@Kerstin
Ich argumentierte zu der Behauptung Willoughby wäre eine gute Partie gewesen. Von Miss Greys Geld war erst einmal nicht Rede, es ging allgemein um eine Verlobte. Allerdings fragte ich mich, wie man zulassen konnte, dass eine reiche Erbin so einen Taugenichts heiratet.
Mrs. Jennings wirft ihm ja vor, dass er wegen einer reichen Braut Marianne eiskalt fallenliess und begründet es damit, dass er ja seine Pferde, sein Haus, seine Dienerschaft, also alles, was ihm lieb und teuer ist, aufgeben könnte. Marianne würde sicher warten, bis er wieder auf "trockenen Stiefeln " steht.
Willoughbys Land (nettes kleines Gut, sagt Sir John) ist allerdings verpachtet (er ist ein unabhängiger Gentleman) und bringt ihm weniger, als er ausgibt.
Er könnte es
vielleicht verkaufen, wobei wir wissen nicht ob es beliehen ist, oder andere vertragliche Klauseln bestehen, wie bei den Dashwoods; allerdings müsste er von dem Erlös die Schulden begleichen und den Rest so anlegen, dass er davon leben könnte, OHNE weitere Schulden zu machen. In seinem Fall ein Ding der Unmöglichkeit.
Wenn du ein Haus beleihst, hilft das auf Dauer nicht weiter. Du stopfst dann nur das eine Loch mit einem neuen. Hypothekenzinsen etc. muss man schliesslich auch zurückzahlen; tust du das nicht kriegt die Bank deinen Besitz, bzw. es wird Zwangsversteigert. Hypotheken auf Haus und/oder Land kriegst du nur, wenn du im Vollbesitz bist, es also beleihen darfst, und wenn dein Besitz noch unbelastet, also unbeliehen, und keine andere "Grundschuld" eingetragen ist. Keine Bank will sich mit den Besitzrechten anderer Gläubiger herumschlagen, ausser sie übernimmt gleich deren Schuldscheine oder Schuldrechte
Selbst wenn die Hypothek nicht den vollen Wert ausmacht, verlierst du am Ende den Besitz, wenn du die Hypothek nicht auslösen kannst. Manch unseriöse Bank sieht es allerdings gern ein Haus mehrfach, also bis zum Vollwert zu beleihen. Es gehört dann quasi schon der Bank bzw. dem Kreditgeber.
Bezüglich Willoughby beklagt eben auch Mrs. Jennings, dass die neue Generation Gentlemen nicht im geringste bereit wäre auf Vergnügungen und Luxus zu verzichten, selbst wenn sie den Preis dafür nicht bezahlen könnten.
Würde ihn Miss Grey nicht heiraten und bliebe er auf seinen Schulden sitzen, könnte er, ja du hast recht, z.B. nach Frankreich fliehen (was recht beliebt war) oder sich eine Kugel in den Kopf jagen, womit die gesamte Familie unten durch wäre, wie wir bei einer anderen Diskussion herausgefunden haben, weil zum einen Selbstmord und zum anderen das Nichtbegleichen der Schulden nicht ehrenhaft war. Davon mal ganz abgesehen, dass man ihn nicht in geweihter Erde bestattet hätte.
Da wäre der Schuldturm von allen Alternativen sogar noch die angenehmste gewesen, denn ohne ein gefülltes Geldsäckchen oder reiche Gönner und deren Verbindungen, wäre er auch im Ausland nicht weit gekommen. Oder sollen wir Willoughby jetzt mit irgendwelchen Lords mit Verbindungen vergleichen, die nach Frankreich oder Italien gingen, wenn die Schulden zu sehr drückten, oder die Gläubiger sie bereits angezeigt hatten?
Bei Sir Elliot habe ich es immer so verstanden, dass sie sich nicht mehr leisten konnten in dem großen Haus zu leben, den Besitz aber weder beleihen noch veräussern konnten, ausser einen einigermassen wertlosen Stück Land. Sie haben nach einem günstigeren Wohnort gesucht, wobei er anfangs auch nicht einsehen konnte oder wollte, dass er sich zukünftig einschränken musste, um eben nicht in den Sog der Schulden zu geraten.
PS: Und wovon wird er in London leben, selbst wenn er sich mit seinen 600 bis 700 Pfund auch noch ein Haus in London leisten kann? Immer vorausgesetzt, Miss Grey hätte ihn nicht genommen!
Mich wundert nur, wie es sein kann, dass die Bennets nicht einmal eine Kutsche haben, geschweige denn einen Zweitwohnsitz in London und mit den 2.000 Pfund jährlichem Ertrag doch keine vernünftige Mitgift für nur eine der Töchter zusammenkriegen ...

_________________

Grüsse, Caro
Avatar: Amelia Darcy (1754-1784)
Für 1 Jahr säe einen Samen, für 10 Jahre pflanze einen Baum, für 100 Jahre erziehe einen Menschen. chin. Weisheit