Caro hat geschrieben:
Er erklärt sich Mrs. Ferrars auch nicht, als sie sein ganzes Leben verplant (er erzählt Elinor, was Muttern für Ideen für seine Zukunft hätte, die alle nicht seinen Wünschen entsprechen) oder gar eine Ve
Da ist was dran, Caro. Vielleicht hätte er die Stärke haben sollen, seiner dominanten Mutter beizeiten reinen Wein einzuschenken. Warum wartet er so lange? Ich denke, Sachmet hat recht: Sobald seine finanzielle Lage es gestattet hätte, hätte er sie geheiratet. Vorher hat er ein Problem:
Wenn er sich offenbart, wird seine Mutter ihn enterben etc., das dürfte er gewusst haben, und so ist es ja auch passiert. Damit wäre es für ihn praktisch unmöglich, sein Eheversprechen Lucy gegenüber zu halten! Indem er also schweigt, schützt er Lucy, oder anders: Nur indem er schweigt, kann er die Voraussetzung dafür schaffen, dass er sein Versprechen halten kann.
Das nenne ich Pflichterfüllung bis zur Selbstverleugnung. Elinor kann davon übrigens ein Lied singen...
Caro hat geschrieben:
Ist es wirklich ehrenwert nicht nur das eigene, sondern mindestens ein zweites Leben zu beeinträchtigen, vielleicht sogar zu zerstören, indem man an einem "dummen" Versprechen festhält? Hier geht es ja nicht um das Versprechen Witwen und Waisen zu versorgen, was ich viel schwerwiegender gefunden hätte. Es geht hier nicht sozusagen um Leben und Tod, um das Überleben, um Glück und Unglück, und also ein Versprechen das auf alle Zeit bindend sein sollte. Edward hat ein unbedachtes Versprechen abgegeben, ein gedankenloses noch dazu. Sollte man nicht das Recht haben, davon Abstand zu nehmen? Darf man einen Fehler nicht korrigieren, vor allem wenn es sich sozusagen um eine "Jugendsünde" handelt? Natürlich sollte man Versprechen nicht leichtfertig brechen, aber hier wusste niemand von der Verlobung und Edward hätte Lucy mit einem Bruch kein wirkliches Leid verursacht.
Na ja, irgendwo wurde im Buch doch neulich gesagt, dass Lucy praktisch mittellos ist! Ergo ging es nicht um Leben und Tod, aber um die materielle Absicherung ihres restlichen Lebens, oder? Eben deshalb, denke ich, ist Lucy auch so darauf aus, dass das Versprechen eingehalten wird - und eben deshalb lässt sie ihn später fallen...
Dass niemand davon weiß, ist egal, weil
Edward davon weiß. Ich glaube, Julia hat neulich darauf hingewiesen, dass damals nur die Frauen Verlobungen lösen durften, ein Mann von Ehre tat so etwas nicht. Und Edward wäre somit der letzte, der sowas tun würde. Das beschreibt ja Elinor sehr eindringlich in ihrer Lobrede auf sein Pflichtbewusstsein. Und auch Marianne hat diesen Wesenszug an ihm gerade erst in den höchsten Tönen gelobt. Ich denke immer noch, dass Edward ungeschickt sein mag, im Kern aber ein starker Charakter ist, der sich genau bewusst ist, was er tun darf und was nicht. Sein Handeln zeichnet ihn aus - auch wenn es merkwürdig wirkt.