Seit einger Zeit gehe ich öfters ins Theater und bin inzwischen eine begeisterte Theatergängerin (wir haben auch ein sehr gutes Theater, die Vorstellungen sind immer sehr (!) gut besucht und das Publikum ist sehr gemischt).
Geht Ihr auch gerne ins Theater? Welche Theaterstücke mögt ihr am liebsten? Oder warum geht Ihr nicht ins Theater?
Ich habe nichts gegen Theater. Ich gehe nur nicht hin. Theaterstücke (bes. Dramen von Shakespeare) lese ich aber unheimlich gern.
Dass ich nicht ins Theater gehe liegt zum einen daran, dass ich keinen hab, der mit mir gehen würde, zweitens finde ich das Programm in meiner Stadt nicht wirklich prickelnd und drittens ist das wohl der psychologische Effekt, weil ich in der Schule immer so schreckliche Aufführungen wie "Moby Dick" und so weiter sehen musste. Schultheaterbesuche waren ein Graus!!
Eigentlich gehe ich auch gerne ins Theater. Allerdings eher selten, da ich um ins Theater zu kommen 1 Stunde mit der Bahn fahren muss und das mir meistens zuviel Stress ist.
Aber in unserer Schule gibt es eine Theatergruppe, die führen alle paar Monate immer etwas in unserem Jugenkulturzentrum auf.
Das Letzte war "Der Drache" (weiß nicht mehr von wem das Stück ist ). Das Stück übte stark Kritik an der Gesellschaft, war aber trotz allem sehr witzig.
Unsere Theatergruppe spielt aber auch Sachen von Shakesspeare und ich freue mich jetzt schon auf "Ein Sommernachtstraum", dass in drei Wochen aufgeführt werden soll.
Ich war früher begeisterter Theatergänger. Dann wurde es aber Mode, auch bei ernsteren Stücken vorwiegend die Spaßgesellschaft zufriedenzustellen. Nun finde ich zwar, daß die größte Tragödie nichts taugt, wenn sie nicht auch Witz hat, aber wenn das Stück auf Komödie getrimmt ist, bei der die eine oder andere Leiche abfällt, dann ist das nichts für mich.
Die Atmosphäre fand ich immer toll, wie langsam der Lautpegel anschwillt und schließlich wieder abschwillt; allernorts roter Samt und in der Pause Sekt, Leute beobachten, im Theater auch in den obersten Rang spazieren und die Aussicht von oben genießen.
Naja, und dann die Spannung, wenn der Vorhang hochgeht, wenn der 1. Auftritt erfolgt, wie die Schauspieler mit dem Text - bei Klassikern ja etwas sperrigem Text - umgehen und ihn alltagstauglich machen, wie die Schauspieler aufeinandereingehen, wie man manchmal gar nicht weiß wohin mit seinen Augen, weil gleich mehrere Aktionen ablaufen. Achja.
Mittlerweile lese ich nur noch, am liebsten Lessing, Shakespeare und Tenessie Williams.
Ich gehe sehr gerne in Theater, habe auch ganz tolle Theaterhäuser mit super Schauspielern in der Stadt. Ich mag Inszenierungen besonders, wenn sie durch innovative Ideen bestechen und den Kern des Stückes treffen ohne dass es sich stundenlang in die Länge zieht. Das gilt für Klassiker und auch moderne Stücke. Als Studentin komme ich schon für unter 10 € an tolle Karten und das nutze ich so gut es geht, auch wenn leider meine beste Freundin nicht mehr in der Stadt ist, mit der ich immer hingegangen bin. (Wir sind zeitweise jedes Wochenende ins Theater gegangen.. )
Als ich noch mit Lizzy im schönen Greiz (Vogtland bzw. Ostthüringen) gewohnt habe, sind wir schon öfter ins Theater gegangen. Dort gab es jedes Jahr den "Theaterherbst", wo auch junge Nachwuchsschauspieler und -regisseure sich einbringen konnten. Das Ergebnis waren (und sind vermutlich auch heute noch) innovative Stücke und Inszenierungen. Einer unserer Klassenkameraden war da sehr aktiv. Zum Beispiel hat er mal ein Stück inszeniert (oder geschrieben; das weiß ich nicht mehr genau), dass wie ein Klick and Point Adventure à la Monkey Island ablief. Das war echt klasse!
Nun, da ich in Weimar bzw. Dresden wohne, gehe ich nicht mehr ins Theater. Das liegt zu einem Großteil daran, dass (vor allem im DNT) klassische Stücke in schrecklich modernen Inszenierungen gezeigt werden. Damit meine ich halbnackte Schauspieler, unpassende Kostüme (Sarastro im Ledermantel) etc. Mich würde das vielleicht nicht so stören, wenn es nebenbei auch noch klassische Inszenierungen geben würde. Aber die gibt es leider nicht. Ich mag die großen Klassiker wie Schillers "Kabale und Liebe" oder Lessings "Nathan", aber ich will sie eben klassisch sehen, so wir Schiller und Lessing sie damals auf die Bühne brachten.
Ich hoffe, Ihr schiebt mich jetzt nicht auf die "Hoffnungslos-Altmodisch-Schiene".
Nee, ich würde Dich nicht auf die Schiene schieben. Es sei denn ich würde hinterher laufen.
Hamlet mit 5 verschiedenen Schauspielern in 5 mal so viel Rollen vor schwarzer Bühne in einfachem schwarzen Ledermantel und als Requisite eine Bank. Das ist zwar konsequent minimalistisch aber ins Theater gehe ich deshalb trotzdem nicht zweimal. Hab ich schon erwähnt, dass die zweite Requisite eine Hundefressnapf war, in dem Ophelia sich ertränkt (!) hat??? Von der Verstümmelung des Scriptes mal abgesehen...
Dabei war zumindest das Theater ein richtig schön klassisches, so wie man es sich vorstellt. Wobei der Zuschauerraum mit dem ganzen Stuckschmuck und den logentragenden Atlanten und Karyaditen (?) letztendlich wohl doch etwas zu viel Unterhaltung für die Augen geboten hat.
Ich war bis jetzt schon 2mal in London und war dort auch beidemale im Theater! Ich muß dazu sagen das ich neben Colin Firth (leider hat er im Moment wohl keine Lust auf Theater) auch ein sehr großer Fan von Kevin Spacey bin, dieser ist seit ca. 2 Jahren jetzt Artistic Director des Old Vic Theaters in London.
Die 2 Stücke die ich gesehen habe ( "National Anthems" und "RichardII") waren wirklich große Klasse und sehr toll aufgeführt! Ich würde jetzt gern im Dez. nochmal rüberfliegen um mir "Aladdin" mit Ian McKellen (Herr der Ringe) anzusehen. Mal sehen ob es sich ausgeht, ist halt auch immer eine Geldsache.
Kevin Spacey ist derzeit mit "Richard II" on Tour in Deutschland, ich glaube, dass irgendjemand von euch auch Karten für eine Vorstellung hatte (wer war's?).
Heute stand in unserer Tageszeitung (Raum Frankfurt) ein Artikel im Feuilleton über die Premiere und es war eine überaus positive Kritik, es hat also ziemlich gefallen. Wer in der Nähe wohnt (Ruhrgebiet, glaube ich) sollte es sich nicht entgehen lassen. Für mich ist es leider zu weit, schade.
Obwohl ich schon für meinen guten Freund, Kammersänger Bo Skovhus (Starbariton der Wiener Staatsoper), bis nach Köln oder Bad Kissingen gefahren bin, aber das ist nicht ganz so weit.
Und Kevin Spacey ist halt auch nicht mein guter Freund, nun ja.
Ich gehe auch ganz gern ins Theater (ebenso ins Ballett oder Lesungen). Ich mag Stücke von Bertolt Brecht. Mein Lieblingstück ist "Die Dreigroschenoper". Im September werde ich dafür nach Berlin fahren und mir die Inszenierung von Klaus Maria Brandauer anschauen. Den Mackie spielt da Campino , Mr Peachum wird von Gottfried John und Mrs Peachum von Katrin Sass gespielt. Das klingt alles sehr interessant. Ich hoffe nur, dass das Stück nicht zu sehr modernisiert wurde. Ich möchte auch lieber, dass die Stücke in der Zeit spielen, wie sie vom Autor geschrieben wurden. Leider gibt es aber von vielen Stücken, sei es Theater, Oper, Ballett und anderes zu viele Eigeninterpretationen.
Sorraja hat geschrieben:... Leider gibt es aber von vielen Stücken, sei es Theater, Oper, Ballett und anderes zu viele Eigeninterpretationen.
Na ja, Sorraja, strengenommen ist jede Theater-Aufführung eine "Eigeninterpretation"... Wie auch jede Literaturverfilmung eine ist...
Aber ich stimme Dir grundsätzlich zu... Ich sehe Shakespeares Dramen auch lieber von Akteuren im historischen Gewand als von Schauspielern in Anzügen und mit Schlipsen und Handys vorgetragen... Obwohl es rühmliche Ausnahmen gibt... z.B. Richard III. mit Ian McKellen...
Mit Anzug, Schlips und Handy hab ich nun wieder kein Problem, solange diese Neuinterpretation auch Sinn macht und funktioniert. Aber leider wird meist auf Teufel komm raus und ohne Sachverstand "modernisiert" - das stört mich.
Baz Luhrmans Verfilmung von Romeo und Julia (eines der uninteressantesten Stücke, das ich kenne) hat mir gefallen, weil trotz des ganzen - anfangs sehr gewöhnungsbedürftigen - Krachs die Schönheit der Texte und die ganze Tragik der Geschichte erstaunlicherweise voll zum Tragen kommt.
Bei aller Vorliebe für historische Mode und deren Einfluß auf meine eigene Garderobe finde ich die akkurat historischen Inszenierungen/Ausstattungen eigentlich fast schlimmer. Ich habe mal die Oper Solimo von Hasse an der Staatsoper gesehen. Die einzige Konzession an die Moderne bestand darin, die heutzutage scheinbar unerlässlichen nackten Damen zu zeigen, ansonsten war alles, so als wäre man im tiefsten Barock - also nur ein paar unwesentliche Jahrhunderte zuvor. Das ist für mich muffige Museumskunst. Als hätte sich die Erde nicht weitergedreht (ob zum Positiven oder Negativen sei jetzt mal dahingestellt), als gälte einzig der Schauwert, nicht mehr der Inhalt.
Mir ist am liebsten, wenn Kostüme und Bühnenbild in den Hintergrund treten, da darf beides durchaus historisierend sein.
Ulli hat geschrieben:... Baz Luhrmans Verfilmung von Romeo und Julia (eines der uninteressantesten Stücke, das ich kenne) hat mir gefallen, weil trotz des ganzen - anfangs sehr gewöhnungsbedürftigen - Krachs die Schönheit der Texte und die ganze Tragik der Geschichte erstaunlicherweise voll zum Tragen kommt. ...
Romeo und Julia hat, scheint's, in jeder Generation eine für die Teenies mitreißende Neuferfilmung... Diese war wohl die der MTV-Generation?
Ulli hat geschrieben:... Ich habe mal die Oper Solimo von Hasse an der Staatsoper gesehen. Die einzige Konzession an die Moderne bestand darin, die heutzutage scheinbar unerlässlichen nackten Damen zu zeigen, ansonsten war alles, so als wäre man im tiefsten Barock - ...
... nachdem ich Nell Gwynn in Stagebeauty gesehen hab, denk ich, dass auch die nackten Damen auf der Bühne keine Erfindung der Neuzeit sind...
Bruki
Zuletzt geändert von Bruki am Dienstag 9. Mai 2006, 18:12, insgesamt 1-mal geändert.
Na, also weeste Bruki, aus dem Teenie-Alter war ich zur Zeit der Verfilmung schon ein Weilchen raus! Und MTV sehe ich gar nicht erst, weil dort Bach und Beethoven so selten gespielt wird (oder ist das nur ein Vorurteil?)...Aber Du hast insoweit Recht, als daß die MTV-Generation (sind das nicht mittlerweile ca. 2 Generationen?) mit diesem Film offenbar etwas anfangen konnte. Aber eben auch die etwas klassikergestählteren Leute. Und mir ist immer noch lieber, das Junggemüse findet einen Zugang zu Shakespeare und seiner Sprache, statt immer nur diesen Teenieschrott zu sehen.
Stage Beauty ist meines Wissens ein Film aus dem 21. Jht., der nur in der 2. Hälfte des 17. Jht. spielt. Ganz schlechter Beweis, weil getürkt
Ulli hat geschrieben:... Stage Beauty ist meines Wissens ein Film aus dem 21. Jht., der nur in der 2. Hälfte des 17. Jht. spielt. Ganz schlechter Beweis, weil getürkt
Willst Du damit sagen, dass im Barock die Damen ihre Brüste immer schön verhüllt hielten? Und dass die Bühne damals ein Ort der Tugend und des Anstandes war?
Na, vielleicht definieren wir nackt unterschiedlich. Nackt ist für mich splitterfasernackt, kein Stoff nirgends, höchstens ein Band im Haar.
Barock, Rokoko und Empire entzückten stets durch bemerkenswerte Dekolltes. Da blieb zwar kaum etwas zu wünschen übrig, aber die Brustwarzen waren nicht zu sehen. Die Damen im Solimo waren unübersehbar und absolut eindeutig nackt. Obwohl - Turbane hatten sie wahrscheinlich auf.
Und die Bühne war mitnichten ein Ort von Anstand und Sitte, aber irgendwie bezweifle ich, daß selbst in den derberen Stücken wesentlich mehr als mal ein bestrumpftes Bein oder das eine oder andere nur sehr geringfügig bedeckte Körperteil zu besichtigen war.
Aber das alles weißt Du doch mindestens genauso gut, was meinst Du also eigentlich mit Deinen Fragen/Bemerkungen? Oder muß ich erst Stage Beauty sehen, um mitreden zu können? Ich glaub, den gibts noch nicht auf DVD.
Ulli hat geschrieben:Na, vielleicht definieren wir nackt unterschiedlich. Nackt ist für mich splitterfasernackt, kein Stoff nirgends, höchstens ein Band im Haar. ...
... na gut, wenn Du meinst... hintenrum war Nell Gwynn jedenfalls splitterfasernackt... vornerum trug sie ein Schild, wenn ich mich recht entsinne... Aber da hab ich nicht so genau drauf geachtet (wie Du beim Haarputz der Damen im Solimo )...
Und das mit den sicht- oder unsichtbaren Brustwarzen ist eher was für Kerstin und die Kostümgilde... Da kenne ich mich nicht so aus... Obwohl ich auf der Seite derer stehe, die meinen, entblößte Brüste waren damals En vogue... Und das wird in der sinnenfrohen Restoration noch verschärfter gewesen sein als in der "feineren" Empire-Zeit... Hab jedenfalls eine entsprechende Karikatur von Gillray(?) um 1800 im Kopf, wo Lady XY ihre berühmte Auslage beim Kartenspiel vorführt und dem Kerzenputzer fast die Ausgen rausfallen...
doris-anglophil hat geschrieben:Obwohl ich schon für meinen guten Freund, Kammersänger Bo Skovhus (Starbariton der Wiener Staatsoper), bis nach Köln oder Bad Kissingen gefahren bin, aber das ist nicht ganz so weit. Und Kevin Spacey ist halt auch nicht mein guter Freund, nun ja.
Suche mal ein Bild von Bo, Augenblick....
...hab ihn:
Oh, ich hab ihn mal in einer "Die Hochzeit des Figaro" -Aufzeichnung im Fernsehen gesehen. Als Conte Almaviva...ist schon etwas her, aber ich fands klasse.
Wollen wir uns allen Ernstes über die Körperbedeckung von Nell Gwynn unterhalten? Ich hatte nie das Vergnügen, sie live zu erleben. Sie mag ein feiner Kerl gewesen sein, denn neben Charles II war sie ja auch beim Volk durchaus geliebt. Ob wegen ihrer Brustwarzen oder nicht, was solls. Aber Filme sind nunmal kein Beweis für hist. Tatsachen. Und Stage Beauty mag es als UK-Import für 30,00 € geben, ich meine aber natürlich die dt. Fassung
Ich habe nie behauptet, daß nackte Herrschaften auf der Bühne eine Erfindung der Neuzeit sind, sondern lediglich, daß es heute kaum noch eine Inszenierung gibt, die auf das eine oder andere nackte Menschenkind verzichten kann.
Wollte nur mitteilen, dass ich mich nun etwas rar mache und für längere Zeit (15.7. bis 22.8.) beruflich bedingt unterwegs bin, bzw. mich da meist in einer internetlosen Zone befinde.
Damit ihr aber mal (und das passt ja nun in diesen Thread) seht, was ich da fünf Wochen lang so treibe, bitteschön:
@ Meli,
ich würde ja sooo gern wieder ins Theater gehen, wenn die bei uns nicht dauernd entweder den Komödienstadel (oder Abwandlungen davon) geben würden, oder aber modernes Theater (mit einem Stuhl auf der Bühne), womit ich nicht so viel anfangen kann. Dann lese ich lieber ein gutes Buch (JA!)
Ich würde ja mal gern wieder eine Stück von Dürrenmatt oder Schnitzler sehen, na ja oder den "Faust" , den "Mitternachtstraum", aber solche Stücke bringen sie bei uns nicht.
Nur leicht verdauliches oder eben allzu modernes, was gespielt werden muß.
Sorry Ella,
ja, es war der Sommernachtstraum von Shakespeare. Komisch, das Problem hatte ich bereits in der Schule, dass ich Mitternachtstraum sagte. Manchmal kriegt man es nicht mehr aus dem Kopf, wenn es erst mal falsch drinsitzt. Danke! Vermutlich weil es im Original "A midsummer night's dream" heißt. Es ist so ein schönes Stück !!!
Ins Theater gehe ich auch sehr gern, besonders bevorzuge ich Musicals. Da hier in der näheren Umgebung selten etwas Interessantes gezeigt wird, bin ich lange Wege gewohnt.
Eins meiner bevorzugten Reiseziele ist London.