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Ich bin gleich am Anfang des achten Kapitels über diesen Satz gestolpert:
Wether former feelings were to be renewed must be brought to the proof.
Ich hatte das ganze Buch irgendwie so in Erinnerung, dass nie darauf angespielt wurde, dass es tatsächlich darum geht, ob und wann und wie die beiden wieder zueinander finden (also schon klar, dass es darum geht und auch, dass das dem Leser klar ist, aber ich hatte einfach das Gefühl, dass man nur mit Anne oder manchmal Wentworth "miterlebt", hier wird ja doch quasi von Erzählerseite drauf hingewiesen).
Den Teil mit dem "Fettwanst" (den ich schon sehr gewagt übersetzt finde!), fand ich im Originaltext nicht so abwertend oder grob, das ist mir erst jetzt durch Eure Diskussion aufgefallen.
Mir kam das im Englischen einfach so vor, als würde sich Jane Austen zwar deutlich darüber lustig machen, dass "poor Richard" zu Lebzeiten niemanden bewegt hatte und jetzt, nach seinem tragischen Ableben über Gebühr betrauert wird (und Mrs. Musgrove sich ihres unbeständigen Verhaltens, wie sie da seine schlechten Eigenschaften einfach ausblendet, da nicht bewußt ist), aber auch, dass Mrs. Musgrove in ihrer übertriebenen Trauer gerade durch ihr Äußeres auch noch lächerlicher wirkt, aber dafür nichts kann.
(Tschuldigung, das war jetzt verwirrend.)
In diesem Kapitel merkt man, dass Anne die Crofts auf ihrem "Level" sieht, finde ich. Sie sind die einzigen, die gegenseitig soviel Verständnis füreinander haben wie Anne es zwischen ihr und Capt. Wentworth empfindet.
Später dann, stellt Mrs. Musgrove zwar mit ihrem Verständnis für Mrs. Croft mal wieder ihre Gutmütigkeit und Mütterlichkeit unter Beweis, zeigt aber gleichzeitig, mit ihrem Vergleich, dass sie die "echten" und reflektierten Empfindungen von Mrs. Croft nicht wirklich nachvollziehen kann.
Zur Erzählperspektive:
Nicht, dass ich das jetzt genau analysiert hätte... aber ich habe auch den Eindruck, dass wir alles aus Annes Sicht erzählt bekommen (bis auf wenige Ausnahmen, wie das Ende des siebten Kapitels zum Beispiel, wo man mehr über Captain Wentworths Innenleben erfahren soll).
Ich denke aber auch, dass das mit Annes Charakter zusammenhängt. Sie wird ja eben dargestellt als beobachtend, aussenstehend und intellektuell und moralisch gebildeter als die anderen. Das heißt, dass man sich auf den Bericht, den sie liefert, oder die Eindrücke, die aus ihrer Sicht geschildert werden doch einigermaßen verlassen kann.
Das hieße aber in meiner Theorie dann auch, dass das, was man aus ihrer Sicht über Captain Wentworth erfährt (dem sie ja offensichtlich nicht so unbeteiligt gegenüber steht), mit Vorsicht zu genießen ist. Es muss nicht unbedingt nicht wahr sein, aber ich würde ihre Betrachtungen über Capt. Wentworth schon eher als voreingenommen sehen.
So würde ich das am Ende auch eher als Annes Eindruck von seinem Verhalten sehen.
Er verhält sich höflich und distanziert, aber ob und wie er das meint, würde ich da jetzt nicht rauslesen wollen.
(Es gibt im Kapitel vorher ja folgende Stelle - nach dem ersten Zusammentreffen von Anne und Capt. Wentwort:
Now, how were his sentiments to be read? Was this like wishing to avaoid her? And the next moment she was hating herself fo the folly which asked the question.
Das fand ich so schön, weil sich Anne da selbst hinterfragt und gleichzeitig deutlich wird, dass diese Versuche, aus seinem Verhalten etwas bestimmtes ableiten zu wollen nicht sinnvoll sind. Natürlich macht sie das später wieder, das geht wohl jedem so, aber ich verstehe das auch als Hinweis darauf, dass ihre Eindrücke von seinem Verhalten nicht unbedingt ernst genommen werden müssen.)
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