zu Kapitel 12
Zunächst mal danke an Julia, für die Erläuterung des Gedichts! Da sich Jane Austen 100%ig etwas dabei dachte, als sie diese Anspielung brachte, ist es immer gut, wenn man weiß, um was es sich bei dem Gedicht dreht! :danke:
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Ich halte das 12. Kapitel in gewisser Weise für den Wendepunkt in der Geschichte, obwohl es auf den ersten Blick gar nicht so aussehen mag.
Anne ist wieder aufgeblüht, wie zu Beginn des Kapitel beschrieben wird, und auch Wentworth scheint wieder mehr Interesse für Anne zu empfinden, oder seine alte Liebe zu ihr zu spüren.
Das wird zunächst dadurch deutlich, dass er wohl ein wenig eifersüchtig ist, als der Gentleman auf dem Cobb ihr bewundernd nachschaut.
She was looking remarkably well; her very regular, very pretty features, having the bloom and freshness of youth restored by the fine wind which had been blowing on her complexion, and by the animations of eye which it had also produced. It was evident that the gentleman (completely a gentleman in manner) admired her exceedingly. Captain Wentworth looked round at her instantly in a way which shewed his noticing of it. He gave her a momentary glance, a glance of brightness, which seemed to say, "That man is struck with you, and even I, at this moment, see something like Anne Elliot again." (Kapitel 12 )
Und auch später im Kapitel kommen wiederholt Stellen, an denen Wärme und Respekt für sie zum Ausdruck kommen, z.B. als er sie ganz liebevoll bei ihrem Vornamen nennt (das war ja eigentlich bei Mann und Frau nur üblich, wenn man sich recht nahe stand --- und nach außen hin sind Anne und Frederick ja nur "flüchtige Bekannte, die nie wirklich miteinander sprechen), als er sie als die Geeignetste zur Krankenpflege bezeichnet, oder als er sie in Uppercross um ihren Rat fragt, wie er beim Übermitteln der Nachricht vorgehen soll.
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Mir gefällt an diesem Kapitel auch, wie Anne während des Unfalls die einzige ist, die ruhig und gelassen bleibt, und sich alle, selbst Wentworth, an sie, gewissermaßen einem Ruhepunkt, um Rat wenden. Während alle hektisch und hysterisch umherrennen, ist sie "ein Mann der Tat" (sinnbildlich gesprochen natürlich

), ohne die alle recht verloren wären, scheint mir.
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Noch zu der Mary-Diskussion, obwohl die sich ja inzwischen geklärt hat. Ich denke nicht, dass man hier Erzähler- und Figurensicht verwechseln kann. Mary hat sich den ganzen Roman über in jeder kritischen Situation stets als völlig unfähig erwiesen, sich sogar selbst so bezeichnet, wie Pixie bereits schrieb. Ich denke, dass hier tatsächlich Mary einfach nur eifersüchtig ist und sich unvernünftig verhält. In Lyme ist sie niemanden zunutze, während Anne das wäre (wie sie mit Klein Charles oder ihrer ruhigen Art beim Unfall bewiesen hat), nur durch ihr Gezetere (das sie ja stets anstimmt, wenn ihr irgendetwas nicht passt oder sie sich vernachlässigt fühlt) muss Anne schließlich weichen. Mary dreht es sich so, wie sie's haben will, hauptsache ihr Recht als "nähere Verwandte" (auf das sie ja immerzu beharrt, obwohl es gerade an dieser Stelle geradezu lächerlich wirkt) wird ihr nicht streitig gemacht.
................So, das wär's von mir hierzu!