Montag 30. Oktober 2006, 10:06
Hallo ihr Lieben,
dann bin ich wohl die erste. Ich weiß, ich hatte versprochen erst die "Lydia" fertig zu stellen, aber die Story ließ mich einfach nicht mehr los und drängte sich gedanklich dazwischen:
Eine kleine Winterepisode oder Ein Weihnachtswunder
Elizabeth Darcy stand am Fenster ihres Umkleidezimmers und blickte hinaus auf den winterlichen Park von Pemberley. Oder vielmehr gesagt, sie hätte gern hinausgesehen, wenn die Scheiben nicht gänzlich von dicken Eiskristallen bedeckt gewesen wären. Bereits an ihrem Hochzeitstag im Oktober hatten aufgeregt und geschäftig sammelnde
Eichhörnchen und besonders diebische Mäuse angezeigt, dass sich die Natur auf einen besonders langen und harten Winter einstellte.
Inzwischen schrieb man den 20. Dezember und es hatte in den vergangenen Tagen zwar ein wenig geschneit, aber nicht genügend um Erdhügel, Pflanzen und Bäume mit einer schützenden, dicken Decke zu überziehen. Lange
Eiszapfen und Frostmäntel hingen an Dächern und von den Zweigen der
Tannen. Es war ein überaus idyllisches Bild, das sich dem Betrachter von dem warmen Inneren des Hauses bot, wenn er aus dem Fenster sah und sich die Sonne in den Eiskrusten brach, die Sträucher, Halme und Hängeweiden bedeckten. Das war wohl auch der Grund, warum die versammelte Gesellschaft den ungewöhnlichen Wunsch geäußert hatte, nach dem opulenten und überaus genüsslichen Mahl eine Winterschlittenfahrt durch den weitläufigen Park zu unternehmen.
„Und, macht dich Pemberley glücklich?“ fragte ihr Gatte, als er leise hinter sie trat und ihr den neuen Silberfuchs in einer zärtlichen Geste um die Schultern legte. „Oh ja. Vor allem du machst mich glücklich, ich kann dir kaum sagen wie sehr“ erwiderte sie lächelnd und drehte sich um, um ihm einen leichten Hauch von Kuss auf den Lippen zu hinterlassen. Sofort zog er sie an sich und legte nun seinerseits alle Leidenschaft in seinen Kuss, der immer fordernder wurde, bis sie sich atemlos und errötend von ihm löste.
„Mein Lieber, jetzt ist nicht der rechte Zeitpunkt. Unsere Gäste warten. Ich fürchte, die Idee einer Schlittenfahrt war nicht vernünftig. Es ist bitterkalt draußen.“, sagte sie heiser und in Vorfreude vergnügter nächtlicher Stunden.
„Umso schöner wird die Teestunde am
Kamin. Ich rieche bereits die süßen Bratäpfel mit
Zimt. Du hast die dicken Pelze unserer Freunde und Verwandten gesehen, zumindest einige davon bei ihrer Ankunft, und es stehen genügend Schlittendecken zur Verfügung. Es wird unserer Gesellschaft und uns an nichts mangeln. Mrs. Jenkins hat mit Sicherheit längst heißen Punsch aufgesetzt, der uns später hinreichend aufwärmen wird, falls es eben diese Pelze und Decken nicht in ausreichendem Maße taten.“
Gemeinsam betraten sie das großzügige Treppenhaus und tatsächlich wurde das Paar bereits sehnsüchtig erwartet. Elizabeth verharrte einen Moment auf der Galerie und warf von dort einen liebevollen Blick auf die übrige Gesellschaft, um dieses einträchtige Bild für immer in sich aufzunehmen. Sie konnte immer noch nicht glauben, dass sich ihr innerster Traum erfüllt hatte.
Um ehrlich zu sein, die junge Mrs. Darcy hatte anfänglich gewisse Missgünstigkeiten und Abfälligkeiten befürchtet, da das Geschlecht der Darcys weit über dem der Bennets stand, und nicht einmal nennenswürdiges Kapital ihrerseits vorhanden war, um dieses auszugleichen. Aber alle Ängste hatten sich als unbegründet bewiesen. Von den noch lebenden Darcys war sie schon vor der Hochzeit mit besonderer Aufmerksamkeit, ja sogar Herzlichkeit aufgenommen worden, was aber weiter nicht verwunderte, wenn man die Wunden und Narben vergangener Schicksalsschläge kannte. Lediglich Lady Catherine und die meisten Familienmitglieder ihrer Linie waren ferngeblieben, was aber keinen nennenswerten Verlust bedeutete. Und der Einladung zum Weihnachtsfest waren alle gefolgt, denen es möglich war, und die Fitzwilliam und Elizabeth wichtig waren. Allerdings fehlten die meisten Bennets aus gesundheitlichen Gründen. Sie hatten sich eine unangenehme Grippe eingefangen, deretwegen auch Caroline und die Hursts verhindert waren, was aber weder die übrigen Bingleys, noch jemand anders wirklich bedauerte.
Aber nun war keine Zeit sich über derlei Dinge den Kopf zu zerbrechen, seufzte sie unhörbar und folgte ihrem Gatten an der Hand.
„ Da sind sie ja. Endlich!“ rief eine ungeduldige Kitty Bennet, die sich an der Seite von Colonel Fitzwilliam offensichtlich sehr behaglich fühlte. Dieser selbst grinste bübisch und nahm Kitty an den einen Arm und Georgiana an den anderen.
„Wo ist der nächste
Mistelzweig. Ich hätte große Lust mir einen ähnlichen Kuss abzuholen, wie ihn unser lieber Will sicher erhalten hat. Lang genug haben die beiden gebraucht!“ rief er in besonders aufgekratzter Stimmung. Ob er wohl dem Weine zu sehr zugesprochen hat, fragte sich Elizabeth/Lizzie im Stillen. Aber niemand nahm es ihm Übel. Nur dass sowohl Georgianas als auch Kittys Wangen mit einer leichten, verräterischen Röte überzogen waren, noch bevor sie der erste eisige Windstoss traf.
Es war ein Glück, dass ohnehin viele der Gäste mit Winterschlitten gekommen waren, so fand sich für jeden Gast ein Plätzchen, und versorgt mit Unmengen warmer Decken, Kissen und in Anbetracht der nachmittäglichen Winterzeit mit Fackeln bewaffnet, fuhren sie lachend und in ausgelassener Stimmung los. Im ersten Schlitten saßen Fitzwilliam, Elizabeth und Charles und Jane Bingley. Im nächsten folgten der Großonkel, Lord Darcy und seine Tochter Tessa, die allgemein als Herzoginwitwe bekannt war, daneben die junge Lady Mountfield mit Gatten, im dritten fuhren die Gardiners mit den beiden ältesten Kindern. Dann folgten Colonel Fitzwilliam, Georgiana und Kitty, und ein Captain Henry Giles, seinerseits ein enger Vertrauter und Freund des Colonels. Im letzten schließlich fanden sich noch zwei alte Freunde aus Darcys Studienzeit mit ihren Gattinnen, welche aber geplant hatten, am selben Abend noch heimzukehren.
Es war ein Glück, dass die Straßen gut befahrbar waren und man die sonnige Winterwonnen-Landschaft in vollen Zügen genießen konnte. Leider brachten die Strahlen der Sonne selbst kaum nennenswerte Erwärmung und trotz doppelter Decken, Pelzen, Fäustlingen waren alle bald kalt gefroren und streckten sich rote Nasen entgegen. Der ausgelassenen Stimmung jedenfalls tat die unerbitterliche Kälte keinen Abbruch. Man begegnete dem einfach durch engeres Anrücken und menschliche Nähe. Die einzig erlaubte Situation in der auch unsere unverheirateten, jungen Damen in den Genuss einer freundschaftlichen, männlichen Umarmung kamen. Allerdings achtete Fitzwilliam Darcy streng darauf, dass sich die beiden Herren keine weiteren Freiheiten herausnahmen. Wobei seine Blicke im Verlauf der Fahrt doch mehr auf den Augen und Lippen seiner hinreißenden Frau ruhten, als auf den Anderen, und so manche wie zufällig hingehauchte Berührung dem stillen Betrachter mehr zu sagen hatte, als viele Worte.
Unter allgemeiner Zustimmung befuhren die Schlitten eine kleinere Runde, die längere hätte man doch als unangenehm befunden, und als man eben diese Runde später in den unmittelbaren Hof von Pemberley einfuhr, standen vor dem Stallgebäude unerwartet zwei mittlerweile ausgespannte Kutschen.
Es gab ja durchaus weitläufige Nachbarschaft, die sich erst für einen der nächsten Tage angekündigt hatte, und Freunde, denen es aus verschiedentlichen Gründen unmöglich gewesen war der freundlichen Einladung folge zu leisten, doch keiner wollte eine Vermutung über den späten Besuch anstellen.
„Lass es nicht die Ladyschaft sein“, brummte der Colonel kaum hörbar, der deren Gesellschaft im Allgemeinen kaum schätzte und die österlichen Besuche auf Rosings stets nur auf mehrmaliges Drängen seines Cousins antrat. Gewiss war sie seine Tante und er schuldete ihr den entsprechenden Respekt, welchen er auch gewillt war ihr entgegenzubringen, aber dennoch konnte keiner verlangen, dass ihn übermäßige Freude überkam, wenn er sich dem ausgesetzt sah. Sie entsprach einfach mehr dem Bild eines brummigen, matronigen Generals, als einer liebenden Tante. Mit einem Blick in die Runde stellte er schnell fest, dass die anderen wohl ähnlichen unerfreulichen Gedanken nachhingen.
„Nun ja, die Anwesenheit meiner Schwestern würde meine Stimmung ebenfalls nicht merklich bessern“ versetzte Charles Bingley tonlos, was ihm allseits zustimmendes Gelächter und einen liebevollen Seitenhieb seiner Frau einbrachte.
Die Überraschung aller Gäste folgte auf dem Fuße, als man den weitläufigen, angenehm erwärmten Salon betreten hatte. Es waren dies Colonel Brandon mit seiner Frau Marianne, Edward Ferrars mit Elinor und last but not least Mutter Dashwood mit der kleinen Margret.
„Du alter Gauner!“ rief Fitzwilliam Darcy erfreut. „Wir dachten ihr müsstet euch von dieser unsäglichen Grippe kurieren und könntet uns unmöglich zu den Feiertagen erreichen!“
„So war es auch“ bestätigte Colonel Brandon und fuhr dann schmunzelnd fort, „Aber als ich von meinem lieben Freund Will und seinem Cousin Fitz erzählte, mit denen ich als junger Mann Indien bereist hatte, die ich beide aus den Augen verloren hatte, und deren weiteren Kontakt widrige Umstände verhinderten, und als vor allem Margret erfuhr, dass sich auf Pemberley gewiss Spielkameraden für sie finden ließen, waren wir alle nicht mehr zu halten.“
„Ich muss mich entschuldigen, dass niemand hier war, um Sie gebührend zu empfangen“ sagte Lizzie entschuldigend, wurde aber von den neuen Gästen sofort beruhigt. Man versicherte ihr sogleich, es sei alles in Ordnung und die Unterbringung zur vollsten Zufriedenheit gelöst worden. Es hatte sich sogar ergeben, dass Margret mit den kleinen Gardiners in einem Raum untergebracht war, was ihr ein königliches Vergnügen bereitete. Es macht schließlich einen Unterschied, ob man mit älteren Schwestern nächtigt, oder neuen Freundinnen. Die Kinder verstanden sich blendend und es stand zu erwarten, dass sie ihren Schlaf kaum vor den Eltern finden würden.
Die Gesellschaft unserer Freunde erwärmte sich durch heißen Tee, fruchtigen Punsch und anregende Gespräche bis weit in die Nacht, die hin und wieder durch Georgianas mühelos erscheinendes Pianospiel oder Mariannes himmlischen Gesang unterbrochen wurden. Nie hatten Elizabeth oder Fitzwilliam Darcy so einen harmonischen, geselligen Abend verbracht. Was ist es doch für ein Glück eine solche
Familie und solche Freunde zu haben, dachten sie bisweilen und wechselten einen verständnisinnigen Blick.
Selbst die schüchterne Georgiana hatte sich angeregt mit Lady Mountfield, Kitty Bennet und Mrs. Gardiner unterhalten. Auch sie fühlte sich in der Gemeinschaft warm und geborgen und gratulierte ihrem Bruder mehrfach für die Wahl seiner Ehefrau, deren Anwesenheit durch die lebhaften Gespräche, das Lächeln und die Herzenswärme zum Wohlgefühl aller beitrug.
Georgiana jedenfalls bedeutete sie mehr als deren Schwester, die neue Mrs. Jane Bingley, deren besagte Schönheit und Liebenswürdigkeit sprichwörtlich war, aber an Lizzies Ausstrahlung nicht heranreichte.
Es war bereits weit nach Mitternacht, als sich die Gesellschaft auflöste um sich zur Nachtruhe zu begeben, und der nächste Tag begrüßte Pemberley mit einer dicken Schneedecke. Sie waren zwar nicht völlig eingeschneit, aber es mochte für die zu erwartenden Gäste schwierig werden den Weg durch das dichte Schneetreiben zu finden. Wenn es so weiterging stand sogar zu befürchten, dass man am Neujahrsempfang in St. James nicht teilnehmen konnte.
Im ganzen Gebäude waren die Bemühungen der Bediensteten zu hören, die emsig wie Ameisen versuchten die Außentreppen und den Hof von der Schneelast zu befreien.
„So einen Winter hab ich noch nicht erlebt“ sagte Lord Darcy beunruhigt. „Erst diese Schafskälte und nun so ein Schneetreiben. Ich bin weiß Gott froh, über
Weihnachten nicht in London eingesperrt zu sein. Dort säßen wir nicht so gemütlich und in überaus angenehmer Gesellschaft, nicht wahr, Tessa?“
„Halb so schlimm“ versetzte Colonel Fitzwilliam, „wie ich Will und Lizzie kenne, sind die Keller und Speicher voll mit Vorräten. Wir können gut bis Neujahr und noch länger ausharren, ohne uns Gedanken um den Gaumen zu machen.“
So saßen sie alle gemütlich im Speisesaal, aßen Ham and Eggs, und frisches, geröstetes Landbrot, welches man allgemein dem weichen, weißen Toast vorzog und plauderten vergnüglich über dies und das, bis sich vor der Türe lauter Tumult erhob.
„Ich möchte allzu gerne wissen, was da draußen vorgeht“, sagte Mrs. Darcy entschuldigend indem sie sich erhob um nachzusehen, und dabei von ihrem Gatten unterbrochen wurde, der seinerseits zur Tür ging. Er hatte eben die Klinke in die Hand genommen, als besagte Türe aufgerissen wurde und ein kleiner Junge aufgeregt zum Tisch strömte.
„Ich muss zur Herrin von Pemberley, bitte, wo finde ich die Herrin von Pemberley?“ rief er und rannte von einem Stuhl zum nächsten.
„So beruhige dich doch. Was willst du von ihr? Und wie kommst du überhaupt hierher?“ fragten ihn verschiedene zwar freundliche, aber fremde Stimmen, bis er verwirrt zu Boden sank.
„Der arme Junge!“, rief Lizzie, und als sie ihn berührte merkte sie, dass er sowohl völlig durchnässt als auch durchfroren, die Stirn aber übermäßig erhitzt war. Man rief nach trockener Kleidung und warmen Decken, doch als er die Augen wieder aufschlug, versuchte er sogleich sich zu erheben. „Mama…muss zu…Mama“ stammelte er, “muss Hilfe holen…“.
„Wo ist deine Mama. Befindet sie sich auf Pemberley? Arbeitet sie hier?“ wurde der Kleine gefragt. Mrs. Darcy flösste ihm ein paar Schluck warmen Tee ein, was seine Lebensgeister langsam erwachen ließ.
„Nein. Mama wollte zur Herrin von Pemberley. Die Leute sagen, sie hat ein gutes Herz und ist gütig. Mama soll bald ein Baby kriegen, und sie war geschwächt, deshalb ging Vater vor drei Tagen mit unserem letzten Geld zum Apotheker, aber er kam nicht zurück. Vermutlich ist er auf dem Weg irgendwo eingekehrt und entweder überfallen worden, oder erfroren. Wir haben ihn überall gesucht, aber nicht gefunden.“
„ Wo ist deine Mutter jetzt und was ist mit den Geschwistern, du hast doch Geschwister?“ wurde er gefragt.
„Mama liegt draußen. Kurz vor der letzten Weggabelung. Sie konnte nicht mehr. Das Kind will kommen, sagt sie. Meine kleinen Geschwister sind allein zu Haus. Ich bin der Älteste.“
Elizabeth Darcy überlegte nicht lange, was zu tun sei. Erst seit kurzem war sie Herrin von Pemberley, aber die Pächter und andere schienen ihr bereits zu vertrauen. Darcy und sie handelten in einem, fast so, als hätte eine Absprache stattgefunden.
„Sucht die Frau, holt die Kinder und bringt vor allem den Kleinen hier in eines der übrigen Zimmer. Es muss geschürt und erwärmt werden. Man sollte auch nach dem Arzt schicken, die Frau könnte ihn brauchen …“.
Erst jetzt war Zeit sich den Jungen genauer zu betrachten und einige der Anwesenden wurden blass vor Entsetzen.
„Das ist doch ein Sohn von Fee. Diese Augen, die Nase der Mund…“regten sich einige Stimmen.
Er nickte. „Ja, meine Mama heißt Fee Doherty“.
Es währte nicht lange, bis Fee Doherty gefunden war und gebracht wurde, und später auch die Kinder. Man brachte Fee in unmittelbarer Nähe der Kinderräume unter, damit die Kinder sie leicht sehen konnten. Sie waren alle in einem erbärmlichen Zustand, aber sie lebten. Seit zwei Tagen hatten die Kinder weder gegessen noch getrunken, sie waren im Haus ohne
Feuer gesessen, und vor allem Fee war durch den Marsch im Schneesturm völlig entkräftet. Es war fraglich, ob sie eine Kindsgeburt überhaupt überstehen würde. Man musste es jedenfalls dem Gatten sagen. Man begab sich auf die Suche nach dem Vater, aber er schien spurlos verschwunden, als hätte es ihn nie gegeben.
Darcy entschied umgehend, dass alle Dohertys bis Neujahr auf Pemberley bleiben sollten, dann würde man weitersehen.
Man hätte die Dohertys als Belastung empfinden können, aber alle Gäste waren froh und dankbar, dass man sie vor dem Schlimmsten hatte retten können. Einige der Damen, vor allem Tessa und Mrs. Gardiner, die selbst mehrere Kinder geboren hatten, und deshalb in der Geburtshilfe ein wenig bewandert waren, bemühten sich redlich um Fee Doherty. In den ersten beiden Tagen lag sie noch in der Krise, aber am Heiligabend brachte sie ein kleines Mädchen zur Welt. Wie durch ein
Wunder überlebte sie nicht nur die Geburt, sondern kräftigte sich so weit, dass sie ihrer Tochter selbst die Milch geben konnte.
Später saßen Elizabeth und Fitzwilliam Darcy mit der Gesellschaft im großen Salon und suchten gemeinsam zur Ruhe zu kommen und sich abzulenken. Es war etwas geschehen, etwas Besonderes wie alle empfanden, aber nicht benennen konnten. Erst als die Kirchenglocke zur Christmette schlug, Marianne Brandon die ersten Takte des „Ave Maria“ sang und nach und nach alle Gäste einstimmten, da erkannten sie es: Das Weihnachtswunder!
Später, viel später lagen alle zufrieden in ihren Betten, und als Fitzwilliam Darcy mit seiner Gattin zu den Schlafgemächern ging, lächelte sie und sagte: “Irgendwann musst du mir von Fee Doherty erzählen. Sie ist eine bemerkenswerte Frau und ich weiß, ihr kennt sie gut. Jetzt, da sie keinen Mann mehr hat, der ihr zur Seite stehen könnte, sollten wir uns um sie kümmern. Ich glaube dein Onkel, der im Frühjahr aus Java kommen wollte, muss ihre Mutter einmal sehr geliebt haben. Die Herzoginwitwe erzählte dergleichen. Es würde ihn freuen, sie hier zu haben, meinst du nicht auch?“
„Ich ahnte doch, ich bekomme eine sehr kluge Frau“ erwiderte er mit diesem liebevollen Blick, der stets ihr innerstes aufwühlte, und zog sie in seine Arme. „Ich liebe dich, Lizzie. Ich glaube fast, du bist mein Ruin.“
„Ja“ sagte sie einfach und kuschelte sich eng an seinen warmen Körper, nach dem sie mehr hungerte als je zuvor und blickte zu den offenen Samtschatullen am Fenster, in denen zwei faustdicke Hochlandquarze lagen, die im Mondschein funkelten und leuchteten wie Diamanten. Im Übrigen ein Geschenk der Herzoginwitwe Tessa, die beide in die Hochlandsage eingeweiht hatte. „Ich bin dein Ruin und du meiner. Zwei Herzen und eine Seele“ flüsterte sie an seinem Ohr, dann blies Lizzie Darcy vorsichtig die Kerzen aus …
Finis.
Es gibt diese schottische Hochlandsage, die auch Iren in wenig abgewandelter Form kennen:
Ein Mann ist ewig auf der Suche nach seinem Ruin, seiner besseren Hälfte. Es kann also sein Ruin sein, sie ewig zu suchen, ohne sie jemals zu finden, oder falls er sie findet, sie nicht gewinnen zu können. Selbst wenn er sie gewinnt, wird er an nichts anderes mehr denken können. Deshalb nennen die Hochländer die große Liebe eines Mannes gleichzeitig seinen Ruin. Und nur wenn sich die richtigen Herzen gefunden haben, senden die Hochlandquarze das überirdische Strahlen eines Diamanten aus …
© Caro
Ich hoffe, es hat euch gefallen.

Caro
Zuletzt geändert von Caro am Dienstag 31. Oktober 2006, 13:24, insgesamt 8-mal geändert.