Gestern Abend habe ich mir mit meiner Familie die neue Verfilmung von "Persuasion" angesehen und bin sehr beeindruckt.
(Ich muss hinzu sagen, dass ich die P&P95 vor so langer Zeit gesehen habe, dass ich keinen direkten Vergleich hatte und ihn daher auch nicht anstellte. Was ich auch nicht wollte --- wozu immer dieses "Das war besser, das war schlechter als bei der anderen Verfilmung..."? Ich beurteile den Film ganz eigenständig. Ich weiß nur, dass mir die Schauspieler-Besetzung in diesem Film wesentlich mehr zusagt, und, wie bereits vorangekündigt, mehr meinen Vorstellungen der Roman-Figuren entspricht. Soviel soll gesagt sein.)
Diese Verfilmung hielt sich (bis vielleicht auf den Schluss) sehr eng an den Roman. Ich fand die ernste, ein wenig melancholische und herbstliche Stimmung des Romans wunderbar eingefangen. Man merkt auch beim Film, dass Persuasion Jane Austens letztes und sehr ausgereiftes Werk ist.
Sally Hawkins fand ich in der Rolle der Anne Elliot umwerfend gut. Sie hat Anne wahnsinnig gut verkörpert und sehr eindringlich gespielt. Als Zuschauer leidet man unwillkürlich mit ihr und kann sehr gut nachfühlen, wie sie sich den ganzen Film über zwischen Hoffen und Bangen bewegt. Beeindruckende Leistung!
Rupert Penry-Jones fand ich als Wentworth ebenfalls sehr gut besetzt. Er hat genau diese ruhige, ernste Art, die ihn im Roman so besonders macht, verkörpert. Außerdem war es wirklich nachvollziehbar, dass alle Damen so hinter ihm her waren.
Schön auch, wie ab dem Treffen im Regen in Bath (dieses schöööne Gespräch, wo so richtig die Spannung aufgebaut wurde, und dann AUSGERECHNET Mr Eliot reinplatzen muss!) Rupert Penry-Jones zwischen Hoffen und Bangen hängt, und quasi der Spieß gerade umgedreht wird. (Hach, Jane Austen ist einfach genial!!)
Zwischen den beiden hat's die ganze Zeit gefunkt, obwohl beide sich die ganze Zeit Mühe gaben, es zu verbergen.

Und der Kuss! *seufz* Mir sind am Ende fast die Tränen gekommen, so sehr habe ich die ganze Zeit mit Anne mitfiebern müssen... Ganz genauso wie im Buch, wo es mir bei Wentworths Brief am Schluss auch immer so geht...
Das Rennen am Schluss fand ich gar nicht so übel, wie ihr alle.

Im Gegenteil! Anne wurde, nach ihrer ja eher passiven Rolle, die sie (auch im Buch) gezwungen ist zu "spielen", plötzlich aktiv. Sie hat so lange darauf gewartet, gar nicht mehr zu hoffen gewagt, dass er sie noch liebt, sie will Wentworth nicht schon wieder verlieren, und lässt dabei alle Schicklichkeitsregeln neben sich. Sie rennt in ihrer Verzweiflung und Freude, rennt, was es auch kostet --- und außer Wentworth existiert nichts mehr für sie. ... Nicht ganz Jane Austen --- das ist wahr --- aber es hat trotzdem seinen Reiz, wie ich finde.
Was ich jedoch nicht sehr geschickt fand, war, das Gespräch zwischen Wentworth und Harville einzubauen, in dem Wentworth erzählt, dass er Anne noch immer liebt. Auch wenn das Gespräch natürlich einfach nur zum Dahinschmelzen war ("She is perfection..."), hat es irgendwie ein wenig die Spannung genommen, die im Buch gegeben ist, da der gesamte Roman aus Annes Sicht geschrieben ist. (Das ist in etwa so, als ob man bei einem guten Krimi kurz vor der Auflösung den Mörder verraten würde...

)
Ich war 90 Minuten lang gefesselt und (nicht nur ich, sondern auch meine Eltern) sehr beeindruckt. Dieser Film lässt einen nachbleibenden Eindruck zurück!
