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Aber dafür hab ich ein anderes Leckerlie aus dem Film-Tagebuch für euch:
Der Brief von Imogen Stubbs
Liebe Elinor, Robert und ich haben ein herrliches Wochenende mit dem Kronprinzen verbracht, in dessen Gegenwart ich mich, möchte ich behaupten, ganz wie zu Hause fühle und der Damen gegenüber ein wahrhaftiger Gentleman ist. Das ganze Wochenende über nannte er mich abwechselnd »prachtvoll« und »frivol«, und er machte sogar eine Bemerkung über meine berühmten Locken, indem er sich erkundigte, ob »sie alle gottgeschaffen seien« oder »weibliche Unterstützung« erforderten. Wie sehr wir gelacht haben!
Meine liebe Elinor, ich spüre, daß die Zeit gekommen ist, ein wenig über die Vergangenheit zu sprechen, aber bevor ich damit beginne, erzählen Sie mir zunächst: Wie geht es Ihrer geschätzten Familie? Ist die arme, blasse Marianne nun glücklich mit dem wunderbar fähigen, reifen Ehemann? Ich werde nie die bedauernswerte, weinerliche Melancholie (Oh, welch Vokabular man sich in »der Gesellschaft« aneignet) vergessen, die sich in den trillernden Klang ihrer Stimme einschlich, als jener erbärmliche Schurke ihr so unschuldiges, vertrauensvolles Wesen um eines materiellen Vorteils willen verließ. Nun, er muß mit seiner Scham leben. Wenigstens dafür können wir dankbar sein. Benimmt sich die liebe Margaret gut? Ich vermisse ihre kleinen boshaften Streiche und habe ihr völlig verziehen, daß sie mir einmal einen Käfer in die Suppe gelegt hat und dann so lachte, daß sie beinahe platzte, während ich ohnmächtig nach oben getragen wurde. Woher wusste sie nur, wie nahe ich daran war zu ersticken? Woher wußte sie nur, wie tief ich von dieser Erfahrung getroffen wurde? Woher wollte sie in jenem zarten Alter nur wissen, daß ich eines Tages in einer Position sein könnte, ihr finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen oder den Zutritt zu gehobener Gesellschaft zu eröffnen, und daß ich ein solches Verhalten nicht vergessen würde? Ich scherze natürlich – und zum Beweise füge ich ein Hutband bei, damit sie ihr liebes, schlichtes Gesicht hübscher mache.
Ist es Mrs. Jennings gelungen abzunehmen, und hat Ihre Mutter etwas zugenommen? Wenn doch nur ein Arzt Teile von einer Person abschneiden und einer anderen hinzufügen könnte, wie zufrieden wären wir dann! Was mich betrifft, hätte ich es am liebsten, wenn mein Gesicht in meinem Haar festgesteckt wäre, um die Falten daraus zu entfernen und sogar noch mehr mädchenhaften Liebreiz zu erhalten, als glücklicherweise immer noch dort zu finden ist. Robert sagt, ich sei wie eine hübsche Haustür, um die sich Rosen ranken (meine Locken, verstehen Sie). Er ist ein wirklicher Poet – und übertrifft diesen schrecklichen melancholischen Mann Cowper jederzeit, finden Sie nicht? Genug über moi.
Edward sah in meinen Augen ziemlich unglücklich aus, als wir Sie in den Arkaden antrafen. Und mir fiel auf, daß sein Haar rapide ergraut. Aber er ist eine gute Seele, sehr freundlich, und ich bin sicher, daß das Leben eines Landpfarrers seinen Geist nährt, wenn auch nicht seinem Körper. Unsere kleine Alphonse hielt Onkel Edward für »einen sso lieben Ssatz« (ihr Lispeln ist köstlich), »weil er sso lächelt wie Ssuki«. Ssuki (Suki) ist ihr kleiner Spaniel (Sspaniel), der tatsächlich Edward ähnelt – einschließlich der Haare auf seinen Ohren und dieser albernen Warze unter dem Kinn. Ist es nicht klug von ihr, die Ähnlichkeit zu bemerken?
Liebste Elinor, ich nehme doch an, daß Sie sich sehnlichst Kinder wünschen und in dieser Hinsicht vielleicht Probleme haben, Seien Sie unbesorgt. Sie können sich an meinen fünfen erfreuen (besonders an der kleinen Alphonse). Außerdem kann man, das ist meine ernsthafte Überzeugung, an einem Haushund oder einem Garten ebensoviel Freude empfinden. Haben Sie es mit Fenchel versucht? Dies soll die Fruchtbarkeit unterstützen, auch wenn Sie vielleicht zu alt sind, um die Wohltaten dieses besonderen Mittels erfahren zu können. Vielleicht wird Gott eingreifen – zumal ja Edward in solch häufigem Kontakt mit ihm steht!
Oh, ich muß Ihnen noch erzählen – gerade hat der Prinz seinen Kopf zur Tür hereingesteckt und mich zu einer mitternächtlichen Ausfahrt eingeladen. Ob ich annehmen soll? Wenn Sie doch nur hier wären, um mir einen Rat zu geben ... Ich bin ganz durcheinander. Soll ich meinen Pelz oder den Samtumhang tragen? Ich werde mir Ihre liebe Person vergegenwärtigen und bin sicher, daß mir so die richtige Entscheidung vor Augen schweben wird. Tatsächlich empfinde ich eine Art Heimkehr. Das ist äußerst seltsam. Vielleicht war ich in einem früheren Leben eine Person von königlichem Geblüt. Wie auch immer – es paßt vollkommen zu mir.
Nun aber zu unserem Gespräch. Ich empfinde geradezu Furcht – als ob ich einer Gouvernante oder einer zornigen Seemöwe, die mir die Augen auspicken will, mein Herz öffnete. Damit ist keineswegs ein Vergleich beabsichtigt – der Fehler liegt einzig in meiner Fantasie, die, wie Robert sagt, zu ausufernd ist, um für mich gut zu sein. Nein, nein – wären Sie ein Vogel, Elinor, so wären Sie eine nette, weise Eule, die auf ihrem Ast sitzt und brütet – wohingegen ich mich selbst mehr als eine Jenny Wren sehe. Was Edward betrifft, so ist er mit seinen lächerlich platten Füßen und seiner trompetenden großen Nase ein breitnasiges Schnabeltier. Wie geht es übrigens seiner Nebenhöhlenentzündung? Sie schien ihn bei weitem stärker zu beschäftigen, als ihm gut zu Gesicht gestanden hätte, aber es muß schrecklich sein, wenn man wie Sie (wie ich fürchte) in einer so feuchten häuslichen Umgebung lebt.
Als wir uns zum erstenmal begegneten, Elinor, vertraute ich Ihnen (die Sie wie eine Schwester für mich wurden) das Geheimnis meiner Verlobung mit Edward an und berichtete Ihnen von den unmöglichen Umständen, die diese Liaison begleiteten. Hätte ich zu jener Zeit Ihre Gefühle für ihn gekannt, wäre ich niemals zu einer solch taktlosen Kontaktaufnahme fähig gewesen. In der Tat weiß ich, daß Sie mir glauben werden, wenn ich Ihnen sage, daß solcherart mein Charakter ist: Ich hätte ihn sofort aufgegeben, wenn mir bekannt gewesen wäre, daß es Ihnen das Glück verschafft hätte, das Sie sehnlich wünschten. Ich muß Sie daher tadeln, weil Sie mir niemals Ihre wahren Gefühle anvertraut haben und mich eher anlügen denn mich als Ihre Vertraute behandeln wollten. Aber ich vergebe Ihnen – und füge dieses ziemlich beschmutzte Tüchlein bei, das, wie ich glaube, für Sie damals eine Quelle des Kummers war, als ich es in meiner Unschuld zufällig gebrauchte. Ich erhielt es von Edward in der dummen Leidenschaf einer Jugend, die nun mit dem Alter abgenutzt ist, genauso wie das Tuch.
Ich für meinen Teil fand in seinem Bruder den Mann, den ich suchte – und werde nie meine Entscheidung bereuen, meinem Edward das Schicksal zu bereiten, das er verdient. Geld hat mich nie interessiert – wie kann man etwas vermissen, das man nie kennengelernt hat? Auch wenn ich glaube, daß wir nicht arm sind, strebe ich nur nach einfachen Freuden und erwarte meinen Lohn dafür im Himmel. Edwards Mutter – nun, sie brauche ich nicht zu fürchten. Sie liebt mich wie die Tochter, die sie nie hatte, und hat eine große Schwäche für mein Gebäck. Wie ich liebt sie es, Geschenke einzupacken, und vielfältig sind die Stunden, die wir mit Einpacken und schulmädchenhaftem Geplauder gemeinsam verbringen.
Ich wünsche Ihnen also alles Glück, Elinor. Und seien Sie nie, nie unglücklich über Ihre Unehrlichkeit mir gegenüber, genausowenig wie über Ihr täuschendes Verhalten Edward gegenüber. Alles ist vergeben und vergessen – und die Liebe richtet jeden Schaden. Das schlimmste, das Ihnen wie auch Edward widerfahren könnte, wäre, wenn ein bedrücktes Gewissen Ihren natürlichen Charme trüben würde. Genießen Sie das Leben, das Ihnen beiden noch bleibt, unbeschwert von dem Getapse winziger Füße.
Mit herzlicher Zuneigung, Ihre Lucy
PS. Robert sendet beste Grüße an das, wie er es humorvoll nennt, »Sturmpfarrhaus« (wobei er sich natürlich auf die Tragödie bezieht, die die heftigen Stürme in Ihrem Obstgarten angerichtet haben).
PPS. Purpur ist eine hübsche Farbe für eine Haut wie die Ihre.
_________________ "There’s no one to touch Jane when you’re in a tight place. Gawd bless ’er, whoever she was." (Rudyard Kipling, The Janeites)
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