Muck hat geschrieben:
Wickham hatte ja versucht so viele Mädchen wie möglich als "Freundin" zu haben (und aus jeder seinen Vorteil zu ziehen wie es nur ging), und nur mit Mary King wurde dann ernsthaft von Verlobung geredet, eben weil sie ihre 10.000£ hatte.
Woher weißt Du, dass Wickham das versucht hat? Greifst Du vor, spekulierst Du oder habe ich was überlesen? Denn ich kann mich gerade nicht erinnern, dass bisher die Rede davon war, dass Wickham schon mal eine Freundin hatte. Klar, es gibt da einen „Zwischenfall“, aber von dem wissen wir doch hier noch gar nichts, oder? Du schreibst, er würde so viele Frauen wie möglich als "Freundin" haben wollen – ich denke, das ist so nicht richtig. Nur Elizabeth scheint er zu umgarnen, weil er sie benutzen will, um seine Darcy-Mär zu verbreiten. Ansonsten will er nur eine Frau haben, nämlich eine möglichst reiche.
Muck hat geschrieben:
Wenn man es etwas weiter fasst ist er ein "Winning team joiner" und die Frage ist aber wo die Grenze ist zwischen der vernünftigen Entscheidung eine Ehe nicht einzugehen, weil man es sich nicht leisten kann und im Gegensatz dazu diese nur aufgrund der ausreichenden Finanzmittel einzugehen.
Es gibt diese „Grenze“ nicht – denn hier handelt es sich um zwei verschiedene Ansätze. Du beschreibst sie ja, obwohl dies auch kein „Gegensatz“ ist: Verzichten auf eine Liebesheirat
mangels Geld - und verzichten auf eine Liebesheirat
wegen des Geldes. Die „Grenze“, die JA beschreibt, ist dagegen von ihr klar beschrieben: Es ist allemal vernünftig, jemanden zu heiraten, der Geld hat – aber ab wie viel Pfund kann man dem Heiratswilligen unterstellen, er heirate
nur wegen des Geldes?
Muck hat geschrieben:
In etwas abgeänderter Form wird genau diese Thematik ja auch von einem anderen Engländer etwa 150 Jahre später abgehandelt: J.R.R. Tolkien schreibt im Herrn der Ringe ja doch über nichts anderes als einem ungewissen aber leicht erriechbaren Potential an Macht und der Notwendigkeit dieser Versuchung zu widerstehen. "Der Ring" symbolisiert angeblich die Atombombe - also etwas komplizierteres als ein simpler Haufen Geld -, doch gibt es viele neue Erfindungen, die damit ebenfalls gleichgesetzt werden könnten. Wickham ist in gewisser Weise also schon "dem Ring" verfallen und sein Charakter ist so schlecht, dass er automatisch - wie Gollum - diesem "Machtpotential" hinterherläuft. Es geht also um einen "guten Charakter" und wo die Grenzen zum Egoismus und zu anderen schlechten Eigenschaften liegen.
Deinen Vergleich mit Tolkien finde ich ganz heiter. Manchmal fallen mir auch vermeintliche Parallelen zu anderen Büchern oder Filmen auf – finde ich sehr interessant. In diesem Fall scheint mir das aber doch abwegig. Du vergleichst die Macht, die Welt zu unterjochen, mit dem Bedürfnis, in Wohlstand leben zu können? Das scheint mir ein wenig schief. Das zeigt ziemlich deutlich Dein eigenes Beispiel: Wickham, der angenehmste Mann, den Elizabeth je kennen gelernt hat, als Gollum?? Nein, es geht in diesem Buch eben nicht um einen „guten Charakter“, der verführt wird von Habgier. Vielmehr geht es um einen schlechten Charakter, der als solcher nicht erkannt wird, weil er so sympathisch wirkt – es geht um Vorurteile.
Zum Thema Geldheirat: Hier ist mir noch mal sehr klar geworden, wie ungerecht Elizabeth gegenüber Charlotte ist. Die heiratet aus einer gewissen Not heraus (kein Geld, viele Geschwister, relativ alt und nicht hübsch) jemanden, der sie zumindest versorgen kann. Das verurteilt Elizabeth aufs Schärfste. Wickham dagegen handelt total vernünftig....