Ich stelle die letzten beiden Teile des Reiseberichtes ein. Achtung, in Teil fünf wird es richtig "hot"!!!
Fünfter Teil, Fortsetzung Samstag…
Es bleibt keine Zeit, sich von der Vorstellung zu erholen, denn kaum komme ich aus dem Auditorium, als mich auch schon Verity anspricht, die einen Tisch für uns alle unten im Restaurant freihält und ihn mit gefletschten Zähnen verteidigt. Wir beeilen uns, ihr und Lassie (den Namen hat sie nun für alle Ewigkeit weg!) Gesellschaft zu leisten und treffen auf dem Weg nach unten auch schon auf AL und Emerald Wings. Na, die Truppe komplettiert sich langsam, hurra!
Ich ordere einen Cappuccino, ich muss mich echt ein wenig wachrütteln, nicht weil ich müde bin, sondern weil ich gedanklich soooo weit weg bin nach der Vorstellung. Jetzt erst reflektiere ich und merke, wie sehr es mich mitgenommen hat, ihn nur ein paar Meter entfernt von mir agieren, spielen zu sehen.
Ich freue mich aber enorm, alle nun beisammen zu haben, wir sind ein eindrucksvoller Trupp! Einige haben Hunger und müssen eine Kleinigkeit essen, ich verspüre kein bisschen Hunger, eigentlich nicht einmal Durst, mein Körper ist anscheinend losgelöst von meinem Geist. Ich schwebe gedanklich irgendwo zwischen den Mädels (und Pictureking natürlich!) und MM, der nun sicher Backstage ist und die Füße zwischen den beiden Vorstellungen ein wenig hochlegen wird.
Die Konversation wird wieder – lustigerweise – in einem irren Gemisch aus Deutsch und Englisch bestritten. Alle Tobynetten (ich meine damit der Einfachheit halber alle, die zuvor bei „Betrayal“ gewesen sind) berichten aufgeregt von ihren Erlebnissen. Erste Bilder auf den Digicams gehen durch die Reihen. Ach, der gute TS ist aber auch ein richtiges Schnuckelchen. Was haben wir doch alle für ein enormes Glück!
Ich bin nun (in der Phase der Reflektion auch der Ereignisse
vor der Nachmittagsvorstellung) doch leicht beunruhigt wegen der Sache mit dem Fotoalbum, hätte MM das Ding gestern Abend schon gehabt, wären heute eventuell einige Dinge auch ganz anders abgelaufen. Vielleicht… Nun ja, ich muss wenigsten sichergehen, dass er es hat, wenn er heute Abend nach Hause geht! Ich checke das am besten Mal gleich an der Stage Door. Aber draußen rauche ich zunächst nur eine Zigarette, was mich ein ganz klein wenig wieder vom Adrenalintrip runter bringt. Als ich wieder unten neben Annemarie Platz nehme, merke ich, dass ich ganz vergessen habe, den Pförtner wegen des Albums anzusprechen.
Ergo – muss nachher MM selbst fragen!
Annemarie meint, dass MM definitiv an Gewicht verloren hat, denn als das Stück vor zehn Tagen begann, hatte er noch ein etwas schwammigeres (blöder Ausdruck, ich weiß!) Gesicht und ein leichtes Doppelkinn. Außerdem musste er da noch nicht ständig, wie nun beim Spielen, die Hose nach oben ziehen, da sie ihm mittlerweile andauernd von den Hüften rutscht (haben die keine Kostümschneiderin, die das mal fix enger für ihn macht?). Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, sollte die Hose tatsächlich mal ganz nach unten rutschen. Leider merkt er es immer rechtzeitig und zupfelt sie wieder hoch… schade.
Wir wissen auch den Grund für seine Gewichtsabnahme: Er muss rank und schlank für sein nächstes Filmprojekt „Frost/Nixon“ sein, denn da werden wir Aufnahmen zu sehen bekommen, die uns einen ziemlich… ähm… ähm…
teil entblößten MM bescheren werden (John Birt = MM rennt in den Pazifischen Ozean…
nackig!!!!) *schwitz*
Meine Güte! Derartige Themen nun vor der zweiten Vorstellung zu erörtern, das lenkt einem ja total vom Stück als solches ab! Glücklicherweise hatte ich auf das gesamte Stück schon beim ersten Mal schauen meine ganze Aufmerksamkeit gelenkt, so dass ich nun beim zweiten Mal ein wenig mehr MM ansabbern darf – und werde, unter Garantie!
Gesagt, getan! Ich kann meine Augen kaum von ihm wenden, und finde überdies, dass er diesmal um Klassen besser als am Nachmittag spielt. Was übrigens umgekehrt proportional für seinen Partner (PS alias Cash) gilt! Ja, es zeigt, dass auch bei Vollprofis vieles von der augenblicklichen Verfassung abhängt.
Die meisten Dinge sind überdies auch sehr typisch für MM und selbstverständlich gewollt vom Regisseur, und sicher auch von ihm, eingesetzt: Fingernägelkauen (hier alles natürlich extrem überzogen dargestellt), Flattern der Augenlider, Beißen auf die Lippen, nervöse Bein-/Fußbewegungen, unruhige Hände, unsteter Blick, zu gut deutsch – ein nervöses Huhn in jeder Hinsicht.
In einigen Szenen hat er ein sehr lausbübisches Grinsen drauf und sieht dann manchmal trotz der spießigen Bühnenklamotten (die natürlich seinen Status als „wertlosen Hausmann“ verdeutlichen sollen) wie ein Student im ersten Semester aus. Wenn er seine Ausbrüche hat, könnte man fast meinen, man hätte ihm im Sandkasten sein Lieblingsförmchen weggenommen. Nun – genau genommen hat das sein Bruder ja auch gemacht (ich sage nur „Hotwheels“!!!), aber ich möchte nicht spoilern, damit es für andere noch interessant bleibt.
Wiederum zwei Vorhänge (ja, es heißt halt so im Theater, auch wenn an dieser Bühne gar kein tatsächlicher Vorhang ist) beschließen das Stück, wie schon bereits am Nachmittag, obwohl der Applaus deutlich enthusiastischer ist als in der Vorstellung zuvor. Ich beeile mich mit dem Hinausgehen, hole meine Tasche und meine Jacke aus der Garderobe, aber an der Treppe ist ein Stau, dies ist halt ein richtiges Nadelöhr im RCT. Ich komme endlich nach oben, stoße die Glastür auf – und sehe IHN bereits an der Ecke zum Sloane Square stehen. Oh nein! Er ist im Begriff zu gehen! Nein! Stopp! Scheiße, wo sind die anderen? Ich sehe mich rasch um, da kommen EW, AL und Julie! Zum Glück ist noch jemand anderes (unbekannt) bei ihm und fragt nach einem Autogramm, das hält ihn ein paar Sekunden auf.
Gott, ist der Mann rasend schnell! Das darf doch nicht wahr sein. Es ist Not am Mann, keine Zeit zu Überlegen oder tief Luft zu holen, daher: „Bitte, geh’ noch nicht, es kommen hier noch Fans aus Deutschland!“
Er schaut auf, zieht wieder seine Augenbraue hoch *platsch* und meint lakonisch: „Okay, okay, aber ich habe es wahnsinnig eilig!“
„Ich weiß
(ähm, woher weiß ich das überhaupt? Egal…), wir müssen nachher auch unseren Vorstadtzug erwischen.“
Er grinst ein wenig schief und seufzt schicksalsergeben: „Also gut.“
Die Meute kreist ihn ein, Pictureking kommt pflichtergeben seinen Aufgaben als Haus- und Hoffotograf nach. Julie faselt etwas von „Du solltest mehr Komödien machen, unbedingt“. Er lächelt: „Ja, es ist ein tolles Stück. Sehr lustig streckenweise.“
EW und AL lassen sich ihre Textbücher unterschreiben, irgendwie bin ich froh, dass ich das am Nachmittag schon habe erledigen können.
Dann fängt es an zu regnen, noch nicht heftig, aber doch schon recht unangenehm.
Ich greife mir in die Haare (ich bin, was meine Haare anlangt, ziemlich empfindlich, da werde ich unausstehlich, wenn damit etwas nicht stimmt!) und äußere mich laut: „So ein Scheiß! Nun regnet es ausgerechnet und innerhalb von zwei Minuten werden meine Haare wie ein Misthaufen aussehen!“
Ein Blick aus bebrillten blauen Augen trifft mich, der durch und durch geht *zitter*, dann fängt er lauthals an zu lachen wie blöd! Ich kann es nicht fassen! Matthew Macfadyen steht mitten in London auf der Straße und lacht mich aus, weil ich wegen meiner Haare rumpienze!
Die unglaublichste Situation, die man sich überhaupt vorstellen kann!
(es entsteht dabei das Foto in meiner derzeitigen Sig), aber ich poste es noch einmal, da die Sig sicher irgendwann einmal wechseln wird)

Meine Haare! Scheiße! / Und er lacht mich aus deswegen... /In voller Größe steht dieses Bild nun auf meinem Nachttisch!
(Jedoch, es kommt noch besser!)
Wenn der Blödmann nicht gleich aufhört zu lachen, trete ich ihm auf den Fuß, echt! Am besten, ein anderes Thema. Gute Idee, Doris, gute Idee! Das Fotoalbum, klar!
Ich bin versucht, ihn am Ärmel zu zupfen, unterlasse es dann aber und frage lapidar nach: „Hast du nun endlich das Fotoalbum bekommen?“
Er grinst nur noch (lacht nicht mehr laut, zum Glück!) und antwortet mit einer Stimme, die mich beinahe in die Knie gehen lässt: „Oh ja, ja, ich habe es. Ganz wunderbar, wirklich. Vielen, vielen Dank auch!“
Bei den letzten Dankesworten nimmt er meine Hand auf *aaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhh*, zieht diese ganz nah zu sich heran *aaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhh*, drückt sie wie wahnsinnig, drückt mich wie wahnsinnig und blinzelt mich ganz kurz an.
Er lässt mich und die Hand langsam los und sagt: „Ich muss wirklich los jetzt. See ya!“
Ich murmele etwas wie „Bye“, doch er ist rasend schnell verschwunden.
Das Gekreische, das nun unter uns allen losbricht, macht einen Höllenlärm, ich bin fast sicher, dass er das akustisch noch mitgekriegt haben muss.
Wir sabbern über die Fotos, die sogleich rumgereicht werden. Cunitia kommt, sie hat zusammen mit Witch den ganzen Auflauf nicht mitgekriegt (Mädels, geht nie wieder aufs Klo,
bevor ihr nicht den Star des Abends abgefangen habt!), wir verziehen uns wieder ins Theaterinnere, da der Regen sich verstärkt.
Ich brauche nun ein Glas Rotwein, sonst falle ich tot um!
Aufgeregt ergattern wir einen Tisch im Theaterrestaurant und stellen erstaunt fest, dass sich der gesamte Cast von „The Pain and the Itch“ hier unten versammelt hat. Alles sind sie da – bis auf MM!
Nach der Show - alle sind noch total aufgewühlt und Pictureking wird von allen Seiten hofiert, was er sich auch redlich verdient hat!
Als ich meine aufgewühlten Nerven ein wenig mit Rotwein betäubt habe, zücke ich Stift und Eintrittskarte, um den armen Peter Sullivan, der an der Bar ganz alleine wie ein Häufchen Elend hockt (hat wohl selbst gemerkt, dass er am Abend nicht so gut wie am Nachmittag gewesen ist, armes Hascherl!) um ein Autogramm anzugehen.
Der ist sehr, sehr nett und es entsteht auch mit ihm ein kurzer Dialog:
„Hallo Peter! Würdest du mir bitte ein Autogramm geben?“
Erstauntes Aufblicken von ihm (er trägt eine Basecap auf dem Kopf!), dann: „Oh ja. Klar doch.“
Ich halte ihm die Eintrittskarte zum Signieren unter die Nase: „Tolles Stück. Wir sind eine ganze Gruppe
(deute auf unseren Tisch) aus Deutschland, extra nach London geflogen, um es zu sehen.“
Der Gute muss ja nicht wissen, dass wir in erster Linie wegen MM und TS da sind! Im Prinzip habe ich
nicht gelogen!
Er sieht mich an, als wäre ich eine Märchengestalt, lächelt aber. Offensichtlich kann er nicht glauben, dass sich ein ganzer Haufen Weiber in ein Flugzeug setzt um dieses (und ein anderes, okay) Stück sich in London anzusehen.
Ich bedanke mich: „Vielen Dank, total nett von dir. Schönen Abend noch!“
Peter: „Gern geschehen, bye.“
Wir ratschen noch über die unglaublichen Tagesereignisse, aber Annemarie und ich müssen dann auch bald los, weil sonst unser Tagesticket (nach Mitternacht) verfällt. Wir nehmen (Tube Probleme, noch immer!) den 211 Bus vom Sloane Square nach Waterloo. Über Victoria Station, Westminster Abbey, Houses of Parliament, Westminster Bridge. Schön, noch einmal die erleuchteten Touri-Spots der Stadt zu sehen! Ach, es geht nichts über HoP und Big Ben bei Nacht!
Annie und ich sind zwar müde, aber voll Adrenalin gepumpt. Es war allzu aufregend.
In Waterloo müssen wir fast zwanzig Minuten auf unseren Zug nach Teddington warten. Nun erst verspüre ich ein wenig Hunger, und so finde ich mich plötzlich bei Burger King wieder, mit einem
Irgendwas in der Hand. Doch nachdem ich zweimal hinein gebissen habe, bin ich schon pappsatt. Meine Emotionen lassen einfach nicht zu, dass der Körper zu seinem Recht kommt. Ich kann nichts essen.
Wir kaufen noch Zeitungen, um die Reviews durchzusehen, und werden auf der Zugfahrt tatsächlich in den meisten Gazetten fündig, mit Bildern teilweise! Alles recht gute Kritiken soweit. Kaum etwas auszusetzen. Prima!
Wir können nicht zu Bett gehen, weil wir so aufgedreht sind. Wir verbringen die halbe Nacht am Computer und schwatzen. Um halb vier (halb fünf deutscher Zeit) sinke ich endlich ins Bett.
Fortsetzung folgt…