Udo hat geschrieben:
@Caro: Ja, stimmt, der Wechsel der Liebsten scheint niemanden zu stören. Lag vielleicht auch daran, dass man gar nicht so sehr davon ausging, dass sehr viel Liebe im Spiel war, wenn jemand ein Auge auf jemanden geworfen hatte. Da fällt mir Mr. Collins in P&P ein, dem die Töchter ja praktisch nacheinander angeboten werden, und der glaubt, freie Wahl zu haben. Und hier im Kapitel scheint es für John ja auch ganz klar, dass Miss Morton nun halt Robert statt Edward heiratet. Elinor pickt das ja auch auf: "Mir scheint, die Dame hat wohl keine Wahl in der Angelegenheit." Im nächsten Satz relativiert sie das etwas, in dem sie sagt, für Miss Morton scheine es dasselbe zu sein, wen sie heirate.
Ja, Collins ist der Brüller.

Aber Elton hat bei Emma Woodhouse einen ähnlichen Part.

Beide suchen sich eine Frau, die ihnen finanziell und/oder geistig überlegen ist, und rechnen nicht im geringsten damit abgewiesen zu werden. Ist dies allein Selbstüberschätzung, oder tatsächlich auch der Tenor der Zeit, der besagt eine Frau müsse froh sein, einen "Versorger", also Sicherheit zu finden, und könne es sich nicht leisten allzu wählerisch zu sein? Elinor drückt es hier ja bezüglich Miss Morton ähnlich aus.
Ich verstehe auch nicht ganz, warum Elinor grundsätzlich kein gutes Haar an ihren Konkurrentinnen lässt, bei Miss Morton zum Beispiel noch einmal auftrumpft, es sei in ihrem Fall egal, wen sie kriegt. Selbst als sie Lucy quasi "lobt", hört sich das nicht wirklich positiv an. So auch hier. Die Familien Ferrars und Morton wünschten, dass sich die beiden verbanden. Nun gut, aber schliesst es von vornherein aus, dass sich Gefühle entwickelt hätten? Muß man ihr gleich unterstellen, ihr wäre egal gewesen, welchen Deckel ihr Töpfchen bekommt? Die Frau als Handelsware und sie schickt sich drein, lässt alles mit sich machen. Wie kann Elinor davon ausgehen, dass sich Miss Morton etwas gefallen lassen würde, was ihr nicht in den Sinn käme? Stellt sich für mich die Frage (aua, nicht hauen), ob sie von sich auf andere schliesst, oder anders gefragt, hätte sie Brandons Hand genommen, wenn er sie gefragt hätte?
Julia hat geschrieben:
Elinor darf in diesem Kapitel endlich auch mal wieder spitz Antworten geben und nicht immer nur vielsagend schweigen:
"(...) Mrs. Ferrars can never forget that Edward is her son.""You surprise me; I should think it must nearly have escaped her memory by this time."
Ja, wir erhalten durch Elinor bereits einen guten Einblick in die Familienverhältnisse der Ferrars und vor allem Edwards Stellung in diesem Kreis:
"Sie überraschen mich; man sollte meinen, sie habe ihn bereits vergessen.".
Ich vermute hier jedoch mehr den finanziellen Aspekt. Mich hat im übrigen überrascht, wie sich Robert als zweiter Sohn von Anfang an eine Barouche leisten kann, während Edward an der kurzen Leine gehalten wird und nicht "heiraten kann", wie geäussert wird. Gerade das Kutsche haben oder nicht, ist bei einem Gentleman Zeichen für und gegen höheren Wohlstand.
Julia, um noch einmal zu Edwards Geldbeutel zurückkommen, Edward sagte (Kapitel 39), als Mrs. Jennings ihn sozusagen zu Elinor "schickte", er sei gekommen, weil er sich nicht auf den Weg nach Oxford machen wolle, ohne sich vorher zu verabschieden,
bevor er von Brandons Pfarre wußte. Er wäre also so und so, nach Oxford gegangen.
Zitat:
"Mrs. Jennings told me," said he, "that you wished to speak with me, at least I understood her so—or I certainly should not have intruded on you in such a manner; though at the same time, I should have been extremely sorry to leave London without seeing you and your sister; especially as it will most likely be some time—it is not probable that I should soon have the pleasure of meeting you again. I go to Oxford tomorrow."
Daraus schliesse ich, dass er dort zu tun hatte, entweder seine Studien wieder aufnehmen (wobei er schon ein arg "alter Student" wäre

) oder eine Lehrerstelle annehmen wollte, was mir sinnvoller erscheint. Warum sonst sollte es ausgerechnet Oxford sein? Er äussert, er befürchte sie auf lange Zeit nicht mehr zu sehen. Das heisst wohl, dass er dort eine feste Betätigung auszuüben dachte und nicht kurzfristig oder häufiger verrreisen konnte?

Wie gesagt, es geht um Edwards Pläne bevor ihm Elinor von Brandons Großzügigkeit berichtete.
Julia hat geschrieben:
Er weiß, was er fühlen und wie er sich verhalten sollte, aber er tut es nicht. Er mag seiner dominanten Frau gegenüber eher schwach sein, aber meiner Meinung nach ist das auch nur eine Art vorgeschobener Schutz seinerseits: Wenn er wirklich wollte, könnte er schon - seine Frau liefert ihm lediglich Entschuldigungen und Ausflüchte vor denen er selbst Skrupel hätte.
Wenn man es so betrachtet, erfüllt also auch Fanny für John in dieser ihrer Kombination einen ganz bestimmten Part, eine Funktion, wie du vorhin geschrieben hast. Julia,

dafür.
Im Rückblick und auf deinen Kommentar bezogen fällt mir zum ersten Mal bewußt auf, wie perfekt JAs Paare eigentlich harmonieren, unerheblich ob sie nun zu den Protagonisten oder Antagonisten gehören, oder auch nur "Nebenfiguren" sind. Man könnte sie fast die klassischen Paare nennen, seien es die Dashwoods (der Zauderer/die Entscheidung), die Middletons (Der Jäger/Sie kümmert sich um die Höhle und die Kinder) , die Palmers (ER miesepetrig und einsilbig/Sie eine humorige Plaudertasche. Sie sind sich einander das Salz in der Suppe

), oder die Paare, die sich bis zum Ende des Buches noch finden werden

. Sie alle bilden in ihrer Zweisamkeit eine perfekte Symbiose und könnten ohne den jeweils Anderen in dieser Art, in diesem Zusammenspiel nicht funktionieren. Es ist einfach wunderbar, wie JA diese Einheiten schafft und lebendig werden lässt.
