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BeitragVerfasst: Mittwoch 26. März 2008, 21:09 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Na gut, dann mach ich mal ...

Kapitel 23 und 24

(sie gehören ja irgendwie sowieso zusammen)

Elinor durchdenkt alles, was sie von Lucy gehört hat und nimmt sich vor, sie sobald wie möglich näher zu dem Thema zu befragen. Zum einen um sich ein besseres Bild von der aktuellen Lage zu machen und zum anderen um vor Lucy Stärke zu demonstrieren.
Es dauert ein par Tage bis sich eine Gelegenheit bietet, aber bei einer Abendgesellschaft in Barton ergibt sich eine Situation für ein Gespräch.
Die Unterhaltung vertieft und bestärkt nur die bisherigen Eindrücke - Lucy entpuppt sich vollends als doppelzüngiges, kalt kalkulierendes und Elinor gegenüber grausames Biest.
:wehe:


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 Betreff des Beitrags:
Verfasst: Mittwoch 26. März 2008, 21:09 


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BeitragVerfasst: Mittwoch 26. März 2008, 22:09 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Registriert: Mittwoch 19. Oktober 2005, 21:13
Beiträge: 4781
Das Gespräch zwischen Lucy und Elinor ist ja mal ein Paradebeispiel, wie man sich höflichst gegenseitig was reinwürgen kann. :wink: Manipulative Fragen, suggestive Bemerkungen, ... Als Leser ist man natürlich auf Elinors Seite aber ich finde es interessant, dass sie Lucy diesbezüglich kaum in was nachsteht. Zumindest ist es gut zu sehen, dass sie sich zu wehren weiß! Allein die Bemerkung, wie erstaunlich es wäre, das Lucy nie an Edwards Treue gezweifelt hat. ;D
Und Annes spitze Bemerkung beweist auch, dass sie weiß, was Sache ist ...

Traurig zu lesen, dass Elinor alleine am stärksten ist. Stärker zumindest, als wenn sie Marianne und ihre Mutter einweihen würde. Sie würden es nur schlimmer für sie machen. Hier leide ich besonders mit Elinor ... sie hat überhaupt keine emotionale Stütze.

In Kapitel 23 wird "Consequences" als beliebtes Spiel in Barton erwähnt. Eine interessante Wahl mal wieder, denn wenn man sich das Spielprinzip so anschaut ist es ja fast schon symbolhaft für die ganze Szenerie in S&S: jeder trägt seine "Geschichte" bei, ohne die faktischen Zusammenhänge zu kennen. Alle sind mehr oder weniger fehlgeleitet und verwirrt in ihren Annahmen und Mutmaßungen. Nur dass das Ergebnis hier nicht unbedingt lustig ist.
In "Mansfield Park" hat JA diese Symbolik auch (allerdings viel ausgefeilter) verwendet, wenn Mary, Henry, Edmund, Fanny und William Karten spielen und der Spielverlauf die tatsächlichen Konstellationen wiederspiegelt. Sehr raffiniert.

In dem letztens erwähnten Buch über die Schmuck-Symbolik in S&S steht auch was zu dem "Fillagree", an dem Elinor und Lucy basteln. Dabei werden kleine Papierstreifen auf verschiedenste Weise gerollt und geknickt und zu einem Bild oder einem Schmuckgegenstand - wie in diesem Fall ein Korb - zusammengesetzt. Ursprünglich handelte es sich hier um "Bauernkunst", ein typisches Handwerk für Bauersfrauen, die sich etwas dazuverdienen wollten. Ab dem Ende des 18. Jahrhunderts - also zur Zeit der Entstehung von S&S - wurde es in gehobeneren Kreisen als Damenhobby populär, im Dunstkreis der romantischen Mode für alles vermeintlich pastoral Unschuldige (->Cottages). Ursprünglich wurde Metall (Draht o.ä.) dafür verwendet.
Eine wahnsinnig stupide, zeitverschwenderische Tätigkeit - man kann sich ja vorstellen, wie lang so ein Papierkörbchen im Besitz der dreijährigen Miss Middleton überleben wird.

Edit:
Ein Bild von solchen Papierröllchen aus besagtem Buch:

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BeitragVerfasst: Mittwoch 26. März 2008, 22:18 
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Amüsantes Boardmitglied und Reisetrulla
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Ich fand es auch zunächst erstaunlich zu lesen, wie gut Elinor sich wehren kann. In den beiden Kapiteln zeigen sich nochmal ganz genau die unterschiedlichen Charaktere Lucys und Elinors. Und ich finde, Elinor geht eindeutig als Siegerin aus den "Duellen" hervor.
In den beiden Kapiteln ist mir auch noch einmal besonders die mangelnde Ausdrucksfähigkeit der beiden Miss Steele aufgefallen (wobei ich nur die deutsche Übersetzung von Heyne habe). Beispiele:
"Oh", rief Miss Steele und blickte vielsagend in die Runde, "Lucys Verehrer ist besimmt genauso bescheiden und wohlerzogen wie Miss Dashwood ihrer."
"Da tun sie mir unrecht", entgegnete Lucy mit großem Ernst, "ich kenne keinen, dem sein Urteil ich so schätze wie Ihrs."
Ich finde es auf der einen Seite auch traurig, dass Elinor ihren Kummer allein tragen muss. Andererseits frage ich mich, ob sie ihn teilen würde, wenn ihre Mutter oder Marianne ihr vom Charakter her ähnlicher wären. Auf jeden Fall bewundere ich ihre Haltung.

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Welch triste Epoche, in der es leichter ist, ein Atom zu zertrümmern als ein Vorurteil!
Albert Einstein


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BeitragVerfasst: Donnerstag 27. März 2008, 10:02 
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Matthews spezielle Weinlieferantin
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Dennoch frage mich mich, woher Elinor die Sicherheit nimmt, dass Edward Lucy nicht liebt, sondern sie! Ich halte das eher für Selbstschutz. Wie bereits gesagt, sie hat die beiden nie zusammen erlebt. Und aus Lucys Erzählungen, die ja die "Verdachtsmomente" bei Edward bestätigen (man denke nur an den Haarring, der nun doch nicht von Elinor ist!) zu schließen, dass Edward sie nicht liebt, finde ich beinahe überheblich. Das klingt sicher hart, aber eherlich gesagt finde ich es sehr, sehr mutig, so eine Schlussfolgerung für sich zu ziehen. Denn die nackten Fakten sprechen eine ganz andere Sprache. Bei Marianne verurteilt Elinor diese Reaktion, handelt hier aber ganz genau wie diese.

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Schritte wagen im Vertraun auf einen guten Weg, Schritte wagen im Vertraun das letztlich ER mich trägt, Schritte wagen weil im Aufbruch ich nur sehen kann, für mein Leben gibt es einen Plan.
Clemens Bittlinger


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BeitragVerfasst: Donnerstag 27. März 2008, 10:27 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Ich denke, sie schließt aus Edwards Verhalten ihr gegenüber. Sie spürt seine Zuneigung, also ist sie sich sicher, dass er keine andere ernsthaft lieben kann. Das mag in der momentanen Situation vielleicht überheblich sein, aber die späteren Ereignisse geben ihr recht.


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BeitragVerfasst: Donnerstag 27. März 2008, 10:35 
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Matthews spezielle Weinlieferantin
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Da hast du sicher Recht, Julia. Trotzdem, Edwards Verhalten bei seinem Kurzurlaub hatte Elinor teilweise sehr verletzt, geärgert und auch enttäuscht. Sie verstand ihn und sein Verhalten einfach nicht. Sein Mutlosigkeit, wie er sich von allen zurückzog. Alle schüttelten den Kopf über ihn, da sie eigentlich (glaube ich zumindest von Marianne) etwas ganz anderes, wenn nicht sogar bereits einen Antrag, von ihm erwartet hätten.
Und aus dem, was Lucy erzählt, zu schließen, dass Edward nicht sie, sondern Elinor liebt, kommt mir doch sehr, sehr mutig vor. Die Tatsachen sprechen in der Tat eine andere Sprache. Aber anscheinend sieht Elinor mit ihrem Herzen und erkennt alles klar. Das könnte natürlich auch die Absicht sein. Ein liebendes Herz vertraut bis zuletzt dem geliebten Menschen.

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BeitragVerfasst: Donnerstag 27. März 2008, 10:47 
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Begeistertes Missionierungsopfer
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Elinor hat Lucy lange beobachtet und z.B. gehört, wie sie sich äußert:

"I know nobody of whose judgment I think so highly as I do of yours; and I do really believe, that if you was to say to me, 'I advise you by all means to put an end to your engagement with Edward Ferrars, it will be more for the happiness of both of you,' I should resolve upon doing it immediately."

Ich meine, Elinor kennt Edward gut genug, um annehmen zu können, dass ihm so ein "Gerede" gehörig auf den Nerv gehen würde! :ja:
Sie erkennt, dass Lucy "falsch" ist -
Elinor blushed for the insincerity of Edward's future wife - es ist ihr richtiggehend peinlich, wie Miss Steel daherredet.
Und so kann sie sich einfach nicht vorstellen, dass Edward die Dame liebt. :nein:

Ich finde Elinor nicht überheblich. Mich wundert, dass sie Lucy nicht einfach stehen lässt. :wink:
Zumal durch die längere Gesprächspause -
Another pause, therefore, of many minutes' duration, die Situation doch noch peinlicher wird! :ja:

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BeitragVerfasst: Donnerstag 27. März 2008, 10:56 
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Matthews spezielle Weinlieferantin
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Ich meinte damit nicht ihr Verhalten, sondern ihr Denken. Sie schlussfolgert etwas nach ihrem Beobachten und Empfinden, aber ohne eigentlich etwas greifbares in Händen zu haben. Dieses Verhalten, bzw. Denken Lucy gegenüber habe ich als überheblich empfunden. Nur weil Elinor Lucy als falsch empfindet (egal ob das nun richtig oder falsch ist), heißt das doch noch lange nicht, dass Edward sie nicht liebt. Wie man an Mr. Palmer sieht und den Äußerungen von our lady JA, kommt es in der Tat öfter vor, dass Männer sich in dümmere, schöne Frauen verlieben und diese dann heiraten.

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BeitragVerfasst: Donnerstag 27. März 2008, 17:27 
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Begeistertes Missionierungsopfer
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Stimmt natürlich, Tina - soll auch heute noch vorkommen, dass sich Männer in dümmere "schöne" Frauen verlieben! :wink:

Wenn ich ehrlich bin, hat mich Elinor etwas genervt in den beiden Kapiteln!
In 23 grübelt sie lange rum, warum wohl Edward und Lucy zueinander fanden, sie ist sich eigentlich sicher, dass er sie, Elinor liebt, eben durch die gemeinsamen Gespräche in der Vergangenheit, aber sie muss dennoch in Kapitel 24 mit Lucy reden, um mehr herauszufinden. Und sie lässt sich dann ja eine Menge bieten an spitzzüngigen Bemerkungen!
Sie behält zwar die Ruhe, das ist ja auch bewundernswert - aber macht das in dem Fall noch "sense" - um mal an den Titel zu erinnern? :smilingplanet:
Ich hab das, glaube ich, schon einmal ähnlich empfunden: etwas mehr von Mariannes Art wäre hin und wieder ganz wohltuend - für Elinor! Sie muss so viel "runterschlucken" - das kann doch auf Dauer nicht gut für sie sein! :nein:

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BeitragVerfasst: Donnerstag 27. März 2008, 19:01 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Nein, ist es sicher nicht ... aber was wäre denn, wenn Elinor auch noch so "austicken" würde wie ihre Mutter und Marianne? In meinen Augen ist Elinor einfach gezwungen, so zu sein wie sie ist - nämlich die "Erwachsene" in der Familie.

Und ich finde auch, dass Elinor sich in dem Kapitel Lucy gegenüber gut behauptet. Sicher verletzten die Spitzen sie mehr als ihre Lucy, aber ich empfinde es zumindest nicht so, dass sie einfach alles "schluckt".


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BeitragVerfasst: Donnerstag 27. März 2008, 19:28 
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Begeistertes Missionierungsopfer
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Schon, Elinor gibt auch "Stiche", ich bin sicher zu ungeduldig :wink:, und ich kann Miss Lucy S. nun mal nicht ausstehen! :D

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BeitragVerfasst: Samstag 29. März 2008, 15:36 
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Emsige Missionarin für Jane Austen
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In Kapitel 23 wird so richtig deutlich, wie einsam Elinor im Grunde genommen ist. Beim Lesen dieses Kapitels wurde mir ganz trostlos zumute. ;( Zum Glück ist Elinor sehr stark, aber auch starke Menschen können sehr unglücklich sein. Dass sie trotz ihrer Gefühlslage (es ist ja gerade eine Welt für sie zusammengebrochen!) ihren Alltag so bravourös meistert, ohne sich etwas anmerken zu lassen, ist bewundernswert. So gar keinen zu haben, mit dem sie über ihre Gefühle reden kann, so völlig auf sich allein gestellt zu sein, ist ein hartes Los. Ja, ich bewundere Elinor!

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"To read ist to translate, for no two person's experiences are the same."
(W. H. Auden)

"Lesen heißt übersetzen, denn keine zwei Menschen teilen die gleichen Erfahrungen."


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BeitragVerfasst: Sonntag 30. März 2008, 01:29 
Pixie hat geschrieben:
Beispiele:
"Oh", rief Miss Steele und blickte vielsagend in die Runde, "Lucys Verehrer ist besimmt genauso bescheiden und wohlerzogen wie Miss Dashwood ihrer."

Dieser Satz und der übernächste: Lucy biß sich auf die Lippen und warf ihrer Schwester einen wütenden Blick zu. zeigen meiner Meinung nach, dass beide Miss Steele wissen, dass Edward auch Elinors Schwarm ist.


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BeitragVerfasst: Sonntag 30. März 2008, 01:39 
Julia hat geschrieben:

Eine wahnsinnig stupide, zeitverschwenderische Tätigkeit - man kann sich ja vorstellen, wie lang so ein Papierkörbchen im Besitz der dreijährigen Miss Middleton überleben wird.

Edit:
Ein Bild von solchen Papierröllchen aus besagtem Buch:

Bild

Ich halte das nicht für eine stupide, zeitverschwenderische Tätigkeit :wink: und würde das sicher auch machen, wenn meine Finger nicht so häufig mit Tippen beschäftigt wären :D. Danke für das Bild, das die Bastelei so gut veranschaulicht, Julia.


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BeitragVerfasst: Sonntag 30. März 2008, 01:50 
Tina hat geschrieben:
Sie schlussfolgert etwas nach ihrem Beobachten und Empfinden, aber ohne eigentlich etwas greifbares in Händen zu haben.

Sie schlussfolgert nicht nur nach ihrem Beobachten und Empfinden. An dieser Stelle der Geschichte ist es kein Selbstschutz mehr, denn Elinor hat sich mittlerweile Edwards Verhalten nochmal durch den Kopf gehen lassen und findet es auch durch ihre Mutter und Marianne bestätigt. (Kap. 23) Seine Zuneigung gehörte nur ihr. Darin täuschte sie sich nicht. Ihre Mutter, ihre Schwester, Fanny, alle hatten seine Neigung zu ihr in Norland wahrgenommen. Es war keine Einbildung ihrer eigenen Eitelkeit.


(Sorry wegen der drei Einzelpostings. Ich musste Schritt für Schritt vorgehen.)


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BeitragVerfasst: Sonntag 30. März 2008, 09:32 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Registriert: Mittwoch 19. Oktober 2005, 21:13
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("Zeitverschwenderisch" meinte ich mit Hinblick auf das beschenkte Kleinkind, dass das Papierkörbchen wahrscheinlich nach einem halben Tag zerknüllt in die Ecke schmeißt.)

Kapitel 25

Mrs Jennings lädt Marianne und Elinor nach London ein. Sie selbst hält sich dort einige Monate im Jahr auf und bittet die beiden, sie zu begleiten. Marianne ist begeistert, Elinor skeptisch. Nach einiger Diskussion mir Mrs Dashwood willigt sie aber ein und die beiden Mädchen nehmen die Einladung an.


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BeitragVerfasst: Sonntag 30. März 2008, 14:08 
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Emsige Missionarin für Jane Austen
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Elinor: "Mein Einwand ist folgender: Obwohl ich Mrs. Jennings für eine gute Seele halte, ist sie nicht die Frau, in deren Gesellschaft wir uns wohl fühlen werden oder deren Protektion uns größeres Ansehen gibt."
Mrs. Dashwood: "Das ist wahr, aber ihr werdet doch ohne die Gesellschaft anderer kaum mit ihr allein sein, und in Gesellschaft werdet ihr fast immer mit Lady Middleton erscheinen."
Das ist also ein Argument? Mrs. Dashwood zieht Lady Middleton einer Mrs. Jennings vor? Selbstverständlich genießt Lady Middleton mehr Ansehen als Mrs. Jennings, aber Mrs. Dashwood hätte ich es glatt zugetraut, dass sie eher nach Sympathie denn nach Ansehen entscheidet.

Marianne kann ja glatt eine kleine Opportunistin sein, wenn's darum geht, ihr Objekt der Begierde zu verfolgen. :fies_sei: Auf einmal hat sie nichts mehr einzuwenden gegen die Gesellschaft von Mrs. Jennings. Aber ich will mal nicht so hart mit ihr sein. Wenn man derart verliebt ist, ist dieses Verhalten verständlich.

Ich liebe Miss Austen's kleine, gemeine Seitenhiebe: :loldev: "...und was die Miss Steele anging, so waren sie, besonders Lucy, in ihrem ganzen Leben noch nicht so glücklich gewesen wie bei dieser Nachricht."

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BeitragVerfasst: Montag 31. März 2008, 09:15 
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Matthews spezielle Weinlieferantin
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Vielleicht befürchten die Dashwoods, dass die eher unkonventionelle Art von Mrs. Jennings, die auf dem Land vielleicht noch ganz gut durchkommen kann, in London bereits Probleme in der Gesellschaft bereiten kann. Und das dann die Gegenwart von Lady Middleton ein wesentlich günstigeres Licht auf ihre Mädchen werfen wird.
Ja, es ist wirklich ziemlich auf die Gesellschaft gezielt und nicht nach Sympathie. Und gerade Mrs. Dashwood, die selber erlebt hat, wie demütigend es sein kann, so abschätzig angesehen und behandelt zu werden, macht genau das selbe.
Aber ist das nicht auch menschlich? Im Grunde wollen wir doch alle nur aktzeptiert werden und verhalten uns in der Regel so, wie es die Gesellschaft von uns erwartet. So auch Mrs. Robert Ferrars und Lady Middleton, aber auch Mutter Dashwood.

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Clemens Bittlinger


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BeitragVerfasst: Montag 31. März 2008, 10:28 
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Ich glaube nicht, dass Mrs. Dashwood auf Mrs. Jennings herabsieht, die doch den gleichen Status hat, wie sie selbst (beide sind sie Witwe, beide haben kein eigenes Haus. Das in London zahlt wohl auch eher Middleton), mit dem Unterschied, dass sogar eine deren Töchter nun einen kleinen Titel trägt. Nein, Mrs. Dashwood weiss nur genau, wie man sich Vorteile verschafft und das kann ich ihr nicht ankreiden. Sie will einfach nur das Beste für ihre Töchter. :wink:

Ich muss sagen, dass ich mich ein wenig über die letzten posts wundere. Habt ihr nicht geschrieben, wie schrecklich ihr Mrs. Jennings findet? Nun wollt ihr Mrs. Dashwood ähnliche Gefühle anlasten und sie der Oberflächlichkeit oder sogar des Hochmuts anklagen? :/

Mrs. Dashwood ist sehr gefühlvoll und bauchgesteuert, aber nicht dumm. Natürlich kann eine Mrs. Jennings ihre Töchter nicht in die gleiche Gesellschaft einführen, wie eine Lady Middleton, die allein durch ihren Status und Titel einen anderen Umgang pflegt und eventuell mehr Einfluss auf ihre Bekannten hat.
Die Mädchen konnten ja nicht einfach zu irgendwelchen Gesellschaften gehen, sondern wurden als Gäste von Mrs. Jennings oder eben Lady Middleton eingeladen. Dadurch würden sich für Elinor und Marianne neue Bekanntschaften ergeben, und je nachdem, auf welchen Gesellschaften oder Bällen man sich befand, ergaben sich auch die Möglichkeiten einen Heiratskandidaten kennenzulernen.

Ab einem bestimmten Alter drehte sich halt alles nur noch darum, eine ansprechende und möglichst gute Partie zu machen. Im Gegenteil, ich finde Mrs. Dashwood hier sehr klarsichtig und realistisch. Natürlich hat das "nach London gehen" nicht viel mit Sympathie zu tun, sondern mit dem Wunsch den Töchtern neue Möglichkeiten zu eröffnen. Möglicherweise steckt auch der Hintergedanke dabei, es schade nicht die bestimmten Herren eifersüchtig zu machen, indem den Töchtern nun hoffentlich mehrere Herren den Hof machen ...?

Zudem scheint einfach die Möglichkeit eine Saison in London zu verbringen, Amusements wie Theater und Oper eingeschlossen, alles andere aufzuwiegen, nach dem Grundsatz "einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul". Sie selbst hätte ja nie die Möglichkeit gehabt den Mädchen eine Saison, oder auch nur ein paar Tage in London zu verschaffen (außer John hätte die Güte besessen, sie einzuladen, aber da hätte es zuvor schon Rosen regnen müssen ... :fies_sei: ).

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BeitragVerfasst: Montag 31. März 2008, 15:57 
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Zumindest hat Mrs Jennings Humor, sie kann sich über sich selbst lustig machen:
.....if they got tired of me, they might talk to one another, and laugh at my old ways behind my back.
Das macht mir die Frau sympathisch, auch wenn sie viel daherplappert. :wink:

Auch an anderer Stelle zeigt JA wieder, wie sie mit einem kleinen Satz den "Charakter" einer Person so ganz nebenbei dem Leser verdeutlicht:

Sir John was delighted; for to a man, whose prevailing anxiety was the dread of being alone, the acquisition of two, to the number of inhabitants in London, was something. :mrgreen:

@ Amadea
Genau - Marianne sieht die Chance, in London Willougby wieder zu treffen - who cares ,wer ihr dazu verhilft? :D
Marianne schwebt auf Wolken: Marianne's joy was almost a degree beyond happiness :flower:

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BeitragVerfasst: Montag 31. März 2008, 16:06 
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Matthews spezielle Weinlieferantin
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Gerade dieses Schweben habe ich beim Lesen nicht nachvollziehen können. Wieso, habe ich mich gefragt, ist sie so sicher, Willoughbhy in London zu treffen, als ob alles zwischen ihnen in bester Ordnung ist? Wo doch eigentlich klar ist, dass NICHTS zwischen ihnen geklärt ist?

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BeitragVerfasst: Montag 31. März 2008, 16:12 
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D'Arcy-Expertin mit Adelsaffinität
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Ja, genau. Tina, da sind wir tatsächlich einmal einer Meinung. :D :wink:


Miranda hat geschrieben:
@ Amadea
Genau - Marianne sieht die Chance, in London Willougby wieder zu treffen - who cares ,wer ihr dazu verhilft? :D
Marianne schwebt auf Wolken: Marianne's joy was almost a degree beyond happiness :flower:

Ja, und mit dieser Bemerkung zu Mariannes Zustand wird es gefährlich bzw. sonderbar. Wie kommt sie darauf, sie würde oder könne Willoughby treffen?
Warum schwebt sie jenseits aller Glückseligkeit?
Wie kommt sie auf die Idee, er würde sie sofort erfreut in die Arme schliessen, denn das ist ja wohl gemeint?

Geklärt ist es wohl, zwar nicht mündlich, aber sein Verhalten spricht bereits Bände. Sie haben ja nicht einmal Briefe getauscht, zumindest hat sie von W. nichts mehr gehört. Oder hab ich etwas überlesen? :gruebel:
Ich wäre an ihrer Stelle längst unglücklich, zumindest äusserst besorgt gewesen, nicht euphorisch. Na gut, ich bin ja auch nicht Marianne, aber ihre augenscheinlichen Hoffnungen bewegen sich hier bereits ausserhalb jeder Realität. :rolleyes:
Hätte ein literarisch so bewanderter Schwerenöter wie W. sie nicht mit Liebesbriefen überschüttet, wenn sie wirklich seine Herzdame gewesen wäre, schon allein, um sie sich "warm" zu halten?
Für mich sieht es eher aus wie, "aus den Augen, aus dem Sinn". :/

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Zuletzt geändert von Caro am Montag 31. März 2008, 16:26, insgesamt 2-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Montag 31. März 2008, 16:23 
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Genau so sehe ich ihr Verhalten hier ebenfalls weit jenseits der Realität. Es hat in der Tat keinen Briefwechsel zwischen den beiden seit dem Aufbruch von W. nach London gegeben.

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BeitragVerfasst: Montag 31. März 2008, 18:19 
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Caro hat geschrieben:

Ich wäre an ihrer Stelle längst unglücklich, zumindest äusserst besorgt gewesen, nicht euphorisch. :/


Unglücklich war Marianne doch sofort nach der Abreise Willoughbys!
Und nun hofft sie wieder. Die Euphorie passt doch zu ihr :wink:
Sie will unbedingt mit W. reden und hofft , dadurch alles wieder "in Ordnung" bringen zu können. Etwas anderes kommt M. gar nicht in den Sinn! :/
Ich befürchte allerdings auch - nach "himmelhochjauchzend" wird eher " zu Tode betrübt" folgen.
Denn Ihr habt ja recht, Tina und Caro - eigentlich hätte W. längst schreiben müssen!!! :ja:

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BeitragVerfasst: Montag 31. März 2008, 19:56 
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Meiner Meinung nach passt dieses Verhalten - so irrational es auch ist - doch vollkommen zu Marianne.
Sie hat Vertrauen in Willoughby, grenzenloses Vertrauen - etwas anderes ist in ihren Augen doch gar nicht verzeihlich wenn man liebt. Warum sollte sie zweifeln? Wenn schon Mrs Dashwood ohne Probleme Erklärungen findet, dann Marianne doch sicher gleich dreimal so schnell.


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BeitragVerfasst: Montag 31. März 2008, 21:01 
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Ich finde auch, dass die Euphorie gut zu Marianne passt. Und - das habe ich noch irgendwo mal gelesen und im Hinterkopf - kommt nach einer Trennung - auch wenn es für Marianne zunächst vermeintlich nur eine auf Zeit ist - zunächst Trauer (die sie ja reichlich ausgekostet hat) und danach ein "Nicht-Wahrhaben-Wollen".

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Miranda hat geschrieben:
Caro hat geschrieben:
Ich wäre an ihrer Stelle längst unglücklich, zumindest äusserst besorgt gewesen, nicht euphorisch. :/

Unglücklich war Marianne doch sofort nach der Abreise Willoughbys!
Und nun hofft sie wieder. Die Euphorie passt doch zu ihr :wink:

Sagen wir so, ich hätte eher eine Steigerung ihres Unglücks vermutet. Erst ist sie nur betrübt, weil sie glaubt, ohne ihn keine Sekunde leben zu können, wie man es bisweilen tut, wenn man so sehr mit dem Herzen aufgeht, aber in dieser ersten Zeit hätte sie sich tatsächlich noch Hoffnungen machen können ...

Nun gut, wenn man es rein charakterlich betrachtet, passt es doch, weil Marianne ständig die "falschen" Zustände hat. :D W. verreist und sie ist verzweifelt, W. schreibt nicht und sie macht sich Hoffnungen, dass alles gut wird, nur weil sie nach London reist. Ja doch, das ist typisch Mariannes Logik. :cool: :lach:

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Matthews spezielle Weinlieferantin
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Registriert: Donnerstag 29. Juni 2006, 19:47
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Wenn man es so sieht, hast du natürlich Recht, :lach:

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Schritte wagen im Vertraun auf einen guten Weg, Schritte wagen im Vertraun das letztlich ER mich trägt, Schritte wagen weil im Aufbruch ich nur sehen kann, für mein Leben gibt es einen Plan.
Clemens Bittlinger


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BeitragVerfasst: Dienstag 1. April 2008, 12:07 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Registriert: Mittwoch 19. Oktober 2005, 21:13
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Caro hat geschrieben:
Nun gut, wenn man es rein charakterlich betrachtet, passt es doch, weil Marianne ständig die "falschen" Zustände hat. :D


Was anderes macht meiner Meinung nach hier auch wenig Sinn ... wenn man danach geht, was "richtig" wäre, dann würde man doch nur den Kopf schütteln über Marianne, Emma, Fanny, Lizzy, Catherine, usw. :wink:
Die Charaktere in einem Buch, speziell bei Austen sind ja nicht unbedingt als Vorbild oder Maßstab gedacht sondern als Abbild verschiedener Persönlichkeiten, die eben auch dementsprechend reagieren und handeln.

(Sorry fürs :schlaumeier: )


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BeitragVerfasst: Dienstag 1. April 2008, 13:40 
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D'Arcy-Expertin mit Adelsaffinität
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Registriert: Mittwoch 28. Juni 2006, 12:57
Beiträge: 6713
Wohnort: Bayern
Na ja, in dieser Hinsicht ist Marianne für mich schon sehr speziell.
Zu ihr finde ich bis jetzt nicht wirklich Zugang, kann mich in sie und ihre Gefühlswelt nicht wirklich einfühlen, weil sie in meinen Augen ihr Gehirn völlig ausschaltet und das ist etwas, womit ich auch im Alltag schwer umgehen kann. Einem Mann nachzulaufen schon gar nicht. Vielleicht liegt darin der Grund, dass ich ihre Handlungen, ihre Gefühlsbasis nicht vordergründig als "Mariannes" sehen kann, sondern quasi von oben herab analysiere und bewerte.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen, dass hat nichts mit der Charakterzeichnung von Jane Austen zu tun, sondern Marianne (wie sie bis jetzt beschrieben ist) liegt mir nicht sonderlich. Da kann ich selbst für Catherine de Bourgh und Fanny Bennet, ja sogar Mrs Jennings (auch wenn ihr mich gleich wieder steinigt) mehr Verständnis aufbringen, weil sie, so wie dargestellt, einfach Frauen ihrer Zeit und ihres gesellschaftlichen Ranges waren.

Sich aber wie Marianne in ihrem Glück und Unglück so sehr von einem Mann abhängig zu machen, erinnert mich eben zu sehr an manch heutige Frau, die ihre Kinder wegen einem Mann verlässt und im Stich lässt. Nach dem Motto "Hoch lebe die Liebe, ohne Rücksicht auf Verluste". Womit sie mich leider auch wieder an Amelia Darcy erinnert, denn Mad Jack, für den sie ihre kleinen Kinder verliess, war ähnlich gestrickt wie Willoughby.

Was hätte Marianne wohl gemacht, wenn ihr W., statt überstürzt nach London abzureisen, angeboten hätte mit ihr nach Gretna Green zu gehen, um Mrs. Smith vor vollendete Tatsachen zu stellen? :gruebel: Wäre sie zu diesem Zeitpunkt tatsächlich auch nur einen Pfifferling besser gewesen als Lydia? Was hätte sie gemacht, wenn ihr W. sie so hingehalten hätte, wie Wickham Lydia? Was schätzt ihr? Wäre sie nicht auch bei ihm geblieben, in der Hoffung, er würde schon irgendwann das Richtige tun?

So gesehen ist es ja noch ein Glück, dass W. sich uncharmant aus der Affäre zieht, als ihm die Lage zu brennzlig wird. :)

_________________
:blume: Grüsse, Caro

Avatar: Amelia Darcy (1754-1784)

Für 1 Jahr säe einen Samen, für 10 Jahre pflanze einen Baum, für 100 Jahre erziehe einen Menschen. chin. Weisheit


Zuletzt geändert von Caro am Dienstag 1. April 2008, 14:40, insgesamt 1-mal geändert.

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