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BeitragVerfasst: Samstag 27. Dezember 2008, 01:20 
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Austenbegeistert

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richtiger Name: marlies
Das Wissen haben wir ja zu diesem Zeitpunkt noch nicht.......wir lesen S&S ja zum allererstemmal :fies_sei:


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 Betreff des Beitrags:
Verfasst: Samstag 27. Dezember 2008, 01:20 


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BeitragVerfasst: Samstag 27. Dezember 2008, 01:39 
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Begeistertes Missionierungsopfer
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Udo hat geschrieben:
Wobei es ja auch darum geht, dass sich die Figuren entwickeln - und da hat Elizabeth deutlich mehr Potenzial als Mary... Was nicht heißt, dass Elizabeth künftig ihre eigenen Interessen denen der Familie unterordnet. In dem Punkt, nämlich beim Thema Liebesheirat, vertritt sie wohl eine glasklare Linie, bei der man annehmen darf, dass sie der Auffassung der Autorin entspricht.
Aber es ist schon so, dass Elizabeth die Interessen der Familie nicht mal in Erwägung zieht. Sie sagt Mr. Collins ja sogar direkt, dass er sich ab jetzt keinerlei Sorgen mehr zu machen brauche, wenn er einst sein Erbe antrete, sei das total okay. Ist es nicht, wenn die Familie dann auf der Straße landet.


Lizzie ist emanzipiert! :wink:
Sie hat doch recht - ihre Mutter ist eine Nervensäge ohne Ende, mit ihrem Papa kann sie zwar diskutieren - aber was bringt es ihr? Brächte es ihr wirklich?
Würden dann evtl. die Gardiners einspringen? Die Verwandten , die sie noch haben?
Denn - die Straße, nee, das wohl eher nicht. Also - wozu aufopfern? :fies_sei:

Immerhin hat JA einmal *ja* gesagt , vermutlich ihrer Familie zuliebe, aber am nächsten Morgen wieder abgesagt. :ja:
Den Zirkus wollte sie einer ihrer liebsten Heldinnen wohl ersparen? :lach:

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BeitragVerfasst: Samstag 27. Dezember 2008, 14:27 
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Administrator und Captain a.D. of HMS Groupread
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Ist Lizzy wirklich emanzipiert? Weil sie einem Trottel ihre Hand verweigert? Weil sie auf ein persönliches Recht auf Glück pocht, obwohl dies so offenkundig unvernünftig ist?
Ich frage mich gerade, ob da (also unter dem Gesichtspunkt, dass man sein persönliches Glück über alles stellt) Lydia nicht noch viel emanzipierter ist, aber soweit sind wir ja noch nicht. Aber vielleicht kann man die Frage schon stellen: Ist Lizzy eine emanzipierte Frau? Wahrscheinlich muss man jetzt erst wieder "emanzipiert" definieren usw., aber vielleicht reicht ja auch ein subjektiver Eindruck? Dann würde ich die Frage mit einem eindeutigen Jein beantworten. ;D
Wenn ich gerade mal so die Reihen der JA-Heldinnen durchgehe, finde ich eigentlich Emma am emanzipiertesten. Die macht wirklich, was sie will (auch wenn dabei einiges daneben geht). Ach ja, und vielleicht noch Mary Crawford, obwohl die ja eher eine B-Heldin ist.


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BeitragVerfasst: Samstag 27. Dezember 2008, 21:42 
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Begeistertes Missionierungsopfer
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Das "emanzipiert" hab ich mit :wink: versehen.
Emma ist quasi alleinverantwortlich, sie hat keine Schwester(n) mehr am Bein und einen Vater, der noch weniger tut als Mr Bennet.
Doch , ich bleibe dabei - Lizzie weiß was sie will. Oder eben nicht. Und sagt das auch frei heraus. Und handelt dementsprechend. So verstehe ich "emanzipiert" zu der Zeit. :angel:

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BeitragVerfasst: Sonntag 28. Dezember 2008, 11:16 
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Emsige Missionarin für Jane Austen
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Mr. Collins erwartet also, dass Elizabeth sein Lebensglück fördern solle und sieht dies in Frage gestellt, wenn sie dickköpfig und töricht ist. Ob er auch zu ihrem Lebensglück beitragen möchte? Vermutlich sieht er diesen Punkt bereits abgehakt, wenn Longbourn durch die Heirat in der Familie bliebe. Das reicht zu Elizabeths Glück seiner Meinung nach völlig aus. :< (Na ja, diesen Punkt betrachte ich wohl zu sehr aus heutiger Sicht.)


Interessant finde ich, dass Charlotte beim Gespräch zwischen Mr. Collins und Mrs. Bennet im Zimmer bleibt, obwohl Elizabeth und Jane den Raum vorher verlassen. "...und Charlotte, zunächst durch die Höflichkeit Mr. Collins', der sich ausführlich nach ihrem und ihrer Familie Wohlergehen erkundigte, und dann aus bloßer Neugier festgehalten, beschränkte sich darauf, ans Fenster zu treten und so zu tun, als ob sie nichts höre." Okay, das ist von Miss Austen wirklich geschickt eingefädelt, denn anfangs spricht Mr. Collins Charlotte an, so dass sie schon aus Höflichkeit nicht das Zimmer verlassen kann. Aber wäre es nicht normal gewesen, wenn Charlotte spätestens nach Mr. Collins' Floskeln hinter Elizabeth hergegangen wäre, um diese nach dem Ablauf des Heiratsantrages zu fragen? Ihre Neugier richtet sich scheinbar nicht auf den an Lizzy erfolgten Heiratsantrag, den doch eigentlich jede Freundin brennend interessieren müsste. :pfeif:
Spoiler: anzeigen
Ist diese Stelle eine erste Andeutung auf Charlottes Zielstrebigkeit?

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BeitragVerfasst: Sonntag 28. Dezember 2008, 19:05 
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Amadea hat geschrieben:
Interessant finde ich, dass Charlotte beim Gespräch zwischen Mr. Collins und Mrs. Bennet im Zimmer bleibt, obwohl Elizabeth und Jane den Raum vorher verlassen.
Okay, das ist von Miss Austen wirklich geschickt eingefädelt, denn anfangs spricht Mr. Collins Charlotte an, so dass sie schon aus Höflichkeit nicht das Zimmer verlassen kann. Aber wäre es nicht normal gewesen, wenn Charlotte spätestens nach Mr. Collins' Floskeln hinter Elizabeth hergegangen wäre, um diese nach dem Ablauf des Heiratsantrages zu fragen? Ihre Neugier richtet sich scheinbar nicht auf den an Lizzy erfolgten Heiratsantrag, den doch eigentlich jede Freundin brennend interessieren müsste. :pfeif:


Ich finde auch, dass Charlottes Auftritt für JAs ausgeprägtem Sinn fürs timing spricht. Sie kommt ganz zufällig exakt im richtigen Moment... Das macht sie ja oft ziemlich genial, dieses Kommen und Gehen zur rechten Zeit. Charlotte sollte allerdings eigentlich gehen - wobei sie sich allerdings zumindest gegenüber Mr. Collins nicht unbedingt genieren muss, denn er weiß ja nicht, dass sie schon Bescheid weiß. Dass sie aus lauter Neugier bleibt, kann ich schon verstehen: Lizzy kann sie ja später immer noch fragen, hier hat sie die Chance auf das einmalige Schauspiel, wie Mrs. Bennet Mr. Collins die Abfuhr beizubringen versucht, bzw. auf Collins Reaktion darauf. Da kann sie auch gleich die allgemeine Lage peilen...


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BeitragVerfasst: Sonntag 28. Dezember 2008, 19:14 
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Miranda hat geschrieben:
Doch , ich bleibe dabei - Lizzie weiß was sie will. Oder eben nicht. Und sagt das auch frei heraus. Und handelt dementsprechend. So verstehe ich "emanzipiert" zu der Zeit. :angel:


Wahrscheinlich hast Du recht. Ist wohl ziemlich schwierig, da mit unseren Begriffen von Emanzipation ranzugehen. Auf jeden Fall ist sie sehr selbstbewusst, hat keine Scheu, ihren Verstand zu gebrauchen und lässt sich zu nichts zwingen, was sie unglücklich machen würde. Wenn sie sich jetzt noch wie JA um ein eigenes Einkommen bemühen würde...


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BeitragVerfasst: Sonntag 28. Dezember 2008, 22:32 
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Emsige Missionarin für Jane Austen
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Udo hat geschrieben:
Dass sie aus lauter Neugier bleibt, kann ich schon verstehen: Lizzy kann sie ja später immer noch fragen, hier hat sie die Chance auf das einmalige Schauspiel, wie Mrs. Bennet Mr. Collins die Abfuhr beizubringen versucht, bzw. auf Collins Reaktion darauf. Da kann sie auch gleich die allgemeine Lage peilen...

Meinst Du, Charlotte bleibt hier aus allgemeiner Neugier im Raum? Oder
Spoiler: anzeigen
doch vielleicht bereits aus dem Grund, weil sie beabsichtigt, sich Mr. Collins zu "sichern"? Ich könnte mir vorstellen, dass ihr hier der Gedanke zum ersten Mal in den Sinn kommt und sie Mr. Collins deshalb etwas näher in Augenschein nehmen möchte.

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BeitragVerfasst: Montag 29. Dezember 2008, 00:40 
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Begeistertes Missionierungsopfer
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Da geh ich doch schon mal zu

Kapitel 21

Mr Collins denkt nicht daran, eher abzureisen, auch wenn er schnöde zurückgewiesen wurde. Die Bennet Sisters erfahren erfahren von Wickham , warum er nicht auf dem Netherfield-Ball war. :niwi:
Jane ist deprimiert , weil Miss Bingley ihr in einem Brief mitgeteilt hat, dass die Bingley- Sippschaft *to town* ist.



Charlotte Lucas ist ganz einfach berechnend! Im wahrsten Sinne des Wortes! :wink:
Miss Lucas, whose civility in listening to him, was a seasonable relief to them all, and especially to her friend.
So schleicht sie sich in die Gunst von Mr Collins ein!! So aufopfernd, so ganz Lizzie zuliebe! :D

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BeitragVerfasst: Montag 29. Dezember 2008, 23:49 
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Grundsätzlich würde ich vermuten, dass Charlotte das Thema So-langsam-muss-ich-mal-heiraten-ich-werde-nicht-jünger-und-muss-sehen,-dass-ich-versorgt-bin sehr präsent ist. Das hat sie ja im Gespräch mit Elizabeth auch schon sehr deutlich gemacht in einem der früheren Kapitel. Deshalb wird sie einen ledigen Mann wie Mr. Collins, der über ausreichend Einkommen verfügt, sicher verschärft in Augenschein genommen haben. Wenn ich Caro an anderer Stelle richtig verstanden habe, haben das praktisch alle heiratsfähigen Frauen damals so gemacht (sonst hatten sie ja offenbar auch nicht viel zu tun ;D ). Dass sie berechnend ist, möchte ich eigentlich nicht sagen. Aber sie sieht sehr klar, dass sich hier für sie eine Gelegenheit auftut, die es zu nutzen gilt. Im Film ist das ja sehr deutlich umgesetzt. Ich könnte mir denken, dass JA das auch so eingefädelt hat. Eigentlich macht ja nur deshalb Charlottes plötzlicher Auftritt in dieser Szene Sinn.

Elizabeth ist ja übrigens immer noch total hin von dem süßen Wickham. Jetzt fühlt sie sich nicht nur von Wickhams Aufmerksamkeiten geschmeichelt, sondern will ihn schon ihren Eltern vorstellen. Ist das nicht so ähnlich, als ob sie den zukünftigen Schwiegersohn präsentieren will?


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BeitragVerfasst: Dienstag 30. Dezember 2008, 01:10 
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Begeistertes Missionierungsopfer
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Ja, leider ist Lizzie da völlig verblendet. ;( Die first impressions haben mächtig Eindruck hinterlasssen.

Berechnend - nun, Charlotte rechnet sich genau aus, was sie an Mr Collins haben könnte, wie sonst ihr Schicksal wohl verliefe - insofern ist das Wort nicht negativ gemeint. :wink:

Offtopic
Ich werd ab Mittwoch für ca. 4 Wochen nicht mitreden können, Providerwechsel, Urlaub etc. Aber ich freu mich darauf, später alles nachlesen zu können - und P&P ist ja noch lang!

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BeitragVerfasst: Dienstag 30. Dezember 2008, 12:20 
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:offtopic: @Miranda: Dann wünsche ich Dir schon mal einen guten Rutsch! Und wenig Ärger mit dem neuen Provider - das gibt ja fast immer Stress....


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BeitragVerfasst: Dienstag 30. Dezember 2008, 22:05 
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Zicken-Alarm bei JA! Dieser Brief! Caroline ist doch ein wunderbares Biest, findet ihr nicht? Lucy Steele lässt grüßen...
Der Brief ist ja ein wenig dick aufgetragen, aber JA schafft es, damit Caroline sehr schön zu charakterisieren. Erst schmiert sie Jane viel Honig um den Mund, dann sticht sie zu: Bingley soll Georgiana heiraten - und Caroline verpackt es wie ein intimes Geständnis an eine Freundin. Und dann: "Wo alle Umstände eine Verbindung begünstigen und keiner sie erschwert - hoffe ich da, liebste Jane, nicht zu Recht auf ein Ereignis, das das Glück so vieler besiegeln würde?"
Kein Wunder, dass Jane am Boden ist. Dafür funktioniert Lizzys Urteilsvermögen mal wieder ganz gut. Jedenfalls was ihre Einschätzung von Caroline angeht. Bei Bingley liegt sie leicht daneben: Erstaunlich, dass sie ihm soviel Selbständigkeit zutraut - bei ihrem Besuch in Netherfield hatte ich den Eindruck, dass sie schon erkennt, dass Bingley einigermaßen unter dem Einfluss seiner Schwestern und Darcys steht. Sein ganzes Verhalten schien das doch zu belegen.
Goldig dagegen Jane: "Caroline ist unfähig, jemanden willentlich zu täuschen..." Dieser kleine Dialog zwischen den Schwestern verrät auch wieder viel über ihre Wesensart.


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BeitragVerfasst: Samstag 3. Januar 2009, 01:37 
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Emsige Missionarin für Jane Austen
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Miranda hat geschrieben:
Miss Lucas, whose civility in listening to him, was a seasonable relief to them all, and especially to her friend.
So schleicht sie sich in die Gunst von Mr Collins ein!! So aufopfernd, so ganz Lizzie zuliebe! :D
Eine gewisse Berechnung kann man Charlotte wahrlich nicht absprechen. Dennoch finde ich sie nach wie vor sympathisch.

Ja, Udo, Carolines Brief entwirft ein treffendes Bild von ihr. Und Jane auch noch zahlreiche Verehrer zu wünschen, setzt dem Ganzen die Krone auf. :beleidigt:
Was mich mal wieder stört (und ja, ich weiß: ich darf es nicht aus heutiger Sicht sehen): Caroline schreibt davon, dass Bingley Miss Darcy anbete. Ob im umgekehrten Fall auch Sympathie vorhanden ist, scheint wie so oft nicht von Bedeutung und keinesfalls ein Grund gegen eine Eheschließung zu sein. Da tröstet es mich doch, dass die folgsame Jane nur aus Liebe heiraten möchte.

Wir erfahren, dass Lizzy ob ihres abgelehnten Heiratsantrages immerhin Gewissensbisse hat. :ja: Das ist ja schon mal was. Und was offenbart uns Mr. Wickham da als Grund für sein Fernbleiben vom Netherfield Ball? "Szenen hätten sich abspielen können, die nicht nur für mich unangenehm gewesen wären." Wenn Wickhams Version stimmte, was könnte dann für Mr. Darcy unangenehm sein, wäre Wickham auf dem Ball erschienen? Okay, wenn die Angelegenheit den Ballgästen zu Ohren gekommen wäre, hätte das für Darcy unangenehm werden können. Doch nur, weil Wickham doch zum Ball erschienen wäre, hätte er ja noch lange nichts von den Unstimmigkeiten zwischen ihm und Darcy erzählt. Was also hätte – aus Wickhams Perspektive – für Darcy unangenehm werden können?

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BeitragVerfasst: Samstag 3. Januar 2009, 12:09 
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Amadea hat geschrieben:
Was mich mal wieder stört (und ja, ich weiß: ich darf es nicht aus heutiger Sicht sehen): Caroline schreibt davon, dass Bingley Miss Darcy anbete. Ob im umgekehrten Fall auch Sympathie vorhanden ist, scheint wie so oft nicht von Bedeutung und keinesfalls ein Grund gegen eine Eheschließung zu sein.


Da fällt mir die Denke von Mrs. Bennet ein: Wenn eine Frau die Gelegenheit hat, einen so reichen (und in diesem Fall auch noch ansehnlichen) Mann zu heiraten, wäre sie doch unendlich dumm, es nicht zu tun. Das scheint eine sehr verbreitete Einstellung gewesen zu sein. Caroline schreibt aber ja auch, dass Bingley in der Lage sei, die Gunst praktisch jeder Dame gewinnen zu können - damit schließt sie immerhin die sicher wünschenswerte Möglichkeit ein, dass sich Georgiana in ihn verlieben könnte.


Was Wickham betrifft: Ich halte den Satz schlicht für eine platte Ausrede. Das ist so wie der kleine Mann, der die Faust reckt und ruft: Wartet nur, wenn ich mal richtig loslege.... Wickham weiß ja, dass eigentlich nur er verlieren kann. Sinn macht Wickhams Satz glaube ich nur, wenn man unterstellt, dass es bei einer Begegnung der beiden zwangsläufig zu Unfreundlichkeiten gekommen wäre. Und tatsächlich dürfte es Darcy sehr, sehr schwer fallen, Wickham gegenüber die höflichen Umgangsformen zu wahren. Dann kann man sich einen Wortwechsel vorstellen, der - wie Du ja auch schreibst - in der Öffentlichkeit peinlich sein könnte. Dass die Unstimmigkeiten direkt zu Wort gekommen wären, kann ich mir wg. Darcy dagegen kaum vorstellen. Ich vermute eher, dass Darcy Wickham komplett aus dem Weg gegangen wäre, ihn also mit kühler Miss- und Verachtung bedacht hätte. Deshalb kann in Wahrheit nichts für ihn unangenehm sein außer Wickhams Anblick ertragen zu müssen. Also: Wickham brüllt wie ein zahnloser Tiger.


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BeitragVerfasst: Sonntag 4. Januar 2009, 18:02 
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Emsige Missionarin für Jane Austen
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Udo hat geschrieben:
Amadea hat geschrieben:
...Caroline schreibt davon, dass Bingley Miss Darcy anbete. Ob im umgekehrten Fall auch Sympathie vorhanden ist, scheint wie so oft nicht von Bedeutung und keinesfalls ein Grund gegen eine Eheschließung zu sein.

Da fällt mir die Denke von Mrs. Bennet ein: Wenn eine Frau die Gelegenheit hat, einen so reichen (und in diesem Fall auch noch ansehnlichen) Mann zu heiraten, wäre sie doch unendlich dumm, es nicht zu tun.
Okay, aber Miss Darcy ist doch vermögend genug, um gar nicht heiraten zu müssen, sollte sie keine Sympathie empfinden.

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BeitragVerfasst: Sonntag 4. Januar 2009, 18:15 
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Das stimmt, da hast Du recht. Irgendwo war doch die Rede davon, oder ist es noch, dass sie so um die 30 000 Pfund hat, oder? Damit ist Georgiana eher in der Situation von Emma. Dann bleibt nur, dass Bingleys Charme unwiderstehlich ist....


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BeitragVerfasst: Sonntag 4. Januar 2009, 18:23 
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22. Kapitel
Bei einem Dinner in Lucas Lodge widmet sich Charlotte Lucas erneut Mr. Collins' Redeschwall und beabsichtigt, ihn für sich zu gewinnen. Bereits früh am nächsten Morgen stiehlt sich Mr. Collins klammheimlich aus dem Longbourn-Haus, um Charlotte Lucas einen Heiratsantrag zu machen, den diese ohne Zögern annimmt.
Elizabeth ist entsetzt über Charlottes Entscheidung, Mr. Collins zu ehelichen. Sie hätte es nicht für möglich gehalten, dass ihre Freundin sich für materielle Vorteile so erniedrigen würde.


Charlotte hat ihren Plan, verheiratet zu sein, also bald erreicht. Sie ist zielstrebig vorgegangen und ist sich im Vorfeld sehr wohl bewusst, was sie in einer Ehe mit Mr. Collins erwarten wird. Deshalb bin ich überzeugt, dass sie zufrieden und - innerhalb ihrer Erwartungen - glücklich sein wird, auch wenn ihre Freundin Elizabeth sich das momentan ganz und gar nicht vorstellen kann. Lizzy scheint ihre Freundin sowieso nicht besonders gut zu kennen. Dabei hatte Charlotte ihre Sichtweise auf die Ehe doch schon in Kapitel 6 deutlich zum Ausdruck gebracht: "Glück in der Ehe ist ganz und gar Zufall. Selbst wenn sich die Parteien vorher noch so gut kennen oder sich noch so ähnlich sind, zu ihrem Glück trägt das nicht im geringsten bei." (Kapitel 6)
Wieso also ist Elizabeth derart überrascht über Charlottes Entschluss, Mr. Collins zu heiraten?

Sieh an, nicht nur Charlotte, sondern auch deren Mutter ist berechnend: "Lady Lucas begann sofort zu berechnen - ... – wie lange Mr. Bennet wohl noch zu leben hatte..." Liegt Kalkül also womöglich in der Familie? :lach:

Und wie nobel von einem Mann der Kirche, seine Cousine, die ihm ein paar Tage zuvor einen Korb gab, trotzdem nicht von seinen guten Wünschen auszuschließen. :rolleyes: ("Meinen hübschen Cousinen darf ich nun ... Glück und Gesundheit wünschen, und ich schließe dabei nicht einmal meine Cousine Elizabeth aus." / "...wishing them health and happiness, not excepting my cousin Elizabeth.") Oder ist nicht doch Grawes Formulierung "nicht einmal" im Hinblick aufs Original zu wertend formuliert? Ich finde, diese zwei Worte machen viel aus.

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BeitragVerfasst: Montag 5. Januar 2009, 00:06 
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Noch eine Kleinigkeit zum vorigen Kapitel: Im Brief von Caroline wird Weihnachten erwähnt - dabei ist mir wieder mal aufgefallen, dass in JAs Büchern nie Feste gefeiert werden, oder? Kein Weihnachten, kein Ostern, keine Geburtstage, nix. Sie werden nicht mal besonders erwähnt, jedenfalls fällt mir gerade kein Beispiel ein.

Amadea hat geschrieben:
Charlotte hat ihren Plan, verheiratet zu sein, also bald erreicht. Sie ist zielstrebig vorgegangen und ist sich im Vorfeld sehr wohl bewusst, was sie in einer Ehe mit Mr. Collins erwarten wird. Deshalb bin ich überzeugt, dass sie zufrieden und - innerhalb ihrer Erwartungen - glücklich sein wird, auch wenn ihre Freundin Elizabeth sich das momentan ganz und gar nicht vorstellen kann.


Die Frage, ob Charlotte "berechnend" ist, wird hier von JA ja recht klar beantwortet - das hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm... Nachdem sie erfährt, dass Elizabeth aus dem Spiel ist, ist sie also offensichtlich sehr planvoll vorgegangen. Aber wie stellt JA das denn dar? Ist Charlotte ein Beispiel für so viele Frauen, denen nichts anderes übrig blieb, als sich einen Mann zu suchen, der sie versorgt? Eigentlich müsste JA das doch kritisch sehen - oder war sie beim Schreiben von P&P noch zu jung dafür? Oder macht sie sich eher etwas lustig über Charlottes Verhalten? Im 6. Kapitel schien mir, dass JA Charlottes Haltung mindestens neutral, eher noch mit einigem Verständnis darstellt. Wie kommt Charlotte hier für Euch rüber?

Ob sie mit Mr. Collins glücklich wird, weiß ich nicht. Ich hätte da ja allergrößte Zweifel. Vielleicht erfahren wir darüber später ja noch was?

Amadea hat geschrieben:
Und wie nobel von einem Mann der Kirche, seine Cousine, die ihm ein paar Tage zuvor einen Korb gab, trotzdem nicht von seinen guten Wünschen auszuschließen. :rolleyes: ("Meinen hübschen Cousinen darf ich nun ... Glück und Gesundheit wünschen, und ich schließe dabei nicht einmal meine Cousine Elizabeth aus." / "...wishing them health and happiness, not excepting my cousin Elizabeth.") Oder ist nicht doch Grawes Formulierung "nicht einmal" im Hinblick aufs Original zu wertend formuliert? Ich finde, diese zwei Worte machen viel aus.


In meiner Übersetzung von Andrea Ott steht nur ganz neutral "... meine Cousine Elizabeth nicht ausgenommen." Ich denke, Grawe schießt über das Ziel hinaus - obwohl dieses "nicht einmal" in Mr. Collins Gedanken durchaus mitschwingen dürfte.


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BeitragVerfasst: Mittwoch 7. Januar 2009, 00:47 
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Irgendwie macht es mich nervös, wenn der Groupread bei den aktiven Themen so weit runter rutscht... ;D

Miranda hat geschrieben:
Was mir noch aufgefallen ist - Miss Bingley nennt Lizzie stets Eliza - tut das noch jemand außer ihr? :)


Charlotte macht das auch hier im 22. Kapitel. Sie darf das aber auch, weil sie ja ne enge Freundin ist.


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BeitragVerfasst: Mittwoch 7. Januar 2009, 09:14 
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Udo hat geschrieben:
Noch eine Kleinigkeit zum vorigen Kapitel: Im Brief von Caroline wird Weihnachten erwähnt - dabei ist mir wieder mal aufgefallen, dass in JAs Büchern nie Feste gefeiert werden, oder? Kein Weihnachten, kein Ostern, keine Geburtstage, nix. Sie werden nicht mal besonders erwähnt, jedenfalls fällt mir gerade kein Beispiel ein.


Weihnachten spielt zumindest in "Emma" eine größere Rolle. (Der Eklat in der Kutsche nach dem Weihnachtsdinner bei den Westons.) Und wird auch in "Mansfield Park" und "Persuasion" mehr als nur erwaehnt. Aber die Abwesenheit von Geburtstagen ist mir auch schon aufgefallen. Ich vermute, die hatten damals einfach nicht die Wichtigkeit, die sie heute haben. In JAs Briefen werden sie auch wenn überhaupt nur beiläufig erwähnt und nicht in Verbindung mit größeren Festen o.ä.


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BeitragVerfasst: Mittwoch 7. Januar 2009, 09:51 
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Amadea hat geschrieben:
Wieso also ist Elizabeth derart überrascht über Charlottes Entschluss, Mr. Collins zu heiraten?

Weil Charlotte klug ist und Collins eine lachhafte Figur. Lizzy "verurteilt" Charlotte nicht wegen einer Zweckehe, sondern ist schlichtweg entsetzt und enttäuscht über ihre Wahl. Charlotte ist immerhin ihre Freundin. Man kann vermuten, sie würde Collins ihrer schlimmsten Feindin nicht wünschen, weshalb also ihrer Freundin? :D :wink:

Charlotte sagt ja"wage es nicht mich zu verurteilen...", oder so ähnlich. Charlotte weiss also vor dem Gespräch schon, wie Lizzy reagieren wird.

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BeitragVerfasst: Mittwoch 7. Januar 2009, 15:56 
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Nachtrag zu den Diskussionen um Charlottes Rolle (Berechnung, ja oder nein) und das Für und Wider von Zweckehen:

Für mich stellte sich die Frage gar nicht, ob Charlotte berechnend ist. Aber vielleicht definiere ich Berechnung anders. Berechnung wäre es in meinen Augen, hätte Charlotte Lizzy den Pfaffen weggeschnappt. Und das hat sie nicht. Lizzy hat ihn ja zuvor abgelehnt.
Spoiler: anzeigen
Dem entgegen finde ich Lydia weitaus berechnender, die sich ja einbildet sie habe Wickham ihren Schwestern, respektive Lizzy weggeschnappt.


Ich denke, wir reden bzw. echauffieren uns leicht über die damaligen Zweckehen, weil wir unser Leben im Gesamten selbst in der Hand haben, gekrönt von dem Ausspruch "mein Bauch gehört mir", womit wir uns das Recht nehmen über ungeborenes Leben zu entscheiden. Damit will ich jetzt weiss Gott keine Diskussion vom Stapel lassen, sondern nur den Unterschied zu der Emanzipation und/oder Angepasstheit bestimmter Damen heute und damals zum Ausdruck bringen. Und die Frage: Was gehörte damals zum Bild einer emanzipierten Frau? Ich meine nicht mit unseren Augen gesehen, sondern mit denen Jane Austens oder Cassandras.

Kann man Charlottes Entscheidung überhaupt guten Gewissens mit Lizzys vergleichen?
Dazu muss man eben die damaligen Verhältnisse in Augenschein nehmen. Charlotte galt im Gegensatz zu Lizzy bereits als alte Jungfer, quasi als Ladenhüter, zumindest empfand sie sich so. Sie falle ihren Eltern zur Last, sagte sie. Zudem hatten die Lucasschen einen sogenannten "Stall voller Kinder". Ich kann mir gut vorstellen, dass es in Lucas Lodge etwas beengt und laut zuging. Kann man es Charlotte also verdenken, dass sie keinen anderen Wunsch hatte, als eine eigene Familie und damit einen eigenen Hausstand zu gründen, wo sie selbst das Sagen hatte und nicht eine von vielen war, zumal es ihr auch an äusseren Reizen fehlte und sie in der Masse untergehen musste?

Ganz so dick hatten es die Lucasschen mit dem Geld wohl auch nicht, sie mussten ja mehrere (wir wissen ja leider nicht wieviele es genau waren) Ausbildungen/Ofiizierspatente etc. finanzieren und etliche Mitgiften. Da war für das einzelne Kind wohl nicht so viel übrig.

Charlotte bietet sich also die Chance den Mann zu greifen, den ihre Freundin abgelehnt hat, der ihr die Erfüllung ihrer Wünsche verspricht und Sicherheit bietet. Sie ist realistisch bei der Antwort auf die Frage, Wer sich wohl in sie verlieben würde, vermutlich hat sie da schon gewisse Erfahrungen gemacht. Man kann davon ausgehen, dass sie noch keinen einzigen Heiratsantrag erhalten hat, denn sonst hätte sie selbst zugegriffen oder ihre Eltern hätten sie dazu verpflichtet.
Mich wundert hier eher, dass Collins auf Charlotte umschwenkte, ausser er wäre auch nicht ganz so dumm/lachhaft, wie er daherkommt. Na ja, aber jeder hat einmal einen Geistesblitz bzw. eine Sternstunde. ;D

Mr. Collins Bemerkung "Lizzy solle die Chance lieber ergreifen, es würde sich ihr wohl keine zweite bieten" mag man zwar seinem verletzten Stolz zuschreiben, sie entbehrt aber nicht einer gewissen Grundlage. Natürlich halten wir es mit Lizzy, aber bei Licht betrachtet bietet sie nicht wirklich eine gute Partie. Weder finanziell noch familiär. Das ist eine Tatsache. Im Grunde bleibt ihr jetzt nur noch eine Liebesheirat, und ob es so weit kommt? Aber auch wenn sich ein Gentleman in sie verliebte, wäre es fraglich, ob SEINE Eltern die Zustimmung gäben bzw. Er sich gegen den Willen seiner Familie durchsetzte. Colonel Brandon zum Beispiel ist es bei Eliza nicht gelungen. Zu diesem Zeitpunkt sollten wir ja noch nicht wissen, wie sich bei den Bennets, Bingleys und Darcys alles entwickelt ... :D
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Jane Austen macht es den beiden hier einfach, indem sie Darcys Eltern sterben lässt. Leider muss ich sagen, denn ich hätte es spannend gefunden, ob und wie Darcy sich durchgesetzt hätte. Wäre Lizzy überhaupt noch in Frage gekommen? Hätte er sich überhaupt in sie verliebt und sich durchgerungen, wohl wissen, dass die Familie nicht einverstanden wäre?


Jane Austen selbst äussert sich nicht wirklich gegen die Zweckehe, sofern sie den Wünschen der Frau entspricht. Ich denke darum geht es, um die Entscheidungsfreiheit. Man muss nicht aus Liebe heiraten, wenn die eigene Lebenssituation andere Prioritäten setzt. Man kann natürlich Gouvernante werden oder sich von Geschwistern auf den Füssen und der Seele herumtrampeln lassen, wenn man keinen geeigneten Mann findet, aber ist das wirklich in jedem Fall und im allgemeinen einer Ehe vorzuziehen, in der man vom Gatten zumindest mit einem gewissen Respekt behandelt wird und in sicheren Verhältnissen lebt?
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Lydia heiratet aus Liebe, zumindest glaubt sie das, doch ihr geht es schlechter als Charlotte, weil sie schlechter gewählt hat. Liebe hin oder her.

Auch bei Robert Ferrars darf man die Frage stellen, ob er die ursprüngliche Heirat aus Liebe nicht bald bereut hat. :gruebel:

Charlotte ist sehr klug, wenn sie sagt, dass Liebe oder das angebliche Wissen um den Charakter des Anderen noch lange keine glückliche Ehe garantiert. Zumal man sich zwar einbilden kann, sein Gegenüber gut zu kennen und völlig zu durchschauen, sich aber nie 100%-ig sicher sein kann. Ist man glücklich, wenn man liebt, aber hungern muss? Wenn man fliehen muss, weil man die Rechnungen nicht begleichen kann? Gut, es gibt Menschen, denen das egal ist, die das Leben nehmen wie es kommt, die auch mit immensen Schulden gut schlafen können und immer irgendwie wieder auf die Füsse Kommen, aber die sind wohl in der Minderheit. D

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BeitragVerfasst: Mittwoch 7. Januar 2009, 21:14 
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Julia hat geschrieben:
Weihnachten spielt zumindest in "Emma" eine größere Rolle. (Der Eklat in der Kutsche nach dem Weihnachtsdinner bei den Westons.) Und wird auch in "Mansfield Park" und "Persuasion" mehr als nur erwaehnt.


Du hast recht! An die Szene in Emma erinnere ich mich jetzt auch wieder. An die Stellen in Mansfield Park und Persuasion ehrlich gesagt nicht... Dass mit den Geburtstagen ist interessant. Irgendwie dachte ich, die seien schon immer mehr oder weniger groß gefeiert worden.

Caro hat geschrieben:
Charlotte sagt ja"wage es nicht mich zu verurteilen...", oder so ähnlich. Charlotte weiss also vor dem Gespräch schon, wie Lizzy reagieren wird.


Schön, dass Du schon wieder da bist, Caro!
Die Stelle stammt soweit ich mich erinnere aus der 05er-Verfilmung. Ist ein wenig zugespitzt, aber tatsächlich geht es Charlotte ja darum, ihre Entscheidung zu verteidigen, also zu verhindern, dass Lizzy sie verurteilt.


Caro hat geschrieben:
Kann man Charlottes Entscheidung überhaupt guten Gewissens mit Lizzys vergleichen?
Dazu muss man eben die damaligen Verhältnisse in Augenschein nehmen. Charlotte galt im Gegensatz zu Lizzy bereits als alte Jungfer, quasi als Ladenhüter, zumindest empfand sie sich so. Sie falle ihren Eltern zur Last, sagte sie. Zudem hatten die Lucasschen einen sogenannten "Stall voller Kinder". Ich kann mir gut vorstellen, dass es in Lucas Lodge etwas beengt und laut zuging. Kann man es Charlotte also verdenken, dass sie keinen anderen Wunsch hatte, als eine eigene Familie und damit einen eigenen Hausstand zu gründen, wo sie selbst das Sagen hatte und nicht eine von vielen war, zumal es ihr auch an äusseren Reizen fehlte und sie in der Masse untergehen musste?


Die größten Unterschiede sind sicher das Alter und das Aussehen. Ansonsten waren die Bennets ja auch nicht reich, sie hatten auch einen Stall voller Kinder, und zumindest laut wird es auch gewesen sein (ob eng, weiß ich nicht). Du schreibst ja selbst, dass Mr. Collins nicht ganz unrecht mit seiner Vermutung hatte, dass Lizzy nicht auf einen zweiten Heiratsantrag hoffen darf. Eigentlich müsste sie also auch ihre Chance ergreifen - und Mrs. Bennet sieht das ja auch ganz genau so. Dass sie es nicht tut, kann man also ihrer Jugend (sprich hier: Unvernunft) zuschreiben. Aber weil sie dafür belohnt wird, kann man davon ausgehen, dass JA diese Entscheidung gut heißt. Mal abgesehen von der oft zitierten Briefstelle übers Heiraten ohne Liebe. Und hat nicht JA auch im "reifen" (für damalige Verhältnisse) Alter einen Heiratsantrag abgelehnt? Es ist sicher schwierig, Ereignisse aus Romanen mit Erlebnissen ihrer Autoren zu vergleichen, aber an dieser Stelle liegt das irgendwie nahe (darauf ist ja auch schon öfter hingewiesen worden).


Caro hat geschrieben:
Jane Austen selbst äussert sich nicht wirklich gegen die Zweckehe, sofern sie den Wünschen der Frau entspricht. Ich denke darum geht es, um die Entscheidungsfreiheit. Man muss nicht aus Liebe heiraten, wenn die eigene Lebenssituation andere Prioritäten setzt. Man kann natürlich Gouvernante werden oder sich von Geschwistern auf den Füssen und der Seele herumtrampeln lassen, wenn man keinen geeigneten Mann findet, aber ist das wirklich in jedem Fall und im allgemeinen einer Ehe vorzuziehen, in der man vom Gatten zumindest mit einem gewissen Respekt behandelt wird und in sicheren Verhältnissen lebt?


Ich lese da bei Dir viel Verständnis und Sympathie für Charlotte raus - und das sehe ich genauso. "Du weißt, ich bin nicht romantisch. Ich war es nie", sagt Charlotte. Sie ist realistisch und nimmt, wen sie kriegen kann. Das ist nun mal so, verurteilen muss (und kann?) man das nicht. Aber es hat in diesem Fall auch eine tragische Note. JA schreibt zwar, dass Charlotte "zufrieden" mit ihrer Entscheidung sei. Aber Charlotte ist auch vollkommen klar, auf wen sie sich da einlässt: "seine Gesllschaft war ihr lästig". Deshalb habe ich meine Zweifel, dass Mr. und Mrs. Collins sonderlich glücklich miteinander werden können. Es stimmt zwar, dass Liebe etc. keine glückliche Ehe garantieren, aber andererseits erhöht ein wenig Zuneigung die Chancen doch ungemein... Und ja, ich finde auch, dass das Glück erst komplett wird, wenn man auch genug zum Futtern hat. :wink:

Was mich immer noch irritiert, ist die Tatsache, dass die nette und realistische Charlotte ausgerechnet den Volltrottel des Buches abbekommt. Ich bin mir nicht sicher, ob man da was reininterpretieren kann oder sollte.


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BeitragVerfasst: Donnerstag 8. Januar 2009, 08:45 
Udo hat geschrieben:
JA schreibt zwar, dass Charlotte "zufrieden" mit ihrer Entscheidung sei. Aber Charlotte ist auch vollkommen klar, auf wen sie sich da einlässt: "seine Gesllschaft war ihr lästig". Deshalb habe ich meine Zweifel, dass Mr. und Mrs. Collins sonderlich glücklich miteinander werden können.
Was mich immer noch irritiert, ist die Tatsache, dass die nette und realistische Charlotte ausgerechnet den Volltrottel des Buches abbekommt. Ich bin mir nicht sicher, ob man da was reininterpretieren kann oder sollte.

Im Original steht: his society was irksome und ist in meiner Ausgabe mit "seine Gesellschaft war ermüdend" übersetzt, was aber ziemlich geschönt ist (irksome = ärgerlich, belastend, ermüdend verdrießlich). Nun, Charlotte traut es sich jedenfalls zu, Collins lenken zu können.

Ein paar Sätze über Mary sind mir aufgefallen, da in der PP05-Verfilmung spekuliert wurde, Mary würde an Collins Gefallen finden. Nachdem Collins bei seiner Abreise so bald von einer Rückkehr sprach, und noch niemand von seiner Verlobung mit Charlotte wusste, dachte Mrs. Bennet, Mary könnte vielleicht dazu bewogen werden, ihn zu akzeptieren. Sie schätzte seine Fähigkeiten viel höher als alle anderen; in seinen Betrachtungen lag eine Gültigkeit, die sie oft beeindruckte, und obwohl er keinesfalls so klug war wie sie selbst, meinte sie, wenn er durch ihr eigenes Beispiel ermuntert würde, zu lesen und sich zu bilden, mochte er ein sehr angenehmer Gefährte werden.
Übersetzung von Helga Schulz, im Winkler Verlag

Vielleicht komme ich jetzt dazu, regelmäßig mitzulesen :wink:.


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BeitragVerfasst: Donnerstag 8. Januar 2009, 10:37 
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Udo hat geschrieben:
Es stimmt zwar, dass Liebe etc. keine glückliche Ehe garantieren, aber andererseits erhöht ein wenig Zuneigung die Chancen doch ungemein... Und ja, ich finde auch, dass das Glück erst komplett wird, wenn man auch genug zum Futtern hat. :wink:

Was mich immer noch irritiert, ist die Tatsache, dass die nette und realistische Charlotte ausgerechnet den Volltrottel des Buches abbekommt. Ich bin mir nicht sicher, ob man da was reininterpretieren kann oder sollte.

Da stellt sich wieder die Frage wie "Glück" zu definieren ist. Was ist Glück?
Die Einen brauchen dazu die großen Gefühle, andere bevorzugen das sogenannte stille Glück. Muss man Schmetterlinge im Bauch haben um glücklich zu sein, wann immer man den Gatten ansieht, oder genügt der Gesang eines Vogels am Morgen, vielleicht sogar der Hausstand, den man nach eigenem Ermessen führen kann?

Ich denke, diese extreme Trotteligkeit Collins ist nur ein Mittel zum Zweck. Sie soll den Leser auf Lizzys Seite schlagen, der sonst Unverständnis für ihre Ablehnung hätte. Es war also nötig ihn sozusagen zu überzeichnen.
Dennoch zeigt das, was wir von Collins wissen nur einen Teilbereich seines Charakters. Wir wissen nicht wie er sich im privaten benimmt, in trauter Zweisamkeit, oder gar im Bett. Wir wissen nicht, ob er daheim zum Despot wird, oder zum Kätzchen, ob er seine Gattin anbeten wird, oder ihr das Leben schwer machen.
Zu Charlottes Glück oder Unglück in der Ehe werden wir ja noch einiges hören ... :wink:

Frage: Wenn ihr keine andere Wahl hättet, als euch für einen von beiden zu entscheiden, wen würdet ihr nehmen Collins oder Wickham? Robert Ferrars oder Willoughby? Ganz ehrlich, ich täte mich schwer bei diesen Paarungen das kleinere Übel auszuwählen, wobei Collins im Grunde besser abschneidet als Wickham. In Wickhams Charakter liegt (wie wir später noch lesen werden) die Fähigkeit zu Aggression, Saufgelagen etc.
Ich möchte nicht einen Gatten, da kann er noch so charmant und attraktiv sein, der besoffen ins Haus kommt und von dem ich nicht wüsste, ob er (nur) die Einrichtung demoliert, oder auch mir eins überzieht ...

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BeitragVerfasst: Donnerstag 8. Januar 2009, 22:22 
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Hazel hat geschrieben:
Ein paar Sätze über Mary sind mir aufgefallen, da in der PP05-Verfilmung spekuliert wurde, Mary würde an Collins Gefallen finden.


Die Stelle ist mir auch aufgefallen. Und dabei auch wieder die gewisse Ähnlichkeit zwischen Mary und Charlotte. Denn wenn Charlotte Mr. Collins bändigen kann, wie Caro vermutet, dann kann Mary das doch sicher auch. Beide sind klüger als Mr. Collins, beide sind offenbar nicht sehr hübsch, beide scheinen befürchten zu müssen, nicht geheiratet zu werden, und beide scheinen zumindest erträgliche Eigenschaften bei ihm zu sehen. Da Mary auch des öfteren eine leicht alberne Figur macht, wie Mr. Collins, würden die beiden doch auch zusammen passen...

Caro hat geschrieben:
Da stellt sich wieder die Frage wie "Glück" zu definieren ist. Was ist Glück? (...)
Dennoch zeigt das, was wir von Collins wissen nur einen Teilbereich seines Charakters. Wir wissen nicht wie er sich im privaten benimmt, in trauter Zweisamkeit, oder gar im Bett. Wir wissen nicht, ob er daheim zum Despot wird, oder zum Kätzchen, ob er seine Gattin anbeten wird, oder ihr das Leben schwer machen. (...)
Frage: Wenn ihr keine andere Wahl hättet, als euch für einen von beiden zu entscheiden, wen würdet ihr nehmen Collins oder Wickham? Robert Ferrars oder Willoughby? Ganz ehrlich, ich täte mich schwer bei diesen Paarungen das kleinere Übel auszuwählen, wobei Collins im Grunde besser abschneidet als Wickham.


Klar ist Glück ein subjektives Gefühl. Heutzutage ist man ja oft schon glücklich, wenn man nicht gerade unglücklich ist, obwohl das irgendwie ein wenig traurig ist. Aber Charlotte könnte man schon fragen, ob sie mit diesem Mann an ihrer Seite glücklich ist. Tatsächlich erfahren wir doch eine ganze Menge, wie er sich privat verhält: peinlich und lächerlich. Ich erinnere mich gerade an keine einzige Stelle, wo er vernünftig oder normal rüberkommt. Wenn ich mich nicht irre, dann kann man damit schon annehmen, dass er total albern ist. Ok, vielleicht ist er ein grandioser Liebhaber, aber irgendwie bin ich dagegen, das sooo viel höher zu schätzen als all die anderen geistigen Gaben, deren sich Mr. Collins nicht rühmen kann.
Collins oder Wickham? Gut, dass ich mich das nicht fragen muss... (Aber wenn doch, würde ich natürlich keinen nehmen. Wobei Collins immerhin den Vorteil hat, kein Schurke zu sein, da hast Du recht.)


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BeitragVerfasst: Freitag 9. Januar 2009, 09:45 
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Udo hat geschrieben:
Ok, vielleicht ist er ein grandioser Liebhaber, aber irgendwie bin ich dagegen, das sooo viel höher zu schätzen als all die anderen geistigen Gaben, deren sich Mr. Collins nicht rühmen kann.

So meinte ich das nicht ... :rolleyes: :D Ich meinte eher, ob er sich seiner Gattin täglich aufzwingt und sie sich ekelt. Das war früher ein großes Thema, auch wenn JA das Körperliche überhaupt ausser Acht lässt. Nein, wie er ganz privat mit Charlotte umgeht wissen wir nicht, und zu Charlottes Beurteilung ihrer Ehe später mehr ...

Noch eines ist mir aufgefallen: Ihr sprecht davon, dass Mary klüger ist als Collins. Das kann sein, muss aber nicht, denn es ist wohl ihre eigene Einschätzung. Dennoch ist es sehr auffällig und von JA auch mutig in den Raum zu stellen, dass Collins dümmer war, als die Hälfte oder ein Drittel der Meryton/Netherfield/Longbourn-Frauen. Schliesslich galten Frauen ja als so dumm, dass man sie von höherer Bildung abhalten musste. Kirchenmänner dagegen waren doch meist sogar gebildeter als der Adel. Ich frage mich ein bischen, was sie damit bezweckt, abgesehen von der Erklärung für Lizzys Ablehnung seiner Wenigkeit.

Eine andere Stelle fiel mir noch auf:
Code:
Lady Lucas began directly to calculate, with more interest than the matter had ever excited before, how many years longer Mr. Bennet was likely to live; and Sir William gave it as his decided opinion, that whenever Mr. Collins should be in possession of the Longbourn estate, it would be highly expedient that both he and his wife should make their appearance at St. James's. The whole family, in short, were properly overjoyed on the occasion. The younger girls formed hopes of COMING OUT a year or two sooner than they might otherwise have done; and the boys were relieved from their apprehension of Charlotte's dying an old maid.

Das lässt vermuten, dass Mr. Bennet zwar offiziell keinen Titel hat, wohl aber Zugang zum Hof, denn warum sonst sollten Collins und seine Gattin erst bei/nach Übernahme Longbourns bei Hofe vorsprechen? Um Sir Lucas kann es bei "he" ja nicht gehen. Erstens hat er ja Zugang zum Hof, zumindest zum Neujahrs-Empfang und die Ehe der ältetsen Tochter wäre ja sonst nicht weiter von Belang und förderlich für seine eigenen Beziehungen. Das lässt vermuten, dass Bennet selbst (oder sein Vater) ein jüngerer Sohn der Aristokratie war, was nun wieder eine bestimmte Bemerkung Lizzys beim späteren Disput mit Lady Catherine verstärken würde. :gruebel:

@Udo
Siehst du, hier steht es wie es beim debütieren sein sollte: erst die Älteste und möglichst gleich heiraten und dann kommen die Jüngeren ... ;D

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BeitragVerfasst: Freitag 9. Januar 2009, 15:27 
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Caro hat geschrieben:
Dennoch ist es sehr auffällig und von JA auch mutig in den Raum zu stellen, dass Collins dümmer war, als die Hälfte oder ein Drittel der Meryton/Netherfield/Longbourn-Frauen. Schliesslich galten Frauen ja als so dumm, dass man sie von höherer Bildung abhalten musste. Kirchenmänner dagegen waren doch meist sogar gebildeter als der Adel. Ich frage mich ein bischen, was sie damit bezweckt, abgesehen von der Erklärung für Lizzys Ablehnung seiner Wenigkeit.


War es damals schon mutig, nur zu behaupten, dass Frauen klüger sein können als Männer? Ich schätze, mehr als diese simple Aussage wollte sie damit nicht bezwecken. Tatsächlich gibt es doch in jedem ihrer Romane Frauen, die klug sind, jedenfalls klüger als viele Männer in ihrer Umgebung.


Zitat:
@Udo
Siehst du, hier steht es wie es beim debütieren sein sollte: erst die Älteste und möglichst gleich heiraten und dann kommen die Jüngeren ... ;D


Liebe Caro, das habe ich auch nie bestritten. :D Unterschiedlicher Meinung waren wir doch nur bezüglich der Frage, ob die Mädchen bei einem bestimmten Ball hier im Buch ihr Debüt hatten. Das bestreite ich immer noch. :aetsch:


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BeitragVerfasst: Freitag 9. Januar 2009, 16:33 
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Udo hat geschrieben:
War es damals schon mutig, nur zu behaupten, dass Frauen klüger sein können als Männer? Ich schätze, mehr als diese simple Aussage wollte sie damit nicht bezwecken. Tatsächlich gibt es doch in jedem ihrer Romane Frauen, die klug sind, jedenfalls klüger als viele Männer in ihrer Umgebung.

Findest Du? Es wird ja nie deutlich gesagt, dass die Frauen klüger sind als die Männer, bestenfalls wird der Eindruck erweckt, dass es so wäre. Ich kann nicht sagen, dass Elinor z.B. klüger ist als Edward, der ja auch Kirchenmann wird. Klüger in welcher Beziehung? Ich finde bei keinem Paar, dass die Frau klüger ist, als der Mann. Stärker vielleicht, selbstbewusster, aber klüger? :gruebel:
Ist Jane klüger als Bingley? Lizzy klüger als Darcy? Bennet sollte klüger sein als seine Frau, verhält sich in vielen Dingen aber auch so kurzsichtig, dass man nur von Dummheit sprechen kann.

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