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BeitragVerfasst: Sonntag 1. März 2009, 23:36 
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Begeistertes Missionierungsopfer
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Um so interessanter ist doch seine Wandlung zum Guten! :wink:

Ich möchte Deine Argumentation nicht zerpflücken - aber wir hatten ja z.B. bereits drüber diskutiert, dass man auf etwas stolz sein kann. So ist es auch mit den anderen Eigenschaften.
Ich sag mal so ganz einfach - wer auf einem hohen Ross zu sitzen gewohnt ist, muss sich deswegen ja nicht in die Niederungen eines ..ähm..Saustalls ...begeben? :aetsch:
( Sorry, aber der Vergleich fiel mir ein wegen der Verfilmung von P&P 05 :wink: )

Tatsache ist , dass Darcy nach außen hin arrogant wirkt, bewusst oder unbewusst.
Ihn interessiert nicht, was andere über ihn denken, hatte er bisher auch nicht nötig, bedingt durch seine Herkunft.
Ihm hat ganz sicher die mildernde Erziehung durch eine Mutter gefehlt, die wohl früh verstorben ist , und seine Tante war da ja auch keine Hilfe. :fies_sei:

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Verfasst: Sonntag 1. März 2009, 23:36 


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BeitragVerfasst: Sonntag 1. März 2009, 23:49 
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Piratensüchtige Administratorin, ebenfalls Seriensuchti mit Mittelalterpräferenz und spätes Girlie
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In Elizabeth Augen trifft das sicher alles 100% zu. ;) Wir kennen ja nur ihren Blickwinkel. Allerdings scheinen ihn auch Menschen zu mögen, Bingley zum Beispiel. Also muß er auch gute Seiten haben. Leider ist er wohl nicht in der Lage, das anderen auch zu zeigen.
Zumindest hat er es nicht geschafft, es Elizabeth zu vermitteln.
In seinen Augen hat er ihr doch ausreichend Zeichen gegeben. Ihm war wohl nicht klar, dass er seinen ersten Auftritt versaut hat. :D
Grüße
Kerstin

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BeitragVerfasst: Dienstag 3. März 2009, 00:03 
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Miranda hat geschrieben:
Um so interessanter ist doch seine Wandlung zum Guten! :wink:
Ich möchte Deine Argumentation nicht zerpflücken - aber wir hatten ja z.B. bereits drüber diskutiert, dass man auf etwas stolz sein kann. So ist es auch mit den anderen Eigenschaften.


Zerpflücke ruhig, kein Problem. :D Aber eigentlich will ich ja gar nicht argumentieren, sondern eben diese Wandlung zum Guten, die ich natürlich auch unterstelle (warum sonst sollte Lizzy so einen Typen heiraten??), nur deutlich machen. Kerstin hat natürlich recht, er muss gute Seiten haben, sonst würden Bingley und der Colonel ihn nicht so sehr schätzen. Vielleicht kann ja gegen Ende des Buches mal jemand eine neue Liste machen: Darcys tolle Seiten. Da muss es doch viele geben, die das könnten. :wink:


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BeitragVerfasst: Dienstag 3. März 2009, 00:27 
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Begeistertes Missionierungsopfer
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Kapitel 35

Elizabeth versucht, an der frischen Luft einen klaren Kopf zu bekommen ( typisch :wink: ), möchte Mr Darcy aus dem Weg gehen, er lauert ihr aber auf und überreicht ihr einen Brief.
Zu ihrem Erstaunen ist der Brief dicht beschrieben , sogar die Innenseiten des Umschlags :fies_sei: , und Lizzie liest den Brief wieder und wieder!


So, zum Inhalt seid Ihr erst mal dran! :ja:


@ Irisa

Sorry, dass ich nicht eher darauf eingegangen bin - aber ich weiß auch nicht mehr als Du :wink: , vermutlich hat JA ganz einfach , nach einer schlaflosen Nacht, eingesehen, dass sie nur aus Liebe heiraten will.
Und dass sie dann eher weniger Zeit haben würde zum Schreiben! :schreib:

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BeitragVerfasst: Dienstag 3. März 2009, 20:48 
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Begeistertes Missionierungsopfer
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Kann ja eigentlich kaum sein, dass niemand etwas zu sagen hat dazu? ;(

Was meint Ihr denn zum Brief?

Die Wickham - Episode verblüfft und beschämt Lizzie ganz sicher.

Was Darcy zu seiner Entschuldigung hinsichtlich Jane anführt, erklärt doch aber auch einiges, oder?

I had often seen him in love before, und erst auf dem Ball hat er gemerkt, dass da doch mehr sein könnte zwischen seinem Freund und Lizzies Schwester!

Und nachträglich muss man Charlotte wohl zustimmen, dass Jane zu wenig aus sich heraus gegangen ist, um Bingley ihre Zuneigung zu zeigen? :stupid:
Ich kann mir vorstellen, dass Bingley selbst es sehr wohl gemerkt hat - warum aber sollen es denn alle so früh mitbekommen?

Bisher zumindest zeigt Mr Darcy keine Reue in der Beziehung. :fies_sei:

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BeitragVerfasst: Dienstag 3. März 2009, 22:32 
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Ich weiss nicht ... das ist so ein Kapitel, dass beim ersten Lesen total umhaut (mich zumindest, erinnere ich mich ... aber ich kannte auch noch keine Verfilmung), aber beim wieder und wieder lesen irgendwie "langweilt". :gnade:
Darcy erklaert sich plausibel und Lizzy muss den Brief oft lesen, bis der Inhalt langsam durchsickert. Das zeigt ja hauptsaechlich wie falsch sie tatsaechlich lag und wie weit der Weg zur Erkenntnis ist.
Auffaellig find ich nach wie vor, dass der Brief relativ harsch beginnt (vom Tonfall her), aber gegen Ende fast freundlich wirkt. Darcy hat sich wohl beim Schreiben selbst beruhigt. :wink:


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BeitragVerfasst: Dienstag 3. März 2009, 22:42 
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Ein wenig ärgert es mich aber schon, wenn er einerseits bemerkt hat, dass Jane zu viel lächelt, dann aber wohl doch nicht genug gelächelt hat.
Hätte sie sich Bingley an den Hals geworfen, so wie ihre Mutter es erwartet hat, dann wäre er sicher auch eingeschritten. ( Von wegen Mitgiftjägerin.) Eigentlich konnte sie es in seinen Augen nur falsch machen.
Grüße
Kerstin

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BeitragVerfasst: Mittwoch 4. März 2009, 00:52 
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Ich finde den Brief natürlich inhaltlich riesig interessant. Den Stil aber einigermaßen gestelzt (kann natürlich an meiner dt. Ausgabe liegen). Am Bemerkenswertesten finde ich, dass Darcy so total aufrichtig ist (oder zu sein scheint). Er packt ja wirklich alles aus. Das zeugt offenkundig nicht nur von einem gewaltigen Bedürfnis, sich vor Lizzy zu erklären, sondern auch von enormem Vertrauen. Das ist eigentlich der größte Liebesbeweis, den man bisher von ihm sehen konnte - abgesehen von diesem verunglückten Antrag natürlich. :D
Und er räumt immerhin ein, dass sein Verhalten in London eigentlich unter seiner Würde war. Recht hat er.


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BeitragVerfasst: Donnerstag 5. März 2009, 11:17 
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In diesem Brief wiederholt er ja noch einmal, wie leidenschaftlich er Lizzy liebt - denn sonst hätte er seine rationalen Widerstände nicht überwinden können, wie er selbst sagt. Es scheinen sich aber auch Zweifel einzuschleichen, inwieweit Lizzy sich für Wickham erwärmt hat...
Auffällig finde ich aber auch, wie Julia schon geschrieben hat, dass sich sein Tonfall ändert. Er schreibt hier durchaus auch einfühlsam und freundlich, indem er sich für das Geschriebene entschuldigt und bedauert, Lizzy weh tun zu müssen. Und indem er sie und ihre Schwester ausdrücklich von aller Kritik ausnimmt. Das ist hier, glaube ich, tatsächlich der Wendepunkt. Von meiner Liste kann ich schon mal den Punkt "unsensibel" streichen.
Möglicherweise habe ich die zweite Hälfte des Buches nicht mehr richtig in Erinnerung, aber ich meine, dass wir ab jetzt keine einzige Stelle mehr zu lesen bekommen, an der Darcy irgendwie negativ rüberkommt.


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BeitragVerfasst: Donnerstag 5. März 2009, 15:06 
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Negativ gesehen wurde Mr Darcy doch eigentlich nur von Lizzie und den anderen Bennets bzw. deren Freunden von der Netherfield Gesellschaft. :wink: Schon Charlotte war anderer Meinung. Wickham hat die Vorurteile natürlich wesentlich verstärkt.

Das Vertrauen, dass Darcy in Elizabeth setzt, ist wirklich ein Beweis seiner großen Zuneigung - hat er doch bisher niemandem von Wickhams schändlichen Verhalten gegenüber Georgiana erzählt. Es ist ihm wichtig, was Lizzie über ihn denkt

Auch dass er sagt It pains me to offend you zeigt, dass er nicht der herablassende, über allen stehende Darcy ist, den Lizzie im Kopf hat. Sie wird drüber nachdenken. :smilingplanet:

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BeitragVerfasst: Donnerstag 5. März 2009, 15:25 
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Nun ja, er hat sich halt nicht sonderlich gut in die Gesellschaft dort eingeführt, weil er, wie er selber mehr oder weniger zugab, kein Interesse daran hatte.
Er wollte sich ja auf dem ersten Ball unwohl fühlen und wird es sicher den Besuchern dort deutlich mitgeteilt haben.
Auch seine schnippischen Bemerkungen "every savage can dance" gegenüber Sir Lucas war nicht sonderlich freundlich. Der arme Mann wollte doch nur nett sein.
Ein höflicher Mensch hätte seine Bemerkungen ertragen und eine unverbindliche Antwort gegeben.
In dieser Beziehung ist Darcy wirklich unsensibel. Sobald ihm die Gesellschaft nicht gefällt, umgibt er sich mit Arroganz.
Dummerweise hat er es sich bei Elizabeth damit dann auch direkt verscherzt. Das sich seine Meinung zu ihr ändert, hat sie gar nicht mitbekommen. Für sie war er der Mann, der nicht mit ihr tanzen wollte, weil sie nur "eben passabel" war. Da fielen dann alle negativen Dinge, die sie über ihn hörte, auf fruchtbaren Boden.
Ich denke, es dämmerte ihm auch erst, als sie ihm die Abfuhr erteilt hat, dass seine Wirkung auf seine Umwelt nicht immer so ist, wie er glaubt.
Grüße
Kerstin

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BeitragVerfasst: Donnerstag 5. März 2009, 17:11 
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Darcy hat sich auf dem Ball wirklich keine Mühe gegeben, einen guten Eindruck zu hinterlassen, er war genervt, und es war ihm egal, was alle über ihn dachten.
Das stimmt wohl. :/

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BeitragVerfasst: Donnerstag 5. März 2009, 23:55 
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Kerstin hat geschrieben:
Ich denke, es dämmerte ihm auch erst, als sie ihm die Abfuhr erteilt hat, dass seine Wirkung auf seine Umwelt nicht immer so ist, wie er glaubt.


Davon gehe ich auch aus. Das war ne echte Keule, mit der sie ihm so richtig mit Schmackes eins übergezogen hat. Also wer nach so einem Schlag nicht ins Grübeln kommt, dem ist nicht zu helfen. Wobei Darcy ja keineswegs eine Kehrtwende einleitet. Im Grunde steht er zu dem, was er getan hat, er bedauert nur die Mittel. Er hat es ja auch "in bester Absicht" getan und war überzeugt, das Richtige zu tun - und wenn ein Darcy das glaubt, dann kennt er keine Verwandten. Den Zahn muss man ihm erst noch ziehen. Ich frage mich, was Darcy getan hätte, wenn er überzeugt gewesen wäre, dass Jane in Mr. Bingley verliebt ist. Hätte er die beiden gewähren lassen? Wenn man seiner Argumentation folgt, müsste es eigentlich so sein. Dann hätten die zwei also geheiratet, alle wären glücklich - und Lizzy und er wären sich zwangsläufig nähergekommen, hätten sich richtig kennengelernt usw. Also eigentlich verdanken wir die ganze Story der Tatsache, dass der große Darcy sich ausnahmsweise mal geirrt hat...


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BeitragVerfasst: Freitag 6. März 2009, 12:04 
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Udo hat geschrieben:
Eine Frage zu Colonel Fitzwilliam: Ist das sein Vor- oder Nachname? (Vielleicht kommt das später noch, kann mich aber auch daran nicht erinnern....). In beiden Fällen ist es doch irgendwie komisch, weil Darcy ja auch Fitzwilliam heißt. Gibt es dafür eine Erklärung?

Es war gar nicht so ungewöhnlich den Söhnen den Familiennamen der Mutter sozusagen als Vornamen oder Beinamen mitzugeben. Deshalb heisst Darcy Fitzwilliam mit Vornamen. Beim Colonel ist das der Nachname; Lady Darcy und Lady de Bourgh entstammten, wie der Colonel, dem Hause Fitzwilliam. :)

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BeitragVerfasst: Freitag 6. März 2009, 13:40 
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Udo hat geschrieben:
Caro, weißt Du nicht Rat?

Mal sehen ...
Zu den Erbregelungen ist zu sagen, dass man grundsätzlich unterscheiden muss, zwischen beweglichen und unbeweglichen Dingen, Land und Boden und sonstigen Sachwerten. Und doch ist das Ganze nicht einfach, wie Jus überhaupt auch Schlupflöcher zulässt, wenn man's versteht ...
Aber ein paar grundsätzliche Dinge:
1. Die Aristokratie (aber nicht nur die) vererbte meist nach Primogenitur an männliche Erben

2. Zu den meisten Titeln gehörte Land und Grund und wurde mitvererbt. Es gab Titel, über die das Königshaus verfügte und solche, die im Familienrecht standen. So kam es z.B. dazu, dass Amelia Darcy den Titel des 4. (bzw. fünften) Earl of Holderness nicht von ihrem Vater erbte und auch nicht an ihre Söhne weitergeben konnte, wohl aber die Titel nach eigenem Recht "suo jure", die da waren "Baroness Darcy de Knayth" plus "Baroness de Conyers" plus "Countess of Mértola". Diese Titel erbte ihr ältester Sohn.

Das Land der "Kronentitel" gehörte immer der Krone. Verfiel der Titel, oder wurde aberkannt, verlor der Titelinhaber bzw. seine Nachkommen auch das Recht auf Grund und Boden.

Wenn Sir de Bourgh also über Familienerbe, Land und Boden nach eigenem Recht verfügte, entschied das Familienrecht, ob Mädchen erben durften oder nicht. Allerdings konnte der Vater jederzeit eine Petition einreichen, weibliche Erben zuzulassen, wie es Sir de Bourgh wohl getan hatte. :)

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 Betreff des Beitrags: 36. Kapitel
BeitragVerfasst: Samstag 7. März 2009, 13:44 
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Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
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Caro, schön dass Du wieder dabei bist! Und vielen Dank für die Antworten!!

36. Kapitel

Elizabeth liest Darcys Brief gleich mehrfach. Nach und nach beruhigt sie sich und muss Punkt für Punkt einräumen, dass Darcys Sicht der Dinge durchaus auch richtig sein könnte. Am Ende schämt sie sich sehr für ihr Verhalten.


Wenn man sagen würde, Lizzy geht ein Licht auf, dann wäre das wohl leicht untertrieben: Man könnte eher von einem ganzen Kronleuchter reden. Insbesondere was Wickham betrifft, wird ihr klar, dass sie viel zu leichtgläubig war und es auch selbst an Anstand hat mangeln lassen, indem sie hemmungslos mit ihm über Darcy gelästert hat. Sie erkennt, dass Wickham eigentlich nur ein Blender ist, ihr fällt zu ihm "nichts Edleres ein als der Beifall, den ihm seine Umgebung zollte...".
Sie geht ganz schön hart mit sich ins Gericht: Sie kommt sich "verblendet, parteiisch, voreingenommen und albern" vor. Und sie hat recht. Interessant finde ich, dass sie sich vorhält, ihre Eitelkeit mit "sinnlosem, schändlichem Misstrauen" befriedigt zu haben. Während Darcy in seinem Brief noch geschrieben hat: "Misstrauen liegt Ihrem Wesen fern." Irgendwie sind also beide, wenn auch aus ganz unterschiedlichen Gründen, ein wenig blind. Und beide sind jetzt soweit, dass sie selbstkritisch über ihr Verhalten nachdenken können. Stolz und Vorurteile bröckeln ganz schön. ;D


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BeitragVerfasst: Sonntag 8. März 2009, 12:16 
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Lizzie erkennt nach dem Lesen und Verarbeiten des Briefes auch, dass ihre nächsten Verwandten letztendlich schuld daran sind, dass Darcy Bingley zur "Aufgabe" Janes brachte:
she considered that Jane's disappointment had in fact been the work of her nearest relations, and reflected how materially the credit of both must be hurt by such impropriety of conduct, she felt depressed beyond any thing she had ever known before.
Dass sie es sich selber so weit eingesteht, dass sie zu sich nun ganz ehrlich ist, zeigt wohl einen völligen Wandel in ihrer Haltung Darcy gegenüber.

Was hätte sie wohl zu ihm gesagt, wenn sie ihn im Haus angetroffen hätte? :fies_sei:

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BeitragVerfasst: Montag 9. März 2009, 10:06 
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Vor allem zeigt dieses Kapitel, gerade durch Lizzys Einsichten, dass sie nicht wirklich so selbstkritisch und selbstbestimmt ist, wie sie von sich glaubt.

Sie fängt also an zu begreifen, dass die Familie einen Hinderungsgrund darstellt, oder darstellen könnte, einen entsprechenden Partner/Gatten zu finden!
Das sah sie zuvor noch anders. Gut, das mag daran liegen, dass in ihrem Umfeld niemand willens war, die Bennets offen zu kritisieren, oder einen Mangel spüren zu lassen, aber die Mängel in Erziehung, Verhalten und Wurzeln/Beziehungen sind zu offensichtlich, um übersehen zu werden.

Collins Mängel und Defizite sieht/sah sie jedoch ganz klar. Solange niemand Kritik übte, war für Lizzy also alles in Ordnung. Erst als Darcy die Dinge beim Namen nannte, öffnete Lizzy ihre Augen und begann ihre Familie mit anderen (seinen?) Augen zu sehen.

Aber wer hat nun recht? Darcy, der gleich bemängelte, es wäre alles "zu ländlich" und die Bennets zu "gewöhnlich"? Oder erwartet ein Darcy zu viel von Anderen, nicht mehr allerdings, als er von sich erwartet?

Interessant ist hierbei die Frage, ob Lizzy eher Janes Chancen beklagt, oder ihre eigenen. :gruebel:

Ich war in den vorherigen Kapiteln sehr fasziniert, wie sie sich einer Löwin gemäß vor die Familie stellte und gar keine Kritik zuliess. Sehr prägnant war das im Gespräch mit der Ladyschaft, als sie jeden Mangel verteidigte oder umkehrte. So zum Beispiel als es um die fehlende Gouvernante (Benimm, Erziehung und Bildung) und auch um das gleichzeitige Debüt der Jüngeren ging.

Ging es Lizzy im Letzteren tatsächlich um Gerechtigkeit den jüngeren Schwestern gegenüber, da ein gleichzeitiges Debüt allerdings die Chancen der Älteren schmälern konnte, oder war sie nur so wortgewandt, Lady Catherine umgehend Paroli zu bieten?
Bedenkt man ihre erste Haltung der Familie gegenüber mag man an den Gerechtigkeitssinn glauben, aber wie gesagt, der Vorteil für die Jüngeren, war von Nachteil für die Älteren, zumal wenn sich erstere so gebärdeten, wie es Kitty und Lydia stellenweise taten. Obwohl wir den vollen Ausmaß ihrer Unbärdigkeit ja erst peu á peu in den nächsten Kapiteln erfahren.

Ich denke, diese langsame Hinführung an die Charaktere ist hier gewollt, denn wir sollen die Geschichte, und damit auch die Familiengeschichte der Bennets, mit Lizzys Augen sehen. So wie Lizzy ihre Einstellung und Haltung zu den anderen Charakteren ändert, sollen wir auch unsere ändern.

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BeitragVerfasst: Montag 9. März 2009, 16:52 
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In der Unterhaltung mit Lady de Bourgh hatte Lizzie das Gefühl, dass diese sich anmaßte, über die Bennets zu urteilen. Und deswegen gab sie Kontra. :ja:

Unüblich war es doch gewiss, dass alle Mädels , auch die Jüngsten, gleichzeitig auf Bälle gehen durften; vermutlich war Mr Bennet zu schwach um sich gegen seine Frau durchzusetzen, bzw. wollte er mal wieder nur seine Ruhe haben. :wink:

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BeitragVerfasst: Montag 9. März 2009, 19:33 
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Elizabeth ist das Verhalten ihrer Mutter und ihrer Schwester durchaus peinlich. Man denke an den Besuch in Netherfield, als ihre Mutter sich so peinlich aufgeführt hat oder auch der Ball dort, wo neben Mama ja auch die Schwestern sich daneben benommen haben. Das ist ihr durchaus bewußt, in diesem Fall mußte ihr Darcy nicht die Augen öffnen.
Aber es ist doch völlig normal, dass sie ihre Familie vor Fremden verteidigt. Das würde jeder tun und vor allem vor Lady Catherine, die ihre Familie ja noch nicht mal kennt.
Grüße
Kerstin

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BeitragVerfasst: Montag 9. März 2009, 20:48 
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Aber so richtig klar wurde es Lizzie erst durch Darcys Brief!
Zumindest, welchen negativen Einfluss das Benehmen der Bennets auf eine gute Partie von Jane haben könnte - wenn eben der künftige mögliche Gatte die Familie völlig losgelöst erleben kann. :fies_sei:

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BeitragVerfasst: Dienstag 10. März 2009, 23:08 
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Elizabeth fängt ja sogar an, bei Darcy gute Seiten zu entdecken. Nicht nur, dass er "immerhin irgend etwas wie ein Gefühl besaß", sie muss auch zugeben, dass er nie "gottvergessene, unmoralische Gewohnheiten" gezeigt hat. Letzteres finde ich als Kompliment etwas... naja. Ich stelle mir vor, mich würde jemand anstrahlen, mir auf die Schulter klopfen und sagen: Mensch Udo, Du bist echt nie gottvergessen und unmoralisch. Ich glaube, das wäre mir peinlich.

Kurz darauf gibt es ja die Stelle, wo Elizabeth lange mit sich selbst redet. Muss man sich das wohl wirklich so vorstellen, dass sie diese lange Rede wirklich laut spricht? Dann würde ich sofort aufhören, mir Sorgen wegen Demenz zu machen, wenn ich mich mal wieder dabei erwische, irgendwas leise vor mich hinzubrummeln... Worum es mir eigentlich geht: Ich finde das stilistisch eher unschön. Das wäre doch eine gute Stelle für die "erlebte Rede" gewesen, von der ich annehme, dass sie in der Regel eher mit den Worten der Autorin formuliert wird - oder geht das auch als wörtliche Rede?


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BeitragVerfasst: Mittwoch 11. März 2009, 01:12 
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Wie gut, dass wir den groupread haben! :top:
Bisher habe ich immer über diesen Passus hinweggelesen: irreligious or immoral habits. - wird wohl einen Grund gehabt haben :wink: Ein wirklich seltsamer Ausdruck. :ja:

Dass Lizzie Selbstgespräche führt , finde ich eine geniale Methode von JA!
Als Gegensatz dazu das Kapitel mit Darcys "Rechtfertigung": der gesamte Brief ist ohne einen einzigen Absatz - von der Seele geschrieben!

Lizzie hingegen denkt laut, Jane als Vertraute ist nicht da, vermutlich geht sie hin und her dabei.
Dann liest sie wieder, daher keine wörtliche Rede mehr.


Und dieser Satz ist noch interessant :wink: :
Had I been in love, I could not have been more wretchedly blind.
Und weiter geht's : But vanity, not love, has been my folly.

Also follies sind sowohl vanity als auch love - in Jane Austens Augen? :fies_sei:

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BeitragVerfasst: Mittwoch 11. März 2009, 04:04 
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^ Ja, das ist doch mal wieder ein schoenes Beispiel fuer "subtile" Ironie ... :wink:

@Udo: "Erlebte Rede" waere durchaus moeglich gewesen (es ist ja eine Mischung aus woertlicher Rede eines Charakters und der "Stimme" des Autors), aber die hat JA erst im Laufe der Zeit entwickelt. Ich denke nicht, dass Lizzie da tatsaechlich laut vor sich hinbrabbelt, ich verstehe es eher so, dass wir hier ihre Gedanken "lesen". Wobei das woanders ("stream of conciousness", anyone?) sicher auch stilistisch besser gelungen ist. Aber wir wollen ja nicht maekeln. :wink:

Was die Seitenbemerkung zu Religion/Moral betrifft ... im Deutschen klingt das wesentich seltsamer als im Englischen. Abgesehen davon, geht es aber in P&P und speziell in diesem Kapitel darum: "Grundsaetze", "Ideale", "Werte", - so wuerde man es wahrscheinlich heute (wenn ueberhaupt) eher ausdruecken.


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BeitragVerfasst: Mittwoch 11. März 2009, 09:36 
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Julia hat geschrieben:
Was die Seitenbemerkung zu Religion/Moral betrifft ... im Deutschen klingt das wesentich seltsamer als im Englischen. Abgesehen davon, geht es aber in P&P und speziell in diesem Kapitel darum: "Grundsaetze", "Ideale", "Werte", - so wuerde man es wahrscheinlich heute (wenn ueberhaupt) eher ausdruecken.


Es klingt merkwürdig, weil es "steif" übersetzt wird, in der Sache ist dieser Satz aber ein ein kluger Schachzug!
Man muss einen Charakter nicht schmähen, um ihn gering zu machen, es reicht den Anderen zu erhöhen, zumal Kirche und Religion, also ein "guter" Glaube, Moral, Charakterfestigkeit und Integrität zu JAs Zeit einen ganz anderen Stellenwert haben, als heute.

Mit diesem Satz hebt Lizzy Darcy eigentlich in den Himmel, nach dem Motto: Er ist fehlerlos, was Glaube, Moral und Verhalten angeht.
Mit der exklusiven Nennung dieser Werte, also Darcys und Lizzys Werten, wird Darcy auf eine Art Podest gehoben und Wickham muß natürlich abfallen. Wickham ist alles andere als das. :)

Zudem werden diese Werte genannt, weil es bei den jungen Leuten ja gerne an Charakterfestigkeit, Glauben und Moral mangelt. Damit werden sozusagen auch Darcys Wurzeln als "gut" befunden, denn man ging natürlich davon aus, dass Gottesfürchtigkeit und Moral anerzogen seien. Eltern waren also sehr betroffen, wenn Sprösslinge in dieser Hinsicht aus der Art schlugen, also "schwarze Schafe" waren. Was ja auch ein biblisches Bild ist, mit dem Schäfer, der abtrünnige oder verlorene Schafe zur Herde zurückholt. :wink:

Jane Austen selbst muss diese Werte als wichtig befunden haben, und die Predigten ihres Vaters werden sich darum gedreht haben ... :ja:

PS:
Die katholische Kirche beklagt hingegen unsere neue Gottvergessenheit, wie man hier lesen kann http://downloads.kirchenserver.net/7/62 ... 416810.pdf

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BeitragVerfasst: Mittwoch 11. März 2009, 10:19 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Ich wuerde nicht sagen, dass Elizabeth Darcy hier auf ein Podest (oder gar in den Himmel) hebt, nur weil sie merkt, dass sie noch "keinen unmoralischen" Charakterzug an ihm entdeckt hat ... :wink:
Der Satz ist meiner Meinung nach gerade wegen seines doppelten Negativs ("keine" und "un-") interessant - er drueckt sehr schoen aus, wie Lizzie sich langsam zu einem gerechteren Urteil vortastet.
Von "fehlerlos" lese ich in diesem Kapitel nichts ...


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BeitragVerfasst: Mittwoch 11. März 2009, 12:02 
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D'Arcy-Expertin mit Adelsaffinität
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Julia hat geschrieben:
Ich wuerde nicht sagen, dass Elizabeth Darcy hier auf ein Podest (oder gar in den Himmel) hebt, nur weil sie merkt, dass sie noch "keinen unmoralischen" Charakterzug an ihm entdeckt hat ... :wink:
Der Satz ist meiner Meinung nach gerade wegen seines doppelten Negativs ("keine" und "un-") interessant - er drueckt sehr schoen aus, wie Lizzie sich langsam zu einem gerechteren Urteil vortastet.
Von "fehlerlos" lese ich in diesem Kapitel nichts ...

Nachtrag zur zuvor genannten Textstelle, die in einen längeren Absatz eingebaut ist:
Zitat:
... ;that proud and repulsive as were his manners, she had never, in the whole course of their acquaintance--an acquaintance which had latterly brought them much together, and given her a sort of intimacy with his ways--seen anything that betrayed him to be unprincipled or unjust--anything that spoke him of irreligious or immoral habits; that among his own connections he was esteemed and valued--that even Wickham had allowed him merit as a brother, and that she had often heard him speak so affectionately of his sister as to prove him capable of SOME amiable feeling; that had his actions been what Mr. Wickham represented them, so gross a violation of everything right could hardly have been concealed from the world; and that friendship between a person capable of it, and such an amiable man as Mr. Bingley, was incomprehensible.
She grew absolutely ashamed of herself. Of neither Darcy nor Wickham could she think without feeling she had been blind, partial, prejudiced, absurd.

"… obwohl sein Betragen hoffärtig und abscheulich war, hatte sie in der ganzen Zeit ihrer Bekanntschaft --einer Bekanntschaft, die sie zuletzt häufig aufeinandertreffen liess, und ihr eine gewisse Vertrautheit in seine Art zu handeln gewährt hatte--nicht die geringste Beobachtung gemacht, die ihn der Charakterlosigkeit oder Ungerechtigkeit überführt hätte--irgendetwas, das ihn der Gottvergessenheit oder Unmoral bezichtigt hätte; dass er in seinem Bekanntenkreis wohlgeachtet und geschätzt war--daß letztlich sogar Wickham ihm erlaubt hatte, wie ein Bruder zu handeln, und dass sie ihn derart häufig in überaus liebevoller Weise von seiner Schwester hatte sprechen hören, dass man die Überzeugung finden musste, er wäre zu manch liebenswertem Gefühl fähig; dass habe er tatsächlich nach Wickhams Darstellung gehandelt, ein derartig grober Verstoss gegen jegliches Recht der Welt nicht verborgen geblieben wäre; und dass eine Freundschaft zwischen einer Person, die zu solchen Dingen fähig wäre und einem schlechthin liebenswürdigen Mann wie Mr. Bingley, unvorstellbar gewesen wäre.

Sie versank in völliger Scham. Sie konnte weder an Darcy noch an Wickham ohne das Bewusstsein denken, sie sei blind, parteiisch, voreingenommen und töricht (lächerlich, widersinnig) gewesen.


In dieser Textstelle dreht sich Lizzy ja sozusagen um 180 Grad. Sie fand sein Betragen zuvor hoffärtig und abscheulich und resümiert nach seinem Brief darüber, dass es für ihre schlechte Meinung von ihm offensichtlich keinen Grund gab, weil es für all das, dessen sie ihn verdächtigte, keine Beweise gab, ganz im Gegenteil.
Nur hätte sie sich dessen von vornherein klar sein können oder müssen. Sie hatte ihn nur nicht sehen wollen, wie er war. Und der Leser auch nicht, weil wir ihn anfangs ja mit Lizzys Augen sehen sollten und weiterhin sehen sollen.

Jemand der religiös und moralisch korrekt war, stand in der damaligen Meinung sozusagen an der Pforte zum Paradies. Mit diesen Eigenschaften konntest Du praktisch keine Fehler mehr machen, zumindest keine unverzeihlichen. Damit steht er hier schon im völligen Gegensatz zu Wickham, auch wenn wir noch nicht alles wissen.
Was mich wundert ist allerdings, dass Lizzy Darcys Worte/Zeilen nun gar nicht anzweifelt, oder ihn der Lüge verdächtigt. So wie sie Wickhams Worte "blind" übernahm, übernimmt sie jetzt Darcys Meinung von Wickham.
Aber ist ja klar. :ja: :wink: Jemand der religiös und moralisch handelt, würde nie lügen. Moral bezieht sich ja bei weitem nicht nur aufs köperliche. Ein moralischer Mensch lügt und betrügt nicht. Für mich fehlt hier nicht mehr viel zur "Fehlerlosigkeit" im kirchlichen und gesellschaftlichen Sinn.

Davon, daß kein Mensch völlig "ohne Fehl und Tadel" ist, wollen wir nicht reden. :)

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:blume: Grüsse, Caro

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Zuletzt geändert von Caro am Mittwoch 11. März 2009, 14:10, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Mittwoch 11. März 2009, 13:30 
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Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
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Also ich denke auch, dass Lizzy hier absolut klar wird, dass sie Darcy völlig falsch eingeschätzt hat. Sie sieht ja jetzt glasklar, dass ihr Urteil fehlgeleitet war. Das gipfelt in dem Satz: "Bis zu diesem Augenblick habe ich mich selbst nicht gekannt." Sie hat also in der Selbsterkenntnis einen riesigen Schritt voran gemacht. Von 180-Grad-Wende in Bezug auf Darcy würde ich trotzdem nicht reden. Du übersetzt "proud" und "repulsive" mit "hoffärtig" und "abscheulich", das wäre dann zu "gottesfürchtig" und "moralisch" allerdings eine deutliche Wendung. Aber bei mir (Andrea Ott) lautet die Übersetzung wie ich finde zutreffender "stolz" und "abweisend", was Darcy ja 100 pro auch war. Daher wirkt das für mich eher so, als ob sie ihn jetzt einfach nüchterner sieht, also realitätsnäher. Würde sie ihn "in den Himmel" heben, könnte sie ihn ja auch gleich anhimmeln - davon ist sie aber noch sehr, sehr weit entfernt.
Aber ich finde wie Du, Caro, dass ihr durch den Vergleich zu Darcys positiven Eigenschaften klar wird, wie schlecht, gottvergessen und unmoralisch Wickham ist.

Caro hat geschrieben:
Jemand der religiös und moralisch korrekt war, stand in der damaligen Meinung sozusagen an der Pforte zum Paradies. Mit diesen Eigenschaften konntest Du praktisch keine Fehler mehr machen, zumindest keine unverzeihlichen.


Wie ist denn das mit Mr. Collins? Den würde ich auch als religiös und moralisch korrekt bezeichnen - seine Anwesenheit würde mir das Paradies aber durchaus verleiden.


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BeitragVerfasst: Mittwoch 11. März 2009, 13:59 
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D'Arcy-Expertin mit Adelsaffinität
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Udo hat geschrieben:
Wie ist denn das mit Mr. Collins? Den würde ich auch als religiös und moralisch korrekt bezeichnen - seine Anwesenheit würde mir das Paradies aber durchaus verleiden.

So weit würde ich nicht gehen. Collins ist mit Sicherheit religiös, aber ob er moralisch korrekt handelt, wissen wir nicht wirklich. :D

Das ist in P&P nicht Thema, weil es die Familie Bennet nicht tangiert. Und Jane Austen lässt ja alle Details weg, die für sie bzw. den Plot nicht weiter von Belang sind.
Selbst solch, in meinen Augen nützliche Kleinigkeiten, wie die Frage nach weiteren Familienmitgliedern. Wir wissen nicht, ob die Darcys ausser den Fitzwilliams (auch die de Bourghs sind ja welche) noch Verwandtschaft der väterlichen Linie haben. Da schweigt sie sich aus.

Ich finde es ohnehin interessant, daß sie Glauben und sozusagen gottesfürchtiges Verhalten wichtig und richtig findet, andererseits an Chlerikern kaum ein gutes Haar lässt. Nun ja, schwingt natürlich bei einigen Vertretern die nach aussen Moral und Maßhaltigkeit predigen, selbst aber in allem maßlos sind, in gutes Quentchen, um nicht zu sagen Fässchen an Bigotterie mit, was sie durch Lizzy Darcy aber nicht vorwirft. Wie gesagt, bei Collins wissen wir nicht wirklich, ob er bigott ist. Deshalb in bewußter Textstelle das nebeneinander von religiös und moralisch. Um derartigen Verdacht bezüglich Darcy von vornherein auszuschliessen. Er ist religiös und moralisch, also gut. :wink:

*Nachtrag*
Wenn man sich die Summe seiner guten Eigenschaften anschaut, könnte man Angst kriegen. :cool:
Das ist für mich doch eine Art von Podest, auf dem er steht: Er ist charakterfest und gerecht, religiös und moralisch korrekt, wohlgeachtet und geschätzt, zu tiefster Verbundenheit, Geschwisterliebe und Freundschaft fähig
Aus vorigen Kapiteln wissen wir, dass er Untätigkeit und Stumpfsinn verabscheut, Bildung auch bei Frauen als wichtig erachtet (sie dürfen nicht nur, sie sollen lesen und sich weiterbilden!) und er ist fasziniert von Lizzys sprühendem Geist

Fehlt da noch was ...? :schreib:

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:blume: Grüsse, Caro

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BeitragVerfasst: Mittwoch 11. März 2009, 16:17 
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Austenexperte
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Caro hat geschrieben:
Udo hat geschrieben:
Wie ist denn das mit Mr. Collins? Den würde ich auch als religiös und moralisch korrekt bezeichnen - seine Anwesenheit würde mir das Paradies aber durchaus verleiden.

So weit würde ich nicht gehen. Collins ist mit Sicherheit religiös, aber ob er moralisch korrekt handelt, wissen wir nicht wirklich. :D


Zugegeben mit dem Blick des 20/21. Jht. kann ich an Colllins kein moralisch korrektes Verhalten erkennen. In Zeiten tiefster Not steht man der Familie bei und schwadroniert nicht - wie Collins es tut - herum und nervt alle leidgeprüften Beteiligten. Wenn ich mir Austens Charakterzeichnung ansehe, dann hat sie vom moralischen Reifegrad Collins auch nicht allzuviel gehalten. Aber ich greife vor.....


Caro hat geschrieben:
*Nachtrag*
Wenn man sich die Summe seiner guten Eigenschaften anschaut, könnte man Angst kriegen. :cool:
Das ist für mich doch eine Art von Podest, auf dem er steht: Er ist charakterfest und gerecht, religiös und moralisch korrekt, wohlgeachtet und geschätzt, zu tiefster Verbundenheit, Geschwisterliebe und Freundschaft fähig
Aus vorigen Kapiteln wissen wir, dass er Untätigkeit und Stumpfsinn verabscheut, Bildung auch bei Frauen als wichtig erachtet (sie dürfen nicht nur, sie sollen lesen und sich weiterbilden!) und er ist fasziniert von Lizzys sprühendem Geist


Na rate mal, warum ausgerechnet Mr. Darcy zum Austenschen Lieblingshelden mutiert, der (auch in seinen verschiedenen Filmgestalten) noch heute nachts hoffnungsfrohe Damen heimsucht.


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