Vor allem war Geld tatsächlich immens wichtig. Im übrigen sagt man ja heute noch Geld mache sexy.
Hatte man schon keinen Titel brauchte man gerade zu JAs Zeit wenigstens einen gewissen "Reichtum" um sich eine angemessene Zukunft zu sichern und nach "oben" zu heiraten. Es war ja nun auch die Zeit, wo verarmter Adel gerne eine ausgesprochen geldige Hochzeit einging, seinen Titel also verkaufte, wenn man so will, was nicht wirklich die gesamte Aristokratie mit Freuden aufnahm. Da kommt dann Lady Cs Ausspruch in P&P zur Geltung "Pemberley ... thus polluted".
Ein Gentleman durfte in dem Sinn nicht arbeiten, noch weniger eine Dame, wobei sich ein Mann immerhin als Offizier bei Marine bzw. Militär, als Kirchenmann oder im Staatsdienst betätigen konnte, selbst z.B. als Rittmeister bei Hofe, ohne seinen Status zu verlieren. Frauen hatten da kaum Möglichkeiten Geld zu verdienen und dabei den gesellschaftlichen Rang beizubehalten.
Die meisten Ehen waren ja auch Vernunftehen, oft sogar noch von den jeweiligen Elternpaaren ausgehandelt, wobei leider finanzielle und gesellschaftliche Erwägungen eine größere Rolle spielten als z.B. der Charakter, ausser es war nun ein stadtbekannter Schuldner.

Wobei wenn dessen Titel nur hoch genug und sein eigener Geldbeutel groß genug war, nahm ein Schwiegervater das vielleicht in Kauf.
Die Ironie bei Johns unverschämter Behauptung Marianne könne nun (in ihrer schlechten Verfassung) allenfalls einen Ehemann mit 600-700 Pfund ergattern, liegt für mich auch darin, dass Willoughby (der gerne seine "Armut" beklagte) selbst ja gar nicht mehr zur Verfügung hatte.
:bravo: JA wird ihn in dieser Hinsicht ja Lügen strafen ...
Was ich nicht sagen kann, ist ob tatsächlich ein schönes Mädchen, das nichts weiter hatte, als ihr Aussehen und vielleicht eine gute Erziehung tatsächlich die Möglichkeit bekam, weit über ihre Verhältnisse zu heiraten. Die Frage beschäftigt mich schon auch. Ich kann es im Zuge der Vernunftehen fast nicht glauben, vor allem weil Schönheit an sich so vergänglich ist. Ausser eine Familie hatte es bitter nötig etwas mehr Schönheits-Gene und frisches, gesundes Blut einzubringen.

Insofern kann einem Mrs. Dashwood nur sympathisch sein, die von Anfang an betont, sie suche keine guten Partien für ihre Töchter, sondern begrüsse die Wahl des Herzens. Nur leider kann sich das Herz, wie in Mariannes Fall, auch falsch entscheiden.
Ist also eine Vernunftehe besser, bei der alle Beteiligten wissen, wo sie stehen und was sie von einander zu erwarten haben, oder was sie nicht bekommen? Oder gibt man dem Herzen Vorrang, das eindeutig subjektiv entscheidet und bisweilen zur Selbsttäuschung neigt? Ist Liebe und damit die Herzenswahl automatisch ein Garant für zukünftiges Glück? Oh je, ich hätte damals keine Mutter sein wollen und das entscheiden!

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Grüsse, Caro
Avatar: Amelia Darcy (1754-1784)
Für 1 Jahr säe einen Samen, für 10 Jahre pflanze einen Baum, für 100 Jahre erziehe einen Menschen. chin. Weisheit