So, Caro, heute also etwas "aufbauende" Poesie, keine trübsinnige wie gestern.
"Träume, die in deinen Tiefen wallen, aus dem Dunkel lass sie alle los. Wie Fontänen sind sie, und sie fallen lichter und in Liederintervallen ihren Schalen wieder in den Schoß.
Und ich weiß jetzt: wie die Kinder werde. Alle Angst ist nur ein Anbeginn; aber ohne Ende ist die Erde, und das Bangen ist nur die Gebärde, und die Sehnsucht ist ihr Sinn."
Miss Hamilton hat geschrieben:Wir sind alle Engel mit nur einem Flügel, und wir können nur fliegen, wenn wir uns gegenseitig umarmen Luciano de Crescenzo
Ja, so was mag ich.
Ich finde, dazu passt dieser Spruch hier:
"Wer sich nur tragen lässt, lernt weder laufen noch tragen.
(Kyrilla Spiecker)
Und zum Thema Engel:
"Die schönste Hilfe der Engel sind die guten Einfälle, die sie uns zukommen lassen oft in den entscheidenden Augenblicken des Lebens." (unbekannter Verfasser)
"Ein Engel ist jemand, den Gott dir ins Leben schickt, unerwartet und unverdient, damit er dir, wenn es ganz dunkel ist, ein paar Sterne anzündet." (Phil Bosmans)
"Wer Engel sucht in dieses Lebens Gründen, der findet nie, was ihm genügt. Wer Menschen sucht, der wird den Engel finden, der sich an seine Seele schmiegt." (Christoph August Tiedge, 1752-1841)
@Amadea,
sag einmal, du musst ja eine wahre Fundgrube haben ... Du scheinst Gedichte auch sehr zu lieben und zu sammeln ...? Damit bist du hier nicht alleine, da gibt es einige ...
Katja hat geschrieben:Mit besinnlichen Sprüchen habe ich nicht viel am Hut. Aber auf VIVA lief gerade das neue Weihnachtslied von Sarah Connor. Sehr besinnlicher Text ( andere würden sagen schmalzig) , aber zu Weihnachten passt es wie die Faust auf´s Auge. Och, ich freu mich schon so!!!
Ich trau mich ja fast nicht, es zu sagen, aber ich hab für meine Sarah, die neue Weihnachts-CD der anderen Sarah gekauft, weil sie ein kleiner Fan ist. Vorteil daran ist, daß ich mich auch darüber freuen kann ...
Auch wenn es noch so blöd klingt, werde ich mir Heidis Jingle Bells zulegen. Das hat einfach was und macht Laune. Ansonsten ist mir das was Heidi Klum so macht relativ egal. Doch das Lied hat was! Tina
Von William Shakespeare Sie kommen noch immer, durch den aufgebrochenen Himmel, die friedlichen Schwingen ausgebreitet, und ihre himmlische Musik schwebt über der ganzen müden Welt; über ihre traurigen, geringen Ebenen beugen sie sich schwebend, und über ihren babylonischen Wunden singen die gesegneten Engel.
Wenn Engel Adressen hätten von Hans Kruppa
Wenn Engel Adressen hätten, wäre manches leichter. Man könnte ihnen schreiben, sie anrufen, sie besuchen. Sie hätten immer Zeit für uns und ein offenes Herz, wie es sich für Engel gehört. Wir könnten mit ihnen Musik hören und eventuell die Nacht verbringen. Am nächten Morgen würden wir die Welt mit anderen Augen sehen. Und nichts könnte uns hindern, bis auch uns Flügel gewachsen sind. Wenn Engel Adressen hätten, gäbe es bald keine Fussgänger mehr in unseren Städten.
Ich klopfe an deine Tür Aus Kamerun von Käthe
Ich klopfe an deine Tür, ich klopfe an dein Herz um ein gutes Bett, um ein gutes Feuer- warum mich zurückstoßen? Öffne mir Bruder!
Warum mich fragen, ob ich aus Afrika bin, ob ich aus Amerika bin, ob ich aus Asien bin, ob ich aus Europa bin? Öffne mir, Bruder!
Warum mich fragen nach der Länge meiner Nase, nach der Dicke meiner Lippen, nach der Farbe meiner Haut, nach dem Namen meiner Götter? Öffne mir, Bruder!
Öffne mir deine Tür, öffne mir dein Herz, denn ich bin ein Mensch, der Mensch aller Zeiten, der Mensch aller Länder, der Mensch, der dir gleicht!
Da zitiere ich den Phil Bosmans-Spruch noch mal, obwohl Du ihn doch als Aufhänger für diese Thread-Eröffnung gepostet hattest. So was ist mir auch noch nicht passiert. Und das bei meinem heißgeliebten Thema Sprüche und Gedichte. Das war sehr unaufmerksam von mir.
Und Du erwähnst es noch nicht einmal Mein Gedächtnis ist nicht das Beste, das ist mir schon seit einiger Zeit klar, aber diese Sache hier gibt mir jetzt wirklich zu denken.
So kann ich jetzt nur im Sinne von Augustinus bitten:
"Wenn du urteilst, so liebe den Menschen und hasse den Fehler."
Und ja, ich sammle Aphorismen und Gedichte, die mir gefallen. Das, was Du von Shakespeare zitiert hast, gefällt mir auch gut. Es hat so etwas Beruhigendes in der momentan gerade so hektischen Zeit.
Hier zwei Texte zum Thema Glück:
Der kleine Nachtwächter eines unbedeutenden Dorfes findet im Mondenschein ein vierblättriges Kleeblatt. Er weiß, dass dies Glück bedeutet. Aus Freude darüber bläst er in sein Horn und ruft die Dorfbewohner zusammen. Und der Poet, die Marktfrau, der Schmied, das Blumenmädchen und der Lausejunge kommen herbeigeeilt. „Das Glück besucht mich heute nacht“, verkündet der kleine Nachtwächter freudestrahlend. Und alles setzt sich nieder und wartet auf das Glück, das sich im Kleeblatt angekündigt hatte. Es wird ganz ruhig, alle lauschen in die Nacht hinaus. Der Wind raschelt leise in den Blättern, die Nachtigall singt im nahen Wald, ab und zu schwirrt eine Fledermaus vorbei – sonst aber ist nichts zu vernehmen, die Nacht hat sich ausgebreitet mit ihrer tiefen Ruhe. „Wann kommt endlich das Glück?“ ruft der Lausejunge. Der Poet aber, die Marktfrau, der Nachtwächter und das Blumenmädchen – sie alle verstehen, dass das Glück bereits eingezogen ist. Sie sitzen da und hören und lauschen bis zur Morgendämmerung.
(Margrit Schnider)
"Eigentlich ist Glück da. Nahe beim Nichts. Nahe beim Alles. Eigentlich immer, zum Greifen nahe." (Ingeborg Pacher)
Ach Amadea,
das ist nicht schlimm. Deshalb hab ich nichts gesagt. Das war für mich einfach ein versehen. Ich habe festgestellt, daß wir in der hektischen Zeit eben vieles vergessen oder nicht wirklich mitkriegen ...Und unser Chef macht uns grad jetzt zusätzlichen Druck ...
Ja, den Text mit dem Glück finde ich sehr schön, wobei ich gar nicht wirklich glauben kann, daß alle außer dem Lausejungen das Glück auch wirklich richtig verstanden haben. na, umso schöner, wenn's so ist, nicht wahr?
Schreibst du auch selbst Gedichte? Würde ich gern lesen. Meine e-mail findest du in der Mitgliederliste ...
Das sind philosophische Gedankensplitter, Sentenzen und Sinnsprüche.
Geflügelte Worte, also Zitate, die einem längeren Text entnommen werden, gelten aber allgemein nicht als Aphorismen.
Achso! Bei vielen als Aphorismen bezeichneten Texten habe ich mich gefragt, worin nun eigentlich der Unterschied zu einem Gedicht besteht. Mit deiner Erklärung werde ich es hoffentlich besser rausfinden. Tina
Aphorismen sind immer kurz, aber eben keine geflügelten Worte oder Zitate. Wie oben schon beschrieben. Man könnte sie auch als Weisheiten bezeichnen, das erklärts vielleicht noch besser ...?
Hier hab ich noch ein paar schöne Gedichte und Sinnsprüche gefunden:
- Advent - von Hilde Fürstenberg
Im Tale sind die Blumen nun verblüht Und auf den Bergen liegt der erste Schnee. Des Sommers Licht und Wärme sind verglüht, In Eis verwandelt ist der blaue See.
Wie würde mir mein Herz in Einsamkeit Und in des Winters Kälte angstvoll gehen, Könnt ich in aller tiefen Dunkelheit Nicht doch ein Licht in diesen Tagen sehn.
Es leuchtet fern und sanft aus einem Land, Das einstens voll von solchen Lichtern war, Da ging ich fröhlich an der Mutter Hand Und trug in Zöpfen noch mein braunes Haar.
Verändert hat die Welt sich hundertmal In Auf und Ab - doch sieh, mein Lichtlein brennt! Durch aller Jahre Mühen, Freud und Qual Leuchtet es hell und schön: Es ist Advent!
- Lied im Advent - von Matthias Claudius
Immer ein Lichtlein mehr im Kranz, den wir gewunden, daß er leuchte uns so sehr durch die dunklen Stunden.
Zwei und drei und dann vier! Rund um den Kranz welch ein Schimmer, und so leuchten auch wir, und so leuchtet das Zimmer.
Und so leuchtet die Welt langsam der Weihnacht entgegen. Und der in Händen sie hält, weiß um den Segen!
von Jean Paul Zum Engel der letzten Stunde, den wir so hart den Tod nennen, wird uns der weichste, gütigste Engel geschickt ...
Aus Hebräer 13,2 Vergeßt nicht, Gastfreundschaft zu üben; denn ohne es zu wissen, haben manche auf diese Weise Engel bei sich aufgenommen.
(c) Marion Löffler Abends, wenn es dunkel wird ... Abends, wenn es dunkel wird, leuchten tausend Sterne; und ich sehne mich hinauf, in die weite Ferne. Abends, wenn es dunkel wird, bin ich sooo alleine. Holt mich die Erinnerung ein - und ich wein und weine. Abends, wenn es dunkel wird, strahlen tausend Sterne. Inmitten fliegt mein Engelchen, das ich hab sooo gerne !!!
Zum Abschluß noch ein wenig skurille Mönchskomik:
Eine alte deutsche Mönchsregel Der Mönch soll sich behutsam schneuzen und nur hinter sich ausspucken wegen der Engel, die vor ihm stehen.
Ich wünsche allen einen geruhsamen ersten Advent ... Caro
Ja, Miss Hamilton, dieses - wohl bekannteste? - Gedicht von Erich Fried ist wirklich etwas Besonderes. Besinnlich hingegen ist sein Schreibstil wahrlich nicht. Ich empfinde ihn als nüchtern, was ab und an sehr wichtig sein kann, um auf den Boden der Tatsachen zurückzukommen. Hier ist noch solch ein "nüchternes" Gedicht von Herrn Fried:
"Die Jungen werfen zum Spaß mit Steinen nach Fröschen
Die Frösche sterben im Ernst."
(Erich Fried)
@ Caro: Nein, ich schreibe selbst keine Gedichte. Ich kann wirklich überhaupt nicht schreiben. Wär zwar nett, wenn ich's könnte, aber andere Menschen haben ja so wunderbare Texte geschrieben, an denen ich mich erfreuen kann, dass ich es überhaupt nicht misse, nicht selbst schreiben zu können. Mit dem Sammeln von Gedichten und Sprüchen hatte ich übrigens schon im frühen Teenageralter begonnen. Teilweise ziemlich düstere Sachen, wie ich jetzt finde. Ich hab' die Texte damals in eine Kladde geschrieben. Wenn ich sehe, wie sich mit der Zeit meine Handschrift verändert hat, staune ich immer wieder, dass (scheinbar) gerade die Handschrift sich unserem Wesen derart anpasst.
So, hier noch etwas passend zur Jahreszeit:
"An einem Wintermorgen wurde ich von meiner Mutter geweckt mit den Worten: „Florian, komm, steh schnell auf, du mußt dir unseren Kastanienbaum betrachten.“ Sie führte mich in die Stube ans Fenster und da erlebte ich ein Wunder, das meine Seele vor Andacht erschauern ließ. Der Baum glänzte wie übersät mit Tausenden von Edelsteinen. Die Morgensonne überstrahlte ihn mit einem rötlichen Schimmer. Ganz mit Rauhreif bedeckt stand er da. Ein Sprühen und Funkeln, ein Perlen und Schäumen von Farbe und Licht schlug mir entgegen. Eine Märchenburg, ein Zauberschloß ragte empor! Ich konnte das Wunder kaum fassen. „Wer hat das getan?“ fragte ich scheu meine Mutter. Und wieder fiel jenes Wort, aber diesmal so tief wie ein Stein auf den Grund eines Brunnens, das Wort: Gott."
Der Spaß bringt den Tieren den Tod, und das wirklich Ernst und kein Spaß. Das sollten sich solche Kinder mal eher bewusst machen, was sie da eigentlich für ihren Spaß machen. Tina
Tina hat geschrieben:Der Spaß bringt den Tieren den Tod, und das wirklich Ernst und kein Spaß. Das sollten sich solche Kinder mal eher bewusst machen, was sie da eigentlich für ihren Spaß machen. Tina
Genau dieses drückt Erich Fried doch auch aus! Dieses kurze Gedicht regt mit seiner Prägnanz mehr zum Denken an, als jeder ellenlange Vortrag eines Tierschützers. Phantastisch!
Tina hat geschrieben:Der Spaß bringt den Tieren den Tod, und das wirklich Ernst und kein Spaß. Das sollten sich solche Kinder mal eher bewusst machen, was sie da eigentlich für ihren Spaß machen. Tina
Genau dieses drückt Erich Fried doch auch aus! Dieses kurze Gedicht regt mit seiner Prägnanz mehr zum Denken an, als jeder ellenlange Vortrag eines Tierschützers. Phantastisch!
Vor allem kann sich jedes Kind die kurzen Zeilen merken ....
Deine Kiddies kennen es auch, oder ?
Katja hat geschrieben:Genau dieses drückt Erich Fried doch auch aus! Dieses kurze Gedicht regt mit seiner Prägnanz mehr zum Denken an, als jeder ellenlange Vortrag eines Tierschützers. Phantastisch!
Genau, Katja, in dieser Form bleibt es viel eher im Gedächtnis haften. Dies ist der Grund, weshalb ich solche "nüchternen" Sachen hier eben auch mag (obwohl ich die "schönen" ansonsten eindeutig favorisiere):
"Eine Blume ging über eine Wiese. Da sah sie dort einen Menschen stehen. Die Blume fand den Menschen hübsch. Darum riss sie ihm den Kopf ab!"
(unbekannter Verfasser)
Aber ich schweife vom vorgegebenen Thread-Thema ab. Also zum Abschluss wieder etwas Besinnliches:
"Manchmal muß man warten, lauschen und horchen, bis die Bäume zu sprechen beginnen, bis der Wald sein Schweigen bricht, bis die Rosen duften, bis es still wird und leise, bis die Zeit kommt, in der man schweigend zuhört und zuhörend schweigt..."
(Adalbert Ludwig Balling)
Und dann kann ich minutenlang darüber nachsinnen, wo nun der Unterschied liegt zwischen schweigendem Zuhören und zuhörendem Schweigen... Ja, so etwas mag ich.
Zuletzt geändert von Amadea am Donnerstag 7. Dezember 2006, 00:29, insgesamt 1-mal geändert.
Wow, dieses Blumengedicht kannte ich noch nicht. Passt aber ja zu Erich Fried's Froschwerk wie die Faust auf's Auge Sehr schön, dass Du es dazu geschrieben hast. Muss ich mir unbedingt merken!