnert :) )

“One half of the world cannot understand the pleasures of the other.”

Und das gilt ja auch für uns, wie man sich nur so lange an einem alten Buch aufhalten kann, verstehen auch viele nicht :D
Mir gefällt besonders, wie Emma immerwieder versucht die verschiedenen Gespräche zu beeinflussen, um Schwierigkeiten zu vermeiden. Muß harte Arbeit gewesen sein :fies_sei:

Elanor
p.s. hab doch vorhin total vergessen, den Beitrag abzusenden :zzz:

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[During the 1960s] I think there was more sex in those old films than in all that thrashing around today. I'm tired of sex scenes.
Claudette Colbert

sadly enough, this is more than true in our times


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BeitragVerfasst: Donnerstag 30. Mai 2013, 21:21 
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Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
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Mr. Elton geht erstaunlich leicht über Harriets Erkältung hinweg - nicht nur aus Emmas Sicht. Denn eine Erkältung war damals ja keine Kleinigkeit wie heute, zumal wenn noch Fieber hinzukam. Mr. Woodhouses und Isabellas Gespräch über Erkältungs- oder Grippewellen dürften den ernsten Hintergrund haben, dass damals nicht wenige Leute an sowas starben. Nun kann man Mr Elton zugute halten, dass er nur Augen für Emma hat - doch Emma selbst ist zwar sehr aufmerksam (sie besucht Harriet ausgiebig), besorgt scheint sie aber ebensowenig zu sein wie Mr Elton. Vielleicht liegt das daran, dass Emma auch nur Augen für Emma hat?

Krankheit spielt offenbar eine größere Rolle in diesem Buch, nicht nur wegen des Hypochonders Mr Woodhouse. Müsste man mal weiter darauf achten.

Auf jeden Fall ist das Wetter enorm wichtig. Ich habe den Eindruck, dass es dauernd irgendwie um das Wetter geht. Hier im 13. Kapitel ist es der Schnee, der eine große Bedeutung für die Handlung bekommt. Es heißt immer, bei Austen gäbe es kaum seltsame Zufälle - das stimmt sicher, aber sie gibt Petrus doch nicht wenig Einfluss auf das Geschehen. Hier sieht man erst mal nur, dass der drohende Schnee und die Kälte Mr John Knightley dazu bringen, Teile seines weniger guten Charakters zu offenbaren. Wobei er ja andererseits nicht ganz unrecht hat mit seiner Analyse der Sinnlosigkeit von auswärtigen Abendgesellschaften.... Austen hat doch in Briefen auch schon ähnlich abgelästert über öde Bälle. Trotzdem denke ich, dass John hier eher negativ rüberkommen soll. Sein Urteilsvermögen mag richtig sein - es ist aber nicht korrekt, es auch raushängen zu lassen.


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BeitragVerfasst: Donnerstag 30. Mai 2013, 22:54 
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Austenexperte
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Registriert: Dienstag 14. Juli 2009, 15:59
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Udo hat geschrieben:
Trotzdem denke ich, dass John hier eher negativ rüberkommen soll. Sein Urteilsvermögen mag richtig sein - es ist aber nicht korrekt, es auch raushängen zu lassen.

Andererseits ist er ja nur mit Emma zusammen in der Kutsche und sie ist seine "Schwester", da kann man sich schon mal mehr gehen lassen, als Mr Elton dazukommt, wird er ja umgänglicher bzw. auch schweigsamer :|
Udo hat geschrieben:
doch Emma selbst ist zwar sehr aufmerksam (sie besucht Harriet ausgiebig), besorgt scheint sie aber ebensowenig zu sein wie Mr Elton. Vielleicht liegt das daran, dass Emma auch nur Augen für Emma hat?

würde ich nicht ganz so sehen, sie hat eher nur Augen für ihre fixe Idee aber vielleicht ist sie auch deshalb so unbesorgt, weil sie sich von der übertriebenen Hypochondrie ihres Vaters abgrenzen will. Da fällt man schon mal ins andere Extrem.
Udo hat geschrieben:
aber sie gibt Petrus doch nicht wenig Einfluss auf das Geschehen. Hier sieht man erst mal nur, dass der drohende Schnee und die Kälte Mr John Knightley dazu bringen, Teile seines weniger guten Charakters zu offenbaren.

da gibt es ja später noch ein ähnliches Pendant in großer Hitze, da find ich das Gehenlassen aber schlimmer, denn die beiden Gesprächspartner sind nicht miteinander verwandt :eek:

Ich finde auch interessant, wie sehr Emma sich Mr Eltons Verhalten, welches sie einerseits doch verwundert- hier hätte sie eine Gelegenheit ihre Position zu überdenken- dann doch zurechtbiegt, um es mit ihrem Wunschtraum in Einklang zu bringen :brille:
Elanor

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BeitragVerfasst: Freitag 31. Mai 2013, 09:47 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Registriert: Mittwoch 19. Oktober 2005, 21:13
Beiträge: 4781
Udo hat geschrieben:
Krankheit spielt offenbar eine größere Rolle in diesem Buch, nicht nur wegen des Hypochonders Mr Woodhouse. Müsste man mal weiter darauf achten.


Ich habe gestern nochmal das Kapitel zu "Emma" in John Wiltshires Buch "Jane Austen and the Body" gelesen. In dem Buch geht es ganz allgemein um "Körpersprache" in JAs Romanen - und im Kapitel zu "Emma" konkret um Krankheit/Gesundheit. Man kann Teile davon unter obigem Link lesen. Wenn man die Summe der Krankheiten und "Unpässlichkeiten" sieht, die den Roman bevölkern, würde ich eher sagen, sie sind es, die die Handlung vorantreiben bzw. entscheidende Wendungen bestimmen - und nicht das Wetter (das eher als Auslöser oder Entschuldigung für diverses Unwohlsein fungiert). Konkret passt das dann später zu Mrs Churchill, aber schon hier ist es ja Harriets Krankheit, die ihre Teilnahme am Weihnachtsessen verhindert und so Mr Elton eine Chance gibt, endlich mit Emma allein zu sein.

John Wiltshire schreibt unter anderem, dass Mr Woodhouses soziale Dominanz durch die ständige öffentliche Diskussion seines Gesundheitszustandes untermauert wird - sein Unwohlsein ihm sozusagen eine Art Mittel ist, sich nicht nur der erwünschten Aufmerksamkeit, Rücksichtnahme und Respekt zu versichern, sondern auch als Rechtfertigung dient, auf bestehende und bestimmte von ihm bevorzugte Arrangements zu bestehen (z.B. Emmas beschränkter Bewegungsspielraum), die weniger mit seiner Gesundheit als seinen persönlichen Vorlieben zu tun haben. So auch die in diesem Kapitel wieder erwähnten frühen Essenszeiten, die Bekannten, die eigentlich vornehmlich ihn besuchen und nicht umgekehrt etc. Dieses Verhalten wird als ähnlich drastische Manipulation dargestellt, wie später Mrs Churchills - es wäre für den Leser nur nicht so deutlich, weil Mr Woodhouse von sympathisierenden und empathischen Figuren umgeben ist. Doch dazu an entsprechender Stelle dann vielleicht mehr.

Ein weiterer interessanter Gedanke zu der Häufung von Gesundheitsthemen in "Emma" war, das - vielleicht aufgrund von Mr Woodhouses Status in Highbury - Gespräche über gesundheitliches Befinden oder Unwohlsein als eine Art generelles Kommunikationsmittel funktionieren, durch das man besonders in Highbury Anteilnahme & Interesse ausdrückt bzw. "einfordert". Ein aktuelles Beispiel wäre wohl in diesem Kapitel das Gespräch zwischen Emma und Mr Elton bzgl. der gegenseitig zu ziehenden Konsequenzen aus Harriets Krankheit, in dem ja jeweils wesentlich mehr oder eigentlich etwas völlig anderes mitschwingt als die Sorge um die gegenseitige Gesundheit.
Ob und wie einzelne Figuren sich an diesem Kommunikationsmuster beteiligen, lässt Rückschlüsse auf die unterschiedlichen Beziehungen zu, und unterstreicht Charakter und Rolle im Roman. Besonders auffällig ist dieser Aspekt bzgl. Emma, die Mrs Weston eingangs als "picture of health" beschreibt - die aber Highburys "Code" trotzdem beherrscht & mitspielt, auch wenn sie sich selbst davon ausnimmt (siehe z.B. Kapitel 48: "Are you well, my Emma?" was Mrs. Weston's parting question. "Oh! perfectly. I am always well, you know.")

Emma ist da übrigens Seite an Seite mit Elizabeth Bennet (und Catherine Morland) in der Reihe der kräftigen, gesunden und energiegeladenen Hauptheldinnen bei Jane Austen. Sowohl die beiden Dashwoods, als auch Anne Eliot - und Fanny Price sowieso - haben wiederholt mit körperlichen & mentalen Schwächen zu kämpfen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Groupread Emma, 13. Kapitel
BeitragVerfasst: Freitag 31. Mai 2013, 13:18 
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Julia hat geschrieben:
Wenn man die Summe der Krankheiten und "Unpässlichkeiten" sieht, die den Roman bevölkern, würde ich eher sagen, sie sind es, die die Handlung vorantreiben bzw. entscheidende Wendungen bestimmen - und nicht das Wetter (das eher als Auslöser oder Entschuldigung für diverses Unwohlsein fungiert). Konkret passt das dann später zu Mrs Churchill, aber schon hier ist es ja Harriets Krankheit, die ihre Teilnahme am Weihnachtsessen verhindert und so Mr Elton eine Chance gibt, endlich mit Emma allein zu sein.


Da können wir im Verlauf des Buches ja mal öfter gucken, ob Krankheit oder Wetter wichtiger ist. Ich weiß es nicht, schlage mich jetzt aber einfach mal auf die Seite des Wetters, bis ich von der Krankheit überzeugt bin.
Hier könnte man auch argumentieren, dass nicht Harriets Krankheit, sondern der plötzliche Schneefall und die überstürzte Abreise dazu führen, dass Mr. Elton demnächst allein mit Emma in der Kutsche ist. Vielleicht ist es aber auch beides. Oder einfach Zufall. Gucken wir mal an der entsprechenden Stelle...


Zitat:
John Wiltshire schreibt unter anderem, dass Mr Woodhouses soziale Dominanz durch die ständige öffentliche Diskussion seines Gesundheitszustandes untermauert wird
-

Das ist eine interessante Beobachtung. Andererseits: Wäre es nicht auch ohne Krankheit so, dass alles nach seiner Pfeife tanzen würde - eben weil er tatsächlich der "ranghöchste" Bewohner der Gegend ist? Die Untermauerung wäre also gar nicht nötig. Man könnte vielleicht sogar sagen, dass sein Getue sein Ansehen beschädigt - jedenfalls wenn man sich John Knightleys Reaktion darauf beim letzten Dinner ansieht. Da hat er ja Mühe, sich zu beherrschen. Will sagen: Vielleicht hat Mr. Woodhouse gar keine Rechtfertiung nötig, darauf zu bestehen, dass alles so läuft, wie er will? Funktionieren tut dies aber wohl in Bezug auf Emma, die nie verreist (übrigens ja auch ein Hinweis auf ihren letztlich doch eher beschränkten Horizont, sie kennt sich in ihrer Fantasiewelt besser aus als in der realen).

Zitat:
Dieses Verhalten wird als ähnlich drastische Manipulation dargestellt, wie später Mrs Churchills - es wäre für den Leser nur nicht so deutlich, weil Mr Woodhouse von sympathisierenden und empathischen Figuren umgeben ist.


Ich habe ganz kurz überlegt, ob Mrs Churchills herrisches Verhalten (sie spielt immer die erste Geige, alle tun, was sie will) nicht ein klein wenig auf eine ältere mögliche Version von Emma verweist.... (Sofern sie wie von ihr geplant tatsächlich ehelos bleibt.) Ist aber wohl etwas weit hergeholt.


Zitat:
Ein weiterer interessanter Gedanke zu der Häufung von Gesundheitsthemen in "Emma" war, das - vielleicht aufgrund von Mr Woodhouses Status in Highbury - Gespräche über gesundheitliches Befinden oder Unwohlsein als eine Art generelles Kommunikationsmittel funktionieren,


Also das jedenfalls kann man vom Wetter 100% auch behaupten! Die reden ja dauernd übers Wetter. Auch wenn man dadurch natürlich keine Anteilnahme ausdrückt.

Zitat:
Ob und wie einzelne Figuren sich an diesem Kommunikationsmuster beteiligen, lässt Rückschlüsse auf die unterschiedlichen Beziehungen zu, und unterstreicht Charakter und Rolle im Roman.

Ja, da könnte die Krankheit jetzt die Nase vorn haben. Aber: Wie Leute über das Wetter reden, spielt auch eine Rolle bei ihrer Charakterisierung! Nehmen wir nur Mr. Woodhouse, der bei jedem Lüftchen an Lungenentzündung denkt (gut, da haben wir jetzt beide Aspekte). Oder Mr. Elton, der es toll fand, vom Schnee gezwungen worden zu sein, eine Woche bei einem Freund zu bleiben (man ahnt, dass der Freund nicht so glücklich darüber war....). Später wird Mr. Churchill einigen Unsinn über Hitze reden, was auch etwas über ihn aussagt. @Elanor: Ist das die Stelle, auf die du dich auch beziehst?

Noch eins zu Mr. Elton: Auch als Pfarrer sollte er sich mehr um Harriet sorgen. Man gewinnt den Eindruck, dass er zu den weniger respektablen Kirchenmännern in Austens Romanwelt zählt. Obwohl: Lobt ihn nicht Mr. Knightley irgendwo? War das schon oder kommt das noch?

Elanor hat geschrieben:
Andererseits ist er ja nur mit Emma zusammen in der Kutsche und sie ist seine "Schwester", da kann man sich schon mal mehr gehen lassen, als Mr Elton dazukommt, wird er ja umgänglicher bzw. auch schweigsamer

Ja, das muss man ihm zugute halten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Groupread Emma, 13. Kapitel
BeitragVerfasst: Freitag 31. Mai 2013, 14:39 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Udo hat geschrieben:
Wäre es nicht auch ohne Krankheit so, dass alles nach seiner Pfeife tanzen würde - eben weil er tatsächlich der "ranghöchste" Bewohner der Gegend ist?


Nicht unbedingt. Er bewohnt zwar ein Herrenhaus (ohne Landbesitz, wie explizit erwähnt wird) und Emmas Erbschaft/Mitgift wird als recht stattlich angegeben, aber er ist kein Aristokrat, dem die Unterwürfigkeit seines gesamten Umfelds "zusteht".
In Kapitel 3 werden ja unterschiedliche Gründe angegeben, warum alle "nach seiner Pfeife tanzen" - zumindest die, die sich auf seine Eigenheiten einlassen, wie gleich nachgeschoben wird: from his long residence at Hartfield, and his good nature, from his fortune, his house, and his daughter, he could command the visits of his own little circle, in a great measure, as he liked. He had not much intercourse with any families beyond that circle; his horror of late hours, and large dinner-parties, made him unfit for any acquaintance but such as would visit him on his own terms.
Ich würde sogar sagen, dass Mr Knightley über ihm steht mit all den Pachtflächen und Sitz im "Gemeinderat". Donwell Abbey gehört zwar nicht zu Highbury, aber in der sozialen Konstellation gehört zumindest Mr Knightley zu Highbury.

Das heißt ja nicht, dass Mr Woodhouse sich so benimmt, weil sonst keiner an ihm interessiert wäre - sein Verhalten sichert ihm aber definitiv die stetige Aufmerksamkeit & Rücksichtnahme seines Kreises. John Knightleys Reaktion ausgenommen, aber der ist ja auch nicht oft genug da, um sich daran zu gewöhnen - kein Wunder, dass er von dem Theater genervt ist. Trotz seinen spitzen Kommentaren spielt er das Spiel allerdings trotzdem mit - es bleibt ihm wohl auch nichts anderes übrig. Seine Kommentare fungieren meiner Meinung nach innerhalb des Romans als wichtiger Hinweis darauf, dass man Mr Woodhouses Äußerungen und Handlungen auch anders bewerten kann, als es die anderen tun.
Deshalb finde ich den aufgeworfenen Vergleich mit Mrs Churchill eigentlich sehr passend - ihre Manipulation und Herrschsüchtigkeit wird beim Namen genannt (weil sie in Highbury unliebsame Konsequenzen hat), Mr Woodhouses nicht (weil sein unmittelbares Umfeld sich willig darauf einlässt). Wenns soweit ist, können wir da ja nochmal genauer hinschauen.

Udo hat geschrieben:
Wie Leute über das Wetter reden, spielt auch eine Rolle bei ihrer Charakterisierung! (...) Später wird Mr. Churchill einigen Unsinn über Hitze reden, was auch etwas über ihn aussagt.


Ja, natürlich sagen auch die Gespräche über das Wetter etwas über den Charakter aus - so wie alle Gesprächsthemen irgendwie was über den Charakter und die Rolle im Roman aussagen. :wink: Ich stimme da nur eher John Wiltshire zu, der meint, die Gespräche über Gesundheit/Krankheit hätten eine weiterreichende und komplexere Funktion innerhalb des Romans.


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BeitragVerfasst: Sonntag 2. Juni 2013, 09:25 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Kapitel 14

Weihnachtsessen bei den Westons. Endlich werden Emma Mr Eltons Avancen verdächtig - der Hauptteil des Abends vergeht allerdings zunächst mit Gesprächen über Frank Churchills angekündigten Besuch.

___________________________________________________

Nett, wie hier alle Mrs Churchill und die Verhältnisse in Enscombe analysieren, ohne die Dame persönlich zu kennen. Mr Westons Zusammentreffen mit ihr scheint ja auch einige Zeit her zu sein. Kann man daraus schließen, dass wir sie hauptsächlich durch den Filter Frank Churchill kennenlernen bzw. alle sie hauptsächlich aufgrund seinen Erzählungen beurteilen? Wenn ja, muss man da als Leser wohl ein paar Schritte zurücktreten.


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BeitragVerfasst: Sonntag 2. Juni 2013, 10:14 
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Austenbegeistert
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Witzig finde ich in diesem Kapitel besonders den Anfang: die Pflicht zur "countenance" - Mr. Elton muss weniger, Mr. J. Knightley mehr lächeln :wink:

Und wieder einmal wird Emmas Geschick, Unangenehmes zu verdrängen, deutlich...immerhin hat aber auch sie inzwischen gemerkt, wem Mr. Eltons Schmeicheleien gelten (obwohl sie es in Kapitel 13, als ihr Schwager dies - übrigens sehr scharfsinnig - andeutet, noch vehement abstreitet...)!


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BeitragVerfasst: Sonntag 2. Juni 2013, 10:22 
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Julia hat geschrieben:
Ich würde sogar sagen, dass Mr Knightley über ihm steht mit all den Pachtflächen und Sitz im "Gemeinderat".

Das überrascht mich. Vielleicht liegst du richtig. Ich habe bisher immer automatisch gedacht, dass die Woodhouses die erste Familie in der Gegend sind, sie also von Rang und Stellung her ganz oben auf der Liste stehen, dicht gefolgt von Mr. Knightley. Das ist aber nur mein Leseeindruck.

Zitat:
Das heißt ja nicht, dass Mr Woodhouse sich so benimmt, weil sonst keiner an ihm interessiert wäre - sein Verhalten sichert ihm aber definitiv die stetige Aufmerksamkeit & Rücksichtnahme seines Kreises.

Das ist aber ja für alle Hypochonder ein sehr wichtiger Aspekt - und wenn man auf ihre Wehwehchen eingeht, akzeptiert man ja nicht automatisch ihren sozialen Rang, man kann auch einfach nur nachsichtig oder nett sein. Aber klar: Je bedeutender jemand ist, um so mehr ist man genötigt, sein Verhalten zu tolerieren.
Im aktuellen Kapitel 14 wird Mr. Woodhouses um Aufmerksamkeit/Zuwendung heischen ja ein wenig verulkt: Nach dem Essen bleibt er nicht bei den Männern, sondern geht zu den Damen, "in deren Gesellschaft er sich immer wohlfühlte" - ich denke, weil die immer besonders einfühlsam auf seine Sorgen reagieren. Zugleich sagt die Szene vielleicht auch sonst ein wenig über Mr. Woodhouse aus (vielleicht sogar auch, dass er früher tatsächlich ein Frauenheld war?)


Zitat:
Ja, natürlich sagen auch die Gespräche über das Wetter etwas über den Charakter aus - so wie alle Gesprächsthemen irgendwie was über den Charakter und die Rolle im Roman aussagen. :wink:

Ja, man muss schon aufpassen, dass man nicht in jedes Wort oder wiederkehrendes Ereignis zu viel Bedeutung reindeutelt. Beim Wetter ist es selbstverständlich so, dass es damals eine größere Bedeutung haben musste: Zum Beispiel konnten bei Regen Frauen wie Emma kaum vor die Tür (tage- oder wochenlanger Regen war deshalb wohl mehr als ein Ärgernis). Das Wetter bestimmte das Leben also viel mehr als heute. Und gerade in England! :wink: Vermutlich ist es kein Zufall, dass die Engländer bis heute so oft über das Wetter reden...
Interessanter als die Rückschlüsse auf den Charakter finde ich, welche Rolle das Wetter im Handlungsverlauf hat. Ganz am Anfang hatten wir ja schon die erste romantische Annäherung zwischen Mr. Weston und Miss Taylor, die durch den Regen herbeigeführt wurde. In Persuasion treffen sich Anne Elliot und ihr Captain auch bei Regen in einem Laden, was für viel Gefühlsverwirrung sorgt. Und hier im Buch hilft der Regen später Harriet Smith und Robert Martin auf die Sprünge. Es gibt also schon hier und da mal Szenen, in denen das Wetter die Handlung in die richtige Richtung lenkt... :wink:


Zitat:
Mr Westons Zusammentreffen mit ihr scheint ja auch einige Zeit her zu sein. Kann man daraus schließen, dass wir sie hauptsächlich durch den Filter Frank Churchill kennenlernen bzw. alle sie hauptsächlich aufgrund seinen Erzählungen beurteilen? Wenn ja, muss man da als Leser wohl ein paar Schritte zurücktreten.

Ja, das stimmt eigentlich. Von Mr. Weston heißt es doch, er sei noch nie auf Enscombe gewesen, er treffe seinen Sohn nur 1x im Jahr in London. Mrs. Weston äußert sich hier ja auch scheinbar sehr kompetent über Mrs. Churchill - aber auch sie kann ihre Infos wohl nur von ihrem Mann haben. Wobei: Isabella sagt ja "Mrs Churchill kennt doch jeder". Was bedeutet denn das? Ist ihre üble Laune tatsächlich bei allen bekannt, weil sie möglicherweise sogar in London Gesprächsthema ist? Oder weiß Isabella das auch nur von Mrs. Weston? Auf jeden Fall muss man annehmen, dass Frank Churchill nicht sehr gut von seiner Adoptivmutter spricht - was nicht für ihn spricht, denke ich. Bei Frank muss man ja immer damit rechnen, dass er einem was vormacht, von daher könnte es tatsächlich sein, dass Mrs. Churchill hier sehr ungerecht behandelt wird...


Zitat:
Deshalb finde ich den aufgeworfenen Vergleich mit Mrs Churchill eigentlich sehr passend.

Ich finde den auch passend. Abgesehen von dem vielleicht abseitigen Vergleich zu Emma gibt es aber noch eine Konstellation, die an Mrs. Churchill/Frank Churchill erinnern könnte: Mr. John Knightley und Isabella. Die sagt ja lustigerweise hier in Kapitel 14: "Immer mit einem schlechtgelaunten Menschen zusammenzuleben, muss schrecklich sein." Das ist irgendwie doppelt ironisch: Erstens merkt sie nicht, dass sie in einer ziemlich ähnlichen Situation lebt (und die ist ja umso ähnlicher, je weniger schlimm Mrs. Churchill in Wirklichkeit ist), zweitens bemerkt sie nicht, dass man in so einer Beziehung sehr wohl sehr glücklich sein kann, jedenfalls wenn man so leicht beschränkt ist wie sie.


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BeitragVerfasst: Sonntag 2. Juni 2013, 11:01 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Registriert: Mittwoch 19. Oktober 2005, 21:13
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Udo hat geschrieben:
Ich habe bisher immer automatisch gedacht, dass die Woodhouses die erste Familie in der Gegend sind, sie also von Rang und Stellung her ganz oben auf der Liste stehen, dicht gefolgt von Mr. Knightley.


Festnageln lassen will ich mich darauf lieber auch nicht, aber mir fiel dieses Mal auf, dass es eigentlich (noch?) keinen konkreten Hinweis auf die herausgehobene bzw. anführende gesellschaftliche Stellung der Woodhouses gibt - bis auf die Aussagen & Beschreibungen, die durch Emmas Wahrnehmung gefiltert sind. Zumindest verstehe ich sie (siehe erstes Kapitel) als zumindest größtenteils Emmas und keine neutrale Äußerung eines distanzierten Erzählers.


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BeitragVerfasst: Montag 3. Juni 2013, 00:12 
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Begeistertes Missionierungsopfer
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Mir fehlt momentan die Zeit, um mehr mitdiskutieren zu können, aber ich les Eure Beiträge immer gern .
Nur eins kurz zu Udo:
Zitat:


Da können wir im Verlauf des Buches ja mal öfter gucken, ob Krankheit oder Wetter wichtiger ist. Ich weiß es nicht, schlage mich jetzt aber einfach mal auf die Seite des Wetters, bis ich von der Krankheit überzeugt bin.


Da bin ich voll für das Wetter! :D
Es wird im Verlauf etliche Beispiele geben, wie wichtig Sonne oder Regen für das Glück der Protagonisten ausschlaggebend sind! :ja:
Eine ( vermeintliche) Krankheit dient oft nur als Entschuldigung. :fies_sei:

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~ Der Weg ist das Ziel ~


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BeitragVerfasst: Montag 3. Juni 2013, 08:09 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Registriert: Mittwoch 19. Oktober 2005, 21:13
Beiträge: 4781
:roll: Wieso ist diese Frage denn bitte jetzt zu einem "entweder oder" geworden? Das eine Thema schließt das andere nicht aus, ergänzt sich vermutlich an vielen Stellen - wie wir dann sicher weiterhin sehen werden.

Es wird glaube ich niemand anzweifeln, dass das Wetter für den Handlungsverlauf bestimmend ist, schließlich ist es so, wie Udo oben schon schrieb: Man war dem Wetter generell wesentlich mehr ausgesetzt und somit auch davon abhängig als heute. Allein schon durch die Zustände der Straßen. Das bestimmt natürlich die Gespräche und die Handlungen der Personen. In jedem Roman von JA wird das deutlich. Aber in "Emma" gibt es eben auch viele reale oder eingebildete/vorgeschobene Krankheiten, die die Handlung bzw. das Tempo bestimmen: Allen voran Mrs Churchill, die Franks Kommen und Gehen dirigiert (oder auch nicht?) oder hier in diesen Kapiteln Harriet, deren Abwesenheit Emma zum Umdenken bewegt und Mr Elton eine Chance gibt.
Das Thema Krankheit hängt selbstverständlich auch mit dem Wetter zusammen (Stichwort Erkältung) und gerade Mr Woodhouse ist ja regelmäßig besorgt, jemand könne sich aufgrund von Nässe und Kälte verkühlen.

Worauf ich oben hauptsächlich hinweisen wollte, ist das Thema Krankheit/Unwohlsein als Gesprächsmuster, das ich in "Emma" als recht ausführlich behandelt empfinde - auch wenn es natürlich nicht für diesen Roman erfunden wurde ... Ich fand diese Sichtweise jedenfalls schon in Bezug auf Isabellas und Mr Woodhouses Gespräch über die Luft in London und dem "falschen" Seebad sehr passend. Die Luft in London - egal wo - ist für Mr Woodhouse deshalb schlecht, weil Isabella dort und nicht in Highbury wohnt (wo er sie lieber, nämlich in seiner Nähe hätte). Und South End ist schlechter als Cromer, weil Mr Perry letzteres besser fand. Mr Woodhouse kennt vermutlich keins von beiden, zumindest ist das nicht Teil seiner Argumentation. Abgesehen davon, dass es ihm sowieso lieber gewesen wäre, die Familie wäre nach Highbury gekommen, denn natürlich(!) ist die Luft hier am besten und die Familie ist immer wie neu geboren nach einem Besuch. :wink: Das zeigt doch, dass es hier um etwas anderes geht, als die Sorge um die Gesundheit. Bzw. die Thematisierung von Gesundheit und Krankheit als "Code" für etwas anderes fungiert. Das gleiche gilt meiner Meinung nach, wie oben erwähnt, für die Begegnung zwischen Emma und Mr Elton im letzten Kapitel - beide "sorgen" sich um die Gesundheit des jeweils anderen bzw. Harriet, haben aber etwas völlig anderes im Kopf. Emma denkt an ihre Pläne für Harriet und wie Mr Elton diesbezüglich ticken müsste, Mr Elton will seine Zuneigung zu Emma demonstrieren - was John Knightley (der sich auch sonst nicht in die Krankheitsthemen reinziehen lässt) auch prompt erkennt.

Spätestens mit Jane Fairfax wird das Thema dann noch eine weitere Dimension bekommen, denke ich.


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 Betreff des Beitrags: Re: Groupread Emma, 14. Kapitel
BeitragVerfasst: Montag 3. Juni 2013, 11:21 
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Registriert: Mittwoch 9. April 2008, 16:07
Beiträge: 3091
Julia hat geschrieben:
Das eine Thema schließt das andere nicht aus, ergänzt sich vermutlich an vielen Stellen - wie wir dann sicher weiterhin sehen werden.


Ich denke auch, dass man die beiden Themen im Grunde kaum trennen kann, aus der Sicht eines Hypochonders sowieso nicht. Die Frage, welches Thema für das Buch wichtiger sein könnte, hat für mich eher heiteren oder spielerischen Charakter. :wink: Und dafür habe ich mir mal vorgenommen, ein wenig mehr als sonst auf das Wetter zu achten. Dass beide für die Handlung wichtig sein können, zeigt ja das nächste Kapitel: Ohne Harriets Krankheit gäbe es wohl kein Rendezvous zwischen Emma und Mr. Elton, das stimmt sicher - ohne den Wetterumschwung, also ohne überstürzten Aufbruch, aber vielleicht auch nicht. Vielleicht ist es aber auch so: Wenn Mr. John Knightley beim Einsteigen in die Kutsche nicht so schusselig gewesen wäre, hätte es trotz Krankheit und Schnee kein Rendezvous gegeben... :wink: Grundsätzlich war es ja so, dass sowohl das Wetter als auch Krankheiten jeder Art damals eine große Bedeutung hatten, von daher ist es ja klar, dass sie auch im Roman irgendwie wichtig sind. In Emma bekommen Krankheiten natürlich eine besondere Bedeutung, weil eine der Figuren, um die sich ziemlich viel dreht, ein Hypochonder ist...

Zitat:
Bzw. die Thematisierung von Gesundheit und Krankheit als "Code" für etwas anderes fungiert. Das gleiche gilt meiner Meinung nach, wie oben erwähnt, für die Begegnung zwischen Emma und Mr Elton im letzten Kapitel - beide "sorgen" sich um die Gesundheit des jeweils anderen bzw. Harriet, haben aber etwas völlig anderes im Kopf.


Das finde ich auch sehr interessant, das kann bei Gesprächen über das Wetter aber auch funktionieren. (Wahrscheinlich geht das auch bei fast jedem anderen Thema, aber Wetter und Krankheit sind dafür vielleicht irgendwie besonders prädestiniert.) Meistens redet man ja über das Wetter, wenn einem gerade nichts anderes einfällt, um ein Gespräch erst mal in Gang zu bringen. Oder um von einem anderen Thema abzulenken. Beispiele dafür hier in Emma: In Kapitel 5 reden Mr. Knightley und Mrs Weston über Emma und ihre Zukunft, am Ende ist Mrs. Weston sehr froh, dass Mr. Knightley, als das Thema für ihn durch ist, fragt: "Was hält Weston vom Wetter? Wird es Regen geben?" Und wenn in Kapitel 15 Emma und Mr. Elton allein in der Kutsche sitzen, fängt Emma sofort ganz bewusst an, vom Wetter zu reden, um Mr. Elton "in die Schranken zu weisen". Aber vielleicht kann man, wenn ich das richtig verstehe, schon von einem "Code" für etwas anderes sprechen, wenn in Kapitel 15 Mr. John Knightley in großen Worten vom Blizzard spricht, der Randalls in seinen Grundmauern zu erschüttern droht. Da geht es ihm ja wohl auch nicht um die Unwetterkatastrophe, sondern darum, Recht gehabt zu haben - und Mr. Woodhouse in Angst und Schrecken zu versetzen. Aber dazu kommen wir ja noch.

Hier in Kapitel 14 wird ja klar gesagt, dass sich Emma schon so ihre amourösen Gedanken um Frank Churchill macht. Obwohl sie ihn noch nie gesehen hat - ihre Fantasie ist also doch nicht auf andere Pärchen beschränkt. Lustig finde ich die Bemerkung, dass sie sich darüber amüsiert, dass alle ihre Freunde sie in Gedanken schon mit Frank verheiratet hätten. Da könnte sie auch mal wieder darauf kommen, wie fehlgeleitet solche Kuppelgedanken sein können. Aber mich wundert ein wenig, dass sie meint, "alle ihre Freunde" würden das denken. Ich weiß nur von Mr. und Mrs. Weston. Wen meint denn Emma noch? Sie glaubt doch wohl nicht, Mr. Knightley könnte sie neben Frank vor dem Altar stehen sehen wollen?


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BeitragVerfasst: Montag 3. Juni 2013, 14:35 
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Udo hat geschrieben:
Aber mich wundert ein wenig, dass sie meint, "alle ihre Freunde" würden das denken. Ich weiß nur von Mr. und Mrs. Weston. Wen meint denn Emma noch? Sie glaubt doch wohl nicht, Mr. Knightley könnte sie neben Frank vor dem Altar stehen sehen wollen?

Ich habe das so verstanden, dass Emma ja immer davon ausgeht, dass jeder ihre Ansichten/Entdeckungen/Vermutungen teilt - so wie sie ja auch aus allen Wolken fällt, als John Knightley ihr seine Vermutung über Mr. Eltons Gefühle erzählt und als Mr. Elton die "Treulosigkeit" begeht, seine Zuneigung ihr statt Harriet zu zeigen.. Wenn also sie selbst "amouröse Gedanken" bzgl. Frank Churchill hat, dann haben das auch alle anderen... :brille:


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BeitragVerfasst: Montag 3. Juni 2013, 17:50 
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Zitat:
Hier in Kapitel 14 wird ja klar gesagt, dass sich Emma schon so ihre amourösen Gedanken um Frank Churchill macht.


Das war mir irgendwie ganz entfallen, dass Emma selbst so dachte:

Now, it so happened that in spite of Emma's resolution of never marrying, there was something in the name, in the idea of Mr. Frank Churchill, which always interested her. She had frequently thought--especially since his father's marriage with Miss Taylor--that if she were to marry, he was the very person to suit her in age, character and condition. He seemed by this connexion between the families, quite to belong to her. She could not but suppose it to be a match that every body who knew them must think of.

Nicht wirklich amourös :wink: , eher vernünftig, oder?

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 Betreff des Beitrags: Re: Groupread Emma, 14. Kapitel
BeitragVerfasst: Dienstag 4. Juni 2013, 15:24 
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Edda hat geschrieben:
Wenn also sie selbst "amouröse Gedanken" bzgl. Frank Churchill hat, dann haben das auch alle anderen... :brille:

Ja, kann sein. Dann ist das wieder ein Beispiel, wie wenig sie ihr Tun (und Denken) reflektiert.

Miranda hat geschrieben:
Nicht wirklich amourös :wink: , eher vernünftig, oder?

Irgendwie auch vernünftig, das stimmt. Das könnte daran liegen, dass Emma ja relativ standesbewusst denkt, um es mal halbwegs neutral auszudrücken. Von daher ist Frank sicher ein adäquater Partner. Ich habe beim Lesen aber den Eindruck, dass sie auch nicht wenig Kribbeln verspürt beim Gedanken an den potenziellen künftigen Gatten...

Über dessen Unabhängigkeit wird hier ja auch einiges geredet. Emma meint, man könne einen jungen Mann kaum davon abhalten, ab und zu zu tun, was er will. Äußert sich nicht Mr. Knightley auch einmal in der Richtung, dass er wenig Verständnis für Franks Abwesenheit hat?

Ich finde es ganz interessant, wie hier so nebenbei beim Leser ein bestimmtes Bild von abwesenden Personen erzeugt wird. Frank kommt mir jetzt schon wie ein Hallodri vor... Und Mrs. Churchill ist böse... Übrigens scheint ihr Ruf doch nicht nur durch Frank beschädigt worden zu sein. Mr. John Knightley sagt in Kapitel 11 zumindest: "Wer hat schon je von den Churchills viel gehalten." Vielleicht ist der ganze negative Touch der Dame vor allem darauf zurückzuführen, dass sie Baby-Frank von Zuhause fortgerissen hat? Isabella äußert sich ja auch dahingehend.

Aber auch mein Bild von Mr. Weston entwickelt sich - und zwar immer mehr zum Negativen. Er scheint ein eher unsteter Charakter zu sein, der sich leicht was vormacht - hier, dass Frank auf jeden Fall kommen wird. Man merkt schon, dass er sich mit aller Kraft was einredet. Und dass ihm Geselligkeit über alles geht, hat ja John Knightley auch schon bemerkt. Muss man sich Sorgen um Mrs. Weston machen? Ist sie vielleicht vor allem eine Vernunftehe eingegangen? In den Filmen sieht man die beiden gern als Musterpärchen. Ich müsste mal nachblättern, ob am Anfang etwas über die Intensität der Gefühle von Miss Taylor gesagt wurde.


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BeitragVerfasst: Dienstag 4. Juni 2013, 16:25 
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Udo hat geschrieben:
Irgendwie auch vernünftig, das stimmt. Das könnte daran liegen, dass Emma ja relativ standesbewusst denkt, um es mal halbwegs neutral auszudrücken. Von daher ist Frank sicher ein adäquater Partner. Ich habe beim Lesen aber den Eindruck, dass sie auch nicht wenig Kribbeln verspürt beim Gedanken an den potenziellen künftigen Gatten...

Über dessen Unabhängigkeit wird hier ja auch einiges geredet. Emma meint, man könne einen jungen Mann kaum davon abhalten, ab und zu zu tun, was er will. Äußert sich nicht Mr. Knightley auch einmal in der Richtung, dass er wenig Verständnis für Franks Abwesenheit hat?

Witzigerweise ist das genau das, was ihm Mr. Knightley im Gespräch mit Emma vorhalten wird. Da verteidigt sie ihn dann. (weiß nicht genau, in welchem Kapitel das ist, ich glaube dann wenn klar wird, daß er wieder nicht kommt :tongue: )
Könnte es sein, daß Emma gern mal den Kontrapart in Gesprächen einnimmt?
Bei ihrem Vater, früher bei Miss Taylor oder jetzt bei Harriet ist sie ja die intellektuell und/oder standesmäßig dominierende. Da ist es sicher reizvoll in einem Gespräch mal die Gegenmeinung zu vertreten :held:

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BeitragVerfasst: Mittwoch 5. Juni 2013, 08:53 
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Udo hat geschrieben:
Ich habe beim Lesen aber den Eindruck, dass sie auch nicht wenig Kribbeln verspürt beim Gedanken an den potenziellen künftigen Gatten..

Das ging mir auch so....

Kapitel 15
Mr. Eltons "Treulosigkeit" wird offensichtlich. Mr. John Knightley hat großen Spaß daran, ein bisschen Chaos und Unruhe zu stiften (fand ich richtig amüsant :D ). Und zum Abschluss wieder der unvermeidliche Haferschleim... :tongue:

Bemerkenswert, dass Emma Mr. Elton unterstellt, das "Opfer seiner eigenen Wünsche" zu sein - und gar nicht merkt, dass es ihr selber ähnlich gegangen ist...


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BeitragVerfasst: Mittwoch 5. Juni 2013, 21:04 
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Ich glaube, hier ist Emma erstmals richtig sauer. Sie hat sich zwar schon mit Mr. Knightley gestritten, was ihr zugesetzt hat, aber hier heißt es (nach Mr Eltons Süßholzraspelei): "Sie war verärgert." Im ersten Satz hieß es doch, sie habe 21 Jahre ohne Anlass zu Kummer und Verdruss verbracht - ich denke, jetzt geht der Ärger richtig los. Und es kommt noch viel dicker für die arme Emma...

Aber Elton benimmt sich ja wirklich, schon vor dem Antrag, unmöglich. Auch wenn er schon leicht angeschäkert ist (mehr ist es ja wohl nicht), frage ich mich, wie realitätsnah sein Verhalten war. Manches, was damals unmöglich war, ist ja heute ok, aber sein Verhalten wäre ja auch heute mehr als grenzwertig. Ob Austen wohl sehr übertourt? Betreibt sie Slapstick?


Edda hat geschrieben:
Mr. Eltons "Treulosigkeit" wird offensichtlich. Mr. John Knightley hat großen Spaß daran, ein bisschen Chaos und Unruhe zu stiften


Interessant, dass du das so liest. Mir kam es vor, als ob mit John Knightley tatsächlich die Gäule durchgehen, dass er sich vergisst und sehr respektlos, geradezu gemein zu Mr Woodhouse ist.


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BeitragVerfasst: Mittwoch 5. Juni 2013, 22:59 
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Austenbegeistert
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Udo hat geschrieben:
Interessant, dass du das so liest. Mir kam es vor, als ob mit John Knightley tatsächlich die Gäule durchgehen, dass er sich vergisst und sehr respektlos, geradezu gemein zu Mr Woodhouse ist.

Vielleicht liegt es an meiner Übersetzung - ich werde es noch mal im Original nachlesen - oder vielleicht auch daran, dass mir der gute alte Mr.Woodhouse ziemlich auf de Nerven gehen würde, wenn ich ihn täglich um mich hätte (und ich es deshalb ganz witzig finde, wenn er ein bisschen geneckt wird :fies_sei: )...


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BeitragVerfasst: Donnerstag 6. Juni 2013, 07:11 
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Ich finde, John Knightley ist schon ziemlich gehässig. Zumindest wird das im Kontrast zu seinem Bruder deutlich, der still den Raum verlässt und mit handfesten Fakten zurückkommt statt Unsicherheit zu verbreiten und sich mit Spekulationen zu amüsieren. Sowas gibt ja immer Pluspunkte in JAs Romanen, und die darauf folgende Szene zwischen Mr Knightley und Emma demonstriert zum wiederholten Mal, wie gut die beiden aufeinander eingestimmt sind.

Die Antragsszene finde ich ausgesprochen gelungen, besonders dieses Satzungetüm: To restrain him as much as might be, by her own manners, she was immediately preparing to speak with exquisite calmness and gravity of the weather and the night; but scarcely had she begun, scarcely had they passed the sweep-gate and joined the other carriage, than she found her subject cut up—her hand seized—her attention demanded, and Mr. Elton actually making violent love to her: availing himself of the precious opportunity, declaring sentiments which must be already well known, hoping—fearing—adoring—ready to die if she refused him; but flattering himself that his ardent attachment and unequalled love and unexampled passion could not fail of having some effect, and in short, very much resolved on being seriously accepted as soon as possible.
Eine echte Herausforderung für jeden Übersetzer, hier die verschränkten Perspektiven von Emma und Mr Elton (ganz ohne wörtliche Rede!) in einem langen, grammatikalisch eleganten Satz unterzubringen. Und einer der Gründe, warum das Original - zumindest für mich persönlich - unerreicht ist.

Wie Udo schon meinte, Emma ist hier tatsächlich sauer, ich würde sogar fast sagen "wütend" und nicht "verärgert". Als sich Mr Elton aufs Sofa drängelt ist sie noch "vexed", nun in der Kutsche ist aber zweimal von "anger"/"angry" die Rede - eine deutliche Steigerung. :wink:


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BeitragVerfasst: Donnerstag 6. Juni 2013, 09:13 
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Was mich stutzig macht, ist John Knightleys Dramatik. Er spricht ja sogar davon, dass eine Kutsche umstürzen könnte! Das war damals tatsächlich eine Gefahr für Leib und Leben der Reisenden, wie man ja auch am Anfang von Sanditon lesen kann. Ich denke, Mr Woodhouse könnte zu Tode erschrocken sein. Da John wissen muss, dass das übertrieben ist, wollte er vielleicht in seiner Übellaunigkeit auch gehörig provozieren?

Bei Grawe ist mir ein Satz aufgefallen, der mir seltsam umständlich vorkam:

Emma entging Mrs Westons Überraschung nicht, die groß sein musste, da Mr Elton sich in Worten und Benehmen die Teilnahme einer ihr sehr nahestehenden Person an ihren Privatangelegenheiten anmaßte.

Das Original:

Emma saw Mrs. Weston's surprize, and felt that it must be great, at an address which, in words and manner, was assuming to himself the right of first interest in her.

... ist viel besser. Auch die Manesse-Übersetzung gefällt mir mehr:

Emma bemerkte Mrs Westons Erstaunen und fühlte, dass es beträchtlich sein musste beim Anhören dieser Rede, die sich in Worten und in ihrer ganzen Art besondere Rechte über sie herausnahm.

Austen scheint tatsächlich schwer zu übersetzen zu sein, nicht nur bei Schachtelsätzen...



Die Antragsszene ist großartig. Die Parallelen zu P&P und Mr Collins sind ja offensichtlich. Diese Szene finde ich sogar fast noch lustiger.


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BeitragVerfasst: Donnerstag 6. Juni 2013, 15:46 
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Austenbegeistert
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Udo hat geschrieben:
Da John wissen muss, dass das übertrieben ist, wollte er vielleicht in seiner Übellaunigkeit auch gehörig provozieren?

Das denke ich auch...
Den Spruch, den John gegenüber seiner Frau loslässt, fand ich allerdings ziemlich heftig...


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BeitragVerfasst: Donnerstag 6. Juni 2013, 18:45 
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Nicht nur John, auch Mr Weston verliert hier ja an Charme: Dass er sich geradezu wünscht, die Gesellschaft müsse bei ihm übernachten (was praktisch unmöglich ist), zeigt wohl, dass er doch eher ein zu vergnügungssüchtiger Bursche ist, so wie John ihn ja schon eingeordnet hat.
Aus John werde ich nicht recht schlau, vielleicht hat Austen ihn als Nebenfigur aber auch nicht ganz sauber dargestellt?

Aber zu der Panik wegen des Schnees: War Randalls nicht nur 800 Meter von Hartfield entfernt?? Macht sich Austen vielleicht über die ganze Gesellschaft (außer Mr Knightley und Emma) gerade sehr lustig? Sie sind ja alle in heller Aufregung - und nicht nur wg Mr Woodhouse, scheint mir. Wobei ich es nett finde, wie verzweifelt sich Mr Woodhouse an Emma um Hilfe wendet. Es scheint tatsächlich so zu sein, dass er ohne sie nicht sein kann. Das zeigt immerhin, wie weit sich Emma trotz aller Fehler doch schon entwickelt hat mit ihren 21 Jahren.

@Julia: Die beiden harmonieren wirklich sehr gut. Wobei es schon wieder Mr Knightley ist, der als Retter auftritt - das passiert im Buch ja mehrfach, bis zur finalen Rettung von Emma. ;-)


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BeitragVerfasst: Donnerstag 6. Juni 2013, 21:25 
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John Knightley ist für mich irgendwie eine sanfte bzw. differenziertere Variante von Mr Palmer aus S&S. Beide sind mit einer stets gut gelaunten, lebensfrohen und mehr oder weniger schlicht gestrickten Frau verheiratet - das kann ganz schön anstrengend sein! :wink: Ich finde ihn als Charakter sehr erfrischend, ein gutes Gegengewicht zu all den devoten Getreuen von Mr Woodhouse jedenfalls.


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BeitragVerfasst: Donnerstag 6. Juni 2013, 22:32 
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Julia hat geschrieben:
Ich finde ihn als Charakter sehr erfrischend, ein gutes Gegengewicht zu all den devoten Getreuen von Mr Woodhouse jedenfalls.

Das hast du schön ausgedrückt :)


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 Betreff des Beitrags: Re: Groupread Emma, 15. Kapitel
BeitragVerfasst: Freitag 7. Juni 2013, 17:00 
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Abgesehen von seiner theatralischen Liebeserklärung finde ich es bemerkenswert, mit wie viel Abscheu der Name "Miss Smith" von Mr Elton benutzt wird. Jedes "Miss Smith" fühlt sich sogar beim Lesen an wie ein Keulenschlag. Emma nennt sie ja fast immer Harriet (hier sagt sie einmal Miss Smith, wohl um den förmlichen, abweisenden Charakter des Gesprächs zu betonen?), während Harriet sie immer (glaube ich) Miss Woodhouse nennt - dem Standesunterschied gemäß, schätze ich. "Smith" drückt vermutlich schon im Namen eine bescheidene Herkunft aus, oder? Da muss man ja mal einräumen, dass Mr Elton richtig liegt. Auch wenn ihm der Gedanke an eine Ehe mit Miss Smith ja geradezu zuwider zu sein scheint, was natürlich auch übertrieben ist.

Apropos Namen: Irgendwo habe ich gelesen, dass der vernünftige, rationale Mr Knightley möglicherweise nicht zufällig mit Vornamen George heißt - während König George geisteskrank war... Eine Verbeugung vor oder ein Seitenhieb auf den König?


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BeitragVerfasst: Freitag 7. Juni 2013, 18:02 
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Udo hat geschrieben:
Apropos Namen: Irgendwo habe ich gelesen, dass der vernünftige, rationale Mr Knightley möglicherweise nicht zufällig mit Vornamen George heißt - während König George geisteskrank war... Eine Verbeugung vor oder ein Seitenhieb auf den König?

Aber der Prinzregent hieß ja auch George, der zukünftige Vierte :wink:
Bezüglich des Namens Smith: sicher eine Allerweltsname, aber die Dame, die das Anwesen bewohnte, das Willoughby erben sollte, nebst des vielen Geldes, hieß auch Smith, also nicht unbedingt ein Hinweis auf den wirklichen Stand.
Aber du hast Recht, jede Nennung des Namens von Seiten Mr Eltons muß doch Emma wie eine Ohrfeige vorkommen. Abgesehen daß so ein Antrag ja recht peinlich sein kann, wenn man ihn nicht erwartet oder haben will, dieser hier ist für Emma ja auch noch peinlich, da sie ihrem ungewollten Verehrer eine Andere zugedacht hat, die der wiederum verachtet. Diese Situation in der Kutsche ist so skurril :fies_sei: noch dazu verschärft in die Länge gezogen durch die extreme Vorsicht ihres Vaters :thud:
Hier tut mir Emma immer leid, obwohl sie sich ja auch selbst mit in diese Situation hinein-manövriert hat, durch ihr unvorsichtiges (auch ermunterndes) Benehmen Mr Elton gegenüber.

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