Also ich muss sagen, dass es doch ganz schön ungünstig ist, erst auf solch ein Board zu stoßen, wenn alle Verfilmungen (und natürlich auch die Bücher) schon bis ins Detail besprochen wurden. Leider kann ich es Euch dennoch nicht ersparen, meinen schwärmerischen Senf dazu abzugeben.
Habe ich jemals eine schönere Umsetzung eines Buches gesehen? Ich denke kaum! Ich kann gar nicht genug davon kriegen. Und als ich beim ersten Ansehen der DVD bei Folge 5 angelangt war, habe ich doch glatt nur noch ganz kleine Stückchen weitergesehen, einfach weil ich nicht wollte, dass es endete!!! Ist das nicht albern? Bis zu diesem Zeitpunkt dachte ich eigentlich, ich sei über das Teenageralter hinaus, aber mittlerweile bin ich mir da nicht mehr so sicher.
Was mag ich besonders? Über die wunderbare und sorgfältige Ausstattung verliere ich jetzt mal kein Wort, obwohl sie es wert wäre, sich länger darüber auszulassen. Es ist einfach alles so stimmig. Dazu dann noch diese wunderbare Musik. *schwärm*
Ich widme mich mal hauptsächlich den Schauspielern:
An Jennifer Ehle musste ich mich erst gewöhnen. Dabei weiß ich noch genau, wie ich aus dem 2005er Film rauskam (den hatte ich zuerst gesehen) und mich fragte, was nun an Keira Knightleys Darstellung so Besonderes dran sein sollte? Trotzdem war deren Darstellung scheinbar eindrucksvoll genug, dass ich mich bei Jennifer Ehle erst umgewöhnen musste. Grundsätzlich wirkt Jennifer Ehle aber britischer. Die Britinnen – zumindest die heutigen - sind nämlich keinesfalls so dürr wie KK. Außerdem muss ich Mr. Darcy völlig Recht geben

: sie hat unumstritten schöne, ausdrucksstarke Augen.
Colin Firth ist für mich
DER Mr. Darcy! Da gibt es kein Vertun. Ich bin immer wieder verwundert, wenn ich sehe, mit welch reduzierter Mimik Herr Firth derart viele Emotionen auszudrücken vermag. Das kann er in meinen Augen wie kaum ein anderer Schauspieler. (Ein wunderbares Beispiel hierfür ist selbstverständlich auch seine Rolle in "Das Mädchen mit dem Perlenohrring.").
Ich finde sein Mienenspiel unübertroffen. Welche Nuancen er zu vermitteln vermag lediglich mit Blicken und dem Zucken seines Mundes. Das ist für mich Schauspielkunst. Gefühle sichtbar zu machen, ohne sie mit Worten auszusprechen. Darf ein Schauspieler seine Gefühlslage in wortreichen Mono- oder Dialogen darlegen, muss das doch viel einfacher sein, als Gefühle lediglich mit der Mimik auszudrücken.
Duckface hin oder her. Für meinen Geschmack verkörpert Anna Chancellor Miss Bingley ganz hervorragend. Bemerkenswert gut finde ich auch ihre Intonation. Die ist mir positiv aufgefallen. Besonders schätze ich ihre Szene mit Colin Firth auf der Gesellschaft bei Familie Lucas (chapter 6), die ich wirklich toll geschauspielert finde.
David Bamber: Er ist einfach nur
köstlich!!! Das bekäme sicher nicht jeder hin, solch einen anbiedernden, schmierigen Charakter überzeugend zu spielen. Nichts gegen Tom Hollander. Der spielt seine Rolle gut, aber an Bamber reicht er bei weitem nicht heran. Das steht für mich außer Frage. Ob er ansonsten hauptsächlich Theater spielt? Ich bin nämlich lediglich auf einen Film mit ihm gestoßen: "Vier Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs" (Originaltitel: Neville's Island") von 1998. Das ist doch wirklich schade, dass er demnach einem größeren Publikum vorenthalten bleibt.
Begeistert bin ich auch von Barbara Leigh-Hunt. Sie spielt Lady de Bourgh in meinen Augen ganz großartig.
Was mich ja immer ganz furchtbar interessiert, ist, welche Schauspieler es als Besetzung noch in die engere Auswahl geschafft haben, letztendlich die Rolle aber nicht ergattern konnten.
Hat da jemand Kenntnisse zu?
Wird dazu vielleicht was in dem Buch von Sue Birtwistle erwähnt?
Eins muss ich aber doch mal loswerden: wird der Teichszene nicht zuviel Beachtung beigemessen? Ja, ich finde sie ganz nett und möchte sie keinesfalls missen, aber diese Hysterie, die sie ausgelöst hat, ist dann doch ein wenig übertrieben. Was hatte ich nicht vorab (bevor ich den Film sehen konnte) alles im Internet darüber gelesen. Unweigerlich stellte ich die wildesten Spekulationen an. Dabei sieht Mr. Darcys Hemd ja beinahe schon wieder trocken aus bei der Begegnung mit Elizabeth. Ich hatte es mir doch nasser und durchsichtiger ausgemalt.

Doch schon allein das Gesicht, das er macht, als er in diesem Aufzug auf seine Angebetete trifft, ist die Teichszene wert.
Ich mag aber lieber die Szene am Klavier auf Rosings, den ersten Heiratsantrag oder Begegnungen, wo Mr. Darcy Elizabeth mit den Augen verfolgt. Bei letzteren muss ich immer an das Lied "Every Breath You Take I'll Be Watching You" von The Police denken. Ja, er war der Heldin schon sehr früh verfallen, unser Mr. Darcy. Dass man seine Augen kaum abwenden kann, ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass man bis über beide Ohren verliebt ist.
Und das ist es, was ich an dieser Verfilmung so liebe: die aufkeimenden Gefühle Mr. Darcys für Elizabeth werden so wunderbar realistisch rübergebracht. Eben wie im richtigen Leben. Ich fühlte mich in meine Teenagerzeit zurückversetzt, als ich jemanden abpasste, um ihm einen Brief zu übergeben.
Jedenfalls ist P&P 1995 eine Verfilmung, die ich immer wieder ansehen könnte, ohne sie jemals leid zu werden. Sie müsste unbedingt mit auf die einsame Insel.
Schwärmerische

Grüße von
Amadea