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BeitragVerfasst: Dienstag 25. September 2007, 12:18 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Ein paar kleine Dinge sind mir beim Lesen noch aufgefallen:

Die Szene, in der die Musgrove-Mädchen mit Wentworth die "navy list" studieren hat mich sehr an das Eingangskapitel und Sir Walter mit seinem Adelsregister erinnert. Sogar die Wortwahl:

(...) Captain Wentworth could not deny himself the pleasure of taking the precious volume into his own hands to save them the trouble, and once more read aloud the little statement of her name and rate, and present non-commissioned class, (...)

Ich meine natürlich nicht, dass sein Stolz, über sein Schiff zu lesen mit Sir Walters Eitelkeit auf eine Stufe gestellt werden soll - eher, dass es zu einer Perspektive passt, aus der man den Roman lesen kann: Als "Demontage" der gesellschaftlichen Vorherrschaft des alteingesessenen Adels (Sir Walter, Kellynch, Lady Russell) zugunsten der "neuen" Klasse der Navy-Gemtlemen, die sich ihr Ansehen und ihre Stellung erarbeitet haben und so neue Werte etablieren. Zumindest später im Buch (Lyme) wird das meiner Meinung nach noch sehr gewichtig.

Eine andere Parallele (die eigentlich auch zu obiger Theorie passt) sehe ich zwischen Mrs Croft und Mary Musgrove, bzgl. dem Lebensstil und -inhalt der Ehefrauen von Marine-Angehörigen gegenüber "untätigen" Gentlemen. Besonders in diesem Abschnitt:

I lived in perpetual fright at that time, and had all manner of imaginary complaints from not knowing what to do with myself, or when I should hear from him next (...)

Das ist jetzt auch das passende Kapitel, um etwas aus "Jane Austen and the navy" für Euch zusammenzuschreiben, denn jetzt geht es ja genau und relativ ausführlich auch darum. Mal sehn, vielleicht schaffe ich es bis heute Abend.


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Verfasst: Dienstag 25. September 2007, 12:18 


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BeitragVerfasst: Dienstag 25. September 2007, 12:18 
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D'Arcy-Expertin mit Adelsaffinität
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@Pixie
Pixie hat geschrieben:
JA feuert im Kapitel 8 eine herrlich gemeine Spitze gegen Mrs. Musgrove ab, die über das Schicksal ihres Sohnes jammert und stöhnt. "Gewiss lassen sich Körpergröße und seelisches Leid nicht in ein mathematisches Verhältnis zueinander bringen. Ein Fettwanst hat ebenso viel Recht, tieftraurig zu sein, wie das zierlichste Persönchen von der Welt."
Bis hierhin hatte JA über Mrs. Musgrove ja noch nicht so viel berichtet, außer, dass sie und ihr Mann auch kein tiefergehendes Interesse an Anne zeigen. Aber trotzdem habe ich das Gefühl, dass Anne sich bei den Musgroves eigentlich recht wohl fühlt. Daher finde ich diese fiese Spitze JAs besonders auffällig.


Dazu gibt es noch eine passende Situation:
Mrs. Musgrove äußert ihr Bedauern, dass Richard Wentworths "Seite" verlassen hat, weil es ihm danach schlecht ergangen war und wie gut Wentworth für Richards Entwicklung gewesen sei. Da gibt es sowas wie einen gequälten Blick von Wentworth, den die Anderen wohl nicht so sahen, Anne aber mit der Kenntnis seines Charakters so interpretiert hat, als wäre er froh gewesen, ihn loszuwerden. Auch das lässt tief blicken. :wink:

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BeitragVerfasst: Dienstag 25. September 2007, 12:25 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Pixie hat geschrieben:
Bis hierhin hatte JA über Mrs. Musgrove ja noch nicht so viel berichtet, außer, dass sie und ihr Mann auch kein tiefergehendes Interesse an Anne zeigen. Aber trotzdem habe ich das Gefühl, dass Anne sich bei den Musgroves eigentlich recht wohl fühlt. Daher finde ich diese fiese Spitze JAs besonders auffällig.


Ja, über diese Passage haben sich schon Generationen von Kritikern mehr oder weniger ratlos ausgelassen. Für mich wirkt sie auch etwas deplaziert, denn Mrs Musgrove ist doch eine harmlose, gutmütige Frau - und so über ihre Körperfülle zu lästern mag für mich auch nicht so recht zu JA passen.

Vielleicht ist es ein Überbleibsel einer eindeutigeren Charakterisierung von Mrs Musgrove, die dann wieder gestrichen wurde? Das Buch wurde ja erst nach JA's Tod veröffentlicht, d.h. es wurde vom Manuskript veröffentlicht, ohne dass sie nochmal "drübergehen" konnte.

Und was das Interesse der Musgroves und Anne's Wohlbefinden dort betrifft: Sie sind zwar nicht wirklich interessiert an Anne's Belangen (was sicher auch daran liegt, dass Anne sie sorgsam vergraben hat), aber ich denke, Anne geniesst bei ihnen trotzdem eine Warmherzigkeit und Sympathie, die sie umso höher einschätzt, weil sie sie kaum sonst irgendwo spürt.


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BeitragVerfasst: Dienstag 25. September 2007, 12:31 
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D'Arcy-Expertin mit Adelsaffinität
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Julia hat geschrieben:
Eine andere Parallele (die eigentlich auch zu obiger Theorie passt) sehe ich zwischen Mrs Croft und Mary Musgrove, bzgl. dem Lebensstil und -inhalt der Ehefrauen von Marine-Angehörigen gegenüber "untätigen" Gentlemen. Besonders in diesem Abschnitt:

I lived in perpetual fright at that time, and had all manner of imaginary complaints from not knowing what to do with myself, or when I should hear from him next (...)


Aber geht es in diesem Ausspruch nicht auch darum, dass Mrs. Croft lieber mit an Bord war, wo sie sich beschützt fühlte, als allein und schutzlos auf Land zu sitzen, und sich ständig Gedanken um den Ehemann zu machen?
" ...and I can safely say, that the happiest part of my life has been spent on board a ship. While we were together, you know, there was nothing to be feared. Thank God! I have always been blessed with excellent health, and no climate disagrees with me. A little disordered always the first twenty-four hours of going to sea, but never knew what sickness was afterwards. The only time I ever really suffered in body or mind, the only time that I ever fancied myself unwell, or had any ideas of danger, was the winter that I passed by myself at Deal, when the Admiral (Captain Croft then) was in the North Seas. I lived in perpetual fright at that time, and had all manner of imaginary complaints from not knowing what to do with myself, or when I should hear from him next; but as long as we could be together, nothing ever ailed me, and I never met with the smallest inconvenience."

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BeitragVerfasst: Dienstag 25. September 2007, 12:36 
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Austenbegeistert
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Caro hat geschrieben:
"Oh, no; never; she has quite given up dancing. She had rather play. She is never tired of playing."



Vor meinem inneren Auge entsteht das Bild einer noch jungen Frau, die bereits mehr aufgeben hat als das Tanzen. Z.B. die Hoffnung auf eine glücklichere Zukunft und ein Stück weit sich selbst. Hier zeigt sich ein Gegensatz zu ihrer Schwester E., die, obwohl sie älter ist, die Hoffnung auf eine passende Heirat noch nicht aufgegeben hat, auch wenn sie leicht besorgt ist.

Was mir noch aufgefallen ist bei dem Geplänkel zwischen Wentworth und dem Admiral, so ganz ohne Verbindung ist W. ja auch nicht mit einem Admiral als Schwager... Vielleicht hatte Admiral Croft seine Finger im Spiel als es um die Vergabe der "asp" ging?


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BeitragVerfasst: Dienstag 25. September 2007, 12:40 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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@Caro: Ja, klar. Ich meinte ja nur, dass diese Äußerung auf Mary passt, die auch alle möglichen eingebildeten Leiden pflegt, wenn/weil sie nicht weiß, was sie mit sich anfangen soll. Und Mrs Croft es eben auch (allerdings um einiges bewusster und selbstreflektierter :wink:) so erlebt hat, als sie einen Winter - "untätig"- an Land verbracht hat.

Ich vergleiche die beiden Personen nicht miteinander, es ging mir lediglich um die ähnlichen Symptome.

Hätte Mary eine Aufgabe, eine Verantwortung, könnte sich sinnvoll beschäftigen, wäre ausgefüllt in ihrer Lebenssituation, würde sie sich nicht einbilden, "krank" zu sein.


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BeitragVerfasst: Dienstag 25. September 2007, 12:46 
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Maria hat geschrieben:
Was mir noch aufgefallen ist bei dem Geplänkel zwischen Wentworth und dem Admiral, so ganz ohne Verbindung ist W. ja auch nicht mit einem Admiral als Schwager... Vielleicht hatte Admiral Croft seine Finger im Spiel als es um die Vergabe der "asp" ging?


Das ist einer der Gründe, warum ich weiter vorne gepostet habe, dass wir über Wentworth Herkunft nur sehr wenig wissen außer der abschätzigen Meinung von Lady Russel. Und mit Sicherheit ist die verwandschaftliche Beziehung zu einem Admiral sicher hilfreich um vorwärts zu kommen.

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Schritte wagen im Vertraun auf einen guten Weg, Schritte wagen im Vertraun das letztlich ER mich trägt, Schritte wagen weil im Aufbruch ich nur sehen kann, für mein Leben gibt es einen Plan.
Clemens Bittlinger


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BeitragVerfasst: Dienstag 25. September 2007, 12:53 
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D'Arcy-Expertin mit Adelsaffinität
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Tina hat geschrieben:
Maria hat geschrieben:
Was mir noch aufgefallen ist bei dem Geplänkel zwischen Wentworth und dem Admiral, so ganz ohne Verbindung ist W. ja auch nicht mit einem Admiral als Schwager... Vielleicht hatte Admiral Croft seine Finger im Spiel als es um die Vergabe der "asp" ging?


Das ist einer der Gründe, warum ich weiter vorne gepostet habe, dass wir über Wentworth Herkunft nur sehr wenig wissen außer der abschätzigen Meinung von Lady Russel. Und mit Sicherheit ist die verwandschaftliche Beziehung zu einem Admiral sicher hilfreich um vorwärts zu kommen.


Damals war Croft sicher noch kein Admiral. Auch er hat "klein" angefangen ... Mrs. Croft erzählt z.B. von dem einen Winter, als Croft im Norden schipperte und sie auf Deal allein war, da war Croft noch "Captain". Wissen wir, wann genau die Crofts verlobt waren und geheiratet haben? War das vor oder nach der Verlobung von Anne und Wentworth? Und hatte Wentworth immer schon vor zur Marine zu gehen?

@Maria
Übrigens reden Männer über ihre Schiffe, wie über eine Braut/Frau. Deshalb geben sie ihnen oft auch weibliche Namen. Ich glaube eher, dass Croft selbst einmal das Kommando über die ASP hatte :wink: Das hat JA auch schön gezeigt. Wie sehr Männer ihre Schiffe lieben! Deshalb war Croft so entrüstet, als Wentworth von der ASP zuerst als von dem ollen Kahn sprach,um später zuzugeben, wieviel sie ihm bedeutete.
Und sie (die Seeleute) bekommen richtig Tränen in den Augen, wenn die "Alte" abtakeln muss und verschrottet wird. :)

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Zuletzt geändert von Caro am Dienstag 25. September 2007, 13:09, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Dienstag 25. September 2007, 13:09 
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Austenbegeistert
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Pixie hat geschrieben:
JA feuert im Kapitel 8 eine herrlich gemeine Spitze gegen Mrs. Musgrove ab, die über das Schicksal ihres Sohnes jammert und stöhnt. "Gewiss lassen sich Körpergröße und seelisches Leid nicht in ein mathematisches Verhältnis zueinander bringen. Ein Fettwanst hat ebenso viel Recht, tieftraurig zu sein, wie das zierlichste Persönchen von der Welt."
Bis hierhin hatte JA über Mrs. Musgrove ja noch nicht so viel berichtet, außer, dass sie und ihr Mann auch kein tiefergehendes Interesse an Anne zeigen. Aber trotzdem habe ich das Gefühl, dass Anne sich bei den Musgroves eigentlich recht wohl fühlt. Daher finde ich diese fiese Spitze JAs besonders auffällig.


Uiuiui, an dieser Stelle halte ich es für sinnvoll einmal wieder die Übersetzung zu vergleichen. Im Kern sagen sie zwar dasselbe, doch klingt es bei mir ein wenig netter: Körperlicher Umfang und seelischer Schmerz stehen natürlich nicht unbedingt in einem bestimmten Verhältnis zueinander. Eine umfangreiche, üppige Figur hat das gleiche Recht auf Seelenschmerz wie das graziöseste Ensemble von Gliedern. Aber, ob recht und bilig oder nicht, es gibt unvorteilhafte Kombinationen, für die sich der Verstand vergeblich einsetzt-die der Geschmack nicht dulden kann-die der Lächerlichkeit zu Opfer fallen.

Mrs. Musgrove erscheint für mich unfreiwillig komisch zu sein in ihrem Schmerz. So was soll ja auch im echten Leben vorkommen. Außerdem war JA auch nur ein Mensch, mit Vorlieben und sicher auch gewissen Abneigungen....

P.S.: Ich will jetzt sofort ein Fleißkärtchen! Ich tippe die meiste Zeit mit einem Finger!


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BeitragVerfasst: Dienstag 25. September 2007, 13:15 
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Austenbegeistert
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Caro hat geschrieben:
@Maria
Übrigens reden Männer über ihre Schiffe, wie über eine Braut/Frau. Deshalb geben sie ihnen oft auch weibliche Namen. Ich glaube eher, dass Croft selbst einmal das Kommando über die ASP hatte :wink: Das hat JA auch schön gezeigt. Wie sehr Männer ihre Schiffe lieben! Deshalb war Croft so entrüstet, als Wentworth von der ASP zuerst als von dem ollen Kahn sprach,um später zuzugeben, wieviel sie ihm bedeutete.
Und sie (die Seeleute) bekommen richtig Tränen in den Augen, wenn die "Alte" abtakeln muss und verschrottet wird. :)


Ha, das kommt mir bekannt vor... Heutzutage behandeln manche Männer ihre Autos besser als ihre Freundin oder pflegen sie ( die Autos) mehr als sich selbst :eek:


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BeitragVerfasst: Dienstag 25. September 2007, 15:00 
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D'Arcy-Expertin mit Adelsaffinität
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Julia hat geschrieben:
Also ich würde das Räumen des Platzes am Klavier nicht so überbewerten. Zumindest Anne empfindet es nicht so (und dass sie ihn immernoch sehr gut "durchschaut" zeigt sich ja im Laufe des Abends, wo ihr Mimik auffällt, die den anderen entgeht):

(...) he saw her, and, instantly rising, said, with studied politeness-- (...)
Anne did not wish for more of such looks and speeches. His cold politeness, his ceremonious grace, were worse than anything.


Da steckt für mich eher distanzierte Über-Höflichkeit (wie einer "Fremden" gegenüber) dahinter, als "Mitleid" oder "Sorge".
Auch seine Frage, ob sie nie tanze, erscheint mir nur logisch, wenn sie die einzige junge Dame ist, die sich den ganzen Abend zurückhält.

Ich denke, sein späteres Verhalten (beim Spaziergang, die Episode mit der Kutsche) lässt sich schon eher in die Richtung interpretieren, aber jetzt schützt ihn noch sein verletzter Stolz.


@Julia
aber es könnte doch sein, dass nur Anne sein Verhalten so interpretiert, daß dieser letzte Abschnitt quasi aus ihrer Sicht geschrieben ist?
"... und obwohl sie dies sogleich entschlossen verneinte, konnte er nicht (von ihr?) dazu bewogen werden, erneut Platz zu nehmen."
Und dann kommt der letzte Satz, daß Anne solche Blicke und Worte nicht wollte. Daß seine kühle Höflichkeit, seine förmliche (huldvolle?) Gnade für sie schlimmer waren, als alles andere.

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BeitragVerfasst: Dienstag 25. September 2007, 15:15 
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Caro hat geschrieben:
@Julia
aber es könnte doch sein, dass nur Anne sein Verhalten so interpretiert, daß dieser letzte Abschnitt quasi aus ihrer Sicht geschrieben ist?
"... und obwohl sie dies sogleich entschlossen verneinte, konnte er nicht (von ihr?) dazu bewogen werden, erneut Platz zu nehmen."
Und dann kommt der letzte Satz, daß Anne solche Blicke und Worte nicht wollte. Daß seine kühle Höflichkeit, seine umständliche (steife?) Gnade, schlimmer waren, als alles andere.


Das sehe ich auch so, Caro!

Anne ist bei den Zusammentreffen verzeifelt:
They had no conversation together, no intercourse but what
the commonest civility required. Once so much to each other!
Now nothing!


oder:

Now they were as strangers; nay, worse than strangers, for they could
never become acquainted. It was a perpetual estrangement.


though her eyes would sometimes
fill with tears as she sat at the instrument


und aus alldem ergibt sich Annes Meinung im letzten Satz des Kapitels:

His cold politeness, his ceremonious grace, were worse than anything.

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BeitragVerfasst: Dienstag 25. September 2007, 16:29 
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Austenbegeistert
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Ich hab es auch so verstanden, dass der letzte Abschnitt aus ihrer Sicht geschrieben ist. Hier wird so richtig deutlich wie sehr sie diese Begegnung mit ihm trifft und wie viele Gedanken sie sich macht über sein Verhallten. Auffällig fand ich, dass sie scheinbar von ihm eine höhere Meinung hat als von sich selbst. Sie gibt ihm sehr schnell recht und ergreift gedanklich Partei für ihn (z.B. was ihr äußeres Betrifft, sein Verhallten den jungen Damen gegenüber). Sie bringt ihm jedenfalls viel Verständnis entgegen auch wenn sie sein kühles Verhallten verletzt.

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Oh! (..) Mit welchem Entzücken habe ich (die Blätter) früher fallen sehen!
Wie hat es mich beim spazierengehen hingerissen, wenn der Wind sie um mich herum wirbelte!
Zu welchen Empfindungen haben mich die Blätter, die Jahreszeit, die ganze Atmosphäre begeistert!
(Verstand und Gefühl)


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BeitragVerfasst: Dienstag 25. September 2007, 16:36 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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Ja, ich denke auch, dass sehr viel in diesem Kapitel aus Anne's Sicht geschrieben ist und die Erzählstimme mischt sich (wie auch in "Emma") sehr oft mit Anne's. Insofern glaube ich schon auch, dass das Anne's Eindruck der Situation ist.

Aber folgt daraus, dass sie mit ihrer Einschätzung falsch liegt?


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BeitragVerfasst: Dienstag 25. September 2007, 16:38 
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Matthews spezielle Weinlieferantin
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Es ist halt ihre Sicht der Dinge. Da ist sicher viel wahres dabei. Aber auch sehr viel eigenes Empfinden. Ich wüsste gerne, wie Wentworth darüber denkt. Er würde das ganze wahrscheinlich wieder ganz anders beschreiben.

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BeitragVerfasst: Dienstag 25. September 2007, 17:57 
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Tina hat geschrieben:
Es ist halt ihre Sicht der Dinge. Da ist sicher viel wahres dabei. Aber auch sehr viel eigenes Empfinden. Ich wüsste gerne, wie Wentworth darüber denkt. Er würde das ganze wahrscheinlich wieder ganz anders beschreiben.


Das wäre in der Tat sehr interessant, Tina!
Allerdings vermute ich, dass er noch nicht so weit ist, zu sich selber ehrlich zu sein!

Aber er wird sich auch so seine Gedanken machen, die er jedoch (noch) mit aufgesetzter Munterkeit überdeckt. :juggle:

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BeitragVerfasst: Dienstag 25. September 2007, 17:57 
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@ Maria

:wink: Fleißkärtchen überreicht :wink:

wäre es möglich (auch wenn Du nach dem System Adler tippst-(wie ich) anzugeben aus welcher Übersetzung Deine Passage stammt?
Z.B. Insel/Rauchenberger; Manesse/Leisi; Reklam/Grawe
Wenn öfter vergleichende Übersetzungen gepostet werden, kann man besser beurteilen, welche am besten passt. Es hat halt nicht jede(r) mehrere.

Der Abschnitt in dem der verstorbene Sohn beschrieben wird, ist schon bezeichnend. Der Tod verklärt die Vergangenheit ...

...her large fat sighings over the destiny of a son, whom alive nobody had cared for.

Da hält JA doch der Gesellschaft wieder mal den Spiegel vor, damit sie darin die eigene Verlogenheit erkennt.

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One Ring To Find Them...


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BeitragVerfasst: Dienstag 25. September 2007, 18:12 
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Austenbegeistert
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Wohnort: Lübeck
Concaela hat geschrieben:
@ Maria

:wink: Fleißkärtchen überreicht :wink:

wäre es möglich (auch wenn Du nach dem System Adler tippst-(wie ich) anzugeben aus welcher Übersetzung Deine Passage stammt?
Z.B. Insel/Rauchenberger; Manesse/Leisi; Reklam/Grawe


Also hier quasi als Nachtrag: Das Zitat stammt aus Reklam/Grawe! Ich finde vor allem das Wort "Fettwanst" extrem herabwürdigend.


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BeitragVerfasst: Dienstag 25. September 2007, 19:26 
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Austenbegeistert
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Ich habe mich bei den Szenen dieses Abends auch gefragt, von wem aus wir das sehen. Es wirkt für mich schon so, als ob wir als Leser den Eindruck vom ganzen bekommen, den Anne hat..anderseits, ich bin kein Literaturkenner, deshalb frage ich lieber euch. Wie war das so um 1800, gab es da soetwas wie einen personalen Erzähler überhaupt schon? Ich glaube mich zu erinnern, dass das erst später kam, so ende 19. Aber wie gesagt, ich kenn mich da nicht so aus und kann nur auf die Gymnasialdeutschstunden zurückgreifen.^^
Rein Gefühlsmässig würde ich einfach sagen, dass wir in Persuasion viel stärker auf Anne Blickwinkel begrenzt sind, nicht so sehr auktorial wie zum Beispiel in NA.


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BeitragVerfasst: Dienstag 25. September 2007, 20:22 
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Amüsantes Boardmitglied und Reisetrulla
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War nicht JA eine der ersten, bei der die Hauptperson auch teilweise der personale ERzähler war?
@ Maria: Ja, der Fettwanst ist mir auch negativ aufgefallen. Ich hätte ihn selbst bei einer weniger sympathischen Person wie Mrs. Musgrove unpassend gefunden und habe mich darüber sehr gewundert.

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Welch triste Epoche, in der es leichter ist, ein Atom zu zertrümmern als ein Vorurteil!
Albert Einstein


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BeitragVerfasst: Dienstag 25. September 2007, 22:39 
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Kunstfertige Wortumdreherin und Meisterin im Freistil-Lesen
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@Sachmet: Ich kann die grammatikalischen Bedingungen an den Satzbau jetzt nicht aus dem Ärmel schütteln, aber passagenweise gibt es meiner Meinung nach schon einen "personalen Erzähler" bei Austen: Der Leser weiß nur das, was die Hauptperson auch weiß, der Erzähler lässt quasi die Hauptperson "erzählen" (allerdings natürlich in der dritten Person). Aber sie zieht das nie komplett durch einen Roman durch.

Was Jane Austen in "Persuasion" (wie auch im Paradebeispiel dafür - "Emma" ) allerdings auch wieder verwendet ist die "Erlebte Rede"/"Free Indirect Speech": Die Gedanken der Person mischen sich mit der Erzählstimme. JA ist eine der ersten, die umfangreich mit diesem Stilmittel gearbeitet hat:

Zitat:
In English literature, Jane Austen was among the first authors to use free indirect speech in a significant and deliberate manner. The opinions of her narrators are frequently blurred with the thoughts of her characters.


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BeitragVerfasst: Dienstag 25. September 2007, 23:15 
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Ich bin gleich am Anfang des achten Kapitels über diesen Satz gestolpert:
Wether former feelings were to be renewed must be brought to the proof.
Ich hatte das ganze Buch irgendwie so in Erinnerung, dass nie darauf angespielt wurde, dass es tatsächlich darum geht, ob und wann und wie die beiden wieder zueinander finden (also schon klar, dass es darum geht und auch, dass das dem Leser klar ist, aber ich hatte einfach das Gefühl, dass man nur mit Anne oder manchmal Wentworth "miterlebt", hier wird ja doch quasi von Erzählerseite drauf hingewiesen).

Den Teil mit dem "Fettwanst" (den ich schon sehr gewagt übersetzt finde!), fand ich im Originaltext nicht so abwertend oder grob, das ist mir erst jetzt durch Eure Diskussion aufgefallen.
Mir kam das im Englischen einfach so vor, als würde sich Jane Austen zwar deutlich darüber lustig machen, dass "poor Richard" zu Lebzeiten niemanden bewegt hatte und jetzt, nach seinem tragischen Ableben über Gebühr betrauert wird (und Mrs. Musgrove sich ihres unbeständigen Verhaltens, wie sie da seine schlechten Eigenschaften einfach ausblendet, da nicht bewußt ist), aber auch, dass Mrs. Musgrove in ihrer übertriebenen Trauer gerade durch ihr Äußeres auch noch lächerlicher wirkt, aber dafür nichts kann.
(Tschuldigung, das war jetzt verwirrend.)

In diesem Kapitel merkt man, dass Anne die Crofts auf ihrem "Level" sieht, finde ich. Sie sind die einzigen, die gegenseitig soviel Verständnis füreinander haben wie Anne es zwischen ihr und Capt. Wentworth empfindet.
Später dann, stellt Mrs. Musgrove zwar mit ihrem Verständnis für Mrs. Croft mal wieder ihre Gutmütigkeit und Mütterlichkeit unter Beweis, zeigt aber gleichzeitig, mit ihrem Vergleich, dass sie die "echten" und reflektierten Empfindungen von Mrs. Croft nicht wirklich nachvollziehen kann.

Zur Erzählperspektive:
Nicht, dass ich das jetzt genau analysiert hätte... aber ich habe auch den Eindruck, dass wir alles aus Annes Sicht erzählt bekommen (bis auf wenige Ausnahmen, wie das Ende des siebten Kapitels zum Beispiel, wo man mehr über Captain Wentworths Innenleben erfahren soll).
Ich denke aber auch, dass das mit Annes Charakter zusammenhängt. Sie wird ja eben dargestellt als beobachtend, aussenstehend und intellektuell und moralisch gebildeter als die anderen. Das heißt, dass man sich auf den Bericht, den sie liefert, oder die Eindrücke, die aus ihrer Sicht geschildert werden doch einigermaßen verlassen kann.
Das hieße aber in meiner Theorie dann auch, dass das, was man aus ihrer Sicht über Captain Wentworth erfährt (dem sie ja offensichtlich nicht so unbeteiligt gegenüber steht), mit Vorsicht zu genießen ist. Es muss nicht unbedingt nicht wahr sein, aber ich würde ihre Betrachtungen über Capt. Wentworth schon eher als voreingenommen sehen.

So würde ich das am Ende auch eher als Annes Eindruck von seinem Verhalten sehen.
Er verhält sich höflich und distanziert, aber ob und wie er das meint, würde ich da jetzt nicht rauslesen wollen.
(Es gibt im Kapitel vorher ja folgende Stelle - nach dem ersten Zusammentreffen von Anne und Capt. Wentwort:
Now, how were his sentiments to be read? Was this like wishing to avaoid her? And the next moment she was hating herself fo the folly which asked the question.
Das fand ich so schön, weil sich Anne da selbst hinterfragt und gleichzeitig deutlich wird, dass diese Versuche, aus seinem Verhalten etwas bestimmtes ableiten zu wollen nicht sinnvoll sind. Natürlich macht sie das später wieder, das geht wohl jedem so, aber ich verstehe das auch als Hinweis darauf, dass ihre Eindrücke von seinem Verhalten nicht unbedingt ernst genommen werden müssen.)


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BeitragVerfasst: Mittwoch 26. September 2007, 06:38 
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Emsige Missionarin für Jane Austen
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Registriert: Sonntag 15. Oktober 2006, 17:01
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Maria hat geschrieben:
Uiuiui, an dieser Stelle halte ich es für sinnvoll einmal wieder die Übersetzung zu vergleichen. Im Kern sagen sie zwar dasselbe, doch klingt es bei mir ein wenig netter: Körperlicher Umfang und seelischer Schmerz stehen natürlich nicht unbedingt in einem bestimmten Verhältnis zueinander. Eine umfangreiche, üppige Figur hat das gleiche Recht auf Seelenschmerz wie das graziöseste Ensemble von Gliedern. Aber, ob recht und bilig oder nicht, es gibt unvorteilhafte Kombinationen, für die sich der Verstand vergeblich einsetzt-die der Geschmack nicht dulden kann-die der Lächerlichkeit zu Opfer fallen.

Bei diesem Satz finde ich die Grawe-Übersetzung doch wesentlich eleganter. So hört es sich mehr nach Jane Austen an als in der Übersetzung, die Pixie zitierte.

Da mein Urlaub seit gestern vorbei ist, schaffe ich es - wenn überhaupt - immer erst am frühen Abend hier reinzusehen. :/

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BeitragVerfasst: Mittwoch 26. September 2007, 10:12 
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Ja, Amadea, ich merke jetzt auch immer mehr, dass ich mit meiner Diogenes-Übersetzung wohl ziemlich daneben liege. Als nächste Anschaffung steht eine Grawe-Übersetzung ins Haus :D

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BeitragVerfasst: Mittwoch 26. September 2007, 10:26 
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Kapitel 9
Captain Wentworth fühlt sich in Kellynch und Uppercross so wohl, dass er seinen eigentlich geplanten Besuch bei seinem Bruder hinausschiebt und länger verweilt. Jeden Tag besucht er die Musgroves und die Familie ist sich mittlerweile sicher, dass er eines der beiden Mädchen heiraten wird. Henrietta war, bevor Captain Wentworth auftauchte, ihrem Vetter Charles Hayter sehr zugetan. Als dieser nach einer einwöchigen Reise in Uppercross auftaucht, muss er feststellen, dass Henriettas Interesse an ihm stark nachgelassen hat. Mary ist dies sehr recht, da die Familie Hayter weniger Besitz und Ansehen genießt als die Familie Musgrove.
Es kommt zu einem zufälligen Treffen zwischen Captain Wentworth und Anne, das beide sehr verwirrt. Ein Gespräch kommt kaum zustande. Wentworth befreit Anne allerdings aus einer misslichen Lage, was sie völlig aus der Fassung bringt.

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BeitragVerfasst: Mittwoch 26. September 2007, 10:36 
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Charles unterstützt die Beziehung zwischen Henrietta und Henry. Und Louisa ebenfalls. So groß scheint der Unterschied wohl doch nicht zu sein. Für Sir Walther hat Mary ja bereits einen Bauern geheiratet. :wink:
Ob da nicht der typisch Elliotsche Stolz zum Vorschein kommt bei Mary?

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BeitragVerfasst: Mittwoch 26. September 2007, 10:42 
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Der Unterschied ist schon recht groß. Es wird ja beschrieben, dass Mrs. Musgrove und Mrs. Hayter durch ihre Heirat in sehr unterschiedliche Verhältnisse gekommen waren.
Ich sehe es aber genau wie Du, Tina, dass bei Mary der Elliotsche Standesdünkel durchkommt. Außerdem bezieht sie mal wieder alles auf sich. Sie macht sich nur darüber Gedanken, welche Auswirkungen eine Ehe zwischen Henrietta und Charles Hayter für sie hätte.
Da finde ich die Einstellung von den Musgroves sehr viel sympathischer: "Es würde zwar keine glänzende Partie für sie sein, aber wenn Henrietta ihn gern hat ..."

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BeitragVerfasst: Mittwoch 26. September 2007, 10:47 
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Das finde ich auch, Pixie! Ich muss gestehen, dass mir die Familie Musgrove eigentlich sehr sympathisch ist. Auch, wie sie Anne in ihre Mitte aufgenommen haben, als würde sie richtig dazu gehören!

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BeitragVerfasst: Mittwoch 26. September 2007, 11:01 
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Kapitel 9

Wir erfahren, dass Captain Wentworth ursprünglich vorhatte nur wenige Tage in Kellynch zu bleiben, und seinen Bruder zu besuchen, dass er jedoch der Anziehung von Uppercross, vielmehr der Bewohner nicht widerstehen konnte. Die Alten waren einfach zu gastfreundlich, die Jungen so liebenswürdig, dass er es nicht über sich brachte abzureisen.

Dann kommt Charles Hayter von einer Reise zurück. Seine Mutter und Mrs. Musgrove sind Schwestern, und in der Vergangenheit wurde wohl erwartet, Charles und Henrietta würden heiraten. Er ist zwar in den Augen der alten Musgroves keine allzu gute Partei, hat jedoch eine liebenswürdige und gefällige Art, weshalb die Eltern gegen eine Heirat nichts einzuwenden hätten, zumal sie vorhaben, die Partnerwahl beider Töchter zu respektieren.

Nun ist Wentworth also nicht mehr der Hahn im Korb. Es wird eifrig diskutiert welche der Musgrove-Töchter Wentworth wohl heiraten wird und welchen der beiden Herren Henrietta wohl vorzieht. Anne muss zu ihrem Schmerz all diese Diskussionen verfolgen bzw. sie werden in ihrem Beisein erörtert.

Eines morgens kommt Wentorth unverhofft in das Cottage, wo er Louisa und Henrietta vermutet, jedoch Anne mit dem kleinen invaliden Charles allein vorfindet, was ihn völlig aus der Fassung bringt. Er bemüht sich redlich ein paar vernünftige Worte herauszubringen. Auch das Eintreten von Charles Hayter und später dem kleinen Walter bringt keine Entspannung. Im Gegenteil. Walter ist stur, unfolgsam, anhänglich und enervierend. Die Situation löst sich in Annes Augen erst einige Zeit später, als alle Bemühungen Annes und Hayter's Walter (der mittlerweile an ihrem Hals hängt) zur Ruhe zu bringen scheitern, und Wentworth ihr den Jungen wortlos und ohne Aufhebens einfach abnimmt, also handelt. Im nächsten Moment redet sie sich wieder ein, Wentworth beschäftige sich aus dem alleinigen Grund so geräuschvoll mit Walter, nämlich ihren Dankesbezeugungen und vielmehr einem persönlichen Gespräch zu entgehen.


Mir fällt in diesem Kapitel wieder Mary's Gedankenlosigkeit auf, die bei der Diskussion ob Wentworth oder vielmehr Hayter für Henrietta in Frage kommen auf Annes Gefühle keine Rücksicht nimmt. Sie solllte doch gewusst haben, dass Anne mit ihm verlobt war?

Bezeichnend ist auch die verschiedene Sicht Mary's und ihres Gatten auf die Akzeptanz eines Gentleman. Mary findet Hayter sei keine gute Partie, zumindest nicht für Henrietta, wobei vermutlich auch dessen Geldbeutel eine Rolle spielt, worauf Charles erklärt, er wäre ein Erstgeborener und würde doch den Besitz erben und sei durchaus fähig, daraus etwas "Großartiges" zu machen. Was immer er damit meint.

Für Mary ist also Wentworth für Henrietta die richtige Wahl. Wentworth schenkt wohl weder der Einen noch der Anderen seine besondere Gunst, in Annes Augen kommen beide für ihn in Frage, während Mary behauptet, er wende sich mehr Henrietta zu. Da sieht man mal wieder, wie subjektiv zwei Menschen eine Situation empfinden können, und das man manchmal dazu neigt das zu sehen, oder zu hören, was man selber will ... :wink:

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:blume: Grüsse, Caro

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Zuletzt geändert von Caro am Mittwoch 26. September 2007, 11:10, insgesamt 2-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Mittwoch 26. September 2007, 11:03 
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Amüsantes Boardmitglied und Reisetrulla
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Caro, ich hatte schon eine Zusammenfassung geschrieben. Hast Dir die Arbeit umsonst gemacht :wink:

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