Julia hat geschrieben:
Ich hab die DVD gleich zweimal(!) zum Geburtstag bekommen. ...
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Julia...
Deine Schenker scheinen ja ziemlich auf Zack zu sein? Gleich zweimal die brandneuen "Stolz und Vorurteil"-DVDs - wo Du doch Verfilmungen so grundsätzlich ablehnst?
Bruki
PS: Ich hab am Freitag als ich nach der Arbeit heimkam die DVD in meinem Posteingang gefunden und gleich den Nachmittag damit verbracht sie anzusehen... Doch ich musste feststellen, dass das unwohle Gefühl, welches mich bei der Kinovorstellung beschlich, mich auch bei der DVD nicht loslassen wollte... Irgendwie hab ich den Eindruck, es ginge bei dem Film nicht um Jane Austens Roman, sondern um eine romantische Liebesgeschichte, die teeniemäßig mit modernen Versatzstücken aufgemotzt wurde... Also, nichts gegen die Wirkung gesagt, die der Film auf das Publikum hat: Er ist gut gemacht und ansehnlich... Bestimmt auch mitreißend für junge Gemüter... Aber - wie Geburtstagskind Julia schon anmerkte - einige Personen wurden doch der Logik des Films (oder des Stars zuliebe) zuliebe etwas "unglaublich" gemacht... Das Buch ist nicht so...
Meiner bisherigen Erfahrung nach werden die Film-Handlungen immer dann ungenau, wenn die Drehbuchautoren an der inneren Logik Jane Austens herumzudoktern versuchen, sei es nun, um ihre eigene Ideologie zu verbreiten (wie Rozema es mit ihrem Männer-Bashing tat oder wie Emma Thompson es in ihrer feministischen Attitüde mit S&S versuchte) oder um die Filmhandlung "dramatischer" zu machen (wie die kleine Abweichung in Persuasion, wo der "dramatischen Steigerung" zuliebe eine "kleine" Konfrontation zwischen Anne, Wentworth und Lady Russell in die Handlung eingebaut wurde)... In dieser Beziehung gingen die Verfilmer hier bei diesem Film sehr viel weiter als ihre Vorgänger (mal abgesehen von Rozema, die sich wohl mit ihrer MP-Verfilmung auf den weitestgehend ereichbaren Abstand zu Jane Austen manövrierte)...
Ich denke, dass es bei diesem Film (im Vergleich zu der P&P-Verfilmung von 1995) so ähnlich ist, wie mit der Tom Jones-Verfilmung von Richardson, der ja auch einen dem Zeitgeist der 60ger Jahre entsprechenden mitreißenden Film drehte, dabei aber wohl etwas die Vorlage aus den Augen verlor... Nichtsdestotrotz wurde ich genau durch diese Verfilmung zu einen Fan der britischen Romankunst - und Jane Austens ... Dagegen hat die neuere BBC-Serien eine werksgetreue Verfilmung abgeliefert (und mir gerade durch die sehr detailgenaue und der Vorlage kommentierende Sicht auch neue Einsichten in die Akteure und die inneren Zusammenhänge des Fieldingsschen Werkes eröffnet)...
So gesehen ist zu hoffen, dass auch diese Variante der Verfilmung eines Jane Austen Romans ihre "Proselyten machen" wird... Woran ich natürlich nicht zweifele...