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BeitragVerfasst: Mittwoch 3. Oktober 2007, 01:27 
Alethea hat geschrieben:
zu Kapitel 12

Ich halte das 12. Kapitel in gewisser Weise für den Wendepunkt in der Geschichte, obwohl es auf den ersten Blick gar nicht so aussehen mag


Ich finde auch, dass dies ein wichtiges Kapitel ist. Einmal wegen der positiven Beschreibung von Anne's Äußerem und das erwachende Interesse von Captain Wentworth an ihr, weil sie so überlegt handelt. Und wegen der berühmten Szene mit dem Sprung. Sie ist irgendwie viel zu schnell vorbei :wink: .

Zitat:
Und auch später im Kapitel kommen wiederholt Stellen, an denen Wärme und Respekt für sie zum Ausdruck kommen, z.B. als er sie ganz liebevoll bei ihrem Vornamen nennt (das war ja eigentlich bei Mann und Frau nur üblich, wenn man sich recht nahe stand --- und nach außen hin sind Anne und Frederick ja nur "flüchtige Bekannte, die nie wirklich miteinander sprechen)

Das mit dem Vornamen war mir gar nicht aufgefallen.

(mein 1600ster Beitrag :D )


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Verfasst: Mittwoch 3. Oktober 2007, 01:27 


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BeitragVerfasst: Mittwoch 3. Oktober 2007, 17:12 
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Austenbegeistert
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Zu Kapitel 12:

Mir ist beim Lesen noch ein anderer Aspekt durch den Kopf gegangen, es geht um die Sprünge, die dem Sturz vorrausgehen: Louisa wird als jung und etwas übermütig beschrieben. Mit den Sprüngen möchte sie wohl auf gewisse Art ihre "Unabhängigkeit" beweisen? Auf der anderen Seite kommt es mir auch wie "Flirtgebaren" vor, sie möchte, daß er sie auffängt. Wie muß ich mir das vorstellen? Springt sie in seine Arme oder hält er sie an den Händen? Auf jeden Fall kommt es dabei wohl zu Körperkontakt, der damals ja nicht so üblich war.
Schon in Kapitel 10 hatte ich ja das Gefühl, daß sie heftig mit Wentworth flirtet, indem sie sich in dem "Nußgespräch" in Szene setzt und ihre Willenstärke zeigt. Nun will sie ihm diese erneut unter Beweis stellen. D.h. daß sie bei dem Versuch Wentworth einzufangen ihren Kopf riskiert und sich stattdessen eine Gehirnerschütterung einfängt.


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BeitragVerfasst: Donnerstag 4. Oktober 2007, 08:31 
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Matthews spezielle Weinlieferantin
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Durch das Verhalten von Wentworth ermutigt, "traut" sich Louisa zu, mehr an Nähe "einzufordern". Und richtig, üblich war das ganz und gar nicht. Es sah für Außenstehende schon so aus, dass es zwischen den beiden zu einer Übereinkunft gekommen sein musste. Deshalb denken ja alle, die beiden werden sich verloben. Hätte Louisa KEINE Gefühle für Benwick entwickelt, wäre Wentworth an sie gebunden gewesen! Und es hätte für ihn kein Zurück gegeben (wenn, dann nur sehr erschwert!).

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Schritte wagen im Vertraun auf einen guten Weg, Schritte wagen im Vertraun das letztlich ER mich trägt, Schritte wagen weil im Aufbruch ich nur sehen kann, für mein Leben gibt es einen Plan.
Clemens Bittlinger


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BeitragVerfasst: Donnerstag 4. Oktober 2007, 11:27 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Kapitel 13 (Band 2, Kapitel 1)

Louisa erholt sich langsam aber sicher von ihrem Unfall, Anne und die Musgroves bekommen Nachricht über ihre Genesung durch Charles Musgrove und Charles Hayter. Als Anne's Umzug zu Lady Russell ansteht, überzeugt sie die Übrigen, nach Lyme überzusiedeln und dort Louisa's Genesung abzuwarten.
Die Hochzeit zwischen Louisa und Wentworth scheint ihr jetzt als sicher zu gelten.
Wieder ist Anne einem kompletten Themenwechsel ausgesetzt. Hat sie sich beim Umzug nach Uppercross noch darüber beklagt, wie wenig Interesse dort für ihre Situation und Familie aufgebracht wird, ist es jetzt andersherum: Lady Russell bringt sie gedanklich wieder auf ihren Vater und Bath, ein Thema, was Anne fast völlig verdrängt hatte.
Die beiden statten den Crofts in Kellynch einen Besuch ab und Anne ist wieder sehr angetan von der warem und herzlichen Art der beiden. Besonders der Admiral mit seiner unverstellten (wenn auch nicht ganz korrekten) Art ist ihr sehr sympathisch.


___________________________________________

Zwei kleinere Dinge sind mir dieses Mal u.a. aufgefallen:

Anne wird in diesem Kapitel zum wiederholten Mal als glücklich beschrieben, wenn sie sich nützlich machen kann. Diese Charakterisierung kam jetzt schon so oft, dass es sehr auffällig ist und wichtig zu sein scheint.
Mir ist in dem Zusammenhang eingefallen, dass Mary sich sozialisiert, indem sie sich krank, vernachlässigt oder sonstwie schlecht fühlt. Anne's Methode scheint (in entfernter aber doch irgendwie ähnlicher Art) zu sein, anderen zu helfen oder eben "nützlich" (useful) zu sein. Nur dann wird sie als zufrieden und ausgeglichen beschrieben.

Die positive Beschreibung von den Crofts in Kellynch finde ich auch sehr interessant. Wie herausgestrichen wird, dass Anne sie (die in den Augen vieler gar keinen Anspruch darauf hätten) als die weitaus besseren und würdigeren "Besitzer" von Kellynch sieht. Wieder eine Gegenüberstellung der "alten Ordnung" des Adels und der "neuen Klasse" der Marine-Gentlemen. Rang und Herkunft sind nur scheinbare Werte und leer und sinnlos, wenn sie nicht mit Verantwortung, Verstand und Pflichtbewusstsein (dargestellt durch die Crofts) gefüllt werden.
Toll auch hier, wie Jane Austen mit scheinbar nebensächlichen Details einen Charakter unterstreicht: Sir Walter bewahrte ließ seine Schirme immer im Zimmer des Butlers aufbewahren, die Crofts hängen sie neben der Tür zum Garten auf. Letztere schätzen die Unabhängigkeit und kommen und gehen wie sie möchten, ohne sinnlos (aber wohl prestigeträchtiger) Diener damit zu beschäftigen.


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BeitragVerfasst: Donnerstag 4. Oktober 2007, 11:50 
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Julia hat geschrieben:
Anne wird in diesem Kapitel zum wiederholten Mal als glücklich beschrieben, wenn sie sich nützlich machen kann. Diese Charakterisierung kam jetzt schon so oft, dass es sehr auffällig ist und wichtig zu sein scheint.
Mir ist in dem Zusammenhang eingefallen, dass Mary sich sozialisiert, indem sie sich krank, vernachlässigt oder sonstwie schlecht fühlt. Anne's Methode scheint (in entfernter aber doch irgendwie ähnlicher Art) zu sein, anderen zu helfen oder eben "nützlich" (useful) zu sein. Nur dann wird sie als zufrieden und ausgeglichen beschrieben.

Ja, und der Unterschied zwischen den Schwestern: Mary, die eigentlich glücklich sein sollte und sich fast ständig beklagt und schlecht fühlt, eigentlich "nutzlos" ist und daneben Anne, die in gewisser Weise tätig sein will und handelt, und daraus innere Zufriedenheit schöpft. Zudem wird Anne hier als "perfekte" (Ehe-)Frau beschrieben, denn das sich kümmern um andere würde sie ja später auch auf ihren Gatten und ihre Kinder übertragen :) :wink:

@Julia
Wobei die Crofts, vor allem durch das lange Leben an Bord ja auch nicht gewohnt sind (Prestige hin oder her), dass ihnen alles nachgetragen wird. Ich könnte mir vorstellen, dass es ihnen lästig ist, für jeden kleinen Handgriff nach der Dienerschaft zu läuten ... :)

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BeitragVerfasst: Donnerstag 4. Oktober 2007, 11:56 
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Perfekt vielleicht nicht, aber nahe dran!

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BeitragVerfasst: Donnerstag 4. Oktober 2007, 11:59 
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Tina hat geschrieben:
Perfekt vielleicht nicht, aber nahe dran!

Was fehlt ihr denn, deiner Meinung nach, dazu?
Davon mal ganz abgesehen, dass es den "fehlerlosen" Menschen nicht gibt. :)

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BeitragVerfasst: Donnerstag 4. Oktober 2007, 12:05 
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Genau diese Einschränkung meinte ich, Caro! :wink:

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 Betreff des Beitrags: Kapitel 13
BeitragVerfasst: Donnerstag 4. Oktober 2007, 12:15 
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Nett finde ich hier auch Charles' Bericht über Marys "Nützlichkeit" in Lyme:

"She really left nothing for Mary to do. He and Mary had been persuaded to go early to their inn last night. Mary had been hysterical again this morning. When he came away, she was going to walk out with Captain Benwick, which he hoped would do her good. He almost wished she had been prevailed on to come home the day before; but the truth was, that Mrs. Harville left nothing for any body to do."


Genau, wie es sich vermuten ließ, steht Mary mehr im Weg als dass sie nützlich ist. Mrs Harville kümmert sich so gründlich um alles, weil sie wohl instinktiv merkt (oder bereits die Erfahrung gemacht hat), dass Mary ihr sowieso nicht wirklich helfen kann --- und da macht sie es lieber selbst, als dass es verpfuscht wird. :lol:

---------------------------------

Schön finde ich auch, worauf Julia bereits hinwies: Dass Anne inzwischen gelernt hat, wie unwichtig und nichtig all die weltbewegenden Ereignisse sind, die ihre eigene Familie beschäftigen --- sodass sie sich selbst kaum mehr dafür interessiert. Die wahre freundschaftliche Verbundenheit findet Anne bei den Musgroves und den Harvilles, die zwar unter ihrem Stand (wie ja Mary gerade bei den Harvilles naserümpfend immer wieder betont) sind, aber deren Bekannschaft/Freundschaft/Herzlichkeit im Vergleich zur representativen Steifheit und Kälte der Elliots von Anne geschätzt wird.

Auch die Erwähnung der vielen Spiegel lässt Sir Walter im Vergleich zum gutmütigen Admiral Croft mehr als lächerlich erscheinen. :wink:

Ich bin sicher, dass diese direkte Kontrastierung von Jane Austen beabsichtigt ist.

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Es ist besser den Mund zu halten und dumm zu erscheinen, als ihn zu öffnen und jeden Zweifel zu zerstreuen.
(Verfasser (mir) unbekannt --- Angelika meint, es sei Mark Twain... :biggrin: )


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 Betreff des Beitrags: Re: Kapitel 13
BeitragVerfasst: Donnerstag 4. Oktober 2007, 12:28 
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D'Arcy-Expertin mit Adelsaffinität
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Alethea hat geschrieben:
Auch die Erwähnung der vielen Spiegel lässt Sir Walter im Vergleich zum gutmütigen Admiral Croft mehr als lächerlich erscheinen. :wink:

Ich bin sicher, dass diese direkte Kontrastierung von Jane Austen beabsichtigt ist.

Vor allem wirkt Sir Walter dadurch auf mich sehr "weiblich"bzw. weibisch. Er, der ja so viel auf Stand und Ehre gibt und sich der "Männlichkeit" brüsten sollte :D im Gegensatz zu Marine und Armee, wo man die männlichen Tugenden unter Beweis stellt, statt nur davon zu sprechen ... :)

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BeitragVerfasst: Donnerstag 4. Oktober 2007, 12:38 
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Austenbegeistert
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Tina hat geschrieben:
Durch das Verhalten von Wentworth ermutigt, "traut" sich Louisa zu, mehr an Nähe "einzufordern". Und richtig, üblich war das ganz und gar nicht. Es sah für Außenstehende schon so aus, dass es zwischen den beiden zu einer Übereinkunft gekommen sein musste. Deshalb denken ja alle, die beiden werden sich verloben. Hätte Louisa KEINE Gefühle für Benwick entwickelt, wäre Wentworth an sie gebunden gewesen! Und es hätte für ihn kein Zurück gegeben (wenn, dann nur sehr erschwert!).


Danke, das finde ich sehr interessant! Ich hatte zwar beim Lesen schon immer so ein "Gefühl", aber daß die Situation so einzuschätzen ist, daß es für Wentworth kein Zurück gegeben hätte, habe ich nicht gedacht.
Nicht zuletzt durch den Unfall, an dem er ja nicht unschuldig war, wäre er an sie gebunden, denke ich, vielleicht auch wenn sie einen "Schaden" zurückbehalten hätte.


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BeitragVerfasst: Donnerstag 4. Oktober 2007, 12:47 
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Was für eine schreckliche Vorstellung muss das für Wentworth gewesen sein, durch seine eigene Leichtsinnigkeit an Louisa gebunden zu sein, die er zwar mochte, aber eben nicht liebte. Aber darüber erfährt man noch mehr und dann können wir noch einmal darüber sprechen. Jetzt wäre das zu spoilerhaft.

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BeitragVerfasst: Donnerstag 4. Oktober 2007, 12:53 
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Austenbegeistert
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Angeregt durch Eure Diskussionen über Lady Russell, habe ich verstärkt auf sie geachtet, dabei ist mir folgendes Zitat aufgefallen: "Aber innerlich war sie [Lady Russell] von heimlicher Schadenfreude, von wohltuender Verachtung erfüllt, daß der Mann, der mit 23 offensichtlich einen gewissen Sinn für den Wert einer Anne Elliot gehabt hatte, sich acht Jahre später von einer Louisa Musgrove umgarnen ließ."

Da steckt ganz schön viel drin. Jedenfalls denkt sie, daß Wentwoth damit sich einem "Abstieg" schuldig macht und ist nicht gerade nett in Bezug auf Louisa.
Vor allem die Formulierung "wohltuender Verachtung" hat es mir angetan, eine sehr gegensätzliche Wortkombination, die auf sehr tiefe Antipathie schließen läßt. Wie seht ihr dieses Zitat?


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BeitragVerfasst: Donnerstag 4. Oktober 2007, 12:58 
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D'Arcy-Expertin mit Adelsaffinität
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Also ich weiß nicht, der Text hört sich weniger nach Nähe einfordern und Wentworth's Leichtsinnigkeit an ... :gruebel:
There was too much wind to make the high part of the new Cobb pleasant for the ladies, and they agreed to get down the steps to the lower, and all were contented to pass quietly and carefully down the steep flight, excepting Louisa; she must be jumped down them by Captain Wentworth. In all their walks, he had had to jump her from the stiles; the sensation was delightful to her. The hardness of the pavement for her feet, made him less willing upon the present occasion; he did it, however. She was safely down, and instantly, to show her enjoyment, ran up the steps to be jumped down again. He advised her against it, thought the jar too great; but no, he reasoned and talked in vain, she smiled and said, "I am determined I will:" he put out his hands; she was too precipitate by half a second, she fell on the pavement on the Lower Cobb, and was taken up lifeless!

Das hört sich für mich eher so an, als ob sich Louisa wie ein verwöhntes, leichtsinniges Gör aufführte, um sich der Aufmerksamkeit der Herren zu versichern, so wie es vermutlich auch eine Lydia Bennet getan hätte. Wentworth versucht Louisa vom zweiten Sprung abzuhalten, aber sie hört nicht auf ihn, und es geht schief. Als Louisa sprang, wußte sie, dass irgendjemand sie auffangen würde, es hätte aber nicht wirklich Wentworth sein müssen. Er fing sie nur, weil er handelte, statt wie die anderen immer nur zuzusehen.

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BeitragVerfasst: Donnerstag 4. Oktober 2007, 13:00 
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Ehrlich gesagt nimmt mich das noch weiter gegen Lady Russel ein. Sie ist völlig den alten Werten zugetan, genau wie Sir Walther und Elisabeth. Aber wie sie von Louia denkt, gefällt mir so ganz und gar nicht. Sooo wenig gesellschaftsfähig ist sie nun wieder nicht. Und auch wegen Mary finde ich dieses Denken von Lady Russel nicht sehr nett. Schließlich ist sie Marys Schwägerin!

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BeitragVerfasst: Donnerstag 4. Oktober 2007, 13:07 
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@Tina
Weiter oben sagst Du, daß Louisa von Wentworth "Nähe einfordert" und man drängte sich einem Mann damals nicht auf, schon gar nicht öffentlich. Und ihr ganzes Verhalten bei diesem Spaziergang, wo alle anderen vorsichtig und langsam gehen, ist überaus leichtsinnig und nachgerade kindisch. Nicht das Verhalten, das man von einer guterzogenen, jungen Dame erwarten durfte.
Sooo gesellschaftsfähig ist sie dann wohl doch nicht, insofern kann ich Lady Russells Beurteilung gut nachvollziehen ... :D

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BeitragVerfasst: Donnerstag 4. Oktober 2007, 13:11 
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Austenbegeistert
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Caro hat geschrieben:
Das hört sich für mich eher so an, als ob sich Louisa wie ein verwöhntes, leichtsinniges Gör aufführte, um sich der Aufmerksamkeit der Herren zu versichern, so wie es vermutlich auch eine Lydia Bennet getan hätte.


Den Vergleich mit Lydia Bennet finde ich sehr passend, Caro!! :bindafür:
Mir kommt es doch auch mehr wie ein"Aufmerksamkeit-um-jeden-Preis-Gehabe" vor -sie benimmt sich in dieser Gesellschaft wirklich eher kindisch mit ihrem Springen...


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BeitragVerfasst: Donnerstag 4. Oktober 2007, 13:59 
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Maria hat geschrieben:
Angeregt durch Eure Diskussionen über Lady Russell, habe ich verstärkt auf sie geachtet, dabei ist mir folgendes Zitat aufgefallen: "Aber innerlich war sie [Lady Russell] von heimlicher Schadenfreude, von wohltuender Verachtung erfüllt, daß der Mann, der mit 23 offensichtlich einen gewissen Sinn für den Wert einer Anne Elliot gehabt hatte, sich acht Jahre später von einer Louisa Musgrove umgarnen ließ."

Da steckt ganz schön viel drin. Jedenfalls denkt sie, daß Wentwoth damit sich einem "Abstieg" schuldig macht und ist nicht gerade nett in Bezug auf Louisa.
Vor allem die Formulierung "wohltuender Verachtung" hat es mir angetan, eine sehr gegensätzliche Wortkombination, die auf sehr tiefe Antipathie schließen läßt. Wie seht ihr dieses Zitat?

Der Original-Text lautet:
Lady Russell had only to listen composedly, and wish them happy, but internally her heart revelled in angry pleasure, in pleased contempt, that the man who at twenty-three had seemed to understand somewhat of the value of an Anne Elliot, should, eight years afterwards, be charmed by a Louisa Musgrove.

Ich würde das in etwa so übersetzen:
Lady Russell oblag es lediglich ruhig zuzuhören, und ihnen Glück zu wünschen, aber innerlich jubelte ihr Herz in zorniger Freude, in zufriedener Geringschätzung, weil der Mann, der mit 23 Jahren wenigstens einen Teil des Wertes einer Anne Elliot hatte erkennen können, 8 Jahre später dem Charme einer Louisa Musgrove erliegen sollte.

Wäre es nicht schlimm für Anne, wenn Lady Russell Louisa ebenso wohlgesonnen wäre? Als wahre Freundin findet sie natürlich, dass für Anne kein Mann gut genug ist. Und es ist ihr eine Freude, zu sehen, dass sie doch vermeintlich recht hatte damit, Anne von Wentworth abzuraten, der ja Anne anscheinend nicht wirklich zu schätzen gewusst hat, und sich jetzt einem "leichtfertigen" Ding zu wendet. Louisas Charakter ist doch offensichtlich, ebenso wie Henriettas. Und ist es nicht so, dass die Eltern gegen die Flirtereien ihrer Töchter nichts einzuwenden hatten? Natürlich kommt Louisa in Lady Russells Augen gegen eine Anne nicht an, und Wentworth ist dumm genug, einer Musgrove zu erliegen ... :D :)

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BeitragVerfasst: Donnerstag 4. Oktober 2007, 14:28 
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Caro, ich dachte eher an den Stand, da habe ich mich wohl schlecht ausgedrückt.

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BeitragVerfasst: Donnerstag 4. Oktober 2007, 15:05 
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Tina hat geschrieben:
Caro, ich dachte eher an den Stand, da habe ich mich wohl schlecht ausgedrückt.

Nun ja, auch was den Stand angeht, ist es richtig, auch wenn es uns gegen den Strich gehen mag.
Sir Elliot war immerhin Baronet, nicht nur Knight, und hätte den Titel an einen Sohn weitervererbt. Cousin Elliot wird also später Baronet Sir Elliot. Sir Walters Problem sind nur Schulden und Geldmangel, weiter nichts.

Die Musgroves sind zwar, wie er, in der Gentry, aber er steht nun einmal ein wenig höher, da gibt es nichts zu rütteln. Auch Baronets hatten Zugang zu Almacks und den Herrenclubs wie dem White's, wo der einfache Landadel nicht unbedingt gern gesehen war. Solche "Feinheiten" waren damals wichtig und ausschlaggebend, ebenso wie die Finanzen. :)

Lady Russell hätte sich für Anne halt etwas Besseres gewünscht, was ja eigentlich legitim ist. man versuchte damals halt auf diese Art "Karriere" zu machen. Nun und scheinbar nehmen es die Musgroves mit gewissen gesellschaftlichen Regeln auch nicht sehr genau. Ich betrachte das jetzt rein aus gesellschaftlichen Stichpunkten (was nichts damit zu tun hat, dass sie einem, sprich mir, sympathisch sein können). :wink:

In Lady Russells Augen hätte Wentworth damals also theoretisch eine Anne Elliot haben können (auch wenn es einen Mesalliance gewesen wäre) und gibt sich nun mit einer Musgrove zufrieden, noch dazu einem "albernen" Ding.
Wentworth, der sich ja jetzt finanziell sehr gut steht und dem bei der Marine eine große Karriere vorausgesagt wird, hätte ja nun die Möglichkeit eine jüngere Tochter aus verarmtem Adel zu ehelichen (wie z.B. Anne Elliot) und wendet sich eben Louisa zu, was ihn in Lady Russells Augen nicht unbedingt vernünftiger macht.

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Zuletzt geändert von Caro am Donnerstag 4. Oktober 2007, 15:30, insgesamt 3-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Donnerstag 4. Oktober 2007, 15:23 
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Aber für Mary ist die Familie gut genug in den Augen von Lady Russel??? :gruebel:

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BeitragVerfasst: Donnerstag 4. Oktober 2007, 15:36 
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Tina hat geschrieben:
Aber für Mary ist die Familie gut genug in den Augen von Lady Russel??? :gruebel:

Sagen wir mal so: Ich glaube Mary ist Lady Russell nicht so wichtig wie Anne, und bei der ersten Verlobung hatte Wentworth ja noch nichts, was sich inzwischen geändert hat.

Als Mary Charles Musgrove heiratet, ist er die beste Wahl, weil die eigene Familie kein Geld hat und der Titel zu klein ist, um in der Adelshierarchie aufzusteigen. Mary ist ja nun nicht sooo reizvoll, dass sie ein Aristokrat vor lauter Liebe heiraten würde. Außerdem ist Mary die jüngste Elliot-Tochter. Inzwischen ist Wentworth genauso viel "Wert" wie Charles Musgrove, wenn nicht sogar noch mehr, und Hayter hat weniger als die Musgroves.

Und Lady Russell erhofft sich für Anne halt immer noch eine besonders gute Partie. Ich denke, sie möchte halt nicht, dass sich Anne unter Wert verkauft, wie man sagen würde.

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BeitragVerfasst: Donnerstag 4. Oktober 2007, 16:15 
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Austenkenner
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Endlich habe ich es geschafft auf dem aktuellen Stand zu sein. (Schwiegereltern sind abgereist, Sohn ist in Dublin). Jetzt muß ich mich "nur" um unser neues Familienmitglied (Löwenkopfzwerghase) kümmern.
Wo wir gerade beim Thema "Kümmern" sind - mir ist aufgefallen, dass sich Mrs. Clay und auch Mary (offensichtlich sehr bereitwillig) von ihren (kleinen) Kindern trennen, auch auf lange Zeit, wie ja der Aufenthalt der Elliotts mit Mrs Clay in Bath zeigt. Sie ist ja mit ihren Kinden ins Elternhaus zurückgekehrt und überlässt sie jetzt ihren Eltern, oder wie? Ich kann mich nicht erinnern, ob irgendwo das Alter der Clay-Kinder angegeben war. Vielleicht sind sie ja außer Haus in einer Schule untergebracht, wie die Kinder der Musgroves. Und das war (und ist) in bestimmten Kreisen ja wohl so üblich.
Das Verhalten von Louisa finde ich auch etwas befremdlich.
In einer Gesellschaft, in der es kaum möglich war sich ungezwungen in der Öffentlichkeit zu unterhalten, ohne dass gleich "Absichten" unterstellt wurden, sich einem Herren an den Hals zu werfen, ist doch entweder absolut kindliches Verhalten oder grenzt an Leichtfertigkeit bzw Schamlosigkeit. Ich glaube, dass dieses Verhalten, bei allem Bedauern für die Verletzte, auf Wentworth abstoßend gewirkt hat. Solch ein unreifes Gebaren ist mit seiner Anforderung an ein ideales Frauenbild nicht vereinbar.

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One Ring To Find Them...


Zuletzt geändert von Concaela am Donnerstag 4. Oktober 2007, 16:23, insgesamt 1-mal geändert.

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Ja, es war im Gegenteil eher unüblich wie die Gardiners in P&P mit der ganzen Kinderschar zu verreisen. Man hatte ja das Personal, das sich um die Kinder kümmerte (Kinder bis 2 Jahren waren meist bei einer Amme) oder sie waren in Internaten untergebracht. Man hatte einfach nicht die enge Mutter-Kind-Beziehung wie wir heute. :)

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BeitragVerfasst: Donnerstag 4. Oktober 2007, 17:32 
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Caro hat geschrieben:
Als Louisa sprang, wußte sie, dass irgendjemand sie auffangen würde, es hätte aber nicht wirklich Wentworth sein müssen. Er fing sie nur, weil er handelte, statt wie die anderen immer nur zuzusehen.


Das sehe ich nicht so, und das Zitat, das du zuvor gegeben hast, zeigt es doch auch ganz deutlich:

all were contented to pass quietly and carefully down the steep flight, excepting Louisa; she must be jumped down them by Captain Wentworth. In all their walks, he had had to jump her from the stiles; the sensation was delightful to her. The hardness of the pavement for her feet, made him less willing upon the present occasion; he did it, however. She was safely down, and instantly, to show her enjoyment, ran up the steps to be jumped down again.

Bei früheren Spaziergängen (bei denen die beiden, wie man ja erfuhr, stets zusammengingen) musste er sie immer auffangen, wenn sie von den Zaunübertritten sprang --- er soll sie auch auffangen, wenn sie nun von den Stufen springt.

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Was Lady Russells Geringschätzung von Louisa im Vergleich zu Anne betrifft, so habe ich dies eigentlich nicht wirklich als eine Sache betrachtet, die mit dem Stand Louisas zu tun hat (denn sie wäre Captain Wentworths Rang ja durchaus ebenbürtig und in diesem Sinne die rechte Partie für ihn). Ich sehe vielmehr hier, dass Lady Russell Annes persönliche Qualitäten (Güte, Sanftheit, Bescheidenheit, Hilfsbereitschaft, Intelligenz, Vernunft...) wesentlich höher einschätzt als die der quirligen, unvernünftigen Louisa Musgrove, die ja auch Anne an Jahren und Erfahrung weit unterlegen ist.

Sie denkt wohl, dass ein Mann wie Wentworth doch den Unterschied zwischen diesen beiden Frauencharakteren merken müsste, und eine intelligente Frau wie Anne eindeutig vorziehen sollte --- was er ja auch noch immer tut, nur weiß er's noch nicht! :lol: Und Lady Russell weiß es schon gar nicht. :wink:

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(Verfasser (mir) unbekannt --- Angelika meint, es sei Mark Twain... :biggrin: )


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BeitragVerfasst: Donnerstag 4. Oktober 2007, 17:47 
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Ich lese noch mit! ;) War nur die letzten Tage irgendwie nie lange genug online, um auch mal was handfestes zu schreiben.

Jetzt werde ich ein paar Tage weg sein, aber weiterlesen - und dann hoffentlich wieder richtig mitmachen können. :)


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BeitragVerfasst: Donnerstag 4. Oktober 2007, 18:51 
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Alethea hat geschrieben:
Was Lady Russells Geringschätzung von Louisa im Vergleich zu Anne betrifft, so habe ich dies eigentlich nicht wirklich als eine Sache betrachtet, die mit dem Stand Louisas zu tun hat (...). Ich sehe vielmehr hier, dass Lady Russell Annes persönliche Qualitäten (Güte, Sanftheit, Bescheidenheit, Hilfsbereitschaft, Intelligenz, Vernunft...) wesentlich höher einschätzt als die der quirligen, unvernünftigen Louisa Musgrove, die ja auch Anne an Jahren und Erfahrung weit unterlegen ist.

Sie denkt wohl, dass ein Mann wie Wentworth doch den Unterschied zwischen diesen beiden Frauencharakteren merken müsste, und eine intelligente Frau wie Anne eindeutig vorziehen sollte (...).


Genau das lag mir beim lesen hier auch gerade auf der Zunge. Ich sehe das auch so, hier ging es Lady Russell nicht um den Stand, sondern um die menschlichen Qualitäten ihrer Freundin.

Übrigens ist die Formulierung hier mal wieder ganz toll und auf den Punkt: angry pleasure (...) pleased contempt (- Oxymoron nennt man diese Stilfigur übrigens. :wink:)
Viel unmittelbarer und nachfühlbarer als sonst ganze Sätze. :)


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BeitragVerfasst: Freitag 5. Oktober 2007, 08:31 
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Matthews spezielle Weinlieferantin
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Alethea hat geschrieben:
Bei früheren Spaziergängen (bei denen die beiden, wie man ja erfuhr, stets zusammengingen) musste er sie immer auffangen, wenn sie von den Zaunübertritten sprang --- er soll sie auch auffangen, wenn sie nun von den Stufen springt.


Genau das ist es doch auch, was sich Wentworth selber vorwirft: Louisa selber ermutigt zu haben! Schlimmer noch: ihr und der Familie Grund gegeben zu haben, sie als verlobt betrachten zu können!
Wentworth gibt sich ganz alleine die Schuld am Unfall von Louisa. Und ein Stückweit muss ich ihm Recht geben.

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BeitragVerfasst: Freitag 5. Oktober 2007, 09:08 
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D'Arcy-Expertin mit Adelsaffinität
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Alethea hat geschrieben:
Caro hat geschrieben:
Als Louisa sprang, wußte sie, dass irgendjemand sie auffangen würde, es hätte aber nicht wirklich Wentworth sein müssen. Er fing sie nur, weil er handelte, statt wie die anderen immer nur zuzusehen.


Das sehe ich nicht so, und das Zitat, das du zuvor gegeben hast, zeigt es doch auch ganz deutlich:

all were contented to pass quietly and carefully down the steep flight, excepting Louisa; she must be jumped down them by Captain Wentworth. In all their walks, he had had to jump her from the stiles; the sensation was delightful to her. The hardness of the pavement for her feet, made him less willing upon the present occasion; he did it, however. She was safely down, and instantly, to show her enjoyment, ran up the steps to be jumped down again.

Bei früheren Spaziergängen (bei denen die beiden, wie man ja erfuhr, stets zusammengingen) musste er sie immer auffangen, wenn sie von den Zaunübertritten sprang --- er soll sie auch auffangen, wenn sie nun von den Stufen springt.


Ich meinte das anders. Sie zwang Wentworth sie aufzufangen, weil sie eben einfach sprang ohne an die Folgen zu denken. Sie zwang ihn indirekt durch den Sprung dazu, weil er (mit seinem Charakter) nicht hinnehmen konnte, dass sie zu Schaden kam. Theoretisch hätte sie jeder der Herren auffangen können, es war nur Wentworth, der es tat.
Glaubst du tatsächlich, dass man die beiden völlig allein spaziergehen liess, wo Louisa mit ihm "spielte" und dass Louisa in Gesellschaft verlangte, Er, und nur Er müsse sie auffangen? :gruebel: :nixweiss: Das hätte doch wohl einen Riesenskandal und völlig andere Reaktionen gegeben, oder nicht?

Zudem glaube ich nicht, dass Wentworth so ein leichtfertiger Charakter ist, der eine junge Dame einfach so in aller Öffentlichkeit berührt und sich vorerst der Folgen nicht bewusst ist, wie hier stellenweise angenommen wird. Wentworth hat sie gehalten, weil er es für seine Pflicht hielt. Welche Wahl hätte er als Gentleman denn gehabt? Dieses leichtsinnige und leichtfertige Ding einfach stürzen zu lassen? Denn es war damals ein leichtfertiger Zug einen Mann, egal welchen, zu zwingen einen zu berühren. Und er scheint hier ja der einzige wirkliche Gentleman zu sein. :)

Ich weiß aber nicht, ob es in diesem Fall gleich eine Verlobung hätte nach sich ziehen müssen. Es konnte ja z.B. während einer Reise zu der Situation kommen, dass sich ein Gentleman gezwungen fühlte eine Dame über eine Pfütze oder Matsch zu tragen, ihr aus der Kutsche zu helfen oder sie sogar herausszuheben. Es wäre ja schlimm, wenn das immer gleich eine Ehe nach sich gezogen hätte. :wink: Oder hätte ein echter Gentleman eine Dame durch den Dreck laufen oder stolpern und fallen lassen?

Bei Wentworth ist die Lage nur die, dass ohnehin jeder eine Verlobung erwartet. Das hatte mit den "Springereien" nicht unbedingt zu tun, sie waren nur noch das Düpfele auf dem "i", wie man sagt. :)

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Zuletzt geändert von Caro am Freitag 5. Oktober 2007, 09:43, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Freitag 5. Oktober 2007, 09:42 
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Matthews spezielle Weinlieferantin
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Das Retten eines leichtsinnigen jungen Mädchens aus großer Gefahr für Leib und Leben zu retten soll ein Skandal gewesen sein? Das kann und will ich mir nicht so vorstellen. Klar wollte Louisa, dass wieder Wentworth ihr "Retter" sein würde. So oft, wie sie seine Nähe gesucht und mit ihm geflirtet hatte! Nur war sie dabei sehr dumm und leichtsinnig und hatte nicht an die möglichen Konsequenzen für sie selber gedacht.

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