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BeitragVerfasst: Montag 19. Mai 2008, 11:19 
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D'Arcy-Expertin mit Adelsaffinität
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Julia hat geschrieben:
Gestolpert bin ich auch über Elinors Aussage, Lucy wäre "a woman superior in person and understanding to half her sex" ... solche bitteren Worte hatte ich ihr gar nicht zugetraut.

Das empfinde ich nicht einmal als bitter, sondern zutiefst realistisch. So wie Fanny und ihre Mutter fand bestimmt die Hälfte der Damenwelt Lucy äusserst charming und liebenswert. Und sie reagiert auch sehr geschickt, weiß ihre Mitmenschen zu manipulieren und für sich zu gewinnen. Man muss ihre Kaltblütigkeit fast bewundern. :fies_sei: :wink:
Und haben wir uns nicht unablässig gewundert, wie Lucy einen intelligenten Mann wie Edward überhaupt einfangen konnte? Irgendetwas muss tatsächlich an ihr gewesen sein, dem man sich schlecht entziehen konnte, auch wenn wir, als Leser, das nicht immer nachvollziehen können. :)

Julia hat geschrieben:
Auch stolper ich hier über ein paar Details, die für mich mit Mrs Jennings' früherem Charakter nicht wirklich zusammenpassen: Die selbe Frau, die über ihre Zofe herausgefunden hat, wo Marianne und Willoughby waren, setzt sich hier aufeinmal in eine andere Ecke des Zimmers, um nicht mitzuhören, worüber Elinor und der Colonel sprechen?!

Na ja, die beiden Textstellen haben unterschiedliche Voraussetzungen. Mrs. Jennings erfährt von der Zofe, die ihrereits mit den Bediensteten von Allenham tratscht, von Willoughby und Marianne. Das war damals wohl ganz normal, zumal Mrs. Jennings ihrerseits neugierig ist und kein Blatt vor den Mund nimmt, sie liebte also auch "Personalgeschichten". :wink:
Andere offen zu belauschen, verbietet ihr nun wohl doch ihre "gute Kinderstube". Selbst eine Mrs. Jennings macht hier Unterschiede. :D

Miranda hat geschrieben:
Elinor ist wirklich zuu perfekt. :gnade:

Und Edward ist "zu gut für diese Welt". Insofern tatsächlich das perfekte Paar ... ;D

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 Betreff des Beitrags:
Verfasst: Montag 19. Mai 2008, 11:19 


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BeitragVerfasst: Montag 19. Mai 2008, 12:12 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Registriert: Mittwoch 19. Oktober 2005, 21:13
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Caro hat geschrieben:
Julia hat geschrieben:
Gestolpert bin ich auch über Elinors Aussage, Lucy wäre "a woman superior in person and understanding to half her sex" ... solche bitteren Worte hatte ich ihr gar nicht zugetraut.

Das empfinde ich nicht einmal als bitter, sondern zutiefst realistisch. So wie Fanny und ihre Mutter fand bestimmt die Hälfte der Damenwelt Lucy äusserst charming und liebenswert. (...) Irgendetwas muss tatsächlich an ihr gewesen sein, dem man sich schlecht entziehen konnte, auch wenn wir, als Leser, das nicht immer nachvollziehen können. :)


In dem von mir zitierten Satz geht es aber nicht darum, dass die "Häfte der Damenwelt" Lucys Charme erlegen ist, sondern dass sie (laut Elinor) der Hälfte der Frauen generell in Intelligenz(!) und Aussehen überlegen ist. Und dieses Frauen- bzw. Weltbild empfinde ich aus Elinors Mund schon als bitter.

Udo hat geschrieben:
Und ziemlich unmotiviert sitzt Marianne da auch noch und klimpert rum.


Mir fiel das auch auf, vorallem als Parallele zu Lucys & Elinors vertraulichem Gespräch in einem früheren Kapitel: Da bietet Marianne auch eine derartige Geräuschkulisse.
Irgendwie auch ironisch, dass Marianne, die so in der Musik aufgeht, diesbezüglich doch nur diese Funktion hat im Buch. ;D


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BeitragVerfasst: Montag 19. Mai 2008, 12:39 
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D'Arcy-Expertin mit Adelsaffinität
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Julia hat geschrieben:
In dem von mir zitierten Satz geht es aber nicht darum, dass die "Häfte der Damenwelt" Lucys Charme erlegen ist, sondern dass sie (laut Elinor) der Hälfte der Frauen generell in Intelligenz(!) und Aussehen überlegen ist. Und dieses Frauen- bzw. Weltbild empfinde ich aus Elinors Mund schon als bitter.

Ja, aber das Eine schliesst das andere nicht aus. Gerade weil Lucy so ist, hat sie bei bestimmten Leuten einen Schlag, wie man sagt. :wink: Sagt nicht Fanny zu ihr, sie könne die besten Partien erreichen, bessere als sie sich vorstellen könne? Da hat Fanny zwar nicht mit Lucys Ehrgeiz gerechnet, aber das zeigt, wie Lucy rein äusserlich von der Gesellschaft gesehen wurde.

Glaubst du Elinor schliesst sich selbst darin ein, also dass Lucy ihr überlegen ist? Das wäre dann tatsächlich die Bitterkeit, die ich für Ironie hielt. :)

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BeitragVerfasst: Montag 19. Mai 2008, 13:35 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Caro hat geschrieben:
Sagt nicht Fanny zu ihr, sie könne die besten Partien erreichen, bessere als sie sich vorstellen könne?


Ja, zumindest im Film. :wink:

Ich denke natürlich nicht, dass Elinor sich Lucy unterlegen fühlt. Vielleicht verstehst Du mich ja, wenn Du den Zusammenhang (das heißt den Satz davor und danach) im Buch auch kennst. :wink:
Mir geht es gar nicht darum, was Elinor über Lucy denkt, oder ob das berechtigt ist. Mir fiel nur der ganz schön "harte" Kommentar von Elinor (die sonst immer so ausgleichend und bedächtig ist) auf, Edward hätte doch Glück mit Lucy, denn die Hälfte der Frauen wäre noch schlimmer.


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BeitragVerfasst: Montag 19. Mai 2008, 14:25 
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Julia hat geschrieben:
Ich denke natürlich nicht, dass Elinor sich Lucy unterlegen fühlt. Vielleicht verstehst Du mich ja, wenn Du den Zusammenhang (das heißt den Satz davor und danach) im Buch auch kennst. :wink:
Mir geht es gar nicht darum, was Elinor über Lucy denkt, oder ob das berechtigt ist. Mir fiel nur der ganz schön "harte" Kommentar von Elinor (die sonst immer so ausgleichend und bedächtig ist) auf, Edward hätte doch Glück mit Lucy, denn die Hälfte der Frauen wäre noch schlimmer.


Zitat:
... Edward will marry Lucy; he will marry a woman superior in person and understanding to half her sex; and time and habit will teach him to forget that he ever thought another superior to HER."—

Ja, gerade der Zusammenhang ist es doch, wenn Elinor vermutet Zeit und Gewohnheit (und damit Lucys Art?) würden IHN auf Dauer vergessen lassen, dass er jemals auch nur einen Gedanken an eine "Bessere" hegte. Das heißt also die Zeit heilt alle Wunden. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Elinor sich Edwards Zukunft mit Lucy einfach schönredet, weil sie, wie sie zuvor sagt, ihm alles Glück der Erde für diese Verbindung wünscht.

Man mag sich im Zusammenhang schon fragen, wie realistisch diese ihre momentane Einschätzung von Lucy und Edwards Zukunft ist. Sie kann doch nicht wirklich davon überzeugt sein, oder doch? :gruebel:

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BeitragVerfasst: Dienstag 20. Mai 2008, 00:47 
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Caro hat geschrieben:
Ja, gerade der Zusammenhang ist es doch, wenn Elinor vermutet Zeit und Gewohnheit (und damit Lucys Art?) würden IHN auf Dauer vergessen lassen, dass er jemals auch nur einen Gedanken an eine "Bessere" hegte. Das heißt also die Zeit heilt alle Wunden. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Elinor sich Edwards Zukunft mit Lucy einfach schönredet, weil sie, wie sie zuvor sagt, ihm alles Glück der Erde für diese Verbindung wünscht.
Man mag sich im Zusammenhang schon fragen, wie realistisch diese ihre momentane Einschätzung von Lucy und Edwards Zukunft ist. Sie kann doch nicht wirklich davon überzeugt sein, oder doch? :gruebel:


Nein, das ist sie ganz sicher nicht. Die Einschätzung, dass Lucy und Edward jemals miteinander glücklich werden könnten, ist so total unrealistisch, dass eine Realistin wie Elinor bestimmt nie auf diese Idee kommen würde. Eben deshalb trieft der Satz vor Bitterkeit. Elinor lässt sich hier einmal von ihren (bitteren) Gefühlen treiben. Trotzdem wünscht sie ihm natürlich alles Glück auf Erden - so sind sie, die selbstlos Liebenden...


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BeitragVerfasst: Dienstag 20. Mai 2008, 09:49 
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D'Arcy-Expertin mit Adelsaffinität
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Ja, ich meinte hier auch mehr Elinors Beschreibung von Lucy. Wie Julia es nannte, er habe Glück gehabt und es schlechter treffen können ... :wink:

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BeitragVerfasst: Mittwoch 21. Mai 2008, 08:55 
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Kapitel 40 (3. Buch, Kapitel 4)

Elinor und Mrs. Jennings reden eine Weile aneinander vorbei, weil Mrs. Jennings nach wie vor glaubt, der Oberst habe Elinor einen Heiratsantrag gemacht. Edward kommt, sich zu verabschieden, Elinor teilt ihm unter vier Augen das Angebot des Obersten mit, eine Pfarrstelle in Delaford zu übernehmen. Edward erkennt, dass er dies nicht zuletzt Elinor zu verdanken hat, und tritt ab. Mrs Jennings kehrt zurück, der o.g. Irrtum wird aufgeklärt.


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BeitragVerfasst: Mittwoch 21. Mai 2008, 09:23 
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Gibt es eigentlich noch ein Buch von JA, in dem so oft Missverständnisse (dabei meine ich nicht so grundlegende Missverständnisse wie etwa den zwischen Elizabeth und Mr. Darcy) zu mehr oder weniger heiteren Situationen führen? JA hat ja in frühen Jahren einiges an Parodien u.ä. geschrieben - vielleicht tauchen hier in S&S "Reste" davon auf, weil es ein frühes Buch ist?
Jedenfalls fand ich die Szene zwischen Elinor und Mrs. Jennings ganz heiter, aber mal wieder ein klein wenig überzogen. Oder sollte ich sagen immer noch, denn eigentlich ist sie ja nur die Fortsetzung des Missverständnisses im vorangegangenen Kapitel.
(Hat JA Marianne vergessen? Der Dialog ist schon tüchtig im Gange, als plötzlich erwähnt wird, dass Marianne schon vorher das Zimmer verlassen habe....)


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BeitragVerfasst: Mittwoch 21. Mai 2008, 09:31 
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Mrs. Jennings ist mal wieder ein Paradebeispiel dafür, dass man halt nur das sieht, was man will. Der Wunsch ist hier Vater des Gedanken.

Interessanterweise geht es auch hier wieder ums Geld und die Frage, wieviel man braucht um eine Familie zu gründen. Wer liegt mit seiner Einschätzung richtiger: Colonel Brandon oder Mrs. Jennings und Elinor?

Es ist auch interessant, die unterschiedlichen Verhältnisse in den Romanen zu betrachten. Wie wir von Mrs. Jennings erfahren hat Brandon in etwa die gleichen Erträge wie Mr. Bennet, also 2.000 Pfund, und doch scheinen die Bennets "ärmer" zu sein, zumindest wird dieser Eindruck durch den "Stolz" der anderen erweckt.
Hier ist Brandon in der Einschätzung der anderen, selbst in den Augen der Ferrars, ein respektabler Gentleman, den man gern zum Freundeskreis zählen würde. Allerdings gehört zu Brandons Besitz ein Pfarrhaus. Sein Landbesitz selbst scheint also größer und wertvoller zu sein. Die Erträge an sich können sich ja aus verschiedenen Quellen (Pacht, Zinsen, spekulative Geschäfte) zusammensetzen.
Brandons Bemerkung, die Pfarre wäre gerade groß genug für einen Junggesellen, weist Mrs. Jennings entrüstet von sich. Brandon sei nun einmal einen anderen Standard gewohnt, das könne man nicht vergleichen. Wobei das nun wieder mit einem Bericht übereinstimmt, den ich gelesen habe, dass die meisten unabhängigen Gentlemen-Junggesellen zu JAs Zeit ein Einkommen von 300-400 Pfund hatten, das heisst Brandon selbst befand sich tatsächlich im höheren Rahmen.

Besonders spassig ist ihre Einschätzung bezüglich Lucy, von der sie annimmt, dass ihr 200 Pfund vollauf genügen würden. :lach: Weiß sie tatsächlich nicht, wie sehr Lucy vom Ehrgeiz zerfressen ist, oder will sie das nicht sehen? :D

Dass Elinor findet, die Pfarre müsse genügen ist ganz normal. Sie stellt keine besonderen Ansprüche an Luxus und die angenehmen Dinge des Lebens und hat ja nun notgedrungen gelernt mit "wenig" auszukommen und hauszuhalten.
:)

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Zuletzt geändert von Caro am Mittwoch 21. Mai 2008, 12:35, insgesamt 2-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Mittwoch 21. Mai 2008, 10:00 
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Caro hat geschrieben:
Wie wir von Mrs. Jennings erfahren hat Brandon in etwa die gleichen Erträge wie Mr. Bennet, also 2.000 Pfund, und doch scheinen die Bennets "ärmer" zu sein zumindest wird dieser Eindruck durch den "Stolz" der anderen erweckt.


Der wesentliche Unterschied ist hier wohl, dass Mr Bennet eine Frau und fünf Kinder hat ... der Colonel ist alleinstehend, hat nur den Unterhalt für Eliza.

______________________________________________________________________

Ich habe in diesem (und vorallem im letzten) Kapitel rausgelesen, dass der Colonel und Edward sich im Haus von John Dashwood getroffen haben, "einige Male", wie der Colonel sagt. John Dashwood hat den Colonel Edward gegenüber gelobt ... das klingt für mich ganz danach, als hätte er für Edward die gleiche "Funktion" wie Miss Morton für Elinor. Edward würde wohl auch sonst vielleicht gar nicht so schnell auf den Gedanken kommen, zwischen den beiden würde sich etwas anbahnen.
John Dashwood hat sich offensichtlich "hinter den Kulissen" weiter um den Colonel bemüht. Ich mag solche Details bei Jane Austen, sie machen das Bild irgendwie reicher/tiefer ... sie werden nicht demonstrativ berichtet, sondern eingestreut um die Szenerie (sinnvoll!) und subtil aufzufüttern. In "Emma" ist das dann später am deutlichsten.

Obwohl es soviele Kirchenmänner unter den Austen-Helden gibt, ist hier in S&S schon besonders deutlich, wie wenig qualifiziert man offensichtlich dafür sein muss und wie leicht es war, Pfarrer zu werden (im Vergleich zu Jura, Marine, etc.). Man brauchte lediglich einen Patron und wahrscheinlich etwas Geld, um die Ordination zu bezahlen. Schon ist man Pfarrer. Kein Wunder, dass sich JA so oft über diese Berufsgruppe lustig macht (Mr Collins, Mr Elton) ... wäre interessant zu wissen, wie sich Edward entwickelt. Allein in diesem aktuellen Kapitel wird ja ganze drei Mal erwähnt, dass er ein schlechter Redner sei.


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BeitragVerfasst: Mittwoch 21. Mai 2008, 10:07 
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Udo hat geschrieben:
Gibt es eigentlich noch ein Buch von JA, in dem so oft Missverständnisse (dabei meine ich nicht so grundlegende Missverständnisse wie etwa den zwischen Elizabeth und Mr. Darcy) zu mehr oder weniger heiteren Situationen führen? JA hat ja in frühen Jahren einiges an Parodien u.ä. geschrieben - vielleicht tauchen hier in S&S "Reste" davon auf, weil es ein frühes Buch ist?


Für mich klingt diese Episode auch sehr nach einem Überbleibsel aus der früheren Fassung des Buches. Nicht nur inhaltlich - auch die Art der Erzählung wirkt so unbeholfen im Vergleich zum Rest. Gerade auch dieser Satz über Marianne, den Du erwähnst, der im Nachhinein eingeschoben wird.
Teilweise hatte ich auch ein (geschriebenes) Theaterstück vor Augen bzw. eine Szene dafür. Es gibt in den Dialogen ein oder zwei in Klammern eingeschobene Ergänzungen, die fast wie "Regieanweisungen" klingen, z.B.:

"And so you are forced to do it. Well that is an odd kind of delicacy! However, I will not disturb you (seeing her preparing to write.) You know your own concerns best. (...) "

Dieses Kapitel hat etwas Bühnenhaftes, Elinor hält sich die ganze Zeit in einem Raum auf, die Protagonisten kommen und gehen, es wird fast ausschließlich nur gesprochen.


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BeitragVerfasst: Mittwoch 21. Mai 2008, 10:55 
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Julia hat geschrieben:
Teilweise hatte ich auch ein (geschriebenes) Theaterstück vor Augen bzw. eine Szene dafür. Es gibt in den Dialogen ein oder zwei in Klammern eingeschobene Ergänzungen, die fast wie "Regieanweisungen" klingen, z.B.:

"And so you are forced to do it. Well that is an odd kind of delicacy! However, I will not disturb you (seeing her preparing to write.) You know your own concerns best. (...) "

Dieses Kapitel hat etwas Bühnenhaftes, Elinor hält sich die ganze Zeit in einem Raum auf, die Protagonisten kommen und gehen, es wird fast ausschließlich nur gesprochen.


Willst Du damit andeuten, dass die Erstfassung vielleicht sogar als eine Art Theaterstück geschrieben war?

Auf der anderen Seite war Jane Austen wohl auch eine der ersten die diese Art von Zusatzinformationen in "Klammern" gesetzt hat, um unübersichtliche Schachtelsätze und eventuell holprige Überleitungen zu vermeiden. Sie tat es nicht nur an dieser Stelle, oder in diesem Buch. Im anderen Fall hätte sie hier das Gespräch unterbrechen bzw. stückeln müssen. Es ist eine besondere Technik ähnlich der, ihre eigenen Betonungen im Text durch ein eigenes Schriftbild (kursiv, Grossbuchstaben, etc.) kenntlich zu machen. Schliesslich kann sich der Inhalt bzw. die Wertung eines Textes durch die Betonung und den Lesefluss verändern. :wink:
Beispiel:
ER hat sie betrogen. Er hat SIE betrogen. ER hat es getan. Er hat ES getan. ER hat es getan.

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BeitragVerfasst: Mittwoch 21. Mai 2008, 11:09 
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Caro hat geschrieben:
Willst Du damit andeuten, dass die Erstfassung vielleicht sogar als eine Art Theaterstück geschrieben war?


Nein ... ich will nur sagen, dass dieses Kapitel ähnlich steif wirkt. :wink:

Ich hab jetzt zwar nicht alle sechs Romantexte im Überblick parat ;D aber diese eingeschobenen Klammern sind mir in den anderen Büchern eigentlich nicht aufgefallen. Hast Du vielleicht noch ein paar Beispiele?
Sprachlich und stilistisch hat JA zwar viele Neuerungen und Modernisierungen eingeführt, aber ich bezweifle, ob S&S da unbedingt das Paradebeispiel ist. Meiner Meinung nach klebt das diesbezüglich noch ziemlich an den damaligen Konventionen.


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BeitragVerfasst: Mittwoch 21. Mai 2008, 11:36 
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Sorry, ich hab die einzelnen Beispiele aktuell nicht im Kopf :/, aber Alethea wies mich vor längerer Zeit in einem Gespräch über Schreibstile bzw. Satzbautechniken darauf hin, dass dies eine Technik wäre, die JA praktiziert, um zusätzliche Satzteile, also Informationen zu implementieren, ohne den Satz künstlich "aufzuplustern" oder zu verschachteln. Allerdings ist es wohl der erste Fall in dem sie in einem Dialog in einer Klammer den gesonderten Hinweis dazu gibt, was einer der Teilnehmer sieht, bzw. der andere macht. :)

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BeitragVerfasst: Mittwoch 21. Mai 2008, 12:10 
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@Caro: Der Unterschied zu Mr. Bennet ist interessant. Auch wenn der Unterschied, wie Julia schreibt, sicher in den Familienverhältnissen liegt, so fällt tatsächlich auf, dass der Oberst als "reicher" Mann mit Herrensitz und Pfründen dargestellt wird, während Mr. Bennet eher bescheiden daherkommt. Vielleicht liegt das auch an der unterschiedlichen Sicherheit der jeweiligen Einnahmequelle?

Julia hat geschrieben:
Obwohl es soviele Kirchenmänner unter den Austen-Helden gibt, ist hier in S&S schon besonders deutlich, wie wenig qualifiziert man offensichtlich dafür sein muss und wie leicht es war, Pfarrer zu werden (im Vergleich zu Jura, Marine, etc.). Man brauchte lediglich einen Patron und wahrscheinlich etwas Geld, um die Ordination zu bezahlen. Schon ist man Pfarrer. Kein Wunder, dass sich JA so oft über diese Berufsgruppe lustig macht (Mr Collins, Mr Elton) ... wäre interessant zu wissen, wie sich Edward entwickelt. Allein in diesem aktuellen Kapitel wird ja ganze drei Mal erwähnt, dass er ein schlechter Redner sei.


Ich glaube, bei Grawe habe ich gelesen, dass der Bischof zum frisch oder demnächst zu ordinierenden Mr. Austen (JAs Vater) gesagt hat, sie beide hätten wohl schon ziemlich lange nicht mehr in die Bibel gesehen... Scheint wirklich ein käuflicher Job oder einer für Zweitgeborene mit Beziehungen gewesen zu sein. Gewundert hat mich die Darstellung der Geistlichen bei JA auch. Ausnahme ist wohl der Held in Mansfield Park. Ich frage mich, wie JA zur Religion stand (aber das gehört hier nicht her).

Wg. Theater: Die Erstfassung von S&S war doch ein Briefroman, oder? Dass es in der Nachbearbeitung manchmal wie Theater wirkt, finde ich aber auch.


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BeitragVerfasst: Mittwoch 21. Mai 2008, 13:08 
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Die zuvor geäusserte Vermutung, Edward habe ja nicht heiraten können, die lange, geheime Verlobungszeit mit Lucy wäre also sozusagen unvermeidbar gewesen, weil er nichts besitzt und keine Einkünfte hat, zudem Angst vor der Mutter haben musste, wird wiederlegt. Edward hatte vor nach Oxford zu gehen, noch bevor er von Brandons "Geschenk" wußte. Ich nehme an, dass er dort entweder studieren oder unterrichten wollte, so dass man getrost davon ausgehen kann, dass er so oder so nicht pennylos war. Auch in Oxford gibt es nichts umsonst. :D Die Familie hatte ja sicher nicht vor, ihn verhungern lassen, was ein schlechtes Licht auf sie geworfen hätte, man hat ihn "nur" enterbt. Seine Apanage, also sein "Taschengeld" erhielt er weiterhin. :)

Zudem gab es ja auch einen Brandon, der von seiner Familie finanziell abhängig und ohne eigene Einkünfte war, und der sich spontan(?) entschloß mit Eliza nach Gretna Green zu gehen, die zwar eine hohe Mitgift hatte, aber anders als Sophia Grey, wohl noch unter der Fuchtel ihres Onkels und Vormundes stand.

@Udo
ich habe den Hinweis mit den möglichen Geldquellen auch deshalb gegeben, weil der Landbesitz von Brandon und Bennet in der Ausdehnung hätte gleich sein müssen, wenn man allein Pachterträge zur Beurteilung heranzieht. Andererseits werden die Pachterträge möglicherweise je nach Bewirtschaftung des Landes unterschiedlich ausfallen, oder anders gesagt, ich weiss nicht, wie groß die übliche Pacht z.B. bei Grasland für Viehzucht, Streuobstwiesen, durchschnittlichem Boden für Getreide und Bohnen, oder aber fettem ertragreichem Boden (Wurzel- und Kohlgemüse) war. :gruebel: Wir erfahren ja nicht wirklich viel über die Hintergründe der einzelnen Estates, also ob es mehr Weideflächen, Äcker oder andere Bodenqualitäten waren, außer dass sowohl Brandon als auch Bennet ein Waldstück besassen, bzw. eine kleine Jagd. :)

Ich bin mir ebenfalls nicht sicher, ob Zinsen für festangelegtes Geld, Renten oder ähnliches (so wurden ja z.B. auch gern die Mitgiften der Töchter verwaltet) die gleiche Wertigkeit besaßen wie Landbesitz. Tatsache ist, dass ein untitulierter Gentleman umso mehr politischen Einfluss, das heißt Stimmrechte hatte, je mehr Land ihm gehörte, wovon sich auch die Entscheidung abhängig machte, ob er unter Umständen für den Sitz seines Counties im House of Commons vorgeschlagen wurde. Wir wissen ja, dass z.B. Mr. Palmer solches vorschwebt.

@Julia
von Politikern schien JA allgemein ebenso wenig zu halten, wie von Kirchenmännern. In diesem Zusammenhang fällt auf, dass auch Mr. Palmer recht "mundfaul" ist, also mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht der große Redner vor dem Herrn.
Das entbehrt gerade bezüglich Edward nicht einer gewissen Ironie. Er findet sich, auch wegen seiner fehlenden rethorischen Talente, nicht geeignet Politiker zu werden, was seine Mutter favorisiert, will aber Pfarrer werden und von der Kanzel predigen, wozu man auch gewisse rednerische Talente benötigte :)

Dabei fällt mir auf, hoffentlich spoilere ich jetzt nicht, dass die Ferrars scheinbar doch ein Landgut besitzen, das Edward erhalten sollte, wenn er Miss XY heiratet.
Ohne eigenes Land hätte er eben auch nicht für das House of Commons kandidieren können. Aber warum hat er es als Erstgeborener nicht bereits geerbt? Einfach nur, um den Plot zu halten, oder doch um seine Unterlegenheit gegen die Dominanz der Mutter zu bekräftigen?

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BeitragVerfasst: Mittwoch 21. Mai 2008, 19:13 
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Caro hat geschrieben:
Die zuvor geäusserte Vermutung, Edward habe ja nicht heiraten können, die lange, geheime Verlobungszeit mit Lucy wäre also sozusagen unvermeidbar gewesen, weil er nichts besitzt und keine Einkünfte hat, zudem Angst vor der Mutter haben musste, wird wiederlegt. Edward hatte vor nach Oxford zu gehen, noch bevor er von Brandons "Geschenk" wußte. Ich nehme an, dass er dort entweder studieren oder unterrichten wollte, so dass man getrost davon ausgehen kann, dass er so oder so nicht pennylos war. Auch in Oxford gibt es nichts umsonst. :D Die Familie hatte ja sicher nicht vor, ihn verhungern lassen, was ein schlechtes Licht auf sie geworfen hätte, man hat ihn "nur" enterbt. Seine Apanage, also sein "Taschengeld" erhielt er weiterhin. :)


Na ja, dass er (wenn ich mich recht erinnere) so 2000 Pfund sein eigen nennen konnte, wissen wir ja. Fürs Studium dürfte das ne Weile reichen. Wenn er ohnehin genug Geld zum Heiraten hatte, dann müssten sich Elinor und Brandon darum ja gar keine Gedanken machen. Und falls Sie nichts von seinem Geld wissen - wieso freut Edward sich dann so ungemein über die Pfarre, die ja nur 200 Pfund abwirft? Ich denke, wir können davon ausgehen (denn dass signalisiert uns JA ja auch sehr deutlich), dass er finanziell nicht in der Lage war, eine Ehe einzugehen bzw. einen Hausstand zu gründen. Aber möglicherweise spekulieren wir hier auch nur.

Die Szene zwischen Elinor und Edward fand ich übrigens sehr schön von JA beschrieben. Man kann seine Beklemmung und ihre Verlegenheit fast körperlich nachempfinden. All das, was hier nicht gesagt wird, könnte viele Seiten füllen...
Und wieder gibt es einen bitteren Satz von Elinor: "Wenn ich ihn wiedersehe, wird er der Mann von Lucy sein."


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BeitragVerfasst: Mittwoch 21. Mai 2008, 19:18 
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Caro hat geschrieben:
Aber warum hat er es als Erstgeborener nicht bereits geerbt? Einfach nur, um den Plot zu halten, oder doch um seine Unterlegenheit gegen die Dominanz der Mutter zu bekräftigen?


Letzteres denke ich. Man erfährt ja nichts über die legalen Verhältnisse des Besitzes, also kann man viel spekulieren. Aber ich denke nicht, dass das Erbe immer automatisch bei Volljährigkeit fällig war. Anne de Bourgh hat ja auch nichts von Rosings, solange ihre Mutter noch lebt. Henry Tilney hat auch nur seine Pfarre und muss noch um den Wohlwollen des Alten buhlen. So einfach (volljährig=unabhängig) war das eventuell doch nicht.
Wie auch immer - im Buch ist der Knackpunkt wohl der, dass Edward passiv und abhängig sein "muss" ... und da passen die geschilderten Umstände und wurden sicher nicht nur im Dienste des Plots aufs Unwahrscheinlichste verbogen.

Caro hat geschrieben:
Edward hatte vor nach Oxford zu gehen, noch bevor er von Brandons "Geschenk" wußte. Ich nehme an, dass er dort entweder studieren oder unterrichten wollte, so dass man getrost davon ausgehen kann, dass er so oder so nicht pennylos war. Auch in Oxford gibt es nichts umsonst. :D Die Familie hatte ja sicher nicht vor, ihn verhungern lassen, was ein schlechtes Licht auf sie geworfen hätte, man hat ihn "nur" enterbt. Seine Apanage, also sein "Taschengeld" erhielt er weiterhin. :)


Da wär ich mir nicht so sicher ... Edward besitzt 2000 Pfund (bzw. die Zinsen davon, was um die 50 Pfund pro Jahr sein dürften), wie in einem früheren Kapitel erwähnt wird. Und Robert freut sich ja später an dem Gedanken, dass Edward wohl mittlerweile verhungert wäre (oder so ähnlich), so völlig ohne Geld.
In Oxford ist er wegen seiner Ordination (Edmund Bertram reist deswegen auch dorthin) - und Miss Steele berichtete Elinor ein paar Kapitel zuvor schon von diesem Plan.


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BeitragVerfasst: Donnerstag 22. Mai 2008, 23:26 
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Julia hat geschrieben:
John Dashwood hat den Colonel Edward gegenüber gelobt ... das klingt für mich ganz danach, als hätte er für Edward die gleiche "Funktion" wie Miss Morton für Elinor. Edward würde wohl auch sonst vielleicht gar nicht so schnell auf den Gedanken kommen, zwischen den beiden würde sich etwas anbahnen.


Vielleicht stehe ich gerade irgendwie auf dem Schlauch, aber hilf mir bitte mal: Welche "Funktion" meinst Du? Und wo kommt Edward auf den Gedanken, dass sich zwischen den beiden (wem denn?) etwas anbahnen würde?
Beim Grübeln fällt es mir möglicherweise gerade ein: Meinst Du mit "er" nicht Dashwood, sondern den Colonel? Das heißt, der Colonel ist für Elinor so "bestimmt" wie Miss Morton für Edward? So ganz passt das aber nicht... Und zwischen wem sich aus Edwards Sicht was anbahnt, ist mir auch noch nicht klar.

(5 Minuten später.....): AHA!! Hab gerade mal im Kapitel nachgelesen: Du meinst, Edward denkt, zwischen Elinor und dem Colonel läuft was??? Pardon, jetzt komme ich mir selbst einigermaßen dusselig vor. Aber auf DEN Gedanken bin ich überhaupt nicht gekommen beim Lesen. Ich habe sein Verhalten allein seiner Bedrückung und Beklemmung zugeschrieben, dass er seine Liebe nicht formulieren darf etc.
Für mich war/ist (ich muss da noch mal nachgrübeln) eigentlich klar, dass den beiden klar ist, dass sie sich lieben und eigentlich (wenn da nicht diese Verlobung wäre) zueinander gehören. Und weil nicht sein kann, was nicht sein darf, ist praktisch undenkbar, dass der Colonel dazwischenfunkt. Oder?


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BeitragVerfasst: Donnerstag 22. Mai 2008, 23:50 
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John Dashwood hat ja schon vor einiger Zeit Elinor gut zugeredet, doch dem Colonel etwas entgegenzukommen. Zusammen mit der Info vom Colonel selbst, dass er Edward einige Male bei John Dashwood getroffen hat (was würde er dort tun, hätte der Hausherr ihn nicht ermutigt zu kommen?) und Edwards Bemerkung, er hätte schon sehr viel Gutes über den Colonel von John gehört .... ergibt das für mich: So wie Elinor sich mehrmals anhören darf, was für eine gute Partie Miss Morton für Edward wäre, so hat dieser offensichtlich zu hören bekommen, auf welch gutem Fuß der Colonel mit Elinor steht. Das meinte ich mit "Funktion". John und Fanny (und Mrs Ferrars) haben nach wie vor Angst, Elinor und Edward könnten auf dumme Gedanken kommen, das kam in meinen Augen immerwieder mal durch.

Udo hat geschrieben:
Du meinst, Edward denkt, zwischen Elinor und dem Colonel läuft was??? (...) auf DEN Gedanken bin ich überhaupt nicht gekommen beim Lesen. Ich habe sein Verhalten allein seiner Bedrückung und Beklemmung zugeschrieben, dass er seine Liebe nicht formulieren darf etc.


Vielleicht interpretiere ich das hauptsächlich durch das Wissen, dass sich Edward am Ende des Buches selbst so äußert, aber auch in diesem Kapitel gibt es schon einen Satz, der darauf deutet, dass die "Saat" von John schon aufgeht:

"Indeed," replied Elinor, "I believe that you will find him, on farther acquaintance, all that you have heard him to be, and as you will be such very near neighbours (for I understand the parsonage is almost close to the mansion-house,) it is particularly important that he should be all this."

Edward made no answer; but when she had turned away her head, gave her a look so serious, so earnest, so uncheerful, as seemed to say, that he might hereafter wish the distance between the parsonage and the mansion-house much greater.


Warum sonst sollte er sich wünschen, dass das Herrenhaus und das Pfarrhaus weiter auseinander liegen?


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BeitragVerfasst: Freitag 23. Mai 2008, 09:52 
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Julia hat geschrieben:
So wie Elinor sich mehrmals anhören darf, was für eine gute Partie Miss Morton für Edward wäre, so hat dieser offensichtlich zu hören bekommen, auf welch gutem Fuß der Colonel mit Elinor steht. Das meinte ich mit "Funktion". John und Fanny (und Mrs Ferrars) haben nach wie vor Angst, Elinor und Edward könnten auf dumme Gedanken kommen, das kam in meinen Augen immerwieder mal durch.


Ja, dass die Dashwoods sich wg. Elinor und Edward sorgen, ist klar. Und dass John gerne die Ehe mit dem Oberst stiften würde auch. Sagt er ja eindeutig. Da bin ich nur über das Wort Funktion gestolpert.

Julia hat geschrieben:
Vielleicht interpretiere ich das hauptsächlich durch das Wissen, dass sich Edward am Ende des Buches selbst so äußert, aber auch in diesem Kapitel gibt es schon einen Satz, der darauf deutet, dass die "Saat" von John schon aufgeht:

Edward made no answer; but when she had turned away her head, gave her a look so serious, so earnest, so uncheerful, as seemed to say, that he might hereafter wish the distance between the parsonage and the mansion-house much greater.[/color]


Okay, an das Ende kann ich mich gerade nicht erinnern. Vielleicht bin ich dafür zu sehr vom Film geprägt, in dem das, soweit ich mich entsinne, eher nicht wie ein Anflug von Eifersucht oder Sorge gedeutet wurde (werde ich heute Abend mal nachgucken).
Was die Entfernung vom Haupthaus betrifft: Ich gebe zu, dass ich an der Stelle gestolpert bin, da war ich etwas ratlos. Im Sinne meiner Deutung habe ich mir dann gedacht: Edward wäre lieber nicht mit Lucy in der Nähe vom Oberst, dafür weiter weg, d.h. eher in der Nähe von Elinor, die sonstwo sein dürfte (jedenfalls nicht beim Oberst).
Aber das knirscht tüchtig, das stimmt schon. Werde ich mir noch mal in Ruhe ansehen. Aber wenn Edward sich am Ende auch so äußert, gibts da ja nicht viel zu deuteln....


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BeitragVerfasst: Freitag 23. Mai 2008, 10:06 
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Udo hat geschrieben:
Okay, an das Ende kann ich mich gerade nicht erinnern. Vielleicht bin ich dafür zu sehr vom Film geprägt, in dem das, soweit ich mich entsinne, eher nicht wie ein Anflug von Eifersucht oder Sorge gedeutet wurde (werde ich heute Abend mal nachgucken).


Ich nehme an, Du meinst die 95er Version ... da kommt kommt das tatsächlich nicht so rüber (ist ja auch nicht so wichtig, letztendlich). Es wurde allerdings eine Szene, in der (u.a. ;D ) genau das zwischen Edward und Elinor besprochen wurde, rausgeschnitten. Hier kannst Du sie sehen: klick


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BeitragVerfasst: Freitag 23. Mai 2008, 19:40 
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Genau, die 95er Version. Aller klar, noch eindeutiger gehts nicht!
Die entfallene Szene kannte ich natürlich auch - aber total vergessen. Oder verdrängt, weil: Körperkontakt zwischen JA-Figuren, ja sogar der öffentliche Austausch von obszönen Intimitäten.... :thud:

Jedenfalls vielen Dank für den Hinweis. Ich lese die Szene jetzt irgendwie total anders, das finde ich interessant.


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BeitragVerfasst: Sonntag 25. Mai 2008, 11:04 
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Kapitel 41 (Band 3, Kapitel 5)

Elinor stattet ihrem Bruder einen Höflichkeitsbesuch ab, bei dem sie seine Meinung zu Edwards neu gewonnener Situation in allen Details zu hören bekommt. John kann nicht glauben, dass der Colonel Edward die Stelle aus purer Großmütigkeit zugesprochen hat und vermutet den ein oder anderen Haken dahinter. Elinor trifft im Haus auch auf Robert, der sie ein weiteres Mal davon überzeugt, wie unterschiedlich Brüder sein können. Fanny kann sich nur zu etwas mehr Höflichkeit als üblich aufraffen und es bedauern, dass Elinor und Marianne London so bald verlassen.


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BeitragVerfasst: Sonntag 25. Mai 2008, 16:54 
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Gleich reihenweise offenbaren hier einige Protagonisten ihren wahren Charakter (falls man den nicht schon vorher klar erkannt hat). Los gehts mit Lucy, die sich vor Dankbarkeit gar nicht mehr einkriegt, den Obersten zum Heiligen erklärt - und gleich beschließt, ihn nach Strich und Faden auszunutzen. Egoismus, dein Name ist Lucy....
John würde ich immerhin zugestehen, dass er doch noch etwas wie Verbundenheit mit seinen Schwestern empfindet. Vielleicht scheint das aber auch nur so, weil er meint, das müsse der Form halber so sein?


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BeitragVerfasst: Montag 26. Mai 2008, 09:17 
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Zu Kapitel 41:
Es fällt einmal mehr auf, dass gerne zuviel in bestimmte Dinge reininterpretiert wird, andererseits offensichtliches nicht gesehen oder angesprochen wird. Diese Problematik zieht sich durchs ganze Buch und führt immer wieder zu Gerüchten und Missverständnissen. So auch als Edward glaubt, es "liefe etwas" zwischen Elinor und Brandon.

Interessant fand ich auch Tatsache, dass niemand sich große Gedanken zu machen scheint, wenn ein Mann (in diesem Fall der Colonel) sozusagen von einer Blüte zur anderen wandert, in diesem Fall von der jüngeren Schwester zur Älteren. Erst verliebt er sich in Marianne, dann wechselt er (angeblich!) zu Elinor, also "zweiter Wahl", weil er erstere nicht kriegt, was einerseits für Elinor kein Kompliment ist. Andererseits ist es ja so naheliegend wenigstens die Schwester zu nehmen! :rolleyes:


Nachtrag:
@Julia
Wegen dem Erbe dachte ich mehr an das Erbe des Vaters. Das kommt normalerweise spätestens mit der Volljährigkeit zum Tragen. Es erbt ja im Normalfall nicht die Gattin, und die Klausel "erst bei Heirat" trifft im allgemeinen nur junge Frauen, bei denen befürchtet wird, sie würden sonst den Besitz durchbringen. :/

Aber ich vermute auch, dass Mrs. Ferrars einfach die Oberhand behalten will, möglicherweise war sie auch in der Ehe der stärkere Part (ähnlich der Beziehung Fanny-John Dashwood), und Edward ist zu "weich" sein Recht einzufordern.

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Zuletzt geändert von Caro am Montag 26. Mai 2008, 10:14, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Montag 26. Mai 2008, 10:06 
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Ich habe mich in diesem Kapitel besonders über die Szene zwischen Robert und Elinor amüsiert, besonders über die messerscharfen Charakterisierungen, die Robert zufallen.
z.B. (...) recovering from the affected laugh which had considerably lengthened out the genuine gaiety of the moment (...) oder die Art wie er gewichtig wiedergibt, was er Überzeugendes in welcher Situation gesagt hätte (und was nichts anderes ist als das, was vermutlich jeder gesagt hätte). Herrlich!

Elinor darf in diesem Kapitel endlich auch mal wieder spitz Antworten geben und nicht immer nur vielsagend schweigen:
"(...) Mrs. Ferrars can never forget that Edward is her son."
"You surprise me; I should think it must nearly have escaped her memory by this time."


:bravo:

Udo hat geschrieben:
John würde ich immerhin zugestehen, dass er doch noch etwas wie Verbundenheit mit seinen Schwestern empfindet. Vielleicht scheint das aber auch nur so, weil er meint, das müsse der Form halber so sein?


Beides, denke ich. Er ist nicht so bösartig wie Fanny, aber meiner Meinung nach empfindet er keine echte (also desinteressierte) Zuneigung zu seinen Schwestern. Er weiß, was er fühlen und wie er sich verhalten sollte, aber er tut es nicht. Er mag seiner dominanten Frau gegenüber eher schwach sein, aber meiner Meinung nach ist das auch nur eine Art vorgeschobener Schutz seinerseits: Wenn er wirklich wollte, könnte er schon - seine Frau liefert ihm lediglich Entschuldigungen und Ausflüchte vor denen er selbst Skrupel hätte.

Wir haben das, glaube ich, im zweiten Kapitel (das Geldgespräch zwischen John & Fanny) sehr ausführlich diskutiert und kamen auf keinen gemeinsamen Nenner.


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BeitragVerfasst: Montag 26. Mai 2008, 10:54 
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Das ist schon nett beschrieben, wie John so gar nicht glauben kann, dass Brandon Edward uneigennützig hilft. So viel Freundlichkeit übersteigt total sein Vorstellungsvermögen. Sein ganzes Denken dreht sich um Geld und dessen Vermehrung, das wird hier mal wieder deutlich.
Ich fand es auch auffällig, wie bissig Elinor hier ist. Über Mrs. Ferrars: "Aber wieso nimmt man nach ihrem Verhalten neulich an, dass sie überhaupt etwas empfindet?" Das ist schon der klare Vorwurf, Mrs. Ferrars sei gefühlskalt ihrem Sohn gegenüber.

@Caro: Ja, stimmt, der Wechsel der Liebsten scheint niemanden zu stören. Lag vielleicht auch daran, dass man gar nicht so sehr davon ausging, dass sehr viel Liebe im Spiel war, wenn jemand ein Auge auf jemanden geworfen hatte. Da fällt mir Mr. Collins in P&P ein, dem die Töchter ja praktisch nacheinander angeboten werden, und der glaubt, freie Wahl zu haben. Und hier im Kapitel scheint es für John ja auch ganz klar, dass Miss Morton nun halt Robert statt Edward heiratet. Elinor pickt das ja auch auf: "Mir scheint, die Dame hat wohl keine Wahl in der Angelegenheit." Im nächsten Satz relativiert sie das etwas, in dem sie sagt, für Miss Morton scheine es dasselbe zu sein, wen sie heirate.


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BeitragVerfasst: Montag 26. Mai 2008, 11:37 
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Udo hat geschrieben:
@Caro: Ja, stimmt, der Wechsel der Liebsten scheint niemanden zu stören. Lag vielleicht auch daran, dass man gar nicht so sehr davon ausging, dass sehr viel Liebe im Spiel war, wenn jemand ein Auge auf jemanden geworfen hatte. Da fällt mir Mr. Collins in P&P ein, dem die Töchter ja praktisch nacheinander angeboten werden, und der glaubt, freie Wahl zu haben. Und hier im Kapitel scheint es für John ja auch ganz klar, dass Miss Morton nun halt Robert statt Edward heiratet. Elinor pickt das ja auch auf: "Mir scheint, die Dame hat wohl keine Wahl in der Angelegenheit." Im nächsten Satz relativiert sie das etwas, in dem sie sagt, für Miss Morton scheine es dasselbe zu sein, wen sie heirate.

Ja, Collins ist der Brüller. :lach: Aber Elton hat bei Emma Woodhouse einen ähnlichen Part. :fies_sei: Beide suchen sich eine Frau, die ihnen finanziell und/oder geistig überlegen ist, und rechnen nicht im geringsten damit abgewiesen zu werden. Ist dies allein Selbstüberschätzung, oder tatsächlich auch der Tenor der Zeit, der besagt eine Frau müsse froh sein, einen "Versorger", also Sicherheit zu finden, und könne es sich nicht leisten allzu wählerisch zu sein? Elinor drückt es hier ja bezüglich Miss Morton ähnlich aus.

Ich verstehe auch nicht ganz, warum Elinor grundsätzlich kein gutes Haar an ihren Konkurrentinnen lässt, bei Miss Morton zum Beispiel noch einmal auftrumpft, es sei in ihrem Fall egal, wen sie kriegt. Selbst als sie Lucy quasi "lobt", hört sich das nicht wirklich positiv an. So auch hier. Die Familien Ferrars und Morton wünschten, dass sich die beiden verbanden. Nun gut, aber schliesst es von vornherein aus, dass sich Gefühle entwickelt hätten? Muß man ihr gleich unterstellen, ihr wäre egal gewesen, welchen Deckel ihr Töpfchen bekommt? Die Frau als Handelsware und sie schickt sich drein, lässt alles mit sich machen. Wie kann Elinor davon ausgehen, dass sich Miss Morton etwas gefallen lassen würde, was ihr nicht in den Sinn käme? Stellt sich für mich die Frage (aua, nicht hauen), ob sie von sich auf andere schliesst, oder anders gefragt, hätte sie Brandons Hand genommen, wenn er sie gefragt hätte?

Julia hat geschrieben:
Elinor darf in diesem Kapitel endlich auch mal wieder spitz Antworten geben und nicht immer nur vielsagend schweigen:
"(...) Mrs. Ferrars can never forget that Edward is her son.""You surprise me; I should think it must nearly have escaped her memory by this time."

Ja, wir erhalten durch Elinor bereits einen guten Einblick in die Familienverhältnisse der Ferrars und vor allem Edwards Stellung in diesem Kreis:
"Sie überraschen mich; man sollte meinen, sie habe ihn bereits vergessen.".

Ich vermute hier jedoch mehr den finanziellen Aspekt. Mich hat im übrigen überrascht, wie sich Robert als zweiter Sohn von Anfang an eine Barouche leisten kann, während Edward an der kurzen Leine gehalten wird und nicht "heiraten kann", wie geäussert wird. Gerade das Kutsche haben oder nicht, ist bei einem Gentleman Zeichen für und gegen höheren Wohlstand.

Julia, um noch einmal zu Edwards Geldbeutel zurückkommen, Edward sagte (Kapitel 39), als Mrs. Jennings ihn sozusagen zu Elinor "schickte", er sei gekommen, weil er sich nicht auf den Weg nach Oxford machen wolle, ohne sich vorher zu verabschieden, bevor er von Brandons Pfarre wußte. Er wäre also so und so, nach Oxford gegangen.
Zitat:
"Mrs. Jennings told me," said he, "that you wished to speak with me, at least I understood her so—or I certainly should not have intruded on you in such a manner; though at the same time, I should have been extremely sorry to leave London without seeing you and your sister; especially as it will most likely be some time—it is not probable that I should soon have the pleasure of meeting you again. I go to Oxford tomorrow."

Daraus schliesse ich, dass er dort zu tun hatte, entweder seine Studien wieder aufnehmen (wobei er schon ein arg "alter Student" wäre :rolleyes: ) oder eine Lehrerstelle annehmen wollte, was mir sinnvoller erscheint. Warum sonst sollte es ausgerechnet Oxford sein? Er äussert, er befürchte sie auf lange Zeit nicht mehr zu sehen. Das heisst wohl, dass er dort eine feste Betätigung auszuüben dachte und nicht kurzfristig oder häufiger verrreisen konnte? :gruebel:
Wie gesagt, es geht um Edwards Pläne bevor ihm Elinor von Brandons Großzügigkeit berichtete. :)

Julia hat geschrieben:
Er weiß, was er fühlen und wie er sich verhalten sollte, aber er tut es nicht. Er mag seiner dominanten Frau gegenüber eher schwach sein, aber meiner Meinung nach ist das auch nur eine Art vorgeschobener Schutz seinerseits: Wenn er wirklich wollte, könnte er schon - seine Frau liefert ihm lediglich Entschuldigungen und Ausflüchte vor denen er selbst Skrupel hätte.

Wenn man es so betrachtet, erfüllt also auch Fanny für John in dieser ihrer Kombination einen ganz bestimmten Part, eine Funktion, wie du vorhin geschrieben hast. Julia, :danke: dafür.
Im Rückblick und auf deinen Kommentar bezogen fällt mir zum ersten Mal bewußt auf, wie perfekt JAs Paare eigentlich harmonieren, unerheblich ob sie nun zu den Protagonisten oder Antagonisten gehören, oder auch nur "Nebenfiguren" sind. Man könnte sie fast die klassischen Paare nennen, seien es die Dashwoods (der Zauderer/die Entscheidung), die Middletons (Der Jäger/Sie kümmert sich um die Höhle und die Kinder) , die Palmers (ER miesepetrig und einsilbig/Sie eine humorige Plaudertasche. Sie sind sich einander das Salz in der Suppe ;D ), oder die Paare, die sich bis zum Ende des Buches noch finden werden ;D. Sie alle bilden in ihrer Zweisamkeit eine perfekte Symbiose und könnten ohne den jeweils Anderen in dieser Art, in diesem Zusammenspiel nicht funktionieren. Es ist einfach wunderbar, wie JA diese Einheiten schafft und lebendig werden lässt. :top:

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Zuletzt geändert von Caro am Montag 26. Mai 2008, 15:05, insgesamt 1-mal geändert.

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