Werfe auch gleich mal den zweiten Teil dazu, dann muss ich mich mal um andere Dinge kümmern... (insgesamt ist der Bericht sechsteilig!)
Hier genannte Namen sind alles Boardnamen (außer einem) von anderen Boards!
Und alle MM-Fans, ab hier - festhalten bitte!!!!!!!!!!!!!!!!!
Zweiter Teil / Fortsetzung Freitag...
Annemarie und meine Wenigkeit hocken also im Vorstadtzug und rollen der Waterloo Station entgegen. Ein Zug früher hätte uns gut gestanden, dann wären wir sicher ganz pünktlich gekommen. Aber so wird es wohl auch nicht schlimm sein.
Das London Eye kommt in Sicht und damit auch die Endstation für uns. Wir steigen aus und gehen sofort weiter zur U-Bahn (= Tube, <hier>, was es eigentlich auch genauer trifft, denn verglichen mit unseren U-Bahnen in Berlin, Hamburg und auch Frankfurt, handelt es sich hier um wirklich sehr enge Tunnelröhren und um sehr kleine Bahnen, in denen man in der Rushour auch ohne entsprechende Veranlagung klaustrophobische Anfälle bekommt). Wir fahren mit der Northern Line drei Stationen, dann sind wir am Leicester Square. Direkt neben dem U-Bahn-Ausgang ist das Restaurant „Garfunkels“, wo Verity uns vor drei Wochen bereits einen großen Tisch bestellt hat.
Allerdings sitzt die Gute ganz allein dort und wartet schon sehnsüchtig auf die Gäste aus Deutschland (und natürlich Annemarie). Es ist zehn vor eins in London, als wir uns enthusiastisch begrüßen. Wie schön, ein weiteres Boardmitglied kennen zu lernen. Dann geraten wir ins Ratschen wie blöd, alles in Englisch, klar. Eine SMS kommt von Cuni, dass sie mit Keeper und Witch ein klein wenig später eintrudeln wird. Klein wenig später ist gut! Es ist schon einiges nach zwei, als der Tisch sich endlich füllt und der Magen hängt uns bereits in den Kniekehlen.
Nun fehlen nur noch Julie und ihr Schatz, dann sind wir komplett.
Trotzdem bestellen wir nun das Essen, sonst fallen wir womöglich noch vom Fleisch und das wäre gar nicht gut, da wir bestimmt in Kürze all unsere Kräfte benötigen werden. Wir sind wiederum am Schwatzen wie die Blöden (ich meine, Kunststück, wenn fünf Mädels aus diesem Board und eine von einem anderen zusammen kommen!), meistenteils in Englisch, aus Rücksicht auf Annemarie, da kommen Julie und ihr OH endlich herein! Nun sind wir sieben Damen mit einem Hahn im Korb. Er hält sich wacker (
zurück *grins*) und ist zu sehr Gentleman, um uns alle im Kollektiv für Ballaballa zu erklären.
Das Essen kommt, aber es wird deswegen kaum ruhiger am Tisch. Die Plappermäulchen gehen ständig, man hat sich ja soooooo viel zu erzählen.
Nach dem recht guten und nicht zu teuren Essen wird sich noch ein Cappuccino gegönnt, bevor die Gesellschaft sich in diverse Richtungen auflösen wird.
Ein Blick auf die Uhr verrät mit Schrecken, dass wir seit geschlagenen dreieinhalb Stunden dort gehockt und nicht gemerkt haben, wie die Zeit verging.
Julie und OH werden sich auf die Shakespeare Aufführung im Globe vorbereiten, die Damen vom Mittelrhein haben sich fest vorgenommen, das Donmar Warehouse nicht mehr aus den Augen zu lassen, Verity hat andere Termine und Annemarie und ich brechen schließlich Richtung Royal Court Theatre auf.
Dort kommen wir gegen zwanzig nach fünf an, nachdem wir vom Leicester Square zurück zum Embankment gefahren, dort von der Northern in die District Line umgestiegen sind und am Sloane Square wieder ans Tageslicht kommen. Fast unmittelbar neben dem Ausgang der Tube ist das Royal Court. Wir möchten uns eigentlich in das Cafe an der Ecke weiter Richtung Eaton Square setzen, aber dort ist alles proppevoll. Teatime! Das sagt alles…
Annemarie besorgt sich noch ein Ticket für die Matinee-Vorstellung morgen Nachmittag (für Abends hat sie bereits eine Karte), außerdem buchen wir uns in die geführte Tour durch das Theater für den kommenden Mittag 12 Uhr ein, da ja dort Tag der offenen Tür sein wird.
Ich bin ganz glücklich, dass auch das geklappt hat.
Wieder draußen, stellen wir uns einfach vor das Theater, es herrscht eine unglaubliche Rushour am Sloane Sqaure, Busse, Taxis, Autos, Fahrräder, Passanten, ein Gehupe, Gewusel und Gewimmel größten Ausmaßes.
Es geht langsam auf 18 Uhr zu. Es könnte ja sein, dass bald ein gewisser Herr erscheinen wird.
Ich bin schon arg nervös, muss ich zugeben. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie alles ablaufen wird, was auf mich zukommt und wie ich reagieren oder gar agieren soll. Ich habe auch irgendwie gar keine Lust, mich total offensichtlich vor den Eingang der Stage Door zu stellen, ich sage dies auch Annemarie, die mich fragt, ob wir uns in diese Richtung bewegen sollen.
Ich habe einfach nur das Gefühl, das wäre nicht der richtige Platz heute für mich, kann es jedoch nicht begründen. So sind wir von der Ecke des Theaters, wo der Eingang zur Stage Door hinführt durch die gesamte Front des Hauses (etwa 15 Meter) getrennt. Es herrscht auch auf den Eingangsstufen ein unglaublicher Andrang. Viele, viele Leute sind unterwegs. Freitagabend halt. Sehr viele kommen des Wegs mit Blumensträußen in der Hand, nicht fürs Theater, aber anscheinend ist es üblich, dass man Freitagabends z.B, seiner Frau oder Freundin einen Blumenstrauß mit nach Hause bringt. Finde ich ja sehr nett.
Es ist viertel nach sechs und noch immer keine Spur von MM. Komisch. Haben wir ihn verpasst? Das wäre ja ein Jammer. Oder war er gar schon im Theater, früher als üblich? Kann auch sein – wenn ihn der Regisseur noch mal sprechen will, z.B.
Langsam werde ich zappelig – das gibt es doch gar nicht, wo bleibt der nur?
Annemarie schaut beständig in eine andere Richtung, nur meine Augen sind auf den Ausgang der U-Bahn, bzw. den Weg zur Stage Door fixiert. Und noch immer Menschenmassen überall.
Mittlerweile 18.25 Uhr! Ich habe Horrorvisionen von einem MM der plötzlich krank geworden ist und in den nächsten drei Tagen nicht zur Vorstellung wird kommen können… ich stöhne innerlich betroffen auf!
Und ich habe diesen Gedanken kaum zu Ende gedacht, da reiße ich die Augen so weit auf, wie ich nur kann. Meine Kinnlade klappt herunter (Annie hat mir zum Glück meine Reaktionen deutlich beschrieben, weil ich natürlich nicht mehr weiß, was genau ich in diesen wenigen Sekunden getan habe), denn ER biegt gerade um die Ecke des Theaters!
Etwa 15 Meter und eine Horde von Menschen trennen mich von ihm. Dennoch ist dieser Moment etwas so Einzigartiges, ich kann es nicht beschreiben. Er hat den Kopf hoch erhoben, schaut über die ganze Menge hinweg, mit Brille auf der Nase. Und über all die vielen Leute hinweg, er könnte Gott weiß wohin schauen, blickt er mir direkt in die Augen!
Er sieht mich, ich sehe ihn, er sieht an meinen Reaktionen, dass ich bemerkt habe, dass er mich bemerkt hat (okay, okay, der Satz ist kompliziert zu verstehen, ich hoffe, es drückt einigermaßen aus, was ich eigentlich sagen will, meine Empfindungen können Worte leider nicht wiedergeben). Es sind sehr intensive, aber wahnsinnig kurze Sekunden. Der Augenkontakt über die Massen hinweg ist unbeschreiblich!
Mädels, haltet mich für total durchgeknallt, aber es hat sich in dem Moment etwas in meine Seele gebrannt. Etwas, was vermutlich nicht wiederholbar sein wird. Auch Annie sagt, selbst wenn ich ihm morgen wesentlich näher kommen würde, es wird nicht so sein wie heute.
Mir stehen die Tränen in den Augen, nein, mir rinnen die Tränen gerade aus den Augen!
Ich falle (natürlich) nicht in Ohnmacht, aber ich vergesse für ein paar Sekunden zu atmen. Es ist ein Augenblick, wo all der Verkehrslärm, all die Leute um uns herum (und dazwischen!) völlig in den Hintergrund treten. Auf dem so unglaublich lebhaften Sloane Square gibt es für wenige Sekunden nur MM und mich. Klingt egoistisch, soll es aber nicht sein. Wie gesagt, es ist halt unglaublich schwer, die Emotionen in Worte zu fassen.
Annie sagt mir, ich hätte ausgesehen, als wäre ich gerade friedlich entschlummert. Abgesehen von meinen riesigen Augen habe alles an mir plötzlich (nach der Anspannung des Wartens wohl) völlig entspannt, relaxt und friedlich gewirkt.
Meine Tränen wollen noch immer nicht versiegen, obwohl er nun schon lange meinem Blick entschwunden ist.
Ich brauche nun definitiv einen Drink. Annie und ich gehen ins Theater, nach unten ins Restaurant und ich muss mich an einem Glas Rotwein festhalten. Knapp 50 Meter weiter bereitet sich MM wohl gerade auf die Vorstellung vor. Allein der Gedanke versetzt mich nun wieder in Aufregung. So nah! Er ist so nah! Mein Gott!
Er hatte einen mintgrünen Pullover an, entweder war es ein Rundhals-Sweatshirt oder ein Cashmere-Pullover. Wobei es für den Pullover wahrscheinlich eher zu warm ist. Die Hosen habe ich nicht sehen können, die hohen Vorbauten der Front des Royal Court waren dazwischen. Die Haare waren anscheinend frisch gewaschen und wehten ein wenig im Wind. Die Brille randlos, wie wir sie auch schon von den Probenfotos her kennen.
Ich klammere mich an mein Rotweinglas. O Gott! Und dann – genau, apropos Gott – kommt mir endlich der richtige Ausdruck: Er sah GÖTTLICH aus. Nicht mehr und nicht weniger! Das trifft es am Genauesten.
Jedes Mal, wenn ich mich an den durchdringenden, fast fragenden, um nicht zu sagen neugierigen Blick von ihm erinnere, kommen mir wieder die Tränen. Er spielt nur wenige Meter weg von uns auf der Bühne, das Stück hat nun schon angefangen.
Wir warten noch bis zur Pause, dann brechen wir auf. Ich biege um die Ecke, gehe zur Stage Door, zücke das Fotoalbum und wechsele ein paar Worte mit dem Pförtner: „Hallo. Könnten Sie bitte dieses Geschenk an Mr. Macfadyen weiterleiten? Es ist sehr wichtig, dass er es bekommt. Vielen herzlichen Dank.“
Der Typ nimmt das Album an sich und nickt: „Selbstverständlich. Good-bye.“
Annie und ich treten beseelt den Heimweg an. Da wir am Embankment eigentlich (für nur noch eine weitere Station) die Linie wechseln müssten, schlage ich ihr spontan vor, doch hier ganz auszusteigen und nach oben zu gehen, um zu Fuß, über die Themse zur Waterloo Station zu laufen. Annie ist begeistert von meinem Vorschlag und so machen wir es dann auch.
Leichte Dämmerung ist über London hereingebrochen, wir verharren einige Minuten auf der Jubilee-Bridge. Auf einem der angelegten Boote unter uns ist eine Geschäftsparty im Gange. Die Damen und Herren in leichter Abendgarderobe trinken Schampus. Möchte nicht wissen, was das alles die Firma kosten wird.
Blick zur Waterloo Bridge / Hauptquartier des MI 6 (Arbeitgeber von "James Bond")
Ich fotografiere Richtung Waterloo Brigde, ein Anblick, bestens aus „Spooks“ bekannt. Hier auf der Brücke (wo ich mit Annie stehe) sind auch einige Szenen aus „Spooks“ gedreht worden. Mich überkommt wieder ein akuter Anfall von Matthewitis, wenn ich daran nur denke. Wir laufen weiter, rüber zur Royal Festival Hall, wo unten im Restaurant/Cafe eine weitere „Spooks“-Szene gefilmt wurde.
Hier unten saß Tom Quinn (MM in "Spooks") und hatte Krach mit seiner damaligen Freundin Vicky
Der Bahnhof Waterloo ist erreicht, erledigt fallen wir in den Zug nach Teddington. Eine halbe Stunde später sitzen wir bei Annie auf dem Sofa, trinken Tee, lassen noch einmal alles gedanklich und verbal an uns vorbeiziehen, denn an Schlaf ist über all der Aufregung noch nicht so schnell zu denken. Obwohl ich bereits seit mehr als 20 Stunden wach bin und auch Annie nur eine sehr kurze Nacht hatte.
Fortsetzung folgt...