Tschuldigung, aber ich habe gerade ein hübsche Kritik gefunden, die es sehr schön trifft (besonders die Formulierung zum Schmollmündchen

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Gleich die ersten Sequenzen von "Casino Royale" lassen keinen Zweifel zu: Bond hat nicht viel übrig für all die hilfreichen Gadgets, die Ingenieur Q immer so zuverlässig für die lieben Kollegen bastelte. Q existiert hier nicht, und auch die ewig junge Büroperle Moneypenny ist nicht vorgesehen vom "Bond"-Modernisierungsteam; seltsamerweise vermisst man beide gar nicht. Noch seltsamer und doch ziemlich überraschend ist, dass einem dieser neue Bond, der so gar kein Dandy mehr ist, ausnehmend gut gefällt - und das, obwohl er so schwitzt und am liebsten FDJ-blaue Polohemden trägt;
obwohl sein Mund so klein ist, dass es für eine ordentliche Oberlippe nicht mehr gereicht hat, und obwohl seine stahlblauen Augen genau so eng zusammenstehen wie bei einem rechtschaffenen Psychopathen. Craigs Bond ist nahezu maschinenhaft athletisch definiert: trainierter Körper, kleiner Kopf - nicht ohne Grund hat Regisseur Campbell jene Szene, in der Bond nackt (sieht toll aus!) gefoltert wird, ganz in goldenes Licht getaucht. Und von lebensweltlicher Verfeinerung kann auch nicht die Rede sein - so muss sich 007 erst vom Bond-Girl Vesper Lynd (Eva Green) belehren lassen, "dass es nun mal "Dinnerjacketts und Dinnerjacketts gibt", welche von der Stange und maßgeschneiderte. Ob sein Martini nun gerührt oder geschüttelt wird, ist diesem Aufsteiger erst recht "scheißegal". Lange trinkt Bond ohnehin keinen, sondern dubioses braunes Zeug.
In all dem ist der neue Bond ganz und gar ein Geschöpf jener allgemeinen Nivellierung, die unsere Epoche kennzeichnet: ein cleverer Sportler mit großem Ego und Zockermentalität - seinen ersten Aston Martin gewinnt er nicht zufällig beim Pokern. Die lange Poker-Szene in Montenegro, um 150 Millionen Dollar, ist dann das Kernstück dieses Films - und treffende Metapher: Nie waren die Geldkoffer so gigantisch (und vulgär) wie in "Casino Royale"! Der Oberbösewicht ist denn auch kein größenwahnsinniger Sonderling mehr, sondern ein Bankier: "Le Chiffre" (großartig: Mads Mikkelsen) glaubt nicht an Gott und auch nicht an die Weltherrschaft, sondern nur an eine ordentliche Rendite. Und auch 007 benimmt sich ja nicht wie jemand, dem natürlich das Beste zusteht, sondern wie einer, der über reichlich Mittel verfügen darf. Wie kommt es nur, dass uns dieser schrecklich gewöhnliche Bond so gefällt? Und das nach all dem Gift, das gegen Craig versprüht wurde.
Vielleicht, weil Campbell und Craig das Prinzip der Nivellierung so gut verstanden haben: Anders als die gepflegten Gewächshaus-Bonds der Vergangenheit ist dieser hier nicht mehr nur als Action-Stereotyp, sondern auch als Charakter einer für alle. Der neue Bond ist kein großer Redner, aber ein nahbarer Held. Er kann sich einfühlen, ja er verliebt sich sogar und saust deswegen romantisch durch Venedig; er wird selbstredend getäuscht, hält aber zur Frau seines Herzens - auf seine Art ist er loyal. Craigs Bond ist so modern und so profan wie Handys, Fitness-Geräte und das Poker-Spiel, das wieder im Kommen sein soll. Aber ein Bluff - das ist er nicht.
Und nein, wer ihn nicht mag, muß immer noch nicht ins Kino gehen

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