Ich hab den Film heute beim Filmfest gesehen und hier und da gelesen, dass er demnächst auch regulär anlaufen soll, deshalb an dieser Stelle eine Empfehlung:
Der Film spielt in England und fast komplett zu Jane Austen's Lebzeiten. Wer sich ein bißchen mit der Zeitgeschichte auskennt, dem sagt der Name William Wilberforce (ausführlicher auf englisch)vielleicht schon etwas. Er war ein Parlamentarier, der die Abschaffung des Sklavenhandels ("Abolition") maßgeblich vorantrieb.
Hannah More und Thomas Clarkson (den JA mehrmals in ihren Briefen erwähnt) tauchen als Mitstreiter auf und es ist einer von den Filmen, wo Geschichte ein Gesicht bekommt und anschaulich wird.
Teilweise vielleicht etwas zu pathetisch, aber das lässt sich bei dem Thema vielleicht auch nicht vermeiden.
Ich fand den Film vorallem mit Jane Austen im Hinterkopf sehr sehr interessant - wer sich ein bißchen in ihrer Biographie und ihren Briefen auskennt wird große Freude haben, denke ich. Und natürlich jeder, der sich für diese Zeitepoche interessiert. (Und über ein paar heftige historische Fehler - zum Beispiel ist an einer Stelle von "Germany" die Rede - hinwegsehen kann... )
Die Schauspieler sind toll und in Nebenrollen gibt es ein "Finde den Austen-Schauspieler".... Ich hab Ciaran Hinds (! ... als "Bösewicht"), Nicholas Farrell (Edmund Bertram in der alten MP-Verfilmung und Mr Musgrove im neuen "Persuasion" ) und Sylvestra le Touzel (Fanny Price im alten MP und Mrs Allen in der neuesten NA-Verfilmung) - letztere sind in dem Film übrigens dann tatsächlich verheiratet.
Der Titel des Films bezieht sich übrigens auf das Lied "Amazing Grace", dass von einem ehemaligen Kapitän eines Sklavenschiffes (John Newton) geschrieben wurde - zusammen mit JA's Lieblingsdichter William Cowper.
Nein, war es nicht. Aber ich weiß nicht, ob nicht im allgemeinen Sprachgebrauch vielleicht doch von Deutschland die Rede war. Könnte ich mir vorstellen, denn wer will schon immer von Bayern, Hessen-Kassel, Sachsen usw. sprechen, wenn man fern auf einer Insel sitzt. Es sind halt die Deutschen.
Sonja hat geschrieben:Nein, war es nicht. Aber ich weiß nicht, ob nicht im allgemeinen Sprachgebrauch vielleicht doch von Deutschland die Rede war. Könnte ich mir vorstellen, denn wer will schon immer von Bayern, Hessen-Kassel, Sachsen usw. sprechen, wenn man fern auf einer Insel sitzt. Es sind halt die Deutschen.
Um die Verwirrung jetzt noch komplett zu machen: sprach man damals nicht von den "Preußen"?
Edit: Ich hab bei Wiki nachgelesen, da steht: Königreich Preußen (1701-1918).
Nein, man sprach definitiv nicht von "Germany" (wir hatten das damals im Englischunterricht), sondern von "Prussia", "Hanover", "Saxony", "Bavaria", etc. Es gab zwar die "Germans" als Volksstamm/Sprachraum, aber noch nicht als Länderbezeichnung.
Erst mit der Entstehung des Deutschen Kaiserreichs sprach man vom "German Empire" und später von "Germany".
Echt? Na, sowas lernetn wir damals nicht. Eher was wie "I am Mike Webster. I am a reporter" Mich graust es noch heute bei dem Gedanken an die Frisur von Mike Webster. Aber wir schweifen ab.
Sonja hat geschrieben:Echt? Na, sowas lernetn wir damals nicht. Eher was wie "I am Mike Webster. I am a reporter" Mich graust es noch heute bei dem Gedanken an die Frisur von Mike Webster. Aber wir schweifen ab.
OH - Danke für diese skurile Erinnerung. Musste doch gerade sehr grinsen!
Ich habe nur deshalb nachgefragt, weil ja auch immer von "German" die Rede ist, wenn jemand in England Deutsch spricht. Und ich glaube, dass man in Großbritannien von "Germany" oder "the Empire" sprach, wenn das sogenannte "Heilige Römische Reich Deutscher Nation" gemeint war, das sich auf die römische Antike (Kaisertitel) und auf das mittelalterliche Kaisertum (Karl der Große, Otto der Große, die Staufer) bezog. Und zur Zeit von Newton und Wilberforce gab es dieses Reich in seinen letzten Wehen noch (1806 wurde es aufgelöst), bevor es durch Napoleon zum Ende kam.
Und weil es ein Reich "deutscher" Nation war, hieß es auch in England "the German Empire", "the German Emperor" - und - wenn mich nicht alles täuscht - auch "Germany".
Also ich glaube, dass Benjamin Recht hat. Dieses Germany könnte ja auch auf Germanien zurückzuführen sein. Vielleicht gebrauchte man diese Bezeichnung ja auch nur in bestimmten Kreisen, um raushängen zu lassen, dass man lateinisch oder griechisch oder was auch immer gelernt hatte.
Ich bin auch schon auf den Film gestoßen, bei amazon. Die DVD kann man schon vorbestellen (35 € ), bei amazon.co.uk 15 Pfund. Im August soll sie ja rauskommen und ich werde sie mir dann wahrscheinlich auch bestellen. Und ich freu mich schon auf einen Rufus Sewell in einer Nebenrolle .
Vielen Dank, Julia, für deine Meinung zum Film. Ich hab mich schon länger gefragt, ob der Film so schön ist, wie es in den Trailern den Anschein hatte. Natürlich ist dein Zuspruch keine Garantie dafür, dass mir der Film auch gefällt, aber ich bin da optimistisch!
Ich meine aber gelesen zu haben, dass es noch nicht sicher ist, ob der Film auch in den deutschen Kinos laufen soll.
Ich hab mir den Trailer schon mindestens fünf mal angesehen weil er mir so gut gefällt. Ich freu mich auf die Dvd und werd sie mir im Sommer in GB kaufen. 35 Euro ist doch etwas zu teuer.
Auch wenn Ciarán Hinds einen Bösewicht spielt ich werde jede Minute genießen.
Julia hat geschrieben:Ich hab den Film heute beim Filmfest gesehen und hier und da gelesen, dass er demnächst auch regulär anlaufen soll, deshalb an dieser Stelle eine Empfehlung:
du glückliche. wo lebst du denn, dass du immer so nette filmfeste ergatterst. "the libertine" hattest du doch auch auf einem solchen jenigen welchen gesehen, wenn ich mich nicht irre?
jedenfalls habe ich schon seit längerem ein auge auf den film, wollte mir die dvd als kleines zuckerstück nach bewältigter chemieklausur bestellen und muss nun sehen, das der dvd-veröffentlichungstermin laut Amazon nach hinten verrückt worden is...
Magdalena hat geschrieben:Ich bin auch schon auf den Film gestoßen, bei amazon. Die DVD kann man schon vorbestellen (35 € ), bei amazon.co.uk 15 Pfund.
Bei Play.com kostet die DVD übrigens nur 13 Pfund = 20 Euro und es kommen keine Versandkosten dazu!
Auch wenn ich mich hier praktisch nur noch mit mir selbst unterhalte
Film ist heute angekommen, sofort angeschaut und für sehr gut befunden! Um was es geht, hat Julia ja schon genau beschrieben. Und über die Besetzung muss man wahrscheinlich nichts mehr sagen - britische Akteure vom Feinsten und wie gewohnt überzeugend. Die Sprünge in den Zeiten und zu den verschiedenen Orten sind ein wenig gewöhnungsbedürftig - mal ein junger Wilberforce, mal ein schon arg von der Krankheit gezeichneter, aber das stört im Endeffekt nicht größer.
Es empfiehlt sich, das sehr informative "Making Of" (ca. 30 Minuten lang) vorher anzusehen, es ist ein guter Einstieg. Und noch verständlicher wird der Film, wenn man vorher einen Blick hierdrauf wirft. Manche Szenen, vor allem zum Schluss, werden dann doch recht knapp abgehandelt und da kann ein wenig Hintergrundwissen nicht schaden.
Die DVD hat englische Untertitel, aber die sind kaum nötig, da alle ein sehr deutliches Englisch sprechen. Als weiteres Extra gibt es ein Video mit dem Titelsong, den Filmtrailer und einen Audiokommentar mit dem Regisseur und Ioan Gruffudd.
Und schade ist es wie immer, dass der Film in Deutschland wohl nicht zu kriegen ist. Bei Amazon UK aktuell für knappe 13 Pfund.
Den Titelsong fand ich ja ganz furchtbar/unpassend (so schmalzig und "modern" irgendwie). Ich hätte am liebsten das Kino verlassen beim Abspann. Aber sonst hab ich den Film immernoch in so guter Erinnerung, dass ich mir die DVD bestimmt auch demnächst mal leisten werde.
Die Zeitsprünge fand ich vorallem am Anfang irgendwie verwirrend und unmotiviert. Muss man vielleicht mehrmals sehen, um dahinterzukommen, was das soll.
Ich muss ihn mir auch definitiv nochmal ansehen, vielleicht mit dem Kommentar dazu. Wenn ich es mir so überlege, setzt der Film doch einiges an Hintergrundwissen voraus, bzw. man wird einige Feinheiten schnell übersehen oder nicht verstehen. Es wurde sehr viel reingepackt, was oft auch nur in ganz wenigen Sätzen oder Szenen abgehandelt wurde.
Der Titelsong ist in der Tat zu vernachlässigen... Das ist einfach ein Lied für eine glockenklare Stimme, die Gänsehaut auslöst.
In der aktuellen GEOgibt es einen längeren Artikel über die Bekämpfung der Sklaverei.
(Wer also demnächst zum Arzt o.ä. muß, sollte sich unbedingt den Artikel durchlesen, es müssen ja nicht immer die Klatschblätter sein )