Pixie hat geschrieben:
... egal, wieviel sich Willoughby auch bei einsamen Treffen herausgenommen hat (wieviel oder überhaupt ist ja auch wieder nur eine Vermutung).
Oh ja, Mr. Willoughby ist sicher ein Gentleman wie Brandon, der nicht seine Hand nach der reifen Frucht ausstreckt, um sie zu pflücken. Warum sonst sollten die beiden wohl allein nach Allenham gefahren sein, als Mom nicht im Haus war?
Das hätte vermutlich selbst Mrs. Dashwood verboten.
Pixie hat geschrieben:
Ich denke schon, dass Marianne da anders ist, weil sie selbst auch Moralvorstellungen hat.
Ich sehe und höre hier nichts von ihren ehernen Grundsätzen, von dem Verhalten einer "Grande Dame" wie man heutzutage sagen würde. Sie stellt die Liebe, stellt vielmehr
ihre eigene Liebe über alles, und denkt ebenso wenig über ihr Verhalten nach wie Lydia, handelt auch unüberlegt, unvernünftig, in gewisser Weise sorglos.
Willoughby hatte ihr zuvor schon nicht geschrieben, was also erwartet sie sich von diesem Brief, was erwartet sie überhaupt von einem Treffen, so es jemals so weit käme?
Und Marianne ist es auch völlig egal, was ihre Familie, was das Umfeld von ihrem Treiben denkt, solange sie sich nur einbildet, W. würde umgehend in ihre Arme laufen.
Ist es ein Zeichen von Moral oder ist es ein Zeichen von Liebe, sich einem Mann aufzudrängen, der offensichtlich kein Interesse mehr zeigt? Für mich ist das schon eher krankhaft und was schlimmer ist, sie vergisst ihren Stolz. Ganz anders als z.B. Jane, die bei einem Treffen mit Tom Lefroys Tante nicht einmal nach ihm fragte, wie wir wissen, und sie begründete es damit, allein nachzufragen hätte ihren Stolz verletzt. Und ich kann sie sooo gut verstehen.

Rückblickend fällt mir zu der "Abschiedsszene" noch etwas ein, was Jane zwar andeuten, aber nicht klar schreiben konnte, um den Fortlauf der Geschichte nicht zu torpedieren, aber als Mrs. Dashwood sich über Mariannes Verzweiflung und Tränen wundert und bemerkt, es könne sich bei Ws Fortbleib doch nur um Tage handeln, erwidert Marianne "eher Wochen oder Monate". Das heisst, Willoughby hat angekündigt, dass sie sich so schnell nicht mehr sehen würden, vielleicht sogar, dass es in der Zeit auch keinen Kontakt geben würde oder dürfe. Im anderen Fall hätten sie sich ja eben mit himmlischen Liebesbriefen über die Zeit retten können.
W. hat ihr also nicht wirklich Hoffnungen gemacht, hat eben auch
nicht versucht, sie sich "warm" zu halten wie es manch Schoffel getan hätte, sondern den Kontakt konsequent und umgehend abgebrochen, als er wusste, dass es keinen gemeinsamen Weg geben würde, vermutlich
weil ihm klar war, dass Marianne sich nur unnütz Hoffnungen machen würde. Er fand es vielleicht wirklich als einzige und beste Möglichkeit es für beide "kurz und schmerzlos" zu machen.

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Grüsse, Caro
Avatar: Amelia Darcy (1754-1784)
Für 1 Jahr säe einen Samen, für 10 Jahre pflanze einen Baum, für 100 Jahre erziehe einen Menschen. chin. Weisheit