So! MM in "DAAF/SFA" - here we go!
Zuerst: Ich war positiv überrascht, doch 35 Leute um 23 Uhr Dienstagabends im Kino in diesem Film zu sehen. Alle Achtung!
Ich war negativ überrascht von der Info-Wand des Kinos, wo alle derzeit dort laufenden Filme einen Aushang mit Kurzinfos und Zusammenfassung der Handlung haben. So auch "SFA", aber - es standen fünf oder sechs Darstellernamen drauf, lediglich MMs Name fehlte

Das löste sofort in mir den nicht mehr zu unterdrückenden Reflex aus, den roten Kuli zu zücken und ihn mit dazu zu schreiben. Leider waren um ca. 22.45 Uhr noch zu viele Leute im Kino unterwegs, um dies relativ unauffällig machen zu können. Ich nahm es mir daher für nach der Vorstellung fest vor.
Zum Film: Selten so gelacht! Ich konnte zum Teil regelrechtes wieherndes Gelächter nicht unterdrücken, allerdings muss ich sagen, dass es auch an Stellen war, die sehr empfindliche Seelen eventuell als "geschmacklos" einstufen würden. Ich bin recht hart im Nehmen und kann das gut ab, also brüllte ich vor Lachen!
Darstellerisch herausragend waren (meiner Meinung nach - und MM immer außen vor, selbstverständlich) Alan Tudyk als Simon und Andy Nyman als Howard. Die beiden waren Klasse!
Alan Tudyks Rolle ist körperlich sehr fordernd, ich denke, das zu drehen war sehr anstrengend. Ebenso muss auch erst einmal eine emotionale Ebene für diesen Charakter erreicht werden.
KHMs Rolle als Jane ist nicht sonderlich groß, ihre Aufgabe besteht lediglich darin, ihren Mann Daniel (MM, sie spielen zum ersten Mal tatsächlich ein Ehepaar in einer Produktion!) Trost und Zuspruch zukommen zu lassen und ihm ab und zu die Hölle heiß zu machen, wegen einer wichtigen Banksache. Eventuell wie im richtigen Leben!

(Den letzten Satz von mir bitte nicht auf die Goldwaage legen!).
Rupert Graves als Robert (Bruder von Daniel) fand ich jetzt nicht sooo überragend, aber seine Rolle ist auch wenig fordernd. Seine besten Momente hat er eindeutig im Streitgespräch mit Daniel in der Abstellkammer.
Beste Szenen: Der Strang Martha und Simon (Alan Tudyk = Simon ganz allgemein immer gut!) und alles, was mit Onkel Alfie zusammenhängt. Es sei denn, man hat gewisse Empfindlichkeiten, wie bereits erwähnt.
Jetzt MM speziell: Es ist sehr, sehr merkwürdig, ihn nach der Begegnung in London auf der Leinwand zu sehen. Aber gut, das ist mein ganz persönliches Empfinden, hat mit dem Film an sich nichts zu tun.
Er (als Daniel) ist absichtlich auf bieder getrimmt, wirkt sehr blass, kühl, zwar trauernd, aber nicht übermäßig davon erfüllt, manchmal sogar zuweilen emotionslos. Was er aber bei weitem nicht ist, es wird schnell klar, dass er z.B. unglaublich nervös ist, was das Halten der Trauerrede anlangt. Einmal mehr ist er von einem vermeintlich erfolgreichen Bruder dominiert (erstaunliche Parallelen zu "ADMV" und "TP&TI"!) und leidet sehr darunter, zeigt es aber zunächst nicht.
Seine Ehe mit Jane würde ich als "gut eingefahren" bezeichnen. Eine offensichtlich stabile, aber - na ja, sagen wir es ruhig - langweilige Beziehung.
Daniels Emotionen brechen auf, als die Geschichte mit der Trauerfeier anfängt schief zu laufen. Dann kann MM wieder die Bandbreite seines Könnens zeigen. Es ist ein weites Feld: Peinlichkeiten, Zorn, Verzweiflung, Angst, Entsetzen, Unsicherheit, Panik, die ganze Vielseitigkeit bringt er da hinein. Daraus resultieren: Eyebrowsex, Lippen beißen, nervöses Augenflattern, all die Dinge, die typisch MM sind und die aber genau in die Rolle passen.
Zum Hinknien: Die Close-ups, so dass man en Detail die laaaaaaaangen Wimpern :thud: und die Narben (Oberlippe!) :schnapp: genießen kann!
Die Haare sind etwas kürzer als derzeit, aber sehr im biederen Stil frisiert, er wirkt wesentlich massiver (also, will sagen, hatte deutlich mehr Gewicht auf den Rippen) als derzeit, was sich auch im Gesicht niederschlägt, das dann immer leicht schwammig wirkt (ohne negatives Vorzeichen, ich finde bei MM ist selbst "schwammig" mit "wunderschön" gleichzusetzen).
Im Film wirkt er älter (sicher mit Absicht) als in Natura. In der Realität kam er mir keinen Tag älter als ein Jungstudent vor!
Der Film überrascht immer mal wieder durch kleine, unerwartete Wendungen und ist einfach total unterhaltsam. Wenn man denn (ab und zu) auf "deftige Art" unterhalten werden möchte. Wobei ich nicht sagen will, dass die Handlung nicht gut aufgebaut, oder gar unsinnig wäre. Es gibt durchaus Szenen, bei denen man auch tiefsinnig nachdenken kann.
Der Vorspann (opening credits) ist gut gemacht, mal was ganz anderes, wie ich finde. Leider sind da die Darstellernamen alphabetisch gelistet, so dass MM recht spät erst erwähnt wird.
Der Abspann (final credits) ist etwas anders gemacht und wird viele überraschen, bitte unbedingt dableiben und nicht gleich aus dem Kino rennen!
Da kommt MM übrigens als Erster! Leider zu kurz, schade.
Nach etwas mehr als 90 Minuten Lachmuskel-Strapaze das Fazit: Wer britischen (u.U. leicht derben) Humor mag, der soll sich nicht aufhalten lassen.
Übrigens: Wie gut die deutsche Synchro ist, vermag ich nicht recht zu beurteilen, dazu müsste ich das englische Original komplett gesehen haben. Abgesehen von MMs Stimme (die einfach grauenhaft ist, ich KANN es kaum ertragen, wenn man seine sanfte, wohlklingende, samtige Stimme kennt), fand ich es soweit okay. Wie gesagt, der Vergleich fehlt mir noch derzeit, da es Deutschland ja einmal geschafft hat, so privilegiert zu sein und diesen Streifen noch vor UK und USA in die Kinos zu schaffen!!!
Dafür der Concorde (Filmverleih) ein großes Kompliment!
Natürlich habe ich nach der Vorstellung den Rotstift noch gezückt und auf das aushängende Blatt für den Film folgendes nachgetragen: "plus
MATTHEW MACFADYEN in der Hauptrolle!"
Ich hätte es mir niemals verziehen, wenn ich es hätte auf sich beruhen lassen!
