Das ist ja wohl
das Kapitel des Buches, oder?

(Auch wenns
davon mehrere gibt.

)
Ist es nicht toll, wie quasi jede Figur des Romans vorkommt, mit ihrer eigenen kleinen charakteristischen Geschichte?! Selbst Nichtanwesende wie Mr Woodhouse und Mrs Bates werden durch Miss Bates' Erzählung sichtbar.
Mr Weston, der so universell freundlich ist, dass er gar nicht weiß, was wirkliche Freundschaft ist. Bzw. was diese von Bekanntschaften abhebt.
Mir fällt auf, dass er mir bei diesem Lesedurchgang ziemlich unsympathisch ist. Ich weiß, er wird von Emma als sehr liebenswürdig empfunden, oder zumindest bezeichnet, aber langsam zweifle ich daran, ob man ihn als Leser wirklich so einnehmend finden sollte. Beim nächsten Lesen achte ich mal verstärkt darauf, momentan ist es nur so ein Gefühl.
Mrs Elton ist so mit ihrem eigenen Auftritt und ihrer Großzügigkeit Miss Bates und Jane die Kutsche zu schicken beschäftigt, dass sie letzteres gleich mal vergisst auch tatsächlich zu tun. Nette Anekdote.
Mr Elton muss sich mittlerweile scheinbar gar keine Mühe mehr geben, liebenswürdig zu erscheinen. Er ist versorgt und kann sich endlich so geben, wie er tatsächlich ist. Was für ein Kontrats zu dem Mr Elton, der noch in den ersten Kapiteln beschrieben wird - Mr Elton, so wie er gesehen werden will und jetzt so, wie Emma ihn sieht und erkennt.
Miss Bates spricht mal wieder Bände - in doppeltem Wortsinn. Nur durch sie erfährt man, dass Frank anscheinend nicht von Janes Seite weicht, abgesehen von seinem Tanz mit Emma. Dieser Teil ist auch sehr interessant:
Oh! Mr. Frank Churchill, (...) My mother often talks of your good-nature. Does not she, Jane?--Do not we often talk of Mr. Frank Churchill?
Frank und Emma reden glücklich aneinander vorbei. Immerhin fällt Emma auf, dass sein Verhalten seltsam ist und sie bezieht es nicht mehr ausschließlich auf sich selbst. An dieser Stelle kann man Frank wirklich kaum einen Vorwurf machen, dass er fälschlicherweise annimmt, Emma hätte sein Geheimnis durchschaut:
Mrs. Elton then said, "(...) So Frank Churchill is a capital dancer, I understand.--We shall see if our styles suit.--A fine young man certainly is Frank Churchill. I like him very well."
(...)
"Oh! you have found us out at last, have you, in our seclusion?--I was this moment telling Jane, I thought you would begin to be impatient for tidings of us."
"Jane!"--repeated Frank Churchill, with a look of surprize and displeasure.--"That is easy--but Miss Fairfax does not disapprove it, I suppose."
"How do you like Mrs. Elton?" said Emma in a whisper.
"Not at all."
"You are ungrateful."
"Ungrateful!--What do you mean?" Then changing from a frown to a smile--"No, do not tell me--I do not want to know what you mean."
Emma denkt bei "Dankbarkeit" nur an das Lob, dass Frank von Mrs Elton erhalten/mitgehört hat. Aber Frank daran, dass Mrs Elton sich wohl um Jane bemüht und kümmert - was er nicht in dem Umfang tun kann, wie er gerne würde.
Mr Knightley scheint Emma in diesem Kapitel zum ersten Mal so richtig
als Mann aufzufallen. Sie bemerkt sein gutes, männliches und elegantes Aussehen, als er zwischen den anderen älteren Männern am Rand der Tanzfläche steht. Und ärgert sich darüber, dass er nicht tanzt. Die Tatsache im Hinterkopf, was für einen gesellschaftlichen und symbolischen Stellenwert (auch und vorallem zwischen zwei Menschen) das Tanzen damals hatte, finde ich das schon bemerkenswert.... dass Emma sich so daran stört - und dann letztendlich mit ihm tanzt.
"Brother and sister! no, indeed."
Eine sehr tolle Parallele zu der Kutschengeschichte: Mr Knightley hat sich entgegen seiner Gewohnheiten in die Kutsche gesetzt, als er zu den Coles gefahren ist - nur um sie den Bates und Jane zu schicken. Und er überwindet seine Abneigung gegen das Tanzen - weil er der gedemütigten Harriet wieder auf die Beine helfen will.
Und noch dazu ist in die Episode jeweils eine Dame involviert die mehr oder weniger ernsthaft als Emma's "Konkurrentin" gesehen oder später von ihr selbst so empfunden wird. Raffiniert.