Ich kenne die Geschichte von Christopher McCandless recht gut. Er beschreibt ein Phänomen (im weitesten Sinne zu vergleichen mit dem "Stockholm-Syndrom"). Das heisst sein Name steht für ein symptomatisches Bild. Leider romantisiert das Buch von Jon Krakauer sein Leben und hat damit auch andere junge Menschen, vorallem junge Männer, auf McCandless Weg gelockt von denen viele nicht lebend zurückkommen.
McCandless geniesst in Alaska selbst kein gutes Andenken! Sein Verhalten wurde zurecht als äusserst töricht und unüberlegte angesehen.
Hier ein Zitat welches man u.a. im Wikipedia unter der Biografie von Ch. McCandless nachlesen kann:
Zitat:
Der Alaska Park Ranger Peter Christian schrieb: „Ich bin ständig dem ausgesetzt, was ich als „McCandless-Phänomen“ bezeichne. Junge Menschen, fast immer junge Männer, kommen nach Alaska, um gegen eine gnadenlose Wildnis und eine Landschaft zu bestehen, wo die Bequemlichkeit eines Zugangs und die Möglichkeit einer Rettung praktisch nicht vorhanden sind […] McCandless war aus meiner Perspektive auch nicht besonders mutig, sondern einfach nur dumm, tragisch und rücksichtslos. Zunächst einmal verwendete er nur sehr wenig Zeit, um zu lernen, wie man eigentlich in freier Wildbahn überlebt. Er kam an den Stampede Trail ohne eine Karte von der Gegend. Hätte er eine gute Karte gehabt, hätte er sich leicht retten können […] Kurz, Chris McCandless beging Selbstmord.“
McCandless litt an einer auffälligen Persönlichkeitsstörung und es ist schade dass dies im Buch und offenbar auch im Film wenig oder gar keinen Raum bekam, denn wenn ich dich richtig verstanden habe, dann hält sich der Film wahrscheinlich recht nahe an die sehr romantisierende Darstellung seines Lebens im Buch, welches McCandless als eine Art Antihelden beschreibt der einfach den Weg zurück zur Wildniss gehen, der sich aus der verdorbenen und materiell gesinnten Welt zurückziehen und ein Leben nach den naturgegebenen Gesetzen leben wollte.
Doch McCandless hat im Gegensatz zu jenen die diesen Weg als eine Art Pionierakt beschritten haben, seine reichlich vorhandene Intelligenz nicht genutzt um diesen Schritt so zu wagen dass er das Gleichgewicht zwischen Natur und Mensch nicht stört und dabei zu einer neuen Einheit verschmilzt, sondern um sich von der menschlichen Gemenschaft bis zur letzten Konsequenz zu entfremden. Seine Ausrüstung war jämmerlich und seine Kenntnisse von der ihn umgebenden Wildnis schlicht unverantwortlich gering, dabei hätte er sich ohne weiteres besser darauf vorbereiten können und er hätte nie und nimmer dort sterben müssen!
Es gibt ein paar namhafte Psychologen die sich mit seiner Geschichte intensiv auseinander gesetzt haben und vermuten das McCandless am sog. Asperger-Syndrom litt. Eine Unterform des Autismus und oft verpasste Diagnose in der Kindheit. Es spricht in der Tat sehr viel dafür.
Wie hast du das im Film empfunden? Wurde da wenigstens im Abspann auf die zahlreichen Fehler von Christopher hingewiesen oder war es eben doch eine, wie ich aus deiner kurzen Zusammenfassung entnehme, romantische vielleicht sogar idealisierende Lebensbeschreibung eines jungen Mannes der seinen ganz eigenen Weg suchte?
Grundsätzlich wäre seine Story schon ein Stück bemerkenswerte Geschichte, aber um zu lernen wie man es sicher nicht machen sollte!